Ausgabe 
14.10.1896 Erstes Blatt
 
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Ifr. 242 ErfteS Blatt Mittwoch dm 14. Octobei

1896

Der wiener Anjeiger elchnnt täglich, »' Ausnahme drS Montags.

Die Gießener Aia ttienvtätter morn dem Anzeiger entlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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Amtlicher Theil.

Btramnmaqnng, betreffend: die Maul- und Klauenseuche zu Hungen. Die Maul- und Klauenseuche zu Hungen ist erloschen Bb He Gemarkungssperre aufgehoben.

Meßen, den 13. October 1896.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Neueste

«elffS teleßrnphffche* Lorrefpondeni-Bur^n.

öttlin, 13. October. Der letzte Sonntag in der Actonrbe-Ausstellung war durch den gegen Mittag Ktngitt etenen Landregen recht ungünstig beeinflußt und ist Huua gegen die Erwartungen zurückgeblieben. Der Besuch ectti: sich aber immerhin gegen Mittag- 12 Uhr auf über 10,000 Menschen belaufen. Donnerstag wird die Ausstellung Mli'ffen.

Merlin, 12. October. Rudolf Birchow hat Berlin Erlassen, um fich den morgigen Geburtstag-Ovationen zu sif|ie;tcn.

Bttli*, 12. October. DieNordd. Allgem. Ztg." Mtit: Seit der Beseitigung des Zollkrieges mit Spanten die deutsche Geschäftswelt, daß die spanischen Consuln war Ursprungszeugnisse beglaubigen, in welchen der Abi Kant selbst den deutschen Ursprung der Waare bescheinigt. Mvauhr find alle spanischen Consuln in Deutschland, sowie Üi{ isLnlscheu Zollstellen angewiesen worden, die früheren Wpr.iugSzeugnlßformulare, wie vor dem Zollkriege, auch »nlä-fig wieder anzuerkeunen.

de« emtor

Merlin, 12. October. Das Kaiserpaar ist gestern Wikiti« 10 Uhr 30 Mtn. im besten Wohlsein im Neuen PalatS mitten eingetroffeu.

Merlin, 12. October. Der Kaiser hat an den Land- ,Wsen Alexis von Hessen zu seinem gestrigen fünfzig- jMitziin Militärdienst-Jubiläum ein Glückwunsch Schreiben MiÄet.

Merlin, 12. October. Dr. Schr öder-Poggelow hat, mit tueN^rdd. Allg. Ztg." meldet, unter« 8. d. M. an nllRetchSran-ltr ein Schreiben gerichtet, worin er gegen 1 jiät illuSschlteßung auS dem Colontalrath Einspruch erhebt. : Bleeni der in dem Schreiben gegen den Director der Colonial- t utlstillung verübten Beleidigungen ist seitens des Fürsten tzistrilohe gegen Dr. Schröder Strafantrag gestellt werden.

Berlin, 12. October. Heute Vormittag wurde die UMsich - österreichische Gewerbeschutz-Conferenz iiaMsaale des MustumS für Völkerkunde eröffnet.

Halle a. b. 6., 12. October. Der Parteitag der iimt'ich-socialen Reformpartei trat gestern hier zu- \ somrin. Der Abgeordnete Liebermann von Sonnenberg caflattltte den Bericht über die Thätigk-it der der Fracttou ; uijlhiirenden RrtchStagS- und Landtags Abgeordneten.

Hambnrg, 12. October. Hier erschoß fich der Ex- 1 fitiliirt eines Blattes, NamevS Meyer, nachdem er Unter- 1 hstgvingen in Höhe von über 150,000 Mk. verübt hat.

