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15.4.1896 Erstes Blatt
 
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m 88 Erstes Blatt. Mittwoch den 15. April 1S96

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Die Fortsetzung der Reichstagssession.

Der Reichstag nimmt am Donnerstag seine durch bl( Osterferien unterbrochenen Arbeiten wieder auf, womit dec letzte Abschnitt der am 3. December 1895 eröffneten kesfioa anhebt, denn daran ist nicht zu denken, daß die Ntichsboten noch über Pfingsten hinaus zusammenzuhalten wären. Die nachösterltche Thätigkcit deS Reichstages wird < st die eigentlichen Entscheidungen in den schwebenden ver« schSecenen gesetzgebrrtschen Fragen bringen, da von fämmt» Itchen Retchsragsvorlagen biß jetzt nur der Etat definitiv zu & ante gekommen ist. Aber schon jetzt darf eS als gewiß gelten, daß nicht alle den Reichstag beschäftigenden Gesetz­en! würfe zur Verabschiedung gelangen werden, hierzu würden bi« ihm noch zur Verfügung stehenden fünf Arbeitswochen bitrdjauß nicht genügen. Vor Allem unterliegt eS keinem Kweifel mehr, daß gerade das bet Weitem hervorragendste Ikit der jetzigen Sitzungsperiode des Reichsparlaments, der Entwurf des Bürgeritchen Gesetzbuches, nicht zum Abschluß kommt. Die betreffende Commtjfion steckt noch tief in der ersten Lesung, zur zweiten Lesung kommt sie sicherlich nicht vac Beginn deS nächsten Monats, die dann noch vorhandene Zeiir würde aber natürlich nicht tm Entferntesten zur Fertig­stellung dieser Riesenvorlage im Plenum auSretchen. Sollen niri die bisherigen CommissionSarbeiten am Entwürfe deS ärgerlichen Gesetzbuches nicht verloren sein, so muß ent« Wider der Commission daS Mandat bet einem wirklichen tzchluffe des Reichstages verlängert, oder aber es darf der RiiichStag nicht förmlich geschloffen, sondern nur vertagt werben. Welcher der genannten beiden Auswege schließlich gewählt werden wird, dies ist einftroellen noch ungewiß, hosfsentlich ersäh7t aber bann daS große Reformwerk im naftften Herbste seine kräftige Weiterförderung und baldige Vlvendung.

Bon anderen BerathungSstoffen des Reichstages, die vet muthlich nicht mehr zur völligen Aufarbeitung gelangen »eiben, ist die Vorlage Uber die Errichtung von Handwerker- karnmern zu nennen. Die zu ihrer Vorderathung gewählte Lornmission hatte sich gleich nach der ersten Sitzung vertagt, u« den Eingang des angekündtgten Gesetzentwurfes über die Oi ganilation deS Handwerks abzuwarten. Diese Vorlage wirb jedoch, wie nunmehr feftsteht, dem Reichstage in seinem saHösterlichen Sessionsabschnitte nicht zugehen, eS dürfte htnnad) daS Handwerkerkammern - Gesetz einstilles Be« zriibniß" in der Commisfion finden. Wahrscheinlich wird srrmer die Zuckerftener-Vorlage unter den Tisch fallen, sie »iVB erst noch - die zweite AuSschußberathung pasfiren, ihre Erledigung im Plenum bleibt darum noch fraglich.

Die übrigen gesetzgeberischen Materien könnte der ZieuchStag bei weiser Beschränkung in den Debatten allerdings woBjl alle durcharbeiten, nun, vielleicht hat die österliche Ruhe- pn>se bet unseren Reichsboten den zu hoffenden Beschluß zcreift, mtt den noch schwebenden Sachen möglichst reinen risch zu machen. Nur noch der dritten Lesung harrt die Soiöelle zur Gewerbeordnung, während zunächst in der tzpecialberathung durchzunehmen sind die Novellen zum LiithschaftSgenoffenschaftSgesetz und zu den Juftizgesetzen, die Seüetzentwürfe über die Börienreform und den unlauteren Tettbewerb, sowie die neue Margarine-Vorlage.

