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Freitag den 14, August

Ur. 490

1S96

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Anrts- und Anzeigeblntt für den Ttreis Gieren.

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Rrdaction, Expedition und Druckerei:

Kchulstratze Fr.?«

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vierteljähriger AvounemcutspreiO I 2 Mark 20 Pfg. mit Lringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener

PamitteuölLtter werden dem Anzeiger »Vchentlich dreimal beigrlegt.

Der

Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MontagS.

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Imnahme von Anzeigen zu der Nachmittags für btx sorgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

Hraiisöeilage: Hießener Jamilienötätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Hmtlid?er Theil.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche.

Nachdem in einem Gehöfte zu Gießen und Heuchel­heim die Maul- und Klauenseuche amtlich feftgestellt worden Ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Gehöftsperre angeordnet worden ist.

Gießen, den 13. August 1896.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend: die Abhaltung der Viehmärkte.

Mit Rücksicht auf den Ausbruch der Maul« und Klauen­stuche zu Gießen, Heuchelheim und Großen-Buseck wird die Abhaltung deS auf den 18. und 19. I. MtS. zu Gießen onhiraumten Biehmarktrs hiermit verboten.

Gießen, den 13. August 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, 12. August 1896.

Lrlir.: Die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte. Das Großherzogliche Kreisamt Gieße« n IbU Orotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir beauftragen Sie, mit der Aufstellung der Urliisten der zum Amte eines Schöffen oder Ge­schworenen bestellbaren Personen zu beginnen und lieft Listen nach vorgängiger achttägiger Offenlegung sammt Im «twa erhoben werdenden Reclamationen mit Begleitbericht spattesteus bis zum 15. October l. I. an die zu- Paul igen Amtsgerichte einzusenden.

Die Spruchlisten der Geschworenen haben, wie bereits d «»serem Ausschreiben vom 20. April 1885 (Anzeiger Nr. 92) iracrft wurde, in mehrfachen Fällen die Namen von Per- stuem enthalten, welche das 30. Lebensjahr noch nicht voll­ende! oder das 65. bereits überschritten hatten und find hindurch in den Schwurgerichtssitzungen den Fortgang der Lnh audlungen hemmende Weiterungen veranlaßt worden. Der«rtige Vorkommniffe können nur durch eine genaue Be- cbadntung der hinsichtlich der Aufstellung der Urlisten der Kchöffen und Geschworenen bestehenden Bestimmungen ver- :niebitn werden. Wir machen Ihnen daher die sorgfältigste

Beobachtung der Vorschriften in § 1 und 3 der Verordnung I vom 14. Mai 1879 (Reg.-Bl. S. 213) zur Pflicht. Hier­nach find die in den §§ 32, 33 und 34 des Gerichts-Ver- faffungs-GesetzeS (s. Reichs.-G.-Bl. von 1877, S. 47) be­zeichneten Personen nicht in die Urlisten aufzunehmen, während bei den in § 35 daselbst Genannten der Grund, warum fie ablehnen können, in der SpalteBemerkungen" der Liste anzugeben ist. In allen Fällen, in welchen Zweifel darüber bestehen, ob eine in die Urliste aufzunehmende Person das 30. oder 65. Lebensjahr vollendet habe, wollen Sie fich durch eine Anfrage bei derselben, oder in sonst geeignet scheinender Weise genau über deren Alter vergewiffern. Sie dürfen aber auch nicht Personen, welche Sie für ungeeignet zum Amte eines Schöffen oder Geschworenen halten, bei denen aber die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, aus der Liste weglassen, z. B. weil sie arm oder zu alt sind. Sie wollen vielmehr diese Personen ebenfalls in die Liste aufnehmen, Ihre Ansicht aber unterBemerkungen" oder im Begleit­berichte angeben.

DaS zur Aufstellung der Listen erforderliche Formular wird Ihnen k. H. zugesandt werden.

v. Gagern.

Neueste N^ehrL^te«.

WolffS telegraphische» Sorrespondenr-Brrrea«.

Berlin, 12. August. DieVosi.-Ztg." meldet: Die Berliner philosophische Facultät ernannte den früheren Minister Freiherrn v. Berlepsch zum Ehrendoetor.

Stettin, 12. August. Der 12. allgemeine VereinS- tag der Laudwirthschaftlichen Genossenschaften wurde heute eröffnet. Im Auftrage des Laudwirthschafts- ministerS war Geheimer RegierungSrath Conrad, als Ver­treter des Justizmiuisters Landrichter Fritze erschienen. Auch der Präsident der preußischen CentralgenoffenschaftSkaffe, Freiher von Huene, war bei der Eröffnung zugegen.