Gotha, 12. October. Die heutige Sitzung des socta- Ilistschen Parteitages wurde vom Abgeordneten Singer «oHntt. Abgeordneter Pfannkuch erstattete den Geschäfts- und behandelte ausführlich die Parteipreffe. Die dieselbe erhobenen Borwürfe weist er theilweise zurück, i A»>etse erkennt er fie als berechtigt an. Es sei ein großer 1Mx,el au Kräften vorhanden. Außerdem würden unvor- f Wg t Neugründuogen gemacht. Die Kaffen-Etnnahmen aus 'Hiiki'Unteroehmuogen seien günstig, dagegen seien die Bei- I trügt zurückgegangen. In der DiScusfion klagten die meisten 'M-ar über die schwache Agitation seitens der Parteileitung, !) letztere nur von wenigen Rednern in Schutz ge« i eieiren wird.

Karlsruhe, 12. October. In einem hiefigeu Hotel wurde griten Abend ein Ctviltst von einem Offizier während eines MitivechselS erstochen.

-Vteu, 12. October. Der bekannte Compontst Anton t itmfner ist gestern Nachmittag gestorben.

Lvndapest, 12. October. Bei den gestern ausgestellten 'Kmi für die socialistischeu Abgeordneten kam eS zu argen Suaißen-Ex c essen. Die socialistischeu Wähler zogen i Mit tlaS Wahllocal der liberalen StegeS-Candidaten, be* 11i'ßrpssten dort die Wähler und bewarfen sie mit Koth. Die ßchmi mußte deßhalb viele Berhaftuugeu vornehmen.

Brux, 12. October. Heute fanden abermals neue Erbsenkuogen statt und zwar in der Nähe der alten Zuckerfabrik, unweit der Bruck-Duxer Bahn. Ein löjähriger Arbeiter, welcher in der Fabrik beschäftigt war, verschwand spurlos in die Tiefe.

Paris, 12. October. Der von dem Präfidenten der Republik empfangene Herzog von Au male erklärte, daß er den französisch-russischen Festlichkeiten lediglich auS dem Grunde ferogeblteben sei, weil er nicht in Generals Uniform habe erscheinen können.

Loudou, 12. October. DerMorning Post" zufolge ist in dem Abschieds-Telegramm des Zaren an das franzö­sische Volk ausdrücklich betont, daß das fraozöfisch-rusfifche Einvernehmen gegen die agresfiveu Absichten des Drei­bundes gerichtet ist.

London, 12. October. Der Erzbischof von Canter­bury ist gestorben.

Loudou, 12. October. Gestern Vormittag sand im Hhde- park eine Arbeiter-Kuvdgebuug gegen die Metzeleien in Armenien statt.

Konstantinopel, 12. October. Die Arbeiter deS Marine-Arsenals zogen vor die Admiralität, verlangten ihren rückständigen Lohn und drohten, den Uldiz-KtoSk zu stürmen. ____________

Berlin, 13. October. In der Buchdrucker et von Janitschewski u. Quitt, in welcher das polnisch-focta- listische ParteiorganGazzetta Nobotniza" gedruckt wird, wurde gestern eine polizeiliche Haussuchung vorgenommen, welche resultatloS verlief. Die Behörden forschten nach dem Manuscript einer Correspondenz auS KöntgShütte, in welcher die dortige Polizei angegriffen wird. Auch in der Privat- Wohnung des RedacteurS dieses Blattes wurde vergeblich Haussuchung gehalten.

Halle a. b., 13. October. Der Parteitag der deutsch-socialen Reformpartet verhandelte gestern eingehend über die bekannte Bäckeretverordnung und nahm eine Resolution gegen den Maximalarbeitstag an.

Hamburg, 13. October. Anläßlich ungünstiger Meld­ungen über den Gesundheitszustand des Fürsten Bis­marck schreiben dieHamb. Nachr.": Eine Aenderung sei eigentlich nicht eingetreten. Die nervösen GefichtSschmerzen sind in diesem Jahre besonders unbequem, und haben Schlaf­losigkeit zur Fo.ge. Auch treten bet dem hohen Alter deS Fürsten natürlich auch Altersschwächen ein.