DaS den Reichstag tm letzten Abschnitte seiner Session limartende Arbeitsmaterial ist also noch immer ein ziemlich mchlicheß, seine Ausarbeitung, soweit dies bet den einzelnen yerathungsstoffen überhaupt möglich erscheint, bis Pfingsten nxb daher ein beträchtliches Maß von Fleiß und ArbeitS- steudigkeit seitens der Volksvertretung der Nation ersordern. Ebenfalls darf man erwarten, daß wenigstens die wichtigen storlagen Über die Börsenreforw, Über die Bekämpfung des inlmuteren Wettbewerbs und Über die vorgeschlagenen Re- sicmen in unserem Juftizwesen endlich zu Stande kommen, iteitso ist die Fertigstellung der Novelle zum WtrthschaftS- pnoffenschaftSgesetz entschieden zu wünschen- Was dagegen He neue Margarine-Vorlage und die Novelle zur Gewerbe- nd irung anbelangt, so weisen beide Entwürfe in ihrer äugen« Mtichen Gestalt noch verschiedene nicht unbedenkliche Be- ptonmungen auf, deren Abänderung vor endgiltiger Verab« Itbtbung dieser Vorlagen recht wünschenSwerth erscheint.

Deutsche- Reich.

Darmstadt, 13. April. Der Großherzog und die ßr oßherzogtn werden sich am 16. Mat über Berlin nach Nwskau begeben, um den dorr stattfindenden KrönungS« sei.erlichketten beizuwohnen. Für die Reise der Herr­schten dorthin, und die Festlichkeiten daselbst, ist folgendes sioogramm festgestellt worden: 16. Mai: Reise von Darm­

stadt nach Berlin. 17. : Ankunst iu Warschau. 18. : An- kunst deS CzarS und seiner Gemahlin im PetrowSky Palais bei Moskau. Ankunft deS Großh. Paares Abends 8 Uhr 45 Min. im Kreml in Moskau. 19. und 20. : Bestimmung noch Vorbehalten. 21.: Feierlicher Einzug der Majestäten in Moskau in den Krem!. 22.: Empfang der außerordent­lichen Gesandten. 23.: Empfang wie am 22. Proclamation der Krönung. Vorbereitung der Majestäten zur heiligen Communion. 24.: Wie 22. und verschiedene Regimentsfeste der Garbe und der Armee. 25.: Wie 22. und UeberfÜhrung der Kroninsignien. 26.: Krönungs-Feierlichkeit. Illumina­tion. 27. : Gratulation im Kreml. Galatafel für die Geist lichkeit und die Würdenträger der Krone 1. und 2. Klaffe. Illumination. 28.: Gratulation im Kreml. Illumination. 29.: Gratulation im Kreml. UeberfÜhrung der Kioninfig- nie». Galavorstellung im Theater. 30.: Volksfest und Bewirthung der Kreisbeamten im Palais PetrowSky. Ball bet dem französischen Botschafter. 31.: Bankett für die Deputationen. Ball bet dem österreichischen Botschafter. 1. Juni: Messe im Kloster Tschoudov. Ball bei dem General- Gouverneur von Moskau. 2. : Verschiedene RegimcntSfeste bei der Garde und der Armee. Ball bei der Adelkgesell- schaft. 3.: Besuch deS Klosters St. Sergius. 4.: Ball im Kreml. 5.: Musikalische Soiröe bet dem deutschen Bot- schaster. 6.: Festbankett für daS diplomatische CorpS.

Berlin, 13. April. Die verschiedentlich an die an­gekündigte Rückreise deS Togoforschers Dr. Gruner aus Afrika angeknüpfte Besorgniß, cS könnten die deutschen In­teressen im Hinterlande von Togo vielleicht nicht genügend gewahrt fein, wird in einer halbamtlichen Berliner Meldung als ungerechtfertigt bezeichnet. Dieselbe weift auf dir schon früher im Htnterlande von Togo deutscherseits mit den dortigen Eingeborenen-Häuptlingen abgeschloffenen Verträge hin, welche von der Reichsregierung auch bet den franzöfisch englischen Verhandlungen über die Abgrenzung der Interessensphären tm Ntgergebict genügend geltend gemacht worden seien. Ferner wird an die im vorigen Spätherbst nach dem Hinter­land von Togo zur practischen Wahrnehmung der dortigen deutschen Jnterrffen entsandten Expeditionen der Herren v. Carnap und v. Seefried erinnert. Schließlich versichert die erwähnte Meldung, die Rückkehr Dr. Gruners aus Togo habe keinen anderen Grund als den Ablauf seines Urlaubes, er werde nunmehr seinen früheren Posten auf Station Misa« höhe wieder einnehmen.