Köln, 12. August. DerKölnischen Zeitung" wird aus Berlin telegraphirt: Die Nachricht desTempS", daß die spanische Regierung den Mächten wegen der Haltung Amerikas in der cubanischen Angelegenheit ein Rund­schreiben zu übermitteln beabsichtige, wird nicht für richtig gehalten. Nach der letzten Erklärung des Präsidenten Cleveland ist nicht wohl zu verstehen, wie eine solche Vermittlung in practischer Weise erfolgen sollte. Cleveland hat fich ernstlich und nachdrücklich für die Aufrechterhaltung der Neutralität ausgesprochen und eS darf angenommen wer- I den, daß er seinen Vorschriften auch Gehorsam verschaffen I werde, soweit es in der Macht der amerikanischen Central-

FeuiUeton.

Ein Abenteuer in Texas.

Erzählung von F. Borner.

(1. Fortsetzung.)

Die Kerle verschwanden mit unserer Beute, unS in wiener hilflosen Situation zurücklaffend, doch mußten wir fönen eigentlich noch dankbar sein es fiel mir dies erst Mer ein, daß sie nicht noch das Blockhaus angezüudet ißö ans dergestalt bei lebendigem Leibe gebraten hatten, Im solche Falle waren damals in Texas mehrfach vor- Kommen. Aber auch so war unsere Lage eine höchst Mswürdtge und unsere Freude daher groß, als nach etwa bgh halben Stunde Mac Burton erschien und uns befreite. ®on unserem Gefährten erfuhren wir hierbei, daß er, von Ftont wieder erfolglos gebliebenen Anstande zurückkehreud, MUcherweise die Bande noch rechtzeitig bemerkt hatte und S-sie in der Richtung nach unserer Farm hinzog, so schloß Mc Burton sehr richtig, daß fie uns einen Besuch abstatten »ollen und hielt sich wohlweislich im Hinterhalt. Don dem Holten erfuhren wir weiter, daß die saubere Gesellschaft 8-Ganzen auS elf Mann bestand, aber nur zum Theil be- willen war, und da er nicht ohne Grund befürchtete, daß ®i Strolche deßhalb nach unseren Pferden Umschau halten »irb en, so brachte er dieselben nach einem nur schwer auf- falberen Versteck in Sicherheit.

Unser einziges Gefühl war natürlich Rache, aber wir mr allein hätten, selbst wenn wir alle im Besitze unserer Mhfe gewesen wären, nicht wagen dürfen, die Banditen wjllgreifen, und somit blieb uns nur übrig, uns auf die Wirke zu werfen und die Nachbarn zur Verfolgung der Main Räuber zusammenzutrommeln. Der nächste Farmer, Ilio gewisser Sheppard, wohnte mit seiner Familie, darunter bni erwachsene kräftige Söhne, freilich etwa vier Stunden

von uns entfernt, aber trotzdem durften wir hoffen, etwa bis Nachmittags 5 Uhr eine genügende Anzahl von Ver­folgern aufgetriebeu zu haben, und nachdem noch unsere Farm als Bereinigungspunkt bestimmt worden war, sprengte jeder von uns nach einer anderen Seite ab.

Nun, das Vorhaben gelang rascher, als wir dachten und schon um vier Uhr Nachmittags waren gegen zwanzig unserer Nachbarn, lauter kernige und muthige Leute, alle beritten und mit Büchse, Revolver und dem schweren Jagd- meffer bewaffnet, an der Farm versammelt. Selbstverständ­lich halfen sie mir und meinen beiden Landsleuten ohne Weiteres mit Gewehren und Munition aus, bann ward rasch der Operation-plan entworfen und der Oberbefehl über unser kleines Corps dem miterschienenen Mr. Sheppard einstimmig übertragen, zu welchem Posten fich der Genannte auch vortrefflich eignete. Denn Sheppard war einer der ersten Ansiedler in der ganzen Gegend gewesen, er hatte sich hier noch mit den Rothhäuten herumgeschlagen und überhaupt die Aufregungen und Gefahren, welche das Leben als Pionier der Cultur in den westlichen Staaten der Union mit sich bringt, gründlich durchgekostet und fich hierbei alle Eigenschaften angeeignet, die den rauhen Hinterwäldler aus- zuzeichnen pflegen, wenn er Gefahren gegenübersteht. Außer­dem war Sheppard mit den Bodenverhältnissen und den Wegen und Pfaden auf viele Meilen in der Runde ver­traut wie wohl kein anderer in der Gegend und deßhalb erschien er besonders befähigt, der Führer unserer Expedition zu sein.

Die Vorbereitungeu für deu |vor uns liegenden Ritt waren bald getroffen und mit Mr. Sheppard an der Spitze, trabte unsere kleine Reitercolonne in die grüne Prairie hinaus, begierig, auf denFeind" zu stoßen. Allzu hitzig durften wir indeffeu nicht Vordringen, denn wenn die Busch­klepper merkten, daß fie verfolgt wurden, so hätten fie fich gewiß aufs Aeußerste ins Zeug gelegt, um die Stelle am Rio Grande zu erreichen, von wo aus fie den Strom mit

regietung liegt. Alles das, um was die Mächte allenfalls in freundschaftlicher Weise bitten könnten, ist somit im Vor­aus bewilligt und neue strengere Vorstellungen in diesem Sinne könnten nur für einen Beweis des Mißtrauens gegen Cleveland, für das kein ausreichender Grund vorliegt, an­gesehen werden. ES sei daher ganz erklärlich, daß die spanische Regierung die Absendung ihres Rundschreibens vor­erst verzögert habe.

