Ausgabe 
13.10.1896 Erstes Blatt
 
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Im anderen nach, fiel dabei zur Erde und brach ein lebn. Derselbe wurde tu die Klinik gebracht.

* Die 22. ordentliche Hauptversammlung bei Lierschutziereioß fvr das Großherzogthn« Hessen findet Sams, iip, den 31. October, Nachmittags 3 Uhr, im Gasthaus jjim Deutschen HauS" zu BenSheim a. d. B. statt. Die ^eSordnung für dieselbe lautet: 1. Protocoll der letzten harptversommlung. 2. Rechenschaftsbericht für 1896. 3. Rech- angsablage für 1895. 4. Kaffrnbericht für 1896. 5. Bor« oschlag sür 1897. 6 Anträge deS AuSschufieS. 7. Etwaige Li träge der Mitglieder. 8. Vortrag des Herrn Seminar- letrer Buxbaum (Benshe'm): Unsere Freunde unter den SIriothieren, mit Borlage von Präparaten und Abbildungen.

-j- Grävberg. 11. October. Am 14. und 15. l. MtS. stdet hier der sogen. GalluSmarkt, einer der bedeutendsten iterlhesfischen Jahrmärkte, statt- derselbe trägt von Alters |tr daS Gepräge eines Volksfestes und erfreut fich immer tiieS sehr zahlreichen Besuches aus der ganzen Provinz, gar Hebung der Vergnügungen wird am Mittwoch Abend riv Ball abgebalten.

+ Geiß-Nidda. 11. October. Herr Bürgermeister kinid dahier wurde mit Rücksicht aus seine Gesundheit wünsch- von dem Amte als Bürgermeister enthoben, welches tt beinahe 24 Jahre zur großen Zufriedenheit feiner Vor- hegten verwaltete. In Anerkennung dieser letzteren That- lach« wurde unserem bisherigen Gemetndeoberhaupt bereits tu 21. März cr. daS allgemeine Ehrenzeichen mit der In- Ifrfft: ^Für langjährige treue Dienste" verliehen. Mit der rivftweiligen Fortbesorgung der Bürgermeiftereigeschäste ist hrn Beigeordneter Bin ding commlttirt worden.

Darmstadt, 10 October. DaS Schwurgericht verurtheilte 6$ute Abend die Ehefrau Marte Htrschinger wegen Silserverletzung mit tödtlichem Erfolg zu zwei Jahren Srsängniß. Die>e hatte am 28. Mai d. IS. ihr acht- jLhchgeS Söhnchen, nachdem eS bereits vom Vater wegen liidbtcher Ungezogenheiten Strafe erhalten hatte, derart miß« lonlidt, daß daS arme Kind eine Schädelzertrümmerung da- iontnig ur* zwei Tage später starb. Die Geschworenen scklin der jähzornigen Frau mildernde Umstände zugebtlligt.

Darmstadt, 11. October. DieNeuen Heff. VolkSbl." gelben: Ein auswärtiges Blatt läßt fich den Bären auf- Habi-n, es seien 60 russische DetectiveS hier eingetroffen. 61 rind allerdings einige russische Geheimpolizisten, welche im Kaiser stets begleiten, hier eingetroffen, deren Zahl ist über nur gering. Ebenso ist in daS Reich der Fabel zu ver- Nisan, daß daS Personal deS HoftheaterS den Ruffen vor- schellt worden fei, damit sich keine Fremden dort einschlichen. Daß in jeder Beziehung Vorsichtsmaßregeln getroffen sind, ist j» natürlich, wer aber die Verhältniffe kennt, kann über Md)! ungeheuerliche Aufschneidereien nur lächeln.

Schwurgericht.

W. Gießen, den 12. October 1896.

.Heute Vormittag 9 Uhr begann die Verhandlung gegen iro Kljährigen Viehhändler Feist Sommer von Crainfeld itflcn Betrug, Meineid und Untreue. Bei Bildung der Siiij worenenbauk werden zwei Erfatzgeschworene ausgeloost. Die Anklage wird von Herrn Staatsanwalt Koch ver- htttai. Am Vertheidiqertlsch nehmen Platz die Herren Rechts- ntoi;(te Katz und Dr Jung. 36 Zeugen find zu hören.

