Ausgabe 
15.2.1896 Zweites Blatt
 
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Nr. 39

Samstag dm 15. Februar

Zweites Blatt

1S96

Weßener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger

Aintr- unb Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.

chratisbeikage: Hießener Jamilienökätter

Amtlicher Theil

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Sonderbu^1

Alle Annoncen-Burcaux deS In- und Auslandes uehmev Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

Rede feinen Antrag, genaues Bild von der fett 1880.

jährlichen Bericht über

begründet Abg. Köhler in längerer Landesculturirttpector Klaas gibt ein Thätigkeit der LandeSculturinspection

Abg. Heidenreich bittet um

den Stand der Feldbereinigungen rc. Schluß der Sitzung 1 Uhr.

Die Gießener

DamitteuvtStter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der chiehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- Montag».

Sorflanb MtM ber Borflaud.

Klauenseuche ausgebrochen.

Gießen, den 13. Februar 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

daß sie Umgang mit dem Geist und Witz Shakespeares ge­pflogen hat. An Herrn Pröll besitzt die Frankfurter Oper einen ausgezeichneten Vertreter für den Titelhelden.

Die Arbeit der Schauspieler wandelt wieder einmal He erhabenen Wege des hohen, klassischen Stils mit der Einstudirung der GoetheschenFaust", beffen 1. Theil, zu­sammen mit demProlog im Himmel", der von rechtSwegen auch nie weggelassen werden sollte, vermöge der gewissen­haften, alle Einzelheiten wohl berücksichtigenden Vorbereitung, bei den zahlreichen Hörern auf die günstigste Stimmung stieß. Die Frankfurter haben auch gewissermaßen noch so etwas wie localpatriotische Verpflichtung, sich auf ihrem Theaterrrpertoire das größte Drama der Weltlitteratur zu erhalten, zu welchem der Dichter in feiner Heimathstadt die ersten Anregungen empfing.

Von Felix Philippi steht feit einigen Tagen ein neues Stück auf dem TheaterzettelDer Dornenweg". Diesen Dornenweg wandelt eine Mutter, die es über ihr Gew'ffen gebracht hat, einen braven, biederen Buchhalter ins Gefängniß wandern zu lassen, an Stelle ihres nichts­nutzigen, verzogenen Söhnchens, das sich an der Kasse ver­griffen. Die Gewissensbisse bleiben natürlich nicht aus, aber trotzdem ist da kein Zug, der uns zum Mitleiden mit den innerlichen Qualen der Mutter nörhigte. Die Mutter­liebe erscheint uns da bereits auf einen Punkt geführt, wo sie in krassen Egoismus umschlägt und unerhörte Eigenliebe wird.

Der Schuster Weigl in L'ArrongeSMein Leopold" ist uns trotz all feiner blinden Affenliebe noch immer eine sympathische Figur, aber dieFrau Wedekind" imDornen­weg" ist nichts weniger als dies, wenn wir die Gestalt nur in ihrem Anfich nehmen, losgelöst von den theatralischen Effecten, mit welchen der Autor sie auSstattet und über welche jedenfalls keine Schauspielerin böse fein wird.

während der größte Theil der Redner sich für die Frei­willigkeit der Versicherung aussprechen. Seitens der Großh. Regierung wird ein Gesetzentwurf über das ViehversicherungS- toefen, der in einer Commission dmchberathen ist, in Aussicht gestellt. Die Arbeiten der Commission sind soweit gediehen, daß die Fertigstellung des Entwurfs in Kürze erfolgen wird. Die Regierung gedenkt, denselben zu veröffentlichen und so zuvor der allgemeinen Kritik anheimzugeben. Nach dieser Erklärung von Seiten des Ausschusses der Regierung wird der Antrag Köhler und Genossen für erledigt erklärt und auch die Kammer tritt dieser Ansicht einstimmig bei.