Schwerin, 12. August. Die Stadt Wismar hat 1,875,000 Mark für den Bau des Elb e-Ostse ekanals bewilligt.

Prag. 12. August. Der Schaden der Brüxer Katastrophe wird im Maximum auf eine halbe Million geschätzt- er trifft hauptsächlich die Brüxer Bergbau-Gesellschaft, da bloß ein fremdes Object (SchätzungSwerth inclufive Mobilien 180,000 fl.) einstürzte. In den Kaffen der Centralbruder- lade befanden sich kurz vor dem Einsturz für 39/10 Millionen Gulden Staatspapiere, welche der StaatSschulbenkasse in Wien behufs Umwandlung in größere TitreS gesandt worden find.

Graz, 12. August. In Folge andauernden RegeuS find der FroiSbach, der Leonhardbach und der Grazbach über ihre Ufer getreten. Mehrere Häuser find stark beschädigt. Feuerwehr und Pioniere sind den ganzen Tag mit RettungS- arbeiten beschäftigt. Mittags ging abermals ein Gewitter mit starkem Regen und Hagelschlag nieder.

Rom, 12. August. Agenzia Stefani: Die Plünder­ungen im westlichen Theile der Insel Creta dauern fort. Bis jetzt sind fünf Dörfer und Klöster in Braud gesteckt worden. Die militärischen Maßnahmen, welche getroffen find, find unzureichend.

Rom, 12. August. DieAgenzia Stefani" veröffentlicht folgende Note: Mehrere Blätter sprechen von Vorbereitungen, die die Regierung im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten in Afrika träfe, und benutzen diese Gelegenheit, um durchaus falsche Nachrichten zu ver­öffentlichen. Wir find ermächtigt, zu erklären, daß die Re­gierung alles thut und thun wird, was ihr obliegt, um sich gegen etwaige Ueberraschungen sicher zu stellen. Bisher wurde keine Maßregel ergriffen, die neue kriegerische Er- eigniffe wahrscheinlich oder demnächst als bevorstehend er­scheinen laffeu könnte. Keine Maßnahmen wurden getroffen, keine Aushebungen haben stattgefunden, mit Ausnahme der­jenigen für den gewöhnlichen Dienst, auch keine Lastthiere wurden angekauft, da solche über die gewöhnlichen Bedürf­nisse hinaus vorhanden find.

ihren Pferden durchkreuzen konnten. Der gewaltige Strom war an dem betreffenden Punkt ziemlich seicht und zumal bei der herrschenden trockenen Jahreszeit mußte sein Waffer- stand daselbst besonders niedrig sein, so daß ein Reiter den Strom an dieser Stelle wohl ohne besonderes Risiko pasfiren konnte. Daß aber der Uebergang den Strolchen, zum min­desten ihrem Anführer, bekannt sein mußte, ging daraus hervor, daß sie auf unserer Farm aufgetaucht waren, denn von derselben führte ein Spurweg, den ohne Irrung zu verfolgen, freilich schon ein geübtes Auge nöthig war, in ziemlich gerader Richtung nach dem UebergangSpunkte nach dem Fluffe und wir brauchten nur dieselbe einzuhalten.

Die Bande besaß allerdings einen beträchtlichen Vor­sprung vor unS, auch verfügte sie über ausgezeichnete Pferde, wie Mac Burton versicherte, und die fie natürlich irgendwo gestohlen hatten. Aber nach den weiteren Verficherungen Mac BurtonS waren vier der Kerle, die offenbar erst später fich mit den Uebrigen zusammengefunden hatten nicht beritten und infolge dieses Umstandes konnte die Bande lauge nicht so rasch vorwärts kommen, als wenn alle ihre Mitglieder Pferde unter fich gehabt hätten.

Zunächst gatt eS iudeffen für uns, ein möglichst großes Stück Weg zurückzulegen, so lange noch die Sonne am Himmel stand, denn im Dunkeln hätten wir nicht daran denken dürfen, den selbst bei Tag nur schwer erkennbaren Spurweg zu verfolgen, und sprengten wir jetzt rasch dahin. Wir hatten vorläufig noch weiches Grasland zu pasfiren und in demselben ließ fich die Spur der Baude leicht er­kennen, um so mehr, als fich die Kerle gar keine Mühe ge­geben hatten, ihre Spuren zu verbergen. Sie mochten wohl nicht ahnen, daß ihnen die ^Verfolger so rasch ge­folgt waren, um so mehr stieg unsere Hoffnung, die Strolche einzuholen, noch ehe fie den Rio Grande erreicht, um ihnen das Handwerk gründlich zu legen.

(Fortsetzung folgt.)