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Donnerstag de» 14. Mai
M. 113 Zweites Blatt.
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Aints- und Anzeigeblutt füv den Ttveis Gieren.
Hratisöeikage: chießener Aamilienblätter.
Allr Annoncm-Bureaux drS In« und LuSlande» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
tSire hm« von Anzeige« zu der Nachmittag» für de» fHmven Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
D* Gießener
; Winilienir-tter Dd-i dem Anzeiger , Mfmttich dreimal trigelegt.
Der
IfMiet An,ei«er : "Innt täglich, p NuSnahmr de» Montag».
Bierleljährlger AdonvementsPret», 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Ps^
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Siebener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung, kttrfenb: dir Anstellung eine» Wasenmeister» für die Gemeinde Watzenborn-Steinberg.
Christian Seipp zu Steinberg ist zum Wasenmeister bimsir Gemeinde ernannt und in dieser Eigenschaft von un» beWlig: worden.
Kießen, den 12. Mai 1896.
Großherzogliche» KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Gießen, den 12. Mat 1896. vßtttk.: Lehrerconferenzen.
Die
Mrsh. Kreis-Schulcommission Gießen
au die Schulvorstände des Kreises.
Brr beauftragen Sie, die Lehrer Ihrer Gemeinden zu be Mchiithtigen, daß tu diesem Frühjahre folgende Conferenzen ftaMfivöi'n werden:
1. Mittwoch den 20. Mai, vormittag» 10 Uhr, tim Hrichrnsaal der Stadtknabenschule Eonferenz für den Bezirk Giinsm l) Mittagessen im Cass Ebel).
2. Donnerstag den 21. Mai, vormittag» 9’/2 Uhr, inw Safühau» zur Traube zu Hungen Conferenz für den Bezirk LiiHhut gen.
3. sFreitag den 22. Mai, vormittag» 9*/2 Uhr, im» hoA zum wilden Mann in Grünberg für den Bezirk GrAckizg.
v. Gagern.
Zum Himmelsahrtssest.
hirnmelfahrtStag ist KrönungStag. Da» Erdenwerk Je siii ist vollbracht. Sünde, Tod und Grab sind bezwungen, die! Kasger kennen den Auferstandenen nun gut genug, um DOMifyn zu zeugen. So mag er scheiden und seine Herrschaft antmilm.
Temn ein König da» Regiment übernimmt, so thut er feicnnr Wolke seinen Königswtllen kund. Auch Jesu» hat so getchu. Aber kürzer war wohl nie ein Erlaß al» der feine, kei»elLintgltcher. „Mir ist gegeben alle Gewalt im Hiimne l und auf Erden." Da» ist da» erste Stück. Soö ton keiner sprechen al» er. Wer da» hört, sieht wie setm sllvLltiger Arm sich über die Erde reckt, und gewahrt tm i kkltgetriebe die wunderbaren Spuren seiner Hände. Jhrimnusg nun Alles dienen: Kaiserthum und Politik, geist* iichiLl UN d weltliches Regiment, der unbeugsame Tyrann und
die stille FriedruSbotin am Krankenlager. Ihm dienen die Erfindungen der Neuzeit: die Maschine, wenn sie die Menschen zusammenbindet und neue Gedanken im Menschenherzen weckt, da» Schiff, wenn e» da» Evangelium über die Meere trägt und un» den Reichthum der Schöpfung Gotte» erschließt. Ihm dient jede Entdeckung der Wissenschaft, wenn fie un» klarer hinetnschauen läßt in die weise Ordnung de» Ge* schaffenen und in die große Tiefe seiner Gedanken.
Aber der König will nicht bloß staunende Verehrer, er will eifrige Diener. „Gehet hin in alle Welt und macht alle Heiden zu meinen Jüngern!" Da» ist sein Wille.
Kaum hat er da» gesagt, da zuckt ein neue» Leben durch die alternde Menschheit. Da» Evangelium von Jesu Heil»* willen läuft durch die Lande. E» erregt die Herzen. Arme und Reiche werden Brüder. Schwache Frauen werden zu furchtlosen Bekennern, im Geist sehen fie Jesum, ihren König, im Himmel thronen.
Da» römische Kaiserthum muß sich beugen vor dem verachteten Kreuze. Einsame Mönche ziehen todeSmuthig in ihre» König» Namen missionireud durch die Lande. Donar» Eiche fällt tu Deutschland: da» Volk senkt vor dem Himmels* könige da» Knie. Um da» Evangelium streiten Könige und Kaiser - ganze Bölkerschaaren ziehen für ihn in» ferne Land. Und solcher Eifer ist nie erstorben; aber er regt sich stärker al» seit lange in unserem Jahrhundert. Da» Jahrhundert der Mission hat man e» genannt- und mit Recht: denn Mission treiben sie draußen, Mission treiben sie drinnen. „Macht fie alle zu meinen Jüngern!" da» ist und bleibt alle Tage Jesu Befehl seit dem HimmelfahrtStage.
Wahrlich, der Befehl ist noth auch in dieser Zeit. Wo man ihn befolgt, weicht Duell und Strtke, stirbt die Sünde, die am Volkskörper nagt, flieht Unfriede und Streit.
Wohl möchten wir manchmal seufzend fragen: Wann, wann werden fie aber alle seine Jünger fein? Aber sei still, Mensch, wer bist du, daß du Gotte» Rath ergründen willst! „Mir ist gegeben alle Gewalt! Ich bin bet euch alle Tage!"
Deutscher Reich.
Köln, 11. Mai. Die „Köln. Ztg." versichert bet Be* sprechung der Gesetzesvorlage, betreffend Umformung der vierten Bataillone, verschiedene Erscheinungen mahnten, auf der Hut zu sein. Die Gegnerschaft gegen die vierten Bataillone, welche mit allen Mitteln die Caprivi'scheu Vorschläge bekämpfte, frohlockt heute, daß ihrer Agitation die Regierungsvorlage zu danken ist. E» werde nicht lange dauern, so werde von derselben Stelle, die in Preußen tu militärischen Fragen Alleinherrschaft beansprucht, die Forderung aus weitere Verstärkung der Compagnien und Rück* kehr zur dreijährigen Dienstzeit erhoben. Die „Köln. Ztg."
verlangt von der Regierung Aufklärung, ob die jetzige Vorlage ein Vorbote der im Stillen gehegten anderen Pläne sei oder nicht.
Grnnberg, 10. Mai. Wie nunmehr bestimmt ist, wird die Nebenbahn Grünberg.Londorf am 1. Juli eröffnet und dem Betrieb übergeben werden.
E. Echzell. 12. Mai. vom herrlichsten Frühlingswetter begünstigt, fand gestern unser sogen. Mai- oder HimmelfahrtS- markt statt. Es waren Käufer au» der Umgegend erschienen, welche besonders auch Confirmandensachen ankausten. Außerdem wollen sie die Arbeiten an der neuen Bahnlinie sehen. ES gibt in unserer Gegend noch viele Leute, die noch nie* mal» mit der Eisenbahn gefahren sind, viehwarkt fand nicht statt, weil die Maul- und Klauenseuche in der Gegend noch nicht ganz beseitigt ist. Der Marktabend wurde durch Tanzvergnügen beschlossen, wobei die Tänzerinnen zahlreicher al» die Tänzer waren. — Wir hatten schon Badegäste und Touristen au» Salzhausen und Nauheim hier, welche diejenigen Partieeu machten, die im „Gieß. Anzeiger" im vorigen Jahre geschildert worden waren. Da6 Wetter ist sehr geeignet zu Fußtouren, die Wälder find prachtvoll, Waldmeister ist immer noch brauchbar und Maiblumen gibt e» bei un» in Hülle und Fülle. — Die Zwetschenblüthe ist vorüber und verspricht geringe Erträge- wesentlich bester sehen die Birnbäume au» und die Aepfelbäume scheinen noch bester al» die Birnbäume zu werden. Der heutige PaakratiuStag läßt sich gut an- hoffentlich verdirbt Servatius auch nichts. Die Luft ist zu trocken, wir müßten einen milden warmen Regen haben, damit die verderbliche Kruste auf den Aeckern und Pflanzbeeten beseitigt wird, denn diese ist Gift für die ausgehenden Pflanzen. — Ganz besonder» schön sehen die HauStrauben* stöcke au». Wir haben bereit» kräftigen SamenauStrieb an warmgelegenen Wänden. Was könnten die Leute ein schöne» Stück Geld verdienen, wenn fie gute Eßtrauben für die Kurgäste in Salzhausen und Nauheim ziehen würden. E» hält aber gar zu hart, bis man Jemanden in unserer Provinz zu einer neuen besseren Betriebsweise bewegen kann.
n. Altenstadt, 11. Mai. Unsere Molkereigenossenschaft kann mit dem bi» jetzt Erreichten recht wohl zufrieden sein - denn nach kaum vierteljährigem Bestehen erreichte der Gesammtumsatz schon die Höhe von 61,994 Mk. 22 Pfg., während die Zahl der Mitglieder sich in dieser Zeit noch nicht verändert hatte, sondern immer noch 90 betrug. E» herrscht unter sämmtlichen Genossen die größte Zufriedenheit über ihre Zugehörigkeit zur Molkerei, durch die fie auch gemeinsam aus billigste Weise das beste Kraftfutter beziehen. Man hört oft, namentlich von Leuten mit kleinem landwirthschaftlichem Betrieb äußern: „Früher brachten wir kein Geld aus Milch- und Buttererlös zusammen- jetzt da*
Feuilleton.
Moderne Städtebilder.
Originalbriefe für den „Gießener Anzeiger".
(Nachdruck verboten.) IL
Augsburg.
I. Eine Floth geschichtlicher Erinnerungen schwingt mit i Ilm Namen mit. E» gibt Städte, denen gegenüber man» pr nicht anders kann, als historisch fühlen. Bet dem Klaihf! von „Augsburg" überkommt e» Einem sofort mit BorrMagen an „Reichstag", „altdeutsches Patrizierthuw", .refumatorische RrligionSangelegenheiten", kurz, ein ganze» BürM viou ReminiScenzen taucht da in der Seele de» halb- ceg^liverrichteten sofort an die Oberfläche, und mit Recht, ;enrin of Schritt und Tritt drängt sich Einem hier die Ber- ganMstiÜ auf. Wir logirten in dem Hotel zu „den dresi M o dstilvi", da», im Mittelpunkt der Stadt gelegen, ein vor- nehv!,« stille» Gasthau» ersten Ranges ist, in welchem man von t ko geräuschvollen Treiben eine» internationalen Ab- steiM«:°r^er» wenig merkt. Die elegante Ausstattung und etc Wl Küche lasten sehen, daß da» Hau» eine rühmliche Tran-Mai aufrecht zu erhalten hat. Hier befindet fich der Fu,Wri»fen, in welchem die Schuldscheine Karls V. ge- tilgt? rinden, auch kann der Logirgast die komfortablen FürstjWmrmer besichtigen, denn die „drei Mohren" find das Abstich,wartiere der bayerischen Könige.
dem Hotel tritt man auf die Hauptstraße: die MaxMarnSftraße, die in ihrer Fortsetzung auf die Karolinen* strähnvSladet. Dicht an den „drei Mohren" prangt da»
FuggerhauS. Die Bilder an der Front stellen die Entwickelung diese» glänzenden KausherrengeschlechtS dar. verfolgen wir die durch eine Tramwoylinie gekennzeichnete Straße in schnurgerader Richtung, so kommen wir recht» an dem alterthümlichen Rath Hause vorbei, in besten goldenem Saale in früheren Zeiten der Reichstag sich versammelte. Die Decke des goldenen Saale», ein au8 Eschen- und Eichenholz kunstvoll gebildeter Plafond, hängt ohne tragende Stützen im Dachstuhl, im Gebälk. Da» imposante Deckengemälde stellt den „Triumphzug der Minerva" dar. An den Wänden sehen wir die Bilder antiker Imperatoren und Scenen au» der biblischen Geschichte. In den Nebenzimmern interessireu die kunstvoll gearbeiteten Plafond» und die riesigen Oefeu (reine Töpferarbeit), ferner Gemälde von Luca» Kranach, eine Copie de» Tizian'schen Gemälde»: „Gastmahl der Kleo* patra" (der Moment, da die eghptische Königin ihrem römischen Gaste, Autoniu», die kostbare Perle im Wein auflöst) , sodann die Wappen der Adel»- und Patrizier- geschlechter und ein silberne» Modell de» Augustus- bruunen». Drei kunstvolle Brunnen zieren die Hauptstraße : AuguftuSbrunuen, Herkulesbrunnen und Merkur- bruunen. Die Höhe de» Rathhaufe» wird man erst recht gewahr, wenn man an der Rückseite Posto faßt, an dem kleinen Kloster Maria zum Stern, da» ein eigenartiges Thürmchen mit byzantinisch-russischer Kuppelform trägt. Die Zwiebelform ist auch au anderen Thürmen häufig. Daß da» „Gebäude der städtischen Verwaltung" an die Rückseite de» Rathhause» herangedrängt wurde, stört sehr den monumentalen Eindruck.
verfolgen wir über da» Rathhau» hinaus die Hauptstraße, so gelangen wir an den Dom, einen kolossalen, in
horizontaler Richtung fich erstreckenden Bau, etwa» verwittert im Aenßeren, sehr schön ist jedoch da» Hauptportal mit seinem reichen bildnerischen Schmuck. Auch da» Innere entfaltet viel Pracht, besonder» an den Nebenaltären. Zu einem einheitlichen, zusammenfassenden Eindruck gelangt man allerdings in diesem Dome weniger als in anderen bedeutenden Gotteshäusern. Einen großartigeren Gesammtaublick de» Jnnenraume» gewährt die am anderen Ende der Hauptstraße gelegene UlrichSktrche. Die Wirkung de» Hauptaltars ist imposant. Die schönen Glasmalereien und da» perspektivisch angelegte Gitter fesseln da» Auge de» Beschauer» in hohem Grade.
Dem Dome gegenüber befindet fich das Bischof»* palaiS. Auf der anderen Seite erhebt fich auf freiem Platze das Kriegerdenkmal. Der Friede ist in der Gestalt eine» jungen Krieger» symbolifirt. Die Inschrift am Denkmal lautet:
„AuS Kampfe» Nacht Erstand mit Macht, Der Sonne gleich, Da» Deutsche Reich."
Diese Worte leiten un» gewissermaßen au» dem mittel* alterlichen Augsburg hinüber in da» Augsburg der Gegenwart. Architektonisch wird diese» vor allem vertreten durch da» im neuen viertel gelegene Theater, einen stattlichen Renaissancebau, entworfen nach dem Plane de» genialen Baumeister» Gottfried Semper und im Kleinen da», wa» da» Frankfurter Opernhaus im Großen ist. An den Seiten befinden fich die Portraitbüsten der Dichter und Com- ponisten, welche in diesem Musentempel zum Won- und Ton* ansdruck gelangen.


