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Sonntag den 15. März
Erstes Blatt.
Nr. 64
Amts- nnd Anzeigebltttt für den Greben.
Hratisbeitage: Gießener Jamilienötätter.
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All: «nnoncen.Bureaux deS In- und AuSlandr» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeqen.
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§ Ruppertenrod, 12. März. Der überaus billige Preis von 30 Psg. für das Pfund Lebendgewicht der Schweine veranlaßt vielfach hiesige Bürger, der früher vorgenommenen Hauptfchlachrung für die Haushaltung noch einmal eine Nach- fchlachtung folgen zu lasien. Zu diesen Schlachtungen werden fast nur aus Herbstferkeln gemästete Schweine verwendet, die allerdings geringeres Gewicht besitzen, aber bei diesen Preisen recht billiges Fleisch und Wurst liefern. Daß die
Die Fortschritte der deutschen Oeldverhältnisse in der Goldwährung.
Während mit Ernst und Eifer von den Anhängern der Doppelwährung für die Einführung einer Gold- und Silberwährung weitergckämpft wird, macht die Goldwährung und die Vermehrung der Goldmünzen durch die Macht der wirth- ichaftl chen und finanziellen Thatfachen und die deshalb noth- wendigen Maßnahmen des Rcichsschatzamtes, der Reichsmünzstätte und der Reichsbank glänzende Fortschritte. Dabei ist es sehr merkwürdig, daß der wirklich großartigen Entwickelung der Goldwährung und der Münzverhältnisse in Deutschland weder im Reichstage, noch in der Presse diejenige Beachtung geschenkt wird, die sie doch verdient. Wenn Deutschland noch vor dreißig Jahren ein verhältnißmäßig an Geld und Gold armes Land war, so gehört jetzt Deutschland neben England und Frankreich zu den drei finanziellen Großmächten, gegen welche bic Geldmittel der anderen Länder ganz bedeutend zurückstehen. Die enorm hohe Summe von drei Milliarden Mark hat der Betrag der Gesammtausprägungen an Reichsgoldmünzeu — abzüglich der wieder cingezogenen Stücke — am Schlüsse des Monats Januar d. I. überschritten. Im Januar sind allein 16,5 Millionen Mark in Doppelkronen geprägt worden, wodurch sich der Gesammtbetrag von 2998,4 Mill, auf 3014,9 Mill. Mark erhöht hat. Mit anderen Mitlheilungen des „Reichs- cmzeigers" ist auch diese Angabe in die Presse übergegangen, sie ist nahezu vüll'g unbeachtet geblieben. Das ist kein schlechtes, vielmehr ein gutes Anzeichen, denn eS beweist, wie glatt, ohne Reibungen und Störungen, thatsächlich unser aus der Gold Währung beruhendes Münzwesen functionirt. Bor nahezu neun Jahren, im März 1887, hatten die Gesammtausprägungen cm Reichsgoldmünzen den Betrag von zwei Milliarden Mark erreicht. In der Zwischenzeit hat eine rührige Agitation nicht geruht, aus den Umsturz der deutschen Goldwährung hinzu- vrbeiteu, aber in derselben Zeit hat diese Währung durch den thatsächlichen Verlauf der Dinge eine weitere, gewaltige Festigung erfahren. Veranschlagt man die Beträge an Reichs« goldmünzen, welche seit Beginn der Ausprägungen in das Ausland abgeflossen, eingeschmolzen u. s. w sein können, hoch auf 400—500 Millionen Mark, so verfügt das deutsche Reich heute noch über einen Bestand an Reichsgoldmünzen von 2500—2600 Millionen Mark, wobei die Vorräthe der Reichsbank und der Reichskciegsschatz in Spandau selbstverständlich eingerechnet sind. Ausgestattct mit diesem Goldbesitz und diesem Goldumlauf steht Deutschland auf dem Gebiet des MünzwesenS heute so wohl gerüstet da wie nie zuvor und kann selbst den währungspolitischen Thorheiten anderer Länder ruhig entgegensehen, wofern es nur den in der Arbeit eines Bierteljahrhunderts errichteten soliden Bau seiner Goldwährung nicht wieder einzureißen beginnt. Und daran ist wohl im Ernst nicht zu denken, denn vor solchen riesigen Goldmassen muß doch jeder Politiker und Patriot einigen Respect haben.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den hkgniden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.
herziger Weise sür die U eb ers ch w e mm ten 12,000 Mk.