'Der Thatbestand der Anklage ist der folgende:

1. Sommer hatte erfahren, daß der Landwirth Kraft i-Menfchlirf beabsichtige, ein Pferd anzuschaffen. Er setzte fj icaraufhin mit dem als Zeugen zu vernehmenden Jakob d Verbindung, welcher im Besitz eines Gaules war. Nach

der zwischen Sommer und Jakob getroffenen Vereinbarung ging beffen Thier behufs Verkauf an Kraft für den Preis von 183 Mk. an Sommer über mit der Bedingung, daß der Mehrerlös für den Braunen zwischen dem Angeklagten und Jakob getheilt werden sollte. Nun begann der Gäuls- handel zwischen Sommer und Kraft. Der Erstere verlangte für daS Prachtpferd stramm 620 Mk., indem er die Güte desselben mit einem Schwall von Worten herauSstrtch. Nack vielem Handeln und Feilschen wurden die Parteien endlich mit 400 Mk. Handelseins, jedoch will Kraft diesen Preis nur gewährt haben auf die Versicherung des Sommer hin, daß das Roß fehlerfrei und nicht älter als neun Jahre sei. Gar bald aber merkte Kraft, daß er einen Veteranen von Sommer aufgehalst erhalten, er ging der Herkunft der Rofinante nach und ermittelte, daß dieselbe über 20 Jahre alt war. Die Staatsbehörde erblickt in diesem Handel die Merkmale des unter Anklage stehenden Betrugs.

2. Der als Zeuge zu vernehmende Landwirth Löffler stand mit dem Angeklagten seit mehreren Jahren in Ge­schäftsverbindung. Anfang des Jahres 1892 hatte der An­geklagte von feinem Kunden .ein größeres Guthaben zu fordern und übernahm für dasselbe im Februar 1892 Vieh im Ge- sammtwerth von 1020 Mk. Nun soll zwischen Sommer und Löffler am 14. Februar 1892 gegenseitig dahin abgerechnet worden sein, daß der Erstere an Löffler 320 Mk. 40 Pfg. herauSzuzahlen hatte, deren Behändigung bald darauf erfolgen sollte. Sommer leistete aber keine Zahlung, so daß Löffler die Klage zuerst wegen der runden Summe von 300 Mk. anstrengte. Der Prozeß erledigte fich, indem der Angeklagte zunächst verurtheilt wurde, einen Theil der 300 Mk. zu be­zahlen, wegen des Restes wurden demselben zwei Eide zu schwören auferlegt, die er aber nicht leistete, sondern durch Vergleich die Verpflichtung der Restzahlung, sowie die Tragung der ganzen Gerichtskosten übernahm. Zwei Tage nach Proto- collirung dieses Vergleichs klagte Löffler gegen Sommer auf Grund der Abrechnung vom 14. Februar seine Restforderung im Betrage von 20 Mk. 40 Pfg. ein. Auch in dieser Sache wurde dem Beklagten Sommer ein Eid auferlegt, den dieser auch annahm und dahin leistete:

Es sei nicht wahr, daß er am 14. Februar 1892 mit Löffler abgerechnet habe und daß aus dieser Ab­rechnung zu Gunsten des Klägers ein Guthaben von 320 Mk. 40 Pfg. verblieben wäre.

Dieser Eid, den der Angeklagte am 26. Juni 1892 ge­leistet, soll, wie die Anklage behauptet, wiffentlich falsch ge­schworen sein.