Nachdem die Regierungsvorlage über die Organisation des Forftschutzes zum zweiten Male in der Kammer s. Z. abgelehnt wurde, haben die Abgeordneten Bähr und Köhler einen Antrag auf Neuordnung der Gehalts«, PenfionS' und Wittwenverhältnisse der Unterförfter und Forst« schützen in Gemeinde', Privat- und Markgenossenschaften des Großherzogthums eingebracht. Auch der Abgeordnete Metz- Darmstadt beantragte, zur Verbesserung der Gehalte der Gemeindeforstwarte und Bewilligung von Ruhegehalten der Regierung 10,000 Mk. zur Verfügung zu stellen. Diese beiden Antrqge stehen heute zur Verhandlung. Die Regie­rung glaubt, diese Frage nicht anders regeln zu können, als durch den abgelehnten Gesetzentwurf geschehen war. WaS den Antrag des .Abgeordneten Metz angehe, so sei der­selbe undurchführbar, weil der Regierung eS nicht möglich ist, unter den Hunderten, die aus diese Summe Anspruch erheben würden, die Bedürftigsten und den Grad der Be­dürftigkeit richtig herauszufinden. Dadurch würde Unzufrieden­heit entstehen und zwar umsomehr, als diese Summe viel zu klein fei. Das finanzielle Opfer würde aber ohne nennens- werthen Erfolg für das Staatsintereffe und ohne eine Besserung der Qualität deS ForstfchutzperfonalS gebracht worden fein. Auch die Mehrheit des Ausschusses theilt die gleiche Ansicht der Regierung, während eine Ausschußminderheit (HaaS und Bogt) die Summe von 10000 Mk. auf 20000 Mk. erhöht wissen will und zwar als DisposttionSfond. Die Abgg. Köhler und Metz-Darmstadt begründen ihre Anträge in eingehender Weife. Abg. Schröder erklärt Namens der Ausfchuß- mehrheit, daß er, so leid ihm thue, auS einer ganzen Reihe von Gründen den Anträgen nicht zustimmen könne, insbesondere weil er die Hoffnung habe, daß die Regierung eine neue Vorlage bem Hause zustellen werde. Der Abg. Bähr ergeht sich in einer abfälligen Kritik gegen das Gebahren der Großh. Regierung gelegentlich der Verhandlungen über die Organisation des Forstfchutzgefetzes". Er wirst der Regierung vor, sei ihr mtt der damaligen Gesetzesvorlage gar nicht ernst gewesen. Wegen noch weiterer Beschuldigungen wird der Abgeordnete zweimal vom Ptäsidenten aufgerufen, bei der Sache zu bleiben. Als er auch noch die Person deS

Präsidenten angreift und beleidigt, beschließt die Kammer mit großer Majorität, ihm das Wort zu entziehen. Abg. Bähr verläßt den Saal. Staatsminister Finger bedauert, daß der Abg. Bähr nicht anwesend ist. Derselbe habe im Lause der diesmaligen Verhandlungen mehrmals sein Mißtrauen der Regierung ausgesprochen und dabei erklärt, daß feine Gedanken nicht diejenigen der Regierung feien. Der Staats- Minister glaubt, daß das Land sich glücklich preisen könne, daß die Gedanken des Abg. Bähr nicht die der Regierung seien. Auch einen Angriff auf die Sittlichkeit der Re­gierung habe sich der Abgeordnete schuldig gemacht, indem et behauptet habe, der Regierung fei eS nicht ernst gewesen mit der Vorlage. Dieses müsse er entschieden zurückweifen, denn dazu habe der Abgeordnete gar keine Anhaltspunkte. Er glaubt nicht, daß Jemand im Hause ist, der der Regie­rung nachsagen könne, sie treibe Flunkerei, und fei ihr nicht Ernst mit ihren Vorlagen. Das fei dte gröbste Be­leidigung, welche es gibt. Was den Antrag Metz betreffe, so sei derselbe ganz zweifelsohne einer humanen Gesinnung entsprungen. ^Mit diesem Antrag fei der Sache aber nicht gedient, auch nicht mit 20,000 Mk. Die Regierung wird damit nur in Verlegenheit kommen, insbesondere wenn eine andere Kammcrmehrheit den Betrag nicht mehr geben wolle. Abg. v. Koeth hält den Minderheitsantrag für außer­ordentlich begründet und wird für denselben stimmen. Zur Sache sprechen noch die Abg. Haas und Jöckel. Abg. Ulrich ist ebenfalls für den Minderheitsantrag, um wenig­stens dem augenblicklichen Nothstand abzuhelfen. Der Antrag der AuSfchußminderheit, der Regierung 20,000 Mk. zur Ver­fügung zu stellen, findet hierauf mit großer Majorität An­nahme. Die Anträge Metz-Darmstadt und Köhler und Genossen werden für erledigt erklärt.

