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91t, 243 Erstes Blatt. Donnerstag bett 15 Oktober 1S9G
f i^tntr A«tei«er «scheint täglich, ntt Lu-nahme de» MontagS.
Die Gießener ZimtkieuVtLIler letlm dem Anzeiger ikchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeig er
Kenerat-Mnzeiger.
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Amtlicher Theil.
vekanntmachung,
betreffend: die Maul« und Klauenseuche.
Zu Ober.Eschbach, Kreis Friedberg, ist die Maul- mb Klauenseuche auSgcbrochen und dieserhalb Grhöstsperre hrsiigt worden.
Gießen, den 13. October 1896.
GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
ittciffenb: Feldbereinigung in der Gemarkung Ringels-
Hansen, Kreis Gießen.
Nachdem sich mehr als ein Fünftheil der betheiligten «nmdeigenthümer in der Gemarkung Ningelshausen, eeläe mehr als die Hälfte der betheiligten Fläche besitzen, ml abschriftlich für die Einleitung des Verfahrens der Feld» Bereinigung der Gemarkung Ringelshausen erklärt haben, Md nachdem innerhalb der gesetzlichen Frist keine Einwend. mg!-n gegen die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit dieses ßlgl'bniffes erhoben worden sind, hat die Großherzogliche Obere landwirthschaftliche Behörde den Beginn der Feld- krsmigungsarbeiten angeordnet.
Indem ich dies zur öffentlichen Kenntniß bringe, lade Ih z,leichzeitig fämmtliche betheiligten Grundbesitzer zu der ii Gemäßheit des Art. 16 des Gesetzes vom 28. September 18817, Samstag dem 24. Oktober l. I., Bor- mittags 11 Uhr, zu Ringelshausen stattfindenden Beoammlung ein. Diese Versammlung hat:
1. zu bestimmen, wie die Bereinigungskosten aufgebracht werden sollen, ob durch Ausschlag auf den Flächengehalt, oder den Abschätzungswerth der Grundstücke, ober durch Bildung und Verkauf von Massegrund - stücken, sowie ferner ob die Beiträge nach Bedürfniß erhoben, oder ob die Kosten durch Capitalaufnahme aufgebracht werden sollen.
2. Die zur Vollzugrcommission zu berufenden Sach- verständigen und deren Stellvertreter, sowie ein Mit« glied des Schiedsgerichts und dessen Stellvertreter zu wählen.
Außerdem können Wünsche und Anträge seitens der -Heiligten vorgebracht und berathen werden.
In dieser Versammlung hat ein jeder anwesende be- billigte Grundeigenthümer eine Stimme; die Beschlüsse er- jorbern zu ihrer Gültigkeit eine Mehrheit von Zweidritttheilen kr Anwesenden und sind unter dieser Voraussetzung auch fir die nicht erschienenen Betheiligten verbindlich. .
Kommen gültige Beschlüsse nicht zu Stande, so hat |i I. die Vollzugscommission die erforderlichen Beschlüsse zu fiifeit, zu 2. die Großherzogliche Obere landwirthschaftliche -Hörde die Sachverständigen und Schiedsrichter zu ernennen.
Friedberg, den 6. October 1896.
Der Bereinigungscommissär:
889'6 Dr. Göttelmann, Kreisamtmann.
Wolff» telegraphisches Lorrespoudesz-Burea».
Berlin, 13 October. Die „Post" meldet: General -riitmbkow-Pascha und der htefige türkische B ot- -stafter werden morgen Nachmittag im Neuen PalaiS vom kiler empfangen werden.
Berlin, 13. October. Der „Reichsanzeiger" meldet: -iheimrath Professor Reuleaux wurde der Rothe Adler- «di» zweiter Klasse mit Eichenlaub verliehen.