Norrefte

Wolffs telegraphisches Torrespondenr-BureLu.

Berlin, 13. April. DerReichsanzeiger" meldet: DaS Reichsbank-Directorium gibt bekannt, daß in nächster Zeit ReichSbanknoten zu 1000 Mk. und zu 100 Mk., datirr vom 10. April 1896, zur Ausgabe gelangen. Dem RetchSanzeiger" zufolge bestätigte der König den Landrath v. Manteuffel als Landesdireetor von Branden­burg auf 12 Jahre und ertheitte ihm die nachgesuchte Ent« laffung aus dem unmittelbaren Staatsdienst.

Wien, 13. April. Erzherzogin Maria Josefa, die dem deutschen Kaiserpaare in Vertretung der Kaiserin von Oesterreich die HonneurS machen wird, ist aus Oedenburg hier eingetroffen. Mittwoch Nachmittag 2 Uhr findet in der deutschen Botschaft ein großes militärisches Frühmahl statt.

Wien, 13. April. DaS deutsche Katserpaar wird morgen Mittag in der deutschen Botschaft frühstücken. Reichs« kanzler Fürst Hohenlohe, LegattonSrath von Lichnowsky und der Militärattache von HülsemHäseler frühstückten heute beim Minister deS Aeußern, Grafen GoluchowSki. Die Trauung der Nichte des deutschen Reichskanzlers findet am Mittwoch tm engsten Familienkreise statt.

Rom, 13. April. Depeschen auS Mass au a bestätigen den gänzlichen Rückzug der Derwische vor Kassala, der sich in völliger Unordnung vollzog. Oberst Stevani ließ die Befestigungen der Derwische bei Tukruf und Gulufit in Brand stecken. NeguS Menelik steht in Antalo. Während seines Rückzuges brachten die SebelS dem schoanischen Heere starke Verluste bei. General Baldiffera zieht beträchtliche Streit­kräfte zusammen.

Rom, 13. April. Der Papst empfing heute den preußischen Gesandten von Bülow und deffen Sohn.

Venedig, 13. April. Der König und die Königin von Italien nebst dem Prinzen von Neapel begaben sich heute Mittag 1 Uhr auf eine Einladung des deutschen Kaisers an Bord derHohenzollern".

Venedig, 13. April. Heute Vormittag arbeitete der Kaiser und nahm den Vortrag deS Chefs des Marine- cabiners, Freiherrn v. Senden-Bibran, entgegen. Die

Kaiserin und die kaiserlichen Prinzen besuchten Vormittags die Stadt. Heute Vormittag ging hier ein Gewitter nieder. DaS Regenwetter dauerte Nachmittags fort. Pie Abreise des Kaiserpaares mit den Prinzen erfolgte Nachmittags 6 Uhr 20 Min.

Venedig, 13. April. Der König verlieh dem deutschen Kronprinzen den Annunciaten-Orden.

London, 13. April. Nach einer Drahtmeldung des Daily Telegraph" aus Prätoria vom 11. April ist die Lage in Bulawayo sehr ernst. Zwei große Schaaren von Matabelcs, die sich zwölf Mrilen von Bulawayo befinden, veranstalten Freudenfeste, sie schlachten Ochsen und halten KriegStänze ab.

Kopenhagen, 13. April. Der ordentliche Profeffor der Physik an der Akademie zu Münster t. W. Dr. Wilhelm Hirtorf und der Physiker Hippolite Louis Fizeau in Paris sind zu auswärtigen Mitgliedern der Akademie der Wissenschaft in Kopenhagen ernannt worden.