Ein Antrag deS Abg. Köhler und Genossen, die LandeS-Culturgef etzg ebung betr., steht als letzter Gegenstand zur Berathung. Der Antrag gipfelt in den Punkten: Ermittelung bereits ausgeführter Entwässerungen, Bewässerungen, Feldbereinigungen, Parzellenvermessungen sowie der hierdurch erwachsenen Kosten, sowie der noch auSzufüh- tenben Meliorationen dieser Art, und die dafür erforderliche« Kosten, ferner Erwägung neuer Projecte durch den Starck und aus dessen Kosten, sowie Rückersatz der Kosten der durch Private auSgefÜhrten Projecte aus der Staatskasse und Ein­setzung eines Fachorgans und Berichterstattung durch das­selbe auf Staatskosten. Unter großer Unruhe des Hanfes

Bekanntmachung,

beireffend die Maul- und Klauenseuche.

Unter dem Rindvieh des Bürgermeisters Gerhardt Gisselberg, Kreis Marburg, ist die Maul- und

Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt, 13. Februar 1896.

Die Sitzung wird um 9*/z Uhr eröffnet. Ohne wesent­liche Debatte genehmigt die Kammer die Anstellung eines Lehrers für den Unterricht im Zeichnen, Entwerfen Ktib Modelliren von Ornamenten an der Technischen Hochschule, sowie die Anstellung eineß Mechanikers am physikalischen Institut und stimmte der Erhöhung der Unterrtd) tßgelber an der Hochschule, tote dies seit October 1895 eingesührt ist, zu. Zur Deckung der Mehr- vuSgaben der Technischen Hochschule pro 1895/1896 fordert bk Regierung noch 7030 Mk. Der Ausschuß beantragt, unter Strich eines Assistenten für Elektrotechnik und eines «Menten für Technologie sowie einer Hülfskrast bei der Bibliothek, nur 5830 Mk. zu bewilligen. Gegen 15 Stimmen toirb jedoch bie Regierungsvorlage genehmigt.

Kür die Erweiterung der Dampskesselanlage bet neuen Kliniken zu Gießen werden 29300Mk., sowie für die Annahme eines Hilfsarbeiters für den Maschinisten 1862 Mk. bewilligt. Zur Deckung eines Fehl- ierragß für bie Klinikneubauten fordert bie Regierung 10 995 Mk. Der Betrag wird ohne Debatte genehmigt.

Bezüglich eines Gesuchs des pensionirten Oberwacht- meist erS Gieß zu Romrod, Pensionserhöhung betreffend, beschließt daS HauS einem Antrag dtS Ausschusses gemäß, bie Regierung zu ersuchen, die von dem Petenten angebotenen Beweise zu erheben und auf ihre Richtigkeit zu prüfen und »ach Befund weiter zu beschließen, einstimmig anzunehmen.

Für den Umbau der Dienstwohnung des KreiS- biettetß am Großh. Sheiflamte Offenbach werden noch weiter 340 Mk., also jetzt 1900 Mk., bewilligt.

Ein Antrag des Abg. Köhler u. Genoffen auf Er­richtung einer unter staatlicher Leitung stehenden, auf Gegenseitig« - tdt und Freiwilligkeit des BeitrittSAeruhenden L a n d e S - V i eih- vcrsicherungs'Anstalt, veranlaßt eine längere Debatte, ein Theil der Redner verlangt den VerficherungSzwang,

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Frl. Frank läßt sich denn auch keinen Tric ihrer Bomben­rolle entgehen.

