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Velinpapier mit breitem Goldrand lithographirt. Daneben liegt in derselben Ausführung das Mufikprogramm. Beide werden geziert durch Alliance Wappen unseres Kaiserpaares, beide find in deutscher Schrift gehalten. Die Speisekarte ist frei von jedem fremden Ausdruck. Als Ueberschrift zieren fie die Worte: „Königliche MittagS-Tafel." DaS Musik- Programm besteht aus 24 bis 30 Stücken: Weber, Wagner, Sullivan, DelibeS, Meyerbeer, ferner Militärmärfche find hauptsächlich vertreten. Nach der Tafel pflegen die Majestäten Cercle zu halten; fie lassen sich besonders illustre Gäste durch die Hofmarschälle und Kammerherren zuführen. Die Namen derjenigen Personen, welche die Majestäten zu sprechen wünschen, werden gewöhnlich schon vorher bestimmt. Die Kammerherren werden an den kaiserlichen Tafeln meist so plactrt, daß fie immer zwischen einer bestimmten Anzahl von Gästen fitzen, sodaß fie deren etwaige Wünsche sofort be- rücksichtigen können. In Potsdam wird das Mittagsmahl gewöhnlich in der JaSptS-Gallerte eingenommen, welche für 60 bis 80 Personen Platz bietet- der Kaffee wird im Muschelsaal gereicht. Die Mufik spielt im Garren. Die JaSpiSgallerie, in deren braunem Geäder der Schein der brennenden Wachskerzen fich zauberisch wiederspiegelt, geht unmittelbar auf den Park hinaus. Wenn des Abends die Flügelthüren des großen Saales geöffnet find, wenn die wilde FrühlingSluft, der Blumendust des gewaltigen, herrlich gepflegten ParkeS auf die Gäste eiuwirkt und dann zufällig deren Blick auf den bestreuten, mondbeleuchteten fcintmtl fällt, daun ist das Entzücken aller Gäste unseres KatferpaareS voll, die deren bestrickende Liebenswürdigkeit, mit welcher fie die Gastfreundschaft zu üben wiffen, nicht genug rühmen können."
Da aus der Küche des Kaisers außer dem Kaiser und seiner Familie auch noch die zahlreiche Dienerschaft, die Herren und Damen vom Gefolge, die dtenstthuenden Kammer
herren, Hofdamen, Geueraladjutavten und Flügeladjutanten gespeist werden, ist der Verbrauch in der Küte ein ganz bedeutender, wie folgender Rapport über den Fleischverbrauch für zwei Tage beweist. Dieser Rapport, der die Hausfrauen tnteresflren dürfte, lautet:
Es wurden gebraucht am 12. September: 100 Pfd. Rindfleisch, 4 gebrühte Kalbtköpfe, 360 Pfd. Kalbskeulen (die Keule nicht unter 30 Pfd.), 10 Brück Pökelzuugen, 200 Pfd. Hammelkeulen. Für den 14. September: 14 Stück Rinderfilet, 15 Pfd. KalbSmilch, 12 Pfund Rindermark, 4 Pökelzuugen, 10 Pfd. magerer Speck, 200 Pfd. Kalbskeulen, 100 Pfd. Rinderbraten.
Wenn Herrenabende bei« Ka ser stattfindeu, so wird mit Rücksicht auf die Gesellschaft vor allem das Servireu von Getränken angeordnet. Solche Gesellschaften finden ge- wöhultch im Fohnensaal statt. DaS bei der, ihres ausgedehnten patriotischen Verlages wegen allgemein bekannten Firma Wilhelm Köhler in Minden erschienene vortreffliche WeihnachtSbuch: „DaS Leben im deutschen Kaiserhause", elegant gebunden Preis Mk. 1.60, erzählt hierüber weiter: Auf der Tafel stehen Cigarren, Cigaretten und kleine Spiritus- lampen zum Anzünden. ES wird Champagner, Bier und Bowle fervtrt, und vor jedem Gast stehen Teller und Servietten, und von Zett zu Zett erscheinen Diener, welche kleine Appetitschnittchen und Butterbrode mit Caviar, mit Austern und ähnlichen Delicateffeu herumretchen. An solchen Abenden bleibt der Kaiser bis 12 Uhr auf, während er sonst fton viel früher zur Ruhe geht.
