Deutsche* Reichstag.
59. Pleuarfitzung. Freitag, dru IS. Mörz 1896.
Auf der Tagesordnung steht die »wette Berathung bei Colonialetat».
Die Budgetcowmtffion beantragt dazu folgende Resolutionen:
1. Dm Reichskanzler zu ersuchen, alsbald und möglichst noch in dieser Session eine (^efetzesvorlage zu machm, welche di« ftraf- rechtttche Verfolgung des Mißbrauch» der Amtsgewalt in dm Schutzgebieten außer Zweifel stellt.
2. Die verbündeten Regierungen um einen Gesetzentwurf »u ersuchen betr. die Regelung der MtlttLrdimstpfltcht tu den Schutz- gebtetm.
3. Die verbündet« Regierungm zu ersuchen, bei dieser Regelung der Wehrpflicht die dort lhLttgm Missionare während ihrer in einer deutschm MtsfionSansialt ersolgmdm Vorbereitung auf dm Misfions- beruf in dm Schuhgebietm. sowie für di« Dauer ihrer dortigm THLttgkeit von der acttvm Dienstpflicht und dm mllitLrtschmUebungm zu befreien.
Referent Prinz Aren berg begründet diese Resolutionm und bemerkt bezüglich der ersterm: Wehlan habe VerdachlSstrafm verhängt und Hinrichtungen in geradezu grausamer Weise vollziehen lasten. Er sei dafür nur zu 500 Mark Geldstrafe und zu Vrrfehung in eine gleichartige Stellung oerurtheilt worden. Diese milde Strafe und daß eine härlere Strafe überhaupt resp. ein Vorgehen wegm Verbrechen im Amte nicht habe erfolgen könnm, da» habe allgemein noch mehr Aufsehen erregt, al» di« Vergeben selber.
Abg. Schall (cons). Wie sei es möglich, daß ein hoher Colontalbeamter sich solche Unmmschltchkeitm gegm unsere schwarzm Mitbrüder habe zu Schuldm kommen lassm wie Wehlan! Noch ein anderer Fall habe die Gemüther aufgeregt, der Fall Peter». Wmn auch nur ein Theil de» ihm nachgesagten richtig sei, daß er sich nach mohamedantscher Sitte habe trauen lassen, fo rechtfertige das die höchste sittliche Entrüstung. Wie sei e» möglich, daß Panarge in feiner Beschreibung der Brnun Expedition den MuhamedantSmu» al» Kulturträger rühmen und ebmso hoch wie das Chrtstenthum stellen konnte! Er bittet die Colontalverwaltung, künftig in der Wahl ihrer Beamten recht vorsichtig zu sein. Auch dem Handel mit Branntwein nach Afrika möge ste energischer entgegmtretm. Seien doch in Kamerun mit seinen 100000 Bewohnern in einem Jahre für fünf Millionen Mark Branntwein etngeführt. Dieser Branntwetnhandel civilifirter Nationen stehe aus einer Stufe mit dem längst verurtheUtm Menschenhandel. Redner fragt schließlich, ob die Zeitungsnachricht richtig sei von der Anstellung dreier muhamedantscher Lehrer an einer Schule in Ostasrika.