Mit der inneren Motivirung feiner Charactere, mit der psychologischen Entwickelung hat Philippi offenbar kein Glück. Das zeigte sich schon imWohlthäter der Mensch­heit" - imDornenweg" tritt es womöglich noch schärfer hervor.

Die Erwartungen, mit welchen man dem neuen Operche« Der Geigenmacher von Cremona", entgegengesehen batte, sollte d r Sonntag Abend auch nicht vollständig er­füllen. Die Bekanntschaft deS ungarischen Componifteu Jenö Hubay aus Budapest hatten bie Musikfreunde be­reits im letzten Freitags-Concert der Museums-Gesellschaft gemacht, wo der Künstler sich auf feinem Instrument, der Geige, in verschiedenen Compositionen älterer und moderner Meister hören ließ und durch feine blendende Virtuosität einen gewaltigen Beifallssturm entfesselte.

Hubays Oper lehnt sich an baß bekannte hübsche Dramolet von Coppse unb Beanclair an, folgt vielmehr der Handlung ganz genau. Der Wettstreit zwischen Filippo und Sandro, wer von beiden die beste Geige zu bauen ver­stände (mit dem Preis fällt dem Sieger auch zugleich die Hand des geliebten Mädchens zu), giebt der musikalische« Erfindung dankbare Situationen an die Hand, welche Hubay besonders hinsichtlich des Ensemblestils auszunützen ver- standen hat. Den Haupterfolg verdankte das Werk eigent­lich dem an und für sich nebensächlichen Umstande, daß der Componift das große Violin«Solo hinter der Scene selbst vortrug. Von Gesangflkräften waren in der neuen Oper beschäftigt: Herr NaviaSky (Filippo), Herr Brann (Sandro), Frl. Blätterbauer (Giannina) und Herr Greff (Ferrari).

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i 15. Februar. 8 Uhr ismr to* b für Mitglieder arten (nur für g). für Zöglinge ig 6 Uhr bei fym Nichtmilglieder luÄchewiesen.

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Feuilleton.

Frankfurter Dries.

(Originalbericht für denGießener Anzeiger".)

(Nachdruck verboten.) freite#", lyrische Comodie von Verdi. GoethesFaust" 1. Theil. Bin neues Stuck von Felix Philippi.Der Geigen- wacher von Cremona."

Dr. M. Daß Italien bie Heimath der opera buffa, ist eine altbekannte Thatsache, aber daß ans diesem Lande auch evch eine lyrische Comödie kommen würde, bie es, was australische Feinheiten anlangt, mit der Partitur zu den Meistersingern" aufnehmen kann, hätten die Wenigsten ge­dacht. DerFalstaff" Joseph Verdis ist diese Comödie, mb die zweite, noch viel wunderbarere Thatsache, die sich in ihr Erscheinen knüpft, ist die, baß wir es hier mit der Zchöpsung eineß Achtzigjährigen zu thun haben, die aber rod) in keinem Zuge eine Abnahme der Erfindungskraft Mahren läßt.

Der populären Wirkung deSFalstaff" thnt allerdings Jtr Umstand Abbruch, daß Nicolaiß ^Lustige Weiber" bem gleichen Text angelegt find unb diesen sogar tragischer, bühnenkräftiger anflzunützen wissen, aber der «astkalische Feinschmecker hat am jüngsten Verdi feine Helle Freude, und daß Frankfurter Publikum, daß zuerst bei der Premiere bem Werk nur eine referbirte, kühle Hochachtung '»tgegenbrad)te, fängt allmählich an, sich dabei zu erwärmen untfi bie vielen-Finessen herauSzukoften. Der komische Baß alten italienischen Carnevalsoper, bie stehende komische ^ijur und der Eckstein der ganzen burlesken Handlung ist A der Gestalt des Sir John Falstaff um Hauptes- 'än.ge gewachsen. Der Verdi'schen Musik hört mau an,

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