Finden große Galataseln statt, so wird der Tisch nicht uur in verschwenderischer Fülle mit Blumen, sondern auch mit kostbarem goldenem und silbernem Geschirr besetzt. Unter dteseu Taufelaufsätzen und Decorationsstückeu nehmen die Silbergeschirre einen hervorragenden Rang ein, welche dem Kaiser bei seiner Verheirathung von den verschiedenen Pro-
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vorhanden.
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Unterricht daselbst.
6 Taglöhner.
2 Laufmädchen.
1 Wickelmacher.
1 1
1 1
1 Schriftsetzer.
1 Metzger.
2 Schlosser-
4 Schreiner.
5 Hau«burschen.
2 Erdarbeiter.
1 ßabnertn.
Für den Vorstand: Dr. Naumann, Pfarrer.
Vom 7. bis ««gebot der Arbeitnehmer.
Bäcker.
Friseur. Lacktrer. Schmied.
Gießen, den 8. December 1896.
Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
I. V.: Wolff.
Victoria - Augusta - Töchterpenfionat
Gießen, Löberstratze 24.
Unterricht für Schülerinnen jeden Alters vom 8. Jahre an und Damen aus Stadt und Umgegend in Sprachen, Musik, Malen (be* sonders auch die berühmte Dresdener und Meißener Porzellanmalerei), Brandmalerei, Kerbschnitt, Handarbeiten rc.
Prospekte durch die Vorsteherin _ 9079
Frau Hermine Schneider.
Städtischer Arbeitsnachweis Gießen
Garteustratze 2.
Bekanntmachung.
136 Mark Zinsen aus der Stiftung der dahier verstorbene« Elisabethe Schmidt find zu gleichen Theilen an vier bedürftige, unbescholtene, ledige, in Gießen lebende Dienstmädchen im Alter über 50 Jahre und vier arme Wittwen aus Gießen nach der Auswahl des Stadtvorstandes zu vergeben. Anmeldungen zum Bezüge derselben haben bis zum ersten Januar 1897 unter Beibringung des erforderlichen Nachweises bei der unterzeichneten Stelle zu geschehen.
Ailgkmkmer Verein für Armen- und Krankenpflege. Außerordentliche Generalversammlung Montag den 14. December er., Nachmittags 5 Uhr, im Coufirmaudeusaal, Neustadt 61.
Tages-Ordnung:
1. Erbauung eines neuen Schwesternhauses, besonders Wahl des Bauplatzes. 2. Abänderung der Paragraphen 11 bis 16 der Statuten.
Die Mitglieder werden hiermit auf Grund der Paragraphen 4, 5 und 7 der Statuten ergebenst eingeladen.
10805 Der Vorstand: Schlosser.
Evangelischer Zünglingsverein
Dieser Verein, der im October d. I. sein 9. Jahresfest gefeiert hat, hält seine regelmäßigen Zusammenkünfte an jedem Sonntag, Dieus- tag, Freitag und Samstag, Abends zwischen 8 und halb 11 Uhr, im Vereinslocal in der „Herberge zur Heimath".
Wir laden junge Leute zum Beitritt freundlichst ein und bitten, zunächst gastweise den Verein an den Vereinsabenden zu besuchen.
9. December:
Nachfrage der Arbeitgeber.
1 Barbier. 1 Schlaffer.
1 Schuhmacher. 13 Lehrlinge
21 Dienstmädchen. 1 perfecie Köchin.
1 ältere Person zur Beau'stchtigung der Kinder. 2 tüchtige Schweizer.
2 tüchtige Pferdeknechte.
9863
Gießen, im November 1896.
Für den Vorstand: Dr. Naumann, Pfarrer.
