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Gietzener A«;eiger erschemt täglich, satt LuSnahmr de» Montag».
Dir (Bittener yiamitien 0 ratter fcxrbrn dem Anzeiger »tchentlich dreimal beigelegt.
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Zweites Blatt
Kenerat-Anzeiger.
Kedaction, Lxpedttt«. und Druckerei:
Kchalftratze Kr.r«,
Fernsprecher 51. J
Sonntag den 13. September
Gießener Anzeiger s
2lnrts- uttS Anzergeblcrtt für den Kreis Gieszen. — I II ■ I - — wwf ■ —— — ■ 2 ■■—- .... ■ ■ — .. .. . ■— " ■ - 1
«»»ahme oob Anzeigen zu der Nachmittag» für de» frtrtO* T fifrtffor *fle «nnoncen-Bureaux deL In- und AuSlande» nehmen
folgenden Tag erscheinmdrn Nummer bi» Bonn. 10 Uhr. yy4.ULlX>VvUUy<re IlVlUllt 1. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Nidda, 5. S ptember. Gestern Abend hielt der hiesige OrtSgewerbverein eine stark besuchte Versammlung, in der als einziger Punkt der Tagesordnung der Antrag PreutzenS wegen Organisation des Handwerks ver- handelt wurde. Der Vorsitzende, Herr Möbelfabrikant Ringshausen, begrüßte die Anwesenden mit Dank für ihr zahlreiches Erscheinen und führte in längerer Erörrerung aus, daß die geplante Organisation entschieden einen Rückgang tm Gewerbe zur Folge haben werde. Er sowohl, wie Herr Dr. Langsdorf, der zur Zeit hier weilt, erkennen tu dem Entwurf eine Bevormundung des Handwerks. Sie find der Ansicht, daß ein zwei« bis dreijähriger Besuch der Handwerkerschule und die Lehre eines tüchtigen Meisters mehr Werth haben, als eine solche Organisation. Wenn d^r junge Handwerker noch mehrere Jahre zu fremden Meistern gehe, dann hade er genügende Kcnntniffe und Fertigkeiten. Herr Landtagsabgeordneter Erk beleuchtete in eingehender Weise den Verlauf und die Entwickelung des Handwerks seit der Gewerbefreiheit, daß die Großