Mger
losse«
Sonntag den 15. März
1S96
Nr. 64 Drittes Blatt.
Gießener Anzeig er
Kemral'-Mnzeiger.
2lntts» und Nnzeigeblatt für den Kveie Kietzen
Äebartion, Erpkditio« und Drucker«: -«»tKr-tzeKr.r.
Kerusprecher 5L
Die Gießener y«m<ricn6fdtfer »erden den, Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt.
Der
♦U|enrt Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».
Vierteljähriger Adannemenlspreiss 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Poll bezogt» 2 Mark 50 Psg.
Noft, fit. tit.
ich
>en.
■liHig ends 8l/2 U ir Festsaal.
valt Dr. Me hil
Gegenwart
Berems für dn
'djlfcttö.
tags 5 W
■taj
Hauses.
Vorstander.
>nung.
Schwesternhäuser, orstander.
>er 4,6 unbn nb: Tchlosier.
habe eine Reihe &>?' ytei Bedienung dea
en mit vorzügl'^ penvioger Äler
Uaaahm« von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.
Gratisbeilage: chießener KamilienSlätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" rntgeqea.
Amtlicher IbeiL
Bekanntmachung, betr.: Handhabung der in § 8 der Fleischbeschauordnung unb dem Milzbrandregulativ den Gr. Kreisveterinärämtern zustehmden Functionen.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß wir die rubricirten Functionen für die Gemeinde Langd dem practifchen Thierarzt Dr. Kreuder zu Lich übertragen haben.
Gießen, den 13. März 1896.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Abonnements^Einladung.
Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für das 2. Vierteljahr 1896 laden wir hiermit ergebens! ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Lausenden. Unterstützt durch an allenOrtender Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „ Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so srühzeittg wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- -oerthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar- ttfdn ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff
bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. April den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie setther, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger"
Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch & Scheyda).
Vom deutschen Arbeitsmarkt.
Die schon seit wehr als Jahresfrist sich bemerklich machende Wiederbelebung der industriellen und geschäftlichen Thätigkeit in unserem Vaterlande dauert an, da auch die Ursachen der eingetretenen Befferung in unseren wirthschaft- lichen Verhältnissen, verwehrte Bestellungen zahlreicher deutscher Jndustrieartikel seitens des Auslandes und erhöhte Kaufkraft des Inlandes, erfreulicher Weise anhalten. Man kann allerdings noch immer nicht von einem geschäftlichen Wiederaufschwung auf der ganzen Linie unseres Erwerbslebens sprechen, denn verschiedene Geschäftszweige liegen auch jetzt noch mehr oder weniger darnieder, aber gerade in einer Reihe der wichtigsten und weitgreifeudsten Zweige der vaterländischen ErwerbSthätigkeit macht sich die begonnene wirthschaftliche Befferung am nachhaltigsten geltend. Namentlich darf die« von der weitverzweigten Textilindustrie behauptet werden, welche fortgesetzt voll beschäftigt ist, ja hie und da den vorliegenden massenhaften Aufträgen kaum mit Anstrengungen aller Arbeitskräfte gerecht zu werden vermag. Spectell in der Baumwollenspinnerei und in der Wirkwaareubranche tritt dies hervor, in welchen ausgedehnten geschäftlichen Zweigen sich seirenS der Unternehmer vielfach Vergrößerung der Fabrikanlagen und Vermehrung deS Arbeitspersonals nöthig gemacht haben. Auch die Jute-Industrie erfreut sich bedeutenden Aufschwunges, ebenso im Allgemeinen die Stickereibranche, mit Ausnahme der einst so berühmten vogtländischen Spitzenindustrie, die allerdings ganz besonders unter den wechselnden Modelaunen zu leiden hat. Mit großer Genugthuung muß hervorgehobrn werden, daß eö in der Handwederei in den sächsisch böhmischen Grenzorten jetzt wieder mehr Verdienst als seit Jahren gtebt, die dortigen Handweber verdienen gegenwärtig wöchentlich 12 bis 15 Mark, was im Vergleich
zu dem kaum halb so großen Verdienst, welchen sie in früheren Jahren trotz allen Fleißes erzielten, immerhin bemerkenSwerth tst. Auch in der Maschinenweberei ist meist ein recht flotter Geschäftsgang zu beobachten.
In einem recht günstigen geschäftlichen Zeichen steht ferner die deutsche Malchinen-Jndustrie, deren Auslandsaufträge sich in letzter Zeit nur noch weiter vermehrt haben. So besaß beispielsweise eine große sächsische Maschinenfabrik zu Beginn des jetzigen JahreS Aufträge im Gisammtwerthe von weit mehr als sieben Millionen Mark, andere leistungsfähige Maschinenbauanstalten rechnen vielleicht mit weniger großen Zahlen, aber ihre geschäftlichen Verhältniffe haben sich doch gleichfalls erheblich gebeffert Gleicherweise ist die Lage in der einheimischen Eisenindustrie fortgesetzt eine recht zufriedenstellende, auS den Hauptcentren derselben, auS Rheinland-Westfalen wie aus Schlesien, berichtet man über andauernd sehr gute Beschäftigung. Als fernere größere Er- werbSzweige, in denen überwiegend günstige Verhältnisse vorherrschen, sind auszuftihren die chemische Industrie, die Fabrikation von musikalischen Instrumenten, die Glasindustrie, die Möbelfabrikation, der Schiffsbau u. f. w. Daß der Ge- schäftsgang in der Kohlenindustrie außerordentlich blüht, ist eigentlich in Hinblick auf die winterliche Jahreszeit selbstver- stündlich, aber eS spiegelt sich zugleich auch in dieser Erscheinung die erhöhte Thäligkeit in anderen Industriezweigen mit ihrem vermehrten Kohlenbedarf wieder. Wenn anderseits z. B. in dem wichtigen Baugewerbe gegenwärtig theil- weiser Stillstand herrscht, so erklärt sich dies eben auch durch die winterliche Jahreszeit, indeffen liegen bereits genügend Anzeichen vor, welche aus eine umsaffende Wiederbelebung dieses Gewerbes im bevorstehenden Frühjahre hindeuten.
Es ist nun ganz begreiflich und gerechtfertigt, wenn in zahlreichen ErwerbSzweigeu die Arbeiter eine Aufbesserung der Löhne im Hinblick auf den dauernden flotten Geschäfts- gunq fordern, welches Verlangen von vielen Arbeitsgebern bereits erfüllt worden ist. Aber eS spielen schon wieder agitatorische Einflüfle unter den Arbeitern, um sie zur Stellung noch größerer Lohnforderungen zu treiben, und da man auf Seiten der Fabrikanten und Unternehmer auf letztere nicht eingehen will, so find schon in einer ganzen Reihe industrieller Zweige die Vorbereitungen zu umfangreichen FrühjahrSstrikrs im Gange. Man kann aber die Arbeiter nicht dringend genug davor warnen, bei günstigen geschäftlichen Con- stcllafonen den Bogen mit ihren Lohnerhöhungsforderungen nicht allzustraff zu spannen. Die Statistik der größeren Arbeitseinstellungen in Deutschland während der letzten füns- undzwanzig Jahre weist schlagend nach, daß sich die Arbeiter durch übertriebene Versuche, Perioden wirthschaftlichen Aufschwunges nach Kräften in ihrem Interesse mittels großer Strikes auszunützen, meist nur selbst am schwersten schädigen, man sollte meinen, daß eine solche empfindliche Erfahrung endlich belehrend auf die Arbeiterschaft einwirken müßte.
tit „detskbKir*- lüg)- Seiderer,
f> 'Thierarzt-
!
äesSi.
Ferrilleton.
Wochendriese ans der Residenz.
(Originalbericht deS „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 13. März.
Da» Fest de» „Akademischen Vereins." — Die Jubelfeier de» Leibgarderegimentes.
Vom Ballfeste des Akademischen Verein», einer der beliebtesten Veranstaltungen, die die Darmstädter Wintersaison zu bringen pflegt, versprachen wir, heute kurz zu berichten. Da giebt eS dann wieder einen schönen Erfolg für die beliebte studentische Corporation zu constatiren. Eingeleitet wurde der Abend durch ein wohlgelungenes Concrrt, in dem vorzügliche Solisten wirkten, und durch die flotte Aufführung eines lustigen Schwankes „Er muß taub sein", der von Studierenden und einer Dame des HoftheaterS dargrstellt wurde. Dann folgte e'n glänzender Ball und am Tage darauf der übliche Katerbummel.
Das größte Jntereffe wandte sich in dieser Woche jedoch !der Jubelfeier unseres Ersten Jnfanterie-Regi- -inentes (Nr. 115) zu, das am Dienstag und Mittwoch !>aS Fest seines 275 jährigen Bestehens feiern durfte. Der 11. März 1621 wird schon seit Jahren alS Stiftungstag ideS ruhmreichen Regimentes bezeichnet. Am 20. December 1621 tmpfing die Stamm-Compagnte, wie in einer ausführlichen Geschichte deS Regimentes, die die „VolkSblätter" in einer IKeftnummer mitgetheilt haben, zu lesen ist, die Bluttaufe, :and zwar in einem Gefechte gegen den Herzog Christian von
Braunschweig zwischen Alten- und Großen-Buseck, also unweit von Gießen. Die nächsten Jahre brachten wechselnde Schicksale. Im Jahre 1630 wurde die kleine Kerntruppe der Hundertfünfzehner auf 6 Compagnieen verstärkt, doch zerfiel die für kurze Zeit geschaffene Einheit bald wieder, und die Geschichte deS Regimentes muß an dem Schicksal seiner Stammmannschaft, der fürstlichen Leib-Compagnie, weiter verfolgt werden. Diese kam 1634 noch Gießen und kam von da bis zum Februar 1636 nach Marburg, wo der Landgraf, ebenso wie in Gießen, gern residirte. Nach abwechslungsreichen Schicksalen tn kleineren Kämpfen wurde die Leibcompagnic 1645 „aus sonderbarer landesväterlicher Vorsorge und zur gemeiner Statt Defenfion" nach Darmstadt commandiert. DaS Jahr 1648 brachte dem Lande nach 30 jährigem Kriege den ersehnten Frieden, der Leibcompagnie aber den Tod ihres ersten Hauptmannes, der diesen Titel vom Gründungstage an geführt hatte, deS hochbetagten und verdienten HanS Diel (Thilo) Dreßler. Von 1650 57 bestand die Compagnie aus 120 Gemeinen, doch änderte sich diese Zahl häufig. Die Uniform war: blauer Rock, kurze blaue Hosen, rothe Strümpfe und Halstuch. 1665 wurde die Compagnie bedeutend vermindert, sie bestand damals auS 26 (!) Mann, jedoch zählte sie 1672 bereits wiederum 198. Als 1677 Landgraf Ludwig VI. im französischen Invasionskriege dem Kaiser ein HülfScorpS sandte, verstärkte er seine Leibgarde auf 3 Compagnien. 1680 finden wir dann wieder nur 2, 1687 jedoch 4 Compagnien. Bon Mai 1688 bis Ende 1689 sehen wir doS Regiment als HilfScorPS der Venetianer (!) gegen die Türken in Griechenland- der Herzog
Karl Friedrich von Württemberg hatte daS Regiment für die von ihm begünstigte Republik Venedig erworben. Von 1690, an erscheint nun daS Regiment unter der Führung deS kriegstüchtigen Ludwig Bälthasar von WeytolSheim genannt Schrautenbach, ohne daß größere Veränderungen mit ihm vorgenommen wurden, auf vielen Kriegsschauplätzen. Von 1692 ab hieß die osficiell immer noch Leibgarde betitelte Truppe al« „Schrautenbach'sches Regiment", e« zählte 1692 7 Compagnieen, die bald auf 9, dann auf 13 verstärkt wurden. In den verschiedenen Kämpfen gegen Frankreich schlug sich die Truppe mit großer Tapferkeit. Im spanischen Erbfolgekrieg war baß Regiment fast ununterbrochen in Thätigkeit, besonder« zeichnete es sich bei der Er- stürmung von Landau im Jahre 1702 au«. Im September 1737 wurde die „Leibcompagnie", die noch heute besteht, gegründet, das Regiment erhielt für kurze Zeit den Namen „Prinz LouiS-Regiment". Unter Landgraf Ernst Ludwig wurden wichtige Neuerungen, das Steinschloßgewehr, der eiserne Ladstock, da« Marschieren in geschloffenen Gliedern und — der Zopf eingeführt. Unter Ludwig VIII. hieß da« Regimen: „Erbprinzen-Regiment". 1748 auf 1749 folgte ein thatenloser Aufenthalt in Holland, und 1752 wurde da« Regiment auf preußischen Stand gesetzt, auch wurden die hohen preußischen Grenadiermützen eingeführt. Im siebenjährigen Krieg blieb da« Regiment unthätig. Unter dem Landgrafen Ludwig IX., dem „Pirmasenser", wurde e« auf zwei Bataillone zu 665 und 663 Mann gesetzt. Die Regierungszeit Ludwig« IX. brachte eine musterhafte militärische Ausbildung, die auch für die