Dsvesch«!» bei SereceHerold*

Berlin, 13. April. Im Reichsamt deS Innern ist heute Vormittag 10 Uhr die schon mehrfach erwähnte Conferenz zusammengetreten, welche über die geplante re ichSgesetz« licke Regelung deS Apothekerwesens berathen soll.

Berlin, 13. April. Freiherr von Schrader hat nach einer Meldung desLocalanzeigerS" unmittelbar bevor er sich zu dem Zweikampfe begab, einen Brief an den 'Kaiser geschrieben. Nach den letztwilligen Bestimmungen ist dieser Brief nach dem Hinscheiden v. Schraders dem Kaiser zu- gestellt worden. Wie dasselbe Blatt erfährt, hat v. Kotze sich persönlich beim Gouverneur von Berlin und beim Kom­mandanten gemeldet und diesem Kenntniß von dem Verlaufe deS Duells gegeben.

Berlin, 13. April. Einem hiesigen Blatte zufolge findet in Kürze ein neues Ptstolendnell mit äußerst schweren Bedingungen statt. Die Duellanten sind zwei frühere Mit­glieder des CorpsBorussia", Baron von der Lancken auf Rügen und der MajoratSerbe Baron Felix von Hahn. Letzterer war eigens vorige Woche nach Berlin gekommen, um sich als Angeklagter in einem Wechselfälfchungs Prozeß zu verantworten, der, wie bekannt, mit der Freisprechung HahnS feinen Abschluß fand. Als Urheber der Anklage gilt Baron von der Lancken.

Berlin, 13. April. Bezüglich des Diphtheritis« Heilserums wird von dem Regierungspräsidenten zu Potsdam zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß baß von den Höchster Farbwerken hergestellte Serum mit der Control- Nummer 40 wegen der tm Verlause von neun Monaten ein- getretenen Verminderung seines ursprünglichen GehalteS an Jmmnnifirungs Eigenschaften zur Einziehung bestimmt ist. Fläschchen mtt dieser Controlnummer dürfen daher in Apo­theken nicht mehr abgegeben werden.

Berlin, 13. April. Entgegen der Meldung französischer Blätter wird derNorddeutschen Allgem. Ztg." zufolge von Paris auS authentisch erklärt, daß Fürst Hohenlohe während seines dortigen Aufenthalts mit politischen Persön­lichkeiten Frankreichs keinen Verkehr gehabt hat.

Berlin, 13. April. Wie einer Meldung desLocal- anzeigers" zufolge verlautet, foll Profeffor Behring, der gegenwärtig auf Capri weilt, veranlaßt worden fein, sich zu dem Falle LangerhanS zu äußern.

Berlin, 13. April. Auf dem Terrain der Gewerbe- ausstellung wird nunmehr, um die Fertigstellung der Ausstellung für den 1. Mai zu sichern, auch Nachts gear­beitet werden. Es ist zu diesem Zwecke eine große Anzahl Arbeiter neu eingestellt worden, so daß zur Zeit bet den Bauten im Treptower Park über 6000 Personen beschäs- fgt sind.

Berlin, 13. April. Die Zahl der Gewerkschaften, welche den 1. Mai durch vollständige ArbeitSruhe feiern wollen, mehrt sich unausgesetzt. So haben jetzt derartige Beschlüffe die Bildhauer und die hiesigen polnischen Socialisten gefaßt.

Marienwerder, 13. April. DaS katholische Kranken­haus in Techel, welches feit August v. I. unter Leitung der grauen Schwestern steht, ist nach einer Blättermeldung polizeilich geschloffen worden.

Frankfurt o. M., 13. April. DieFranks. Ztg." meldet aus London: Die Blätter besprechen die Kotze- Aff aire und halten es für dringend erforderlich im In­teresse deS deutschen Ansehens, daß endlich dem Duellunsug durch einen Machtspruch des Kaisers ein Ende gemacht würde.

Köln, 13. April. Der römische Correspondent der Köln. Ztg." versichert, die gestrigen und vorgestrigen Be­sprechungen zwischen dem Kaiser und dem König von