Director Dr. Kayser: Im Bezug aus die Misstonswürdigung in Afrika steht die Regierung ganz auf dem Boden de» Vorredner». Der Fall Leist ist erledigt. Der Fall Wehlan schwebt noch. Da» AuSwärttge Amt hat Alles gethan, um Wehlan auch strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen: aber Staatsanwalt und Justizmtnister haben auch nach nochmaliger Erwägung es für unmöglich gehalten, mit einer Anklage vorzugehen. E» ist nun eine Verfügung ergangen, daß in den Schutzgebieten tm Ermittelungsoerfahren u. s. w. nur die in Deutschland erlaubten processualischen Mittel Anwendung finden und Verdachtsstrafen nicht verhängt werden dürfen. Ich glaube ferner, wir werden noch im Lgufe dieses Sommers eine ausgiebige Regelung des Gertchtsv:rfahrenS in den Colonien nachfolgen lastm können. Leist und Wehlan waren schon vorher im Auswärtigen Amte beschäftigt und man konnte sich dergleichen von ihnen nicht versehen. In daS Herz können wir Niemand gucken. Dr. Passarge steht in keiner Beziehung zu unS. Ich habe ihm kein Hehl daraus gemacht, daß die betreffenden Bemerkungen in dem Buche unangemessen waren. Von einer Unterstützung deS Muha- medaniSmus kann keine Rede sein, denn der MuhamedaniSmuS ist unser Feind. Wir haben die Frage betreffs der muhamedanischen Lehrer dem Colonialratb vorgelegt und dieser hat die betreffenbe ClatSpositton nach Anhörung gewiffer Miffionare gestrichen. Mit der Eindämmung der Branntweinpest haben wir schon gute Erfolge erzielt. Der Spirituosen - Export von Hamburg nach Kamerun ist von cd. 7 */i Millionen Mark in 1890 auf 4 •/< Millionen in 1894 gefallen. Und in diesem Betrage steckt auch der Werth von Fässern, Gläsern, der nicht unbedeutend ist, weil die Neger sehr auf die Außenseite sehen. Immerhin müssen wir unS gegenwärtig halten, daß die Zeit der Träumereien vorüber ist und wir nicht kosmopolitischen Idealen nachjagm dürfen, falls wir nicht wollen, daß unS andere Stationen da» Brod wegnehmen.
Abg. Beckh (frs. Vp.) warnt vor übergroßen ExpensionS- bestrebungen unter Hinweis auf das Schicksal der Italiener in Erythräa. Auch müsse in der Verwaltung unserer Colonien die Schneidtgkeit der Beamten aufhören: man dürfe nicht zu junge, unerfahrene Beamte dahinschicken, wie jetzt wieder nach Kamerun.
Director Kayser bestreitet, daß der mit dieser ^Bemerkung gemeinte Herr Kamptz Nachfolger deS Herrn v. Stetten und bemerkt dann noch, e» werde in Kamerun die Einrichtung eine» Sanatorium» erwogen.
Abg. Bebel (Soc): Die Colonialpolitik ist überall mit Thränen und Blut geschrieben. Die Colonien sind für un» ein Faß ohne
Boden. Solcher Beamten wie Leist und Wehlan müssen wir un» schämen. Redner fragt an, ob die Regierung nach den neuerlichen Angaben de» Lieutmant» v. Carnap über den bekannten Streit von Ansiedlern in Witu, Töpgen, Kungel u. A. mit dem Sultan Unter« suchungen angeftellt habe. Unbegreiflich finde er e», daß Peter», zum Landeshauptmann am Tanganyka defignttt, hinterher da» Amt nicht angetreten habe, jetzt 6000 Mk. Pension erhalte und die freie Zett benutze, fich an Flottenvermehrung« Agitationen zu bethetttgen. Wie habe man überhaupt zu einem solchen Vertrauensposten einen Mann berufen können, der sich selber in seinem Buche über die Emtn-Expe- dition unmenschlicher Handlungen rühme. Peter» habe Eingeborene, mV denen er fich nicht im Kriege befand, von den Bäumen herunter- schießen lassen wie Spatzen: er habe ermattete Leute, die lange in seinen Diensten gestanden, unlerweg» im Sttche gelassen und dem Tode durch Raubthiere preisgegeben. Auf dem Zuge nach dem Kttimandjara habe Peter« ein eingeborene» Mädchen, da» er mtt Zärtlichkeiten verfolgte, hängen lassen, ebenso deren Geliebten, einen Eingeborenen. Lieutenant v. Bronsart, der zuerst den Auftrag zum Hängen erhielt, habe sich geweigert, denselben auSzuführeu, aber ein Lazarethgehilfe habe fich dann dazu bereit gefunden. Der Bischof Tucker in Moscht lehnte später deshalb den Verkehr mit Peter» alS einem Mörder ab! Der Bruder de» Mädchen» floh zu den Dschagga», und bei diesen herrscht Blutrache. E» entstand der Krieg, in welchem Lieutmant v. Bülow und Wolfram fielen.
(Schluß folgt.)