Straßburg, 13. October. Mehr als 200 Schüler Itli hiesigen bischöflichen Gymnasiums sind ,Erankt. Die Krankheit, deren Ursache bis jetzt unbekannt H, äußert sich in starkem Durchfall mit Kopfschmerzen ohne ichuechen. Die Direction bestreitet entschieden, daß Cholera Ultras vorliege. DaS Gymnasium wurde auf acht Tage Massen.
Pariß, 13. October. Die radikalen Blätter verlangen lii Veröffentlichung des russisch - frauzösisch en Der« iiaiges. Mtlleraud kündigt an, die Socialtsten würden über lii russisch-französischen Vertrag Aufklärung verlangen, die itMegierung nicht verweigern könne. Auf Befragen erklärte Meraud, er glaube nicht, daß der Kaiser von Rußland ge« liMncn sei, um Frankreich beim Wtedererwerb von Elsaß- ßWtngen zu Helsen. Vielleicht aber sei die Verwirklichung hletf Traumes dennoch eine der feruliegenden nuvorher- Mseneu Folgen dieses Besuches.
Tanger, 13. Oc oder. Bureau R.uiei. Der s.ühcre Vezir Djamai, der wegen Verschwörung zu Gunsten Muley Muhammeds in Tetuan sich im Gesängniß brfindet, wurde tobt in der Zelle auf gesund en. Die blutbefleckten Kleider deuten auf einen gewaltsamen Tod hin.
Depeschen M Bnreen .Herold*
Darmstadt, 13. October. DaS Zarenpaar besuchte heute Nachmittag die Prinzessin Victoria (Prinzessin Ludwig von Battenberg) auf Schloß Heiligenberg bet Jugenheim, wohin sich dasselbe mit den übrigen Herrschaften in offenem Wagen begeben hat.
Berlin, 13. October. Ein Specialberichterstatter des „Bert. Local'Anz." hatte in Darmstadt eine Unterredung mit dem General-Adjutanten deS Zaren, General von Richter, in welcher letzterer daS Resultat des Besuchs des Kaisers Nicolaus in Frankreich als ein eminent friedliches bezeichnete. Auf die Frage, welchen Eindruck auf Herrn v. Richter die französische Armee bet der Revue in Chalonö gemacht habe, bemerkte dieser: einen außerordentlich günstigen. Die Truppen erschienen tadellos, der Anzug, die Ausrüstung war vorzüglich, daS Marschiren gut. Nur die Einzelausbildung deS Reiters ließe noch zu wünschen übrig. Im wetteren Verlauf deS Interview erwähnte der Bericht- erstatten die Nachricht von einer zweiten Begegnung zwischen dem Zaren und Kaiser Wilhelm, worauf General v. Richter erwiderte, er glaube nicht, daß eine nochmalige Zusammenkunft der beiden Kaiser statlfinden werde. ES liege dazu auch gar keine Veranlassung vor.
Berlin, 13. October. Wie die „Deutsche TageSzeitg." erfährt, hat der Juftizmintster eine Verfügung erlassen, daß bei Strafvollstreckungen nicht nur die Interessen der Arbeitnehmer, sondern auch die der Arbeitgeber und Dienstherren möglichst gewahrt werden sollen, so beispielsweise durch Rücksichtnahme auf die Erntezeit.
Wiesbaden, 13. October. Kaiser Wilhelm hat den ihm vom hiesigen Krieger- und Militär-Verein zugedachten Fackelzug abgelehnt, da er den privaten Character semeö Wiesbadener Besuchs gewahrt wissen wolle.
Homburg v. b. H„ 13. October. Es steht nunmehr fest, daß daS russische Kaiserpaar der Grundsteinlegung der russischen Kirche Hierselbst beiwohnen wird. Der Termin ist indeß noch nicht festgesetzt. Der russische Staats« rath von Prow^roff, dem das Hauptverdienst um das Zusammenkommen der Mittel für die russische Kirche zuzu schreiben ist, ist gestern Abend hier eingetroffen, und hat sich heute Nachmittag nach Darmstadt begeben, um vom Zaren Näheres über den Tag zu hören, an welchem daS Zarenpaar nach Homburg zu kommen gedenkt.