Gotha, 13. October. Socialdemokratischer Parteitag. NachmittagSfitzuvg. Bei Besprechung der Parteipreffe findet der Antrag, den Chefredacteur deSVor­wärts" jährlich zu wählen, keine Unterstützung. Im Ver­laufe der DtScufsion sprach sich die Mehrheit der Versamm­lung mißbilligend über die beängstigende Haltung deSVor­wärts" und der übrigen Parteizeitungen aus. Es folgten alsdann heftige Angriffe aus die belletristische Beilage der Neuen Welt", wobei Abg. Frohme den Verlag der Neuen Welt" und den Redacteur Steter angriff, weil er die moderne naturalistische Richtung bevorzuge. Steter ver- theidtgt dieModerne Kunst" als eigene, socialempfindende Schrift in einstündiger Rede. Ein Anderer spricht fich über das Verhalten des Abg. Schmidt-Magdeburg in Sachen Quarck mißbilligend auS.

Das Zarerrpaar in Darmstadt.

Darmstadt, den 12. October 1896.

Wie nicht ander- zu erwarten war, brachte der gestrige Sonntag sehr bedeutenden Fremdenzufluß vom hessischen Lande, obwohl an officiellen Veranstaltungen nichts vorgesehen war als die große Festvorstellung, für die große Menge also wenig zu sehen blieb. Am Vormittag besuchte die Zarin mit der Großherzogin den Gottesdienst in der Schloß- kirche. Mittags gegen 21/, Uhr unternahm das Großherzogliche Paar In Gemeinschaft mit dem Kaiserpaare einen Spaziergang, von welchem sie kurz nach 4 Uhr in offenem Zweispänner zurückkehrten. Der Zar sowohl als auch der Großherzog trugen Civtlkleidung.

Schon vor 6 Uhr begann e- auf dem Theaterplatz leb­haft zu werden. Wagen auf Wagen fuhr vor, um He das hübsche Theater bis auf den letzten Platz füllenden Besucher zu bringen. ES war ein selten glänzendes Publikum er­schienen, besonders in dem ersten Rang, welcher ganz für geladene Herrschaften reservirt war, sah man Offiziere und Würdenträger in goldstrotzenden Uniformen, sowie viele schöne und elegante Damen. Auch die ersten sechs Reihen des Parketts waren reservirt, aber hier waren nur Vertreter deS männlichen Geschlechts untergebracht, Offiziere und hohe

Beamte. Kurz nach 6/2 Uhr erschienen die hohen Gäste in der Fürstenloge, der Zar zwischen der Zarin und Groß­herzogin, zur Rechten der Zarin der Großherzog. Außerdem befanden fich in der Loge Großfürst und Großfürstin SergiuS, sowie Prinzesfin Ludwig von Battenberg. Die Zarin, welche auch diesmal wieder die meiste Bewunderung fand, trug eine mattrofa seidene Robe und hatte daS Band des Andreas- ordenS angelegt, auf dem Haupte trug sie ein Brillantdiadem, im übrigen schien sie wie mit Brillanten übersäet. Die liebenswürdige Großherzogin hatte eine weißseidene Robe und daS Band des Katharinenordens angelegt, auch sie trug ein Brillantdiadem. Der Zar, in der kleidsamen rothen Uniform deS Leib Kosacken-Regiments und mit dem Band des hessischen PhiltppSordenS, sah weit ernster auS als gestern. Der immer freundliche Großherzog Ernst Ludwig trug die Uniform deS hessischen Leib-Regiment- Nr. 115 und daS Band des AndreaSordenS. Als die Herrschaften die Loge betreten hatten, erhob sich daS Publikum und Hoftheater- Director Werner brachte ein Hoch auf das Zarenpaar aus, in welches da- Publikum einstimmte. Alsdann wurde die russische Nationalhymne stehend angehört.