3. Die Untreue erblickt die Staatsbehörde in folgendem: Anfangs der neunziger Jahre wanderte die Wittwe Benjamin Bär, die bis dahin in Crainfeld gewohnt hatte, nach Amerika aus. Behufs Ordnung ihrer Verhältniffe, nämlich zum Zwecke der Eintreibung von Außenständen, Einziehung und Verwendung des Geldes rc., stellte die Frau dem Angeklagten Sommer eine Generalvollmacht aus. Es wurde jedoch zwischen der Vollmachtgeberin und dem Bevollmächtigten ausdrücklich vereinbart, daß eine Spareinlage, die im September 1894 mit zugeschriebenen Zinsen den Betrag von 2058 Mk. 65 Pfg. ausmachte und welche die Erstere bet der Vorfchußkaffe Crain­feld gut hatte, unter allen Umständen dort stehen bleiben sollte. Zu aller Vorsorge wurde diese Vereinbarung schrist- lich gemacht und von der Bürgermeisterei Crainsetd be­glaubigt. In diesem Schriftstück ist klar und deutlich fest« gelegt, daß der Generalbevollmächtigte ohne verherige schrift­liche Ermächtigung der Wittwe Bär die Spareinlage nicht antasten oder erheben dürfe. Entgegen die Bestimmung soll nun der Angeklagte im September 1894 das Geld doch erhoben und in seinem Nutzen verwendet haben. Allerdings hat der Bürgermeister von Crainfeld, welcher dahinter kam, wie Sommer gehandelt und der die getroffene Vereinbarung

mit diesem kannte, später vom Angeklagten nach vieler Mühe so nach und nach daS Geld zurück erhalten, jdoch hat die Wittwe Bär infolge dieses Vorkommnisse- die Generalvoll­macht zurückgezogen. Sommer bestreitet entschieden den ihm zur Last gelegten Betrug, ebenso, daß er im fraglichen Fall einen Meineid geleistet- er gibt aber die Entnahme der Bär'schen Spareinlage zu, indem er behauptet, er sei damals der Ansicht gewesen, daß er als Generalbevollmächtigter das Recht habe, über diese Einlage verfügen zu dürfen- auch will er die getroffene Vereinbarung mit der Wittwe Bär betreffs dieser Spareinlage vergessen haben- das bezügliche Schriftstück habe seine Unterschrift erhalten, ohne daß er von dem Inhalt vorher Kenntniß genommen.

Der Angeklagte erklärt, in Crainfeld geboren zu sein und seit dem 15. Jahre seinen Handel getrieben zu haben. Er hat zehn Kinder, von denen der älteste Sohn Arzt ist, darunter vier Töchter, von denen zwei mit einer Mttg.st von zusammen 15,000 Mk. verheirathet sind. Sein Grund- befitz sei 1012,000 Mk. werth. Der Angeklagte erklärt, im Ganzen ein Vermögen von 40,000 Mk. zu besitzen, doch habe er mit seiner Frau 15Q0 Gulden erheirathet. Der Angeklagte bestreitet ganz entschieden die ihm zur Last ge­legten Delicte. Er habe selbst nicht das hohe Alter des an Kraft verkauften Pferdes gekannt, diesem aber auch nicht ausdrücklich garantirt, wie alt der Gaul ist. Derselbe war auch 400 Mk. werth, denn später ist daS Thier auf dem Ortenberger Markt für 320 Mk. verkauft worden. Sommer hat später den Braunen zurückgenommen und einen anderen geliefert. An diesem zweiten Pserd hat Sommer allerdings rd. 100 Mk. profittrt und um diese Summe will Kraft ge­schädigt fein.

Betreffs des Handels mit Löffler behauptet Sommer, dessen Vieh im Februar 1892 für 1000 Mk. und nicht, wie die Anklage behauptet, zu 1020 Mk. übernommen zu haben. Eine Abrechnung habe nicht stattgefunden.

Es werden nun die Urtheile des Amtsgerichts Herb­stein in Sachen Löffler gegen Sommer wegen Zahlung von 320 Mk. 40 Pfg. verlesen; deren Inhalt deckt fich mit dem im Thatbestand der Anklage Enthaltenen. Der Angeklagte behauptet, da thatsächlich eine Abrechnung nicht stattgefunden, habe er den fraglichen Eid auch leisten können. (Forts, folgt.)

vermischtes.

* Marburg, 10. October. Im Dorfe Wickenrode bei Witzenhausen erschlug ein betrunkener Fabrikarbeiter Brack seine schwangere Ehefrau. Der Gattinmörder wurde verhaftet.

kirchliche Anzeigen der evang.Gemeinde.