5 Aal dem Logettberg, 13. März. Die Influenza tritt gegenwärtig wieder in vielen Gemeinden auf. Namentlich werden ältere Leute empfindsam davon heimgesucht. Sie tritt allerdings nicht so massenweise, wie in früheren Jahren auf, immerhin aber find die Erkrankungen durch fie sehr häufig.
□ Ruppertenrod, 13. März. Die älteste Frau unserer Gemeinde, die Wittwe Kratz, wurde vorgestern zu Grade getragen. Ste verstarb im 89. Lebensjahr: bi» zu ihrem Ende blieb ihr Geist frisch und ungeschwächt. Die Verstorbene entstammt einer Familie, deren Glieder zu den ältesten de» Orte» gehören.
A Mainz, 13. März. Die heute über die Bewegung des Rheins und feiner Nebenflüsse hier eiugelaufenen Nachrichten berechtigen zu der Hoffnung, daß das Hochwasser für diese» Mal an seiner Grenze angelangt ist. Die am Morgen wie auch am Nachmittag hier eingetroffenen amtlichen Depeschen melden vom Oberrhein, Maxau und Kehl, Stillstand und Fallen, und nur von Worm» wird noch langsames Steigen angezeigt. Auch hier steigt der Rhein nur noch ganz unmerklich — im Laufe des Tages 4 bis 5 Ctm. — dock dürfte, da vom Main wieder eine stärkere Zunahme de» Waffer» gemeldet wird, bei uns nochmals ein vorübergehendes Steigen de» RheioeS zu erwarten fein. Im Ueb- rigen hat das Hochwasser in hiesiger Gegend auch schon große Verkehrsstörungen und Verheerungen hervorgerufen. Abgesehen davon, daß die Schifffahrt ganz eingestellt ist, ist der Trajectverkchr sowie der Verkehr mit den fliegenden Brücken und Fähren vielfach gestört und wird theilweise nur mit Beschränkung aufrecht erhalten. Die nieder gelegenen Rheinorte sitzen tief tm Wasser, ebenso find sämmtliche Inseln in hiesiger Gegend auf Baumhöhe überschwemmt, sodaß deren Bewohner sich flüchten mußten. Von einzelnen Gemeinden werden auch Dammbrllche gemeldet. Für Mainz, das von Waffercalamitäten ein Lied zu singen weiß, hat da» Hochwasser seine Schrecken verloren, indem Dank einer vorzüglichen Canalisation das Innere der Stadt vollständig waffer- frei ist, und selbst in die tiefst gelegenen Keller kein Tropfen Waffer dringt. In früheren Jahren war bei einem Wafferstand wie der gegenwärtige, der untere Theil von Mainz schon vollständig unter Waffer. Fürwahr, unser genialer Stadtbaumeister, Oberbaurath Kreyssig, hat sich mit der Canalisation von Mainz, die allen Flußstädten als Muster dienen kann, ein bleibendes Denkmal gesetzt.
A Mainz, 13. März. Mitte October (18) findet hier in Mainz ein Südweftdeutscher Parteitag der freisinnigen Volkspartei statt. Wie der „*DL Anzeiger" mit-
Folgezeit erhalten blieb, wie die Thatsache beweist, daß Napoleon I die hessischen Truppen stets allen anderen RheinbundScontiugenten vorzog und sie seinen jungen Garden zugesellte. In Jben Jahren 1790 bi» 1803 fanden die hessischen Soldaten oft Gelegenheit, sich hervorzuthun. Namentlich ist ihre Haltung beim Sturm auf die „Weißenburger Linien" bekannt. Die wechselvolle Zeit der napoleonischen Kriege können wir nicht hier im Einzelnen verfolgen. 