Sonntagsverein für Mädchen.
Die Vereinigung der Mädchen findet statt an jedem Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr Nachmittags im Saale der Kleinkinder- schule; die Mädchen können nach Belieben zu jeder Zeit kommen und gehen; von 8/t4 Uhr bis 3/t5 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt mit Gesang, Ansprache, Vorträgen.
Gute unterhaltende Bücher und Spiele sind in großer Zahl
Lebensgroße Portraits
Nach Natur und jeder Photographie. Otto Frits, akad Kunstmaler, Unterricht daselbst. 9479 Atelierhaus Goethestraße 46.
vinze« Preußens als Hochzeitsgeschenk überreicht worden find. Für die Tafel, an welcher die Majestäten mit ihren vornehmsten Gästen fitzen, werden goldene Teller benützt, und die Tafel macht mit ihren weißen Damastinoen mit ihren Blumen, ihren großartigen Prunkstücken io Silber und (3olbr das alles strahlend in der Fülle des electrischen Lichtes, einen gerade feenhaften Eindruck. Jede Fürstlichkeit hat einen Leibjäger zum Serviren der Speisen hinter fich. von den Gästen an der Marschallrafel werden je zwei von einem Diener mit Speisen und Getränken bedient. Während dieser großen Galatafel concertiren gewöhnlich zwei Musikchöre und der Höhepunkt des Festes ist immer der Augenblick, in welchem der Kaiser fich erhebt, um einen Toast, der der Bedeutung des Tages entspricht, auSzubringeo. Der Kaiser ist ein vorzüglicher Redner, wie er dies ja oft genug in letzter Zeit zu beweisen Gelegenheit hatte; er spricht kurz, knapp und mit hellklingender Commandostimme, die indeß durchaus nichts Schreiendes hat. Nach der Galatafel wird gewöhnlich im Rittersaale der Kaffee eingenommen und dort wird dann die Unterhaltung lebhafter und allgemeiner, da ja naturgemäß bei einer Hofgalatafel die eigentliche Unterhaltung fich nur auf den Tisch erstreckt, an dem die Majestäten mit ihren Gästen fitzen. Die Teilnehmer au der Festlichkeit^ die an den sogenannten Marschalltafelu fitzen, dürfen fich natürlich nicht allzulaut unterhalten, um die Majestäten nicht zu stören. Auch eine solche große Galatafel mit dem Sm« nehmen des Kaffees im Ritterfaal dauert nicht länger als 2*/i Stunden.
Zum Schluß wollen wir nicht verfehlen, die Leser dieses Blattes darauf aufmerksam zu machen, daß fich besonders die elegant gebundene Ausgabe des am Kopfe dieses Artikel- näher bezeichneten Buches ganz vortrefflich als Weihnacht--- geschenk eignet.
Spar- und Leihkaffe Gießen.
Wir bringen hierdurch zur Kenntniß der Interessenten, daß uns auch in diesem Jahre eine Summe zur Prämiirung von Dienstboten des Sparkassenbezirks zur Verfügung gestellt wurde. Prämien können von fünf zu fünf Jahren nur solche Dienstboten im engeren Sinne erhalten, welche bei der Herrschaft Kost und Logis haben und sich über gute Führung durch Zeugnisse ausweisen können.
Von Vollendung der fünf Jahre kann nur dann im letzten Dienstjahre abgesehen werden, wenn der Dienstaustritt durch Einberufung zum Militär, durch Auflösung des Haushaltes der Herrschaft, oder durch Gründung eines eigenen Haushalts erfolgt.
Es werden hiernach alle diejenigen Dienstboten, welche nach vorstehenden Bedingungen auf eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, aufgefordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines Zeugnisses der Herrschaft über gute Führung, sowie eines etwaigen Sparkassenbuchs bei unserer Kasse oder der Großh. Bürgermeisterei des Wohnorts bis zum 24. l. M. zu melden.
Gießen, am 8. December 1896.
Die Direction des Spar» und Leihkassevereins.
I. E.: Wiener. ____
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