Montag den 12.Ddober, Abends 8Uhr: Erste Bibelstunde im Confirmandensaal der Johannesktrche. Pfarrer Dingeldey. Bergpredigt, Matth. 5, 1 ff.

Dienstag den 13. October, Nachmittags 6 Uhr: Versamm­lung der neuconfirmirten Mädchen der Lucasgemetvde im Schwestern­haus. Pfarrer Dingeldey

Heute Dienstag den 13. October, Abends8Uhr: Vereinigung der confirmirten Mädchen aus der MarcuSgemeinde im Confirmanden- saal der Neustadt Nr. 61. Dr. Grein.

Verkehr, nnd volkswirthschaft

Gründer-, 10. October. Fruchtpretse. Weizen X 15.02, Korn X 14,00, Gerste X 00,00, Hafer X 12,00, Erbsen X 00,00, Linsen X 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 0 00, Samen X 00,00.

ff !<ber Art. sowie »

G « h 4 ^Stoffe »ä a g? | tg Man schreibe rnn'unlit

XäT V D VH Angabe de» Gewünschten.

von Elten &. Keussen, Fabrik und Handlung, Crefeld.

EÄK

Kaufmännische Fachschule.

Stundenplan für das Wintersemester 1896/97.

Zeit.

M.

D.

M.

D.

Ä-

S.

7 f

o <o

Correfv. III Buchfg. I Buchfg. III Corresp I Französisch

Buchfg II Rechnen III Wechsellehre III

Englisch

Corresp. II Wechsellehre I

Rechnen I

Corresp. III Buchfg. I

Buchfg. III Corrrsp. I Französisch

Buchfg. n

Wechsellehrell Englisch

Corresp. II

Rechnen II

Bekanntmachung,

betr. die Abhaltung der Biehmärkte zu Gießen.

Mit Bezug auf daS Ausschreiben Großh. Kreisamts Weißen vom 5. d. Mts., abgedruckt in Nr. 236 des Gießener Anzeigers, bringen wir hierdurch zur öffeutlichen Kenutuiß, M die Abhaltung der Viehmärkte zu Gießen am 27. und N. dieses Monats unter den daselbst angegebenen Beding- wgern gestattet ist.

Gießen, den 10. Ddober 1896.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

______________________Gnauth.__________________ 9042

Bekanntmachung,

betr. das Einhalten der Tauben während der Saatzeit.

Die Besitzer von Tauben werden unter Hinweis auf Art. 79 des Strafgesetzes aufgefordert, ihre Tauben vom 15. bis Ende d MtS. in W (Schlägen einzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift müssen nach ' ÄWabe des Feldstrafgesetzes zur Anzeige und Bestrafung gebracht werden.

Gießen, den 10. October 1896.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

_ M___________________Gnauth.____________________

Suppenwürze ist frisch etngetroffen bei: Sberh.

Metzger, Neustadt 8, Frankturterstrl, Ecke Südanlage _____Die Original-Flä'chchm von 65 Pfg. werden zu 45 Pfg M diejenigen ä Mk. 1.10 z» 70 Pfg. mit Maggi's Suppenwürze nachgefüllt. 8747

MIAGGI5

Empfehlungen.

ML Schlachthaus.

Freibank. 9048

Heute und morgen:

Rindfleisch, richt ladenrein, pr. Pfd. 50 Pfg. Schweinefleisch (gesalzen) nicht ladenrein, per Pfd. 45 Pfg.

Die Freibank bleibt bis Abends 10 Uhr geöffnet.

Zwiebeln

Heute Dienstag auf dem Aranbplah

100 Pfund ... 4 Mk.

20 ... 90 Pfg.

10 , ... 45 Pfg.

tW Lieferung frei ins Haus. 9020 I. Rühl.

Neuheiten

in Pelz-Baretts, Pelzbesatz, in allen Farben und Preislagen. Umänderungen von Pelzfachen in neue Fa-ons, sowie alle Repa­raturen werden gut und billig ausgeführt.

G. Schultheis,

9039 Kürschner, Marktstr. 3.

Von heute ab täglich:

frischer Aepftlmost

im Neuen schützeuhos, sowie Licherftraße Ä. 9031

Georg Schäfer.

Täglich srisch gekelterter

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