1813 wurde au» einem Theile des jetzigen Regimentes 115 das 116. Regiment gebildet, da» jetzt in Gießen liegt. Die furchtbaren Leiden der französischen Armee auf dem Rückzüge au» Rußland brachten auch dem hessischen Contingente die schersten Verluste. Im dann folgenden FreiheitSkampfe erwarben sich die wackeren Mannschaften de» seit 1806 „Leibgarderegiment" genannten Truppentheile unverwelkliche Lorbeeren. Am 11. März 1821 beging da» Regiment die Feier seines 200 jährigen Bestehens, zum Gedächtniß deS Tage» wurde ein Gedenkstein mit der Jahreszahl 1621 über dem Kasernenportale aufgestellt, der noch heutige» Tage» steht. Die nächsten Jahre brachten manche Umgestaltung in der Ausrüstung der Soldaten u. f. w. Dann nahm das Regiment 1866 an dem beklagenSwerthen Kampfe von 1866 Theil. In den Jahren 1860 bi» 1870 war da» 115. Regiment übrigen» nicht in Darmstadt sondern e» bildete die Garnison von Worm». Im Jahre 1866 kamen die hessischen Truppen eigentlich nur bei Afchaffenburg in Berührung mit dem Feind. Al» dann der große EinigungSkampf 1870 losbrach, da begann auch für unser Regiment eine Zeit glänzender Waffen- thatev, von denen hier nur der Steg von Gravelotte besonder» hervorgehoben sei. Noch im Feld durfte da» Regiment den 250. StiftungStag begehen, an Auszeichnungen und Lobsprüchen für seine oft bewiesene Tapferkeit hat e» dabei nicht gefehlt. Seitdem durfte sich Deutschland- Armee wieder ihrer Friedensarbeit widmen, und in den ersten Tagen der verflossenen Woche konnten unsere wackeren Hundertfünfzehner ihr 275 jährige» Jubiläum unter allgemeiner
Theilnahme der Bevölkerung fröhlich begehen, lieber die Feier selbst sei hier in aller Kürze Bericht erstattet. Am Dienstag Abend war großer Commers für die alten Herren und die activen Osfiziere. Der Großherzog und die Prinzen Heinrich und Wilhelm von Hessen waren erschienen und wurden von Herrn Oberst von Scholten begrüßt. Nach 11 Uhr schloß daS Fest, an dem nahe an 200 Herren theil- nahmen. Am Mittwoch Morgen um 11 Uhr fand große Parade auf dem Paradeplatze statt, wobei Prinz Heinrich von Hessen, der ä la suite de» Regiment» steht, die Führung übernahm. Nach der Parade wurden im OsfizierSkafino die Geschenke überreicht, die zum Theil hstbar ausgefallen find. Se. König!. Hoheit der Großherzog schenkte einen wundervollen Tafelaufsatz, die Großherzogin ein werthvolles Bild, auch^Großfürft Sergiu» vonjRußland sandte eine werthvolle Gabe u. s. w. Mittags um 3 Uhr fand daS Feftrssen statt, zu dem auch die Spitzen der staatlichen uub städtischen Behörden geladen waren. Se. König!. Hoheit der Großherzog und die Prinzen Heinrich und Wilhelm waren gleichfalls wieder anwesend. Der Großherzog eröffnete die Ansprachen mit einem Trinksprnch auf den Deutschen Kaiser. Da» Hoch auf den Landesherren brachte Herr Oberst von Scholten aus, dann folgten noch zahlreiche Toaste, von denen wir nur den de» Herrn General Goßler auf die kleine Prinzeffin Elisabeth, deren Geburtstag auf den 11. März fällt, hervorheben. Abends fand eine glänzende Festvorstellung im Hoftheater statt, wo nach Dortrag eine» Prologe» lebende Bilder vorgeführt wurden, deren vorwürfe der Regiment-geschichte entnommen waren. Jubelnder Bei- fall durchdröhnte namentlich am Schluffe, al» da» Lande»- kriegerdenkmal erschien, da» Hau» und in den Vortrag der Nationalhymne stimmten alle Anwesenden ein. So ist da» Jubelfest in der glänzendsten Weise verlaufen, und von dem schönen Berhältniß zwischen Militär und Bürgerschaft legte die rege Antheilnahme der letzteren an der Feier beredte» Zeugniß ab.
theilt, wird Eugen Richter zu dem Partettag hierherkommer und al» Redner onftreten.
Eingesandt.
•itftttt, den 14. März 1896.
«usbesseruu» bet Gehörter der städtisch«« Beamte«.