Halle a. S., 12. October. Gestern ist hierfelbft der Parteitag der deutsch - socialen Reformpartei eröffnet worden und zwar durch den Abg. Zimmermann mit einem Hoch auf den Kaiser und einer kurzen Begrüßungsansprache. Ueber 200 Delegirte wohnten der ersten Sitzung bei, in welcher der Berichterstatter Dr. Giese den Bericht über die Organisation-- und AgitatiovSarbeit erstattete. Professor Förster besprach die Verhältnisse in dem Agita- tionSgebiet der früheren Vereinigung für Norddeuischland. Hierauf wurden Anträge debattirt und schließlich die Berichte über die Thätigkelt der ReichStagSfraction und der Landtags abgeordneten entgegengeoommen. Um 7*/2 Uhr Abends wurden die Verhandlungen auf heute vertagt.
Gotha, 13. October. Socialiftischer Parteitag. VormittagSfitzung. Als Gäste des Parteitages find ein- getroffen: Schumeier-Wien und Vliegen aus Holland. In der DiScusfion über die Presse nimmt die „Neue Well" einen breiten Raum ein. Die Abgg. Frohme und Molkenbuhr richten Angriffe gegen das Blatt, während Steiger, Schönlank und Schreck dasselbe vertheidigen. Auch die Redac- tiovSfuhrung im „Vorwärts" wird einer sehr ausführlichen Kritik unterzogen. Stadthagen und Antrick-Berlin treten gegen Liebknecht als Chefredacieur auf und werfen ihm vor, er brauche zu viel Beihilfe in der Leitung des Blattes. Stadthagen erklärt alsdann, die Haltung des „Vorwärts" in Sachen Quarck fei gerechtfertigt gewesen, bedauert aber lebhaft die Erklärung der Redaction gegen Liebknecht. Dieser ergreift nun das Wort zu einer eingehenden VertheidigungS- rede. Die Agitation im Interesse der Partei verhindere ihn, als Chefredacteur im gewöhnlichen Sinne thätig zu sein. Ein Hauptfehler liege auch darin, daß der „Vorwärts" zugleich Localblatt fei. Als Centralblatt könnte er bei Streitigkeiten nicht maßgebendes Orakel sein.
Gothi, 13. October. Socialdemokratisch er Parteitag. NachmittagSfitzung. Die DiScusfion Über die Presse wird zu Ende geführt. Die Angriffe gegen Liebknecht
I >nb die Affairc Qucuck werden drs Näheren erörtert. Gegen Qucuck ergreifen Bebel und Auer da? Wort, und letzterer erklärt, daß er der Verfasser deS BorwärtSartikelS fei. Abgeordneter Schmidt- Magdeburg richtet feine Angriffe gegen den Chefredacteur und Abgeordneten Liebknecht, von dem er wünsche, daß er sich auf sein Altrntheil zurückziehen solle, da er in keiner Weise feinen Platz als Chefredacteur und Abgeordneter ausfülle. Auch die Abgg. Bebel und Auer radeln die Thätigkeit Liebknechts als Chefredacteur. Der Abg. Liebknech t vertheidigt sich gegen die vorgedrochten Klagen sichtlich bewegt und erklärt, er würde gerne einem Anderen Platz? machen. Die Rede machte großen Eindruck auf die Anwesenden. — Die Anträge gegen die „Neue Welt" werden sämmtlich zurückgezogen. Schließlich ging der Parteitag zur Behandlung der Kassenverhältnisse der Partei über.
Stuttgart, 12. October. Nach amtlicher Bekanntmachung findet die Reichstagswahl im 17. Wahlkreise am 17. November statt.