Die Deutsche Metallpatroncnfabrik hat 3000 Mk. gespendet.
Rom, 13. März. Die „Agenzia Stefani" meldet auS Massaua. MitMenelik find FriedenSunrerhand- lungen eingeleitet worden.
vierteljähriger Kvonaementrprei»» 2 Mart 20 Psg. mtt Lringrrlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, E^pcdilio» und Druckerei:
KchulfiraßeVr.'r.
Fernsprecher 51.
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Netteste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches CorrespondenpBurrau.
Berlin, 13. März. Die „National-Zeitung" schreibt: Im Hinblick aus Mittheilungen in der Presse, wonach der österreichisch-ungarische Minister deS Auswärtigen, Graf Goluchowskl, in Berlin auch über ein eventuelles öfter- r ei ch isch - engli f ch e S Zusammengehen, insbesondere im Orient, bei der Zusammenkunft mit den leitenden deutschen Staatsmännern sich ausgesprochen haben soll, erfahren wir, daß an zuständiger Stelle darüber nichts bekannt ist. Daß jeder der Dreibundmächte berechtigt ist, mit anderen Mächten über Zwecke, die den Dreibund nicht berühren, selbstständig zu verhandeln und Vereinbarungen zu treffen, ist aber bekannt. Graf Goluchowsky Härte also auch keine Ursache gehabt, auS einem solchen Anlasie in Berlin Berathungen zu pflegen.
Karlsruhe, 13. Mä z. Die „Karlsruher Zeitung" meldet: Der Großherzog und die Großherzogin spendeten in hoch-
Loudou, 13. März. Der Bericht dcS „Standard"- Correspondenten in Wien über den heutigen Besuch deS Kaisers Franz Joseph bei der Königin Victoria schreibt demselben politische Absichten zu.
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msens, btr > -ichtMurg btr rtt nicht, die über jai und Enirich, )t wird kostenlos teilen und Orls- u Magdeburg.
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Gießen, 14. Marz 1896.
** Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädtgst geruht, am 29. Februar dem Maurer und Feuerwehrmann Michael Resch in Mainz daS Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für Verdienste" zu verleihen.
♦* Ordensverleihungen. Se. Maj. der Kaiser haben auS Anlaß der am 11. März stattgehabten Gedenkfeier des 1. Großh. Hessischen Jnfanterie.(Leibgarde-)Reg'rnentS Nr. 115 den nachbenanntcn Offizieren und Feldwebeln folgende Auszeichnungen zu verleihen geruht, und zwar: den Rothen Adler-Orden 3. Klaffe mit der Schleife: dem Obersten z. D. Frhrn. Röder v. Diersburg, zuletzt Bezirks- commandeur des damaligen 1. Bataillons (Gießen) 2. Großh. Hesi. Landwehr-Regiments Nr. 116; die Kgl. Krone zum Rothen Adler-Orden 4. Klaffe: dem Major Frhrn. Röder v. Diersburg; den Rothen Adler-Orden 4. Klaffe: dem Hauptmann v. Lochow; den König!. Kronen Orden 4. Klaffe. dem Premierlieutenant v. Schultzendorf; baß Allgemeine Ehrenzeichen: dem Feldwebel und Zahlmeister-Aspirant Dolata und dem Feldwebel Wolf, sämmrlich vom 1. Großh. Hesi. Inf -(Leibgarde )Regt. Nr. 115.
** Fernsprechverkehr Berlin Darmstadt. Laut amtlicher Bekanntmachung ist der Fernsprechverkehr zwischen Berlin und Darmstadr eröffnet worden. Ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von 3 Minuten kostet 1 Mark.