Die Aufführung war eine wohlgelungene, daS Haupt- verdienst erwarben fich Hofcapellmeister de Haan und Re- giffeur Valdek. Von den Künstlern sind besonders die Herren Bucar (Lohengrin), Weber (Telramund), Sturh (Heerrufer) sowie Fräulein Pewnh (Elsa) zu erwähnen. Nach dem 1. und 2. Acte waren längere Pausen, in welchen der Thee eingenommen und verschiedene Mitglieder der hiesigen Ge­sellschaft vorgestellt wurden.

Die Stadt war auch gestern Abend illuminirt.

Wie wir auS guter Quelle hören, sind die Gerüchte, daS Kaiserpaar werde nächster Tage nach Schloß Wolfsgarten übersiedeln, vollständig unbegründet.

Heute Vormittag unternahm der Zar sowie der Groß­herzog und die Großherzogin einen Spazierritt nach dem Griesheimer Lager, wo sie den Exercitien einer Batterie beiwohnten. Um 11 Uhr fand im Casino deS Leid-Dragoner- RegimentS Nr. 24 ein Frühstück statt, wobei der Zar zum ersten Male die Uniform seiner weißen hessischen Dragoner trug. Dieselbe Uniform trug auch Prinz Heinrich von Hessen. Im Vorplatz und auf der Treppe waren Dragoner In den früheren Uniformen der hessischen ChevauxlegerS ausgestellt. Der für morgen geplante Besuch in Wiesbaden ist vorerst aufgegeben worden.

Darmstadt, 13. October. Während der gestrigen glän­zenden Galatafel brachte der Großherzog einen Toast auf daS Zarenpaar auS. Der Kaiser antwortete mit einem Toast auf daS GroßherzogSpaar und das schöne Heffenland.

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Gießen, den 13. October.

* Landtagswahl. Am Mittwoch den 14. d. Mts., Vor­mittag- 10 Uhr, findet im Regierungsgebäude zu Gießen die Wahl deS Landtags-Ab geordnet en für die Stadt Gießen durch die Wahlmänner statt.

Musikalisch-theatralischer Cyclus. Wie wir beretts unseren Lesern mittheilten, veranstaltet der Jmpreffario Herr Wertheim auS Frankfurt mit angesehenen Frankfurter Künstlern einen CycluS von 6 Abenden, wovon 2 theatra­lisch, 2 recitatorisch und 2 musikalisch sein werden. Von den Mitwirkenden sind als besonders hervorragend zu bezeichnen Frl. Schacko vom Opernhaus in Frankfurt, Herr Her­mann und Herr Str oh eck er vom Stadttheater in Frank- furt, das Covcert'Quarteit des Frankfurter Opernhauses, der 8jährige Pianist Hirschner aus Köln. Als Tage sind festgesetzt: 9. und 23. November, 7. December, 4. und 18. Januar und 1. Februar. Die Darstellungen finden sämmtlich in Steins Saalbau statt. Indem wir betreffs der Preise auf da- Inserat in heutiger Nummer verweisen, empfehlen wir das circulirende Einladungsschreiben freund­licher Beachtung.

Kaufmännischer Verein Gießen. Am Samstag Abend begeht der Kaufmännische Verein in Steins Saalbau sein 23. Stiftungsfest durch Concert, Theater (gegeben von den Mitgliedern des StadttheaterS) und Ball.

** Verein Hessischer Zahnärzte. Am Sonntag hielt der Verein Hesfischer Zahnärzte iw Gartevsaale deS HotelPrinz Carl" seine 10. Hauptversammlung ab. Vorträge hielten die Herren Zahnärzte Dr. Henrich und MarcuS- Frankfurt. Hierauf fanden DiScusionen über fachwiffenschaft- liche Fragen statt. Die Versammlung ernannte Herrn Prof. Dr. Boström-Gießen zu ihrem Ehrenmitglied. Nachmit­tag- fuhren die Theilnehmer in Somwerwagen der Gießener Omnibus-Gesellschaft nach dem Schiffenberg.