Ulm, 12. Ociober. Der Parteitag der deutschen Volkspartei bestimmte Mannheim zum Ort der nächstjährigen Versammlung. Der Antrag Sonnemann auf Errichtung von Arbeitslosenversicherungen aus kommunaler Grundlage wurde an eine Commission verwiesen. Outdde sprach übet Paiteilitteratur- außerdem wurde eine Gedenkfeier für 1848 beschlossen.
Hamburg, 12. October. Der frühere Expedient bi» „Hamb. FremdenblatteS", Namens Meyer, hat sich heute nach Unterschlagungen in Höhe von über 150,000 Mark erschossen.
Rom, 13. October. Nach Meldungen aus Eritrea verschlechtert sich die Situation daselbst bedenklich. Der Feind macht sich an der Grenze wieder unangenehm bemerkbar, sodaß täglich Streifzüge statlfinden. General Baldis- sera verlangt Truppen-V-rstinkungen, auch bezeichnet er die Meldungen über die Freigabe der Gefangenen als verfrüht.
Rom, 13. Ociober. Der „Popolo" hält trotz aller Dementis die Nachricht aufrecht, daß der Zar der Hochzeit des Kronprinzen beiwohnen wird. Die Prinzessin Mathilde Bonaparte habe diese Nachricht mit großer Bestimmt- heit einem ihr befreundeten Cavalier mitgetheilt.
Rom, 13. October. Einige Blätter stellen fest, daß die Reise des Zaren den Beweis liefere, daß Italien als eine Nation zweiten Runges betrachtet werde.
Brüssel, 13. October. Der Kammerpräsident Beernaerd hatte gestern eine einstündige Audienz bei König Leopold über die neue Militär-Vorlage, welche der KriegSminister einbringen soll.
Pariß, 13. Ociober. Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Paris telegraphiere an feine Regierung in Washington, daß der Fenier Tynan, dessen AuSlieferungS- antrag im StaatSrath zur Berathung steht, nicht aus- geliefert werden wird.
Paris, 13. October. Der focialistische Gemeinderath von Roanne, welcher den russischen Festlichkeiten fern geblieben war, hat nunmehr von der republicanischen Minorität ein Schreiben erhalten, in welchem dieselbe anzeigt, daß sie künftig in keiner Sitzung mehr erscheinen werde.
Paris, 13. Ociober. Aus Petersburg wird gemeldet, daß der Zar durch das Hofmarschallamt einen der ersten Künstler mit der Anfertigung des goldenen Kranze- für Carnot beauftragt habe. Der Kranz, welcher einen Durchmesser von einem Meter erhalten wird, soll am 1. November, dem Todestage Alexander- HL, am Sarge CarnotS ntedergelegt werden.
Paris, 12. October. Der Marineminister hat dem Admiral BuvaiS Befehl gegeben, zwei Kriegsschiffe bereit zu halten, welche wegen des Zwischenfalle- nach der marokkanischen Küste morgen abgehen sollen.
Loudon, 13. October. Der Eingeborenenausstand in Transvaal dehnt sich weiter auS. Sechstausend AuS« ständ.sche versuchen die Arbeiter mit Gewalt einzuschüchtern. Militär wird zusammengezogen. Die weißen Bediensteten sollen angeblich den Strike unterstützen, well sie fürchten, ihr Lohn würde herabgesetzt werden.
Konstantinopel, 12. October. Die Torpedo - Ab - theilung der russischen freiwilligen Schwarzen-Meer-Flotte ist im Bo-poruS eingetroffen, um im Verein mit der türkischen Torpedoflotttlle den Bosporus durch Legung von Minentorpedos gegen eine Invasion zu schützen.
Berlin, 14. October. Geheimerath Schischkin machte gestern nach der Rückkehr aus dem neuen Palais dem Reichskanzler einen Besuch und fuhr darauf bei dem StaatSsecretär Frelherrn v. Marschall vor, bei dem er sich längere Zett aufhielt. DaS Souper in der russischen Botschaft wurde im