Befitzwechsel. DaS HauS Marburgerstraße 22 wurde an Herrn A. Helfenbein für 25,500 Mk. verkauft.
V.A. ** Alters- und Invaliditäts-Versicherung. Seit
balSband.
Gießen, den 14. März 1896.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. E.
v. Bechtold, Regierungs-Affeffor.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, Papiergeld, 1 Taschenmesser, 1 Eigarrenetut, 1 Regenschirm, 1 Glacehandschuhe, 12 Stehkragen, l Reisetasche, l l Schtebkarren, l Bierfaß, l Pferdedecke und l
Mitte v. I. sind die §§ 30 und 31 deö Jnoaliditäts- und AlterSverficherungsgesetzeS in Wirksamkeit getreten. Danach wird die Hälfte der geleisteten Beiträge in zwei Fällen zurückerstatkkt, wenn für mindestens 235 Wochen Beiträge geleistet sind, nämlich: l. Den weiblichen Versicherten, welche sich verhetrarhen. ' Der Antrag auf Beitrags- erstattung muß binnen 3 Monaten nach dem Eheschluß bei der Bürgermeisterei oder direct bei der Versicherungsanstalt gestellt werden. Die Wartezeit von 235 Wochen muß beim Eheschluß bereits erfüllt sein. Zeiten bescheinigter Krankheit, die mit Erwerbsunfähigkeit verbunden sind, gelten als Beitragszeiten. 2. Der Wittwe oder den ehelichen Kindern (unter 15 Jahren) des Versicherten, wenn letzterer stirbt, ohne in den Genuß einer Rente gelangt zu fein; deszl. beim Todesfall einer weiblichen Versicherten deren Kinder unter 15 Jahren. Erhalten die Wittwe oder die Kinder auS Anlaß deS Sterbfalls eine Rente auf Grund deS Unfallverfiche- rungsgesetzeS, so besteht kein Anspruch auf Erstattung. Andere Erben haben überhaupt keinen solchen Anspruch.
♦* Der Jahresbericht der Deutschen Gesellschaft in New- yark, welche fich bestrebt, den deutschen Einwanderern in Amerika und deren Nachkommen ein treuer Rathgeber zu sein, ist unS zugegangen. Die Gesellschaft beschäftigt fich vorwiegend mit AuskunftSertheUuug, Armen- und Krankenpflege, Arbeitsvermittelung u. s. w, worüber der Bericht, der H2., recht eingehende Mitlheilungen macht. Wir wünschen der Gesellschaft weiteres Blühen und Gedeihen im Jnteresie welche in der neuen Welt ihr Fortkommen
Der Gießener Anzeiger erlckeint täglich, mit Ausnahme deS MonlagS.
Die Gießener I»««ittea5tätier n>rrbrn dem Anzeiger »öchcnllich dreimal deigelrgt.
___Getreidemarkt. (BerichtSwoche vom 7. bis 13. März.) Es hat in der letzten Woche nicht au einigen Anregungen gefehlt, welche günstig auf die Getreidepreise wirkten, wie die Furcht vor einem Nachwinter und daS Steigen der Weizenpreise in Nordameiika. Aber diese Anregungen wirkten doch nur vorübergehend und bei einiger Steigerung deS Angebotes sanken die Preise wieder auf den alten Stand. — In Berlin und Leipzig wurde gekauft: Weizen (je nach Qualität und per 20 Gentner) 150 bis 164 Mk., Roggen für 122 bis 125 Mk., Gerste für 113 b,S 170 Mk., Hafer 115 bis 145 Mk.
Dtyefchrn des Bure« „HeroD'.
Berlin, 13. März. Der Kaiser hat gestern der Trauung seines Flügel-Adjutanten Grafen von Moltke und dem darauf folgenden Hochzeitsmahle beigewohnt. Die I Kaiserin, welche gleichfalls in der Kirche erschienen war, Überreichte der Braut ein kostbares Bouquet, während der I Kaiser als HochzeiiSgeschenk ein kostbares Tafel-ServiS auS I der königlichen Porzellanmanufactur überreichte.