Di« hirfige Stadtverordneten - Versarnrnluna hat in einer ifcrt: jüngsten Sitzungen eine Nenregulirung der Gehälter der städtische, Beamten mtt der Tendenz einer durchgreifenden Aufbesserung für all« Categorien berathen und beschlossen. Diese gewiß sehr zett, gemäße Entschließung der hiefigen Stadtverwaltung verdient nich nur die warme Anerkennung Seitens Derjenigen, die von bitte Woblthat betroffen werden, sondern sie qnalihctrt sich Angesicht» be im Lause der Jahre e-heblich fortgeschrittenen Vertheuerung alle unentbehrlichen Lebensbedürfnisse al» ein Act humaner Gerechtigkeit der dem städtischen Der walt ung»körper nur zur Ehre gereicht. 8<ibc aber wird die Freude an diesem Beschluß getrübt durch die Thar fache, daß eine Categorie fiädtischer Beamten von der erwähmei Woblthat au»geschlossen blieb und dieS betrifft die Lehrer an bc hiesigen Volksschule. Di« hiefiaen volk-schullehrer fragen fich, waru, fie bei der Neuordnung der städtischen Beamtengthälter nicht in Bv tracht g« zogen wurde«, da doch da» Bedürsniß dafür nicht weniger dringend vorhanden ist, wie für die übrigen Categorien der hiesige» städtischen Angestellten. Haben doch die diesigen VolkSfchullehrer fetz dem Jahre 1878 de facto keine Ausbesserung ihrer Gehalte rr.tbt erfahren. Im Jahre 1893 fand wohl eine Regulirung statt, die z» den alten eine neueingefchobene GehaliSscala, aber — abgesehen voa 1 bi» 2 Fällen — durchaus keine allgemeine Ausbesserung bracht, und wobei auch da» städtische Budget bezüglich der Leistungen für die hiesige Volksschule keineswegs höher belastet wurde. Eine» weiteren, sehr vernehmlich sprechenden Grund für ein« d-rchgänaig aufbessernde Neuordnung ihrer GehaltSverhättnisse glauben di, hiesigen Bolksschullehrer noch in dem Vorgang zu finden, daß i» Folge Beschlüsse» der hiesigen Stadtverordneten die Lehrer an bet Vorschule deS GumnasiurnS und an der hiefiaen erweiterten Mädchen schule, weich' letztere, wenn auch im Appendix zur höheren Mädchen« schul«, doch zur hiesigen Volksschule gehört, in ihren GehaltSverhätt Nissen den seminaristisch geblldeten Lehrern an den höheren Schule» gleich gestellt wurden.
Die VolkSfchullehrer der Stadt Gießen glauben nicht, daß b der hiesigen Stadtverwaltung unter den Gliedern der Stadtvrrvrd ncten auch nur die allergeringste Spur zu finden sei von der leibet hier und da herrschendm Vorstellung, al» sei ihre Thätigkett, weil nur auf die Erziehung und den Unterricht der Kinder de» „Volks' gerichtet, weniger verantwortungsvoll und segen-teich für da» aratzr Ganze, weniger Wissen, Fachkenntnisse, Talent, Vorbereitung, Fleth und Geschick etforb<re, al» der Beruf ihrer Collegen an höhne» Schulen, die den Vorzug genießen, Kinder au» den besser fituttte» Ständen zu unterrichten: sie glauben also nicht, daß au» solche» ganz unzutreffenden, von Anschauungen der rationellen Schulkunde längst widerlegten, sie bei Regulirung der GehaltSverhältnisse dn städtischen Beamten und eine» Theil» ihrer hiesigen Collegen zurück gesetzt wurden. In Summa mangelt ihnen jeder zureichende drunb für diese, wie sie meinen, ihren Beruf weit zurückfetzende Behänd lung, und wenn sich deSwegm ihrer eine bedauerliche Verstimmung bemächtigt hat, die auf ihre Bern »frcudigkeit gerade nicht förderlich wirkt, so kann man die» nur erklärlich finden. Dernohngeachtet aber wird sich die Corporation der städtischen VolkSfchullehrer nicht einem dumpfen PefsimitzmuS hingeben, sondern vertrauensvoll