Berlin, 13. März. Der Kaiser confcrkte heute Vor- mittag nach dem gemeinsamen Spaziergänge mit der Kaiserin mit dem StaatSsecretär Frhr. v. Marschall und empfing I bann im Schlöffe den Botschafter Grafen Philipp Eulen- bürg. Um 12 Uhr begab sich der Kaiser zur Vorführung technischer Versuche nach dem Kasernement des Garde-Pionier- Bataillons, woselbst er dann im Kreise deS OsfiziercorpS frühstückte. Abends gedenkt der Kaiser dem Hubertusdiner beim Fürsten Pleß beizuwohnen.
Berlin, 13. März. Zu Ehren des österreichischen Ministers Grafen Goluchowsky fand gestern Abend bei dem Reichskanzler ein Diner zu 43 Gedecken statt, an welchem vornehmlich die Botschafter und andere Mitglieder deS diplo- matifchen CorpS theilnahmen. Der Graf dürfte heute Nachmittag oder morgen früh Berlin wieder verlaffen. Vorher wird u noch oom Kaiser in Abschieds-Audienz empfangen werden.
Berlin, 13. März. Der österreichische Minister deS Aeußeren, Graf Goluchowsky, ist heute Nachmittag wieder nach Wien abgereist.
Berlin, 13.März. Die Budget-Commission deS Reichstages hat heute ihre Arbeiten beendet und wird Dienstag nur noch Petitionen erledigen.
Berlin, 13. März. Die ReichStagSSommisfion für daS Bürgerliche Gesetzbuch nahm die Paragraphen 607 | und 608, betreffend den Dienstvertrag, unverändert an.
Berlin, 13. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." bespricht I an leitender Stelle die auf Einführung der facultativen Civilehe abzielenden Bestrebungen und sagt u. A., daß | die Erfahrungen, die man während eines zwanzigjährigen Zeitraumes mit der obligatorischen Civilehe gemacht habe, nach keinerlei Richtung dazu angethan seien, ein Abgehen von dem bestehenden Rech: als erforderlich ober wünschenS- werth erscheinen zu laffen.
Berlin, 13. März. Heute Nacht wurden in der hiesigen ZeitungS-Centrale sämmtliche Nummern des „Socalist", welche heute Morgen zur Ausgabe gelangen sollten, von der politischen Polizei beschlagnahmt. Es handelt fich, wie mitgetheilt wurde, um die rothe März Nummer.
Wien, 13. März. Die seit fieben Jahren bestehende renommirte Seidenband Fabrik Fr. Woeger Söhne ge- rieth in Zahlungsschwierigkeiten. Die Passiven betragen eine halbe Million Gulden.
Triest, 13. März. Dem „Mattino" zusolge griffen gestern 3000 Derwische ein italienisches Corps an und schlugen daffelbe in die Flucht.
Rom 13. März. Wie der „Tribuna" gemeldet wird, erklärte «amtiert, daß er den Angriff in einem Angen- blicke der Schwäche und des Wahnsinns beschloffen habe. Alle Generale und der Chef deS Generalstabs seien sür den Angriff gewesen.
Neapel, 13. März. Die Abfahrt der letzten, für Afrika bestimmten Truppen, welche heute eingeschifft werden sollten, ist ausgeschoben worden. — ES bestätigt fich, daß mit Menelik FriedenSverhandlungen eingeleitet worden sind.
Mailand, 13. März. Der Kriegsminister Ricotti will, der „Berseveranza" zusolge, die 192 Batterien zu 6 Geschützen in 148 Batterien zu 8 Geschützen umwandeln. Ferner soll der KriegSminister beabsichtigen, die 24 Caoallerie- Regimenter von 4 aus 3 Schwadronen herabzusetzen und schließlich die vierten Compagnien bei sämmtlichen 324 Infanterie-Bataillonen eingehen zu laffen. Nur im Kriegsfälle sollen die vierten Bataillone gebildet werden. Die dadurch entstehende Verminderung der Osfiztere soll einer Etatersparniß von 3 Millionen gleichkommen.
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