an den Ge rechtigkeitSsinn der Factoren der städtischen Verwaltung appellireu, in der Hoffnung, daß auch ihre GehaltSverhältnisse demnächst «ine gründliche Wandlung zum Besseren erfahren. JnSbefonde-e auch würde man «s mit Freuden begrüßen, wenn die verschiedenen unter sich auseinander laufenden Arten von GehaltSaufsteigungen, die den hiesigen VolkSschullehrerstand innerlich zerklüflen. gänzlich bei 6eite geschafft und durch eine einzige, auf wohlwollender Grundlage, mit allgemeiner Berücksichtigung der Dienstjahre beruhenden Scala ersetzt würde-
Die Großherzogliche DlaatSregierung hat durch ihre jüngste» gesetzlichen, liberalen Maßnahmen bezüglich einer allgemeinen Ä»f besserung der Gehalte der VolkSfchullehrer den hessischen Städten ein Vorbild gegeben, von dem die hiesig« DolkSschullehrerschaft hon, daß «S auch für sie innerhalb der hiesigen Stadtverwaltung zu wohl wollenden Erwägungen über die hier angeregten Punkte führen möchte Wenn daher in der nächsten Zett von Seiten der hiesigen Volk« schullehrer Schritte unternommen werden, um die Factoren der hiesigen Stadtverwaltung zur Vornahme einer aufbessernden Neu regulirung ihrer GehaltSverhältnisse zu ermuntern, so geben sie fich dabei der Hoffnung hin, ein geneigte» Entgegenkommen zu finden
— In der nächsten Plenarsitzung der Stadtverordnetenversamv! lung werde ich, wenn e» mir möglich ist, erscheinen und dort« darlegen, daß die Meinung de» Herrn Dr. Gutfleisch, ich babt <■ dem Verfahren der juristischen Commission eine Kritik geübt ober dasselbe mißbilligt, eine total irrige ist. Zu einem Refertt über die Steuerangelegenbeit :aufgef ordert, habe ich objecti» über den Stand der Sache referirt, wobei der anwesende Herr Dr. Schäfer die Richtigkeit meine» Referats bestätiate. Ein Eingehe» auf die Frage selbst habe ich unter Hinweis auf die Schwierigkeit der Materie abgelehnt. — In die Zeitung habe ich kein Wort geschrieben und dem Herrn, der mein Gutachten zum Lese« |< liehen hatte, den mit demselben verübten Mißbrauch ernst verwiese» und ibn dringend erfudt, nunmehr auch dak Guifleiich'sche Gutacht« zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Die» vorläufig!
Grünewald, Rechtsanwalt.
Technische Fortschritte.
- Rostschutzmittel. Ein Rostschutzmittel soll nach EverS u.6«. in Düsseldorf dadurch erhalten werden, daß Leinöl oder trockene» £4 unter Zusatz von circa 10 pCt. freier trocknender Oelsäur« mit Kupfer- oind bi» zur gänzlichen oder theilweifm Lösung erhitzt wird, worari man die Lösung filtrirt und mit dem betreffenden ttockenen Oeie ad einen beliebigen Kupsergehatt, etwa 2 pEt. Kupfer, so einstellt, bei dieselbe noch reichlich freie trocknende Oelsiure enthält. (Mitgelheil von Richard Lüder» in Görlitz.)
— Um Pupierschildchen aus Ltauiol »e zu »letze«, lö« man Roggenmehl in aufgelöster kaustischer Soda zu einem Brei ad und verdünne denselben unter stetem Rühren mit Quellwasser, alt« bann erwärme man omettanischm Terpentin und gieße diese» » den Klebstoff Auf 250 Gramm Mehl genügen einige Tropfe» Terpentin. Ein solcher Kleister hastet eisenfest auf allen Metalle», Ola», Staniol ufw. Will man Stärke »u dem genannten Zw'cke verwenden, so wird dieselbe auf gleiche Weife zuderettel, doch blrCt dann der Terpentin fort. Die Stärkeberettuna auf kaltem ®«fl bietet ben Bort heil, daß der Kleister niemals knotig werden kan».
Die Ximiniftrfltion5=([afft J. UL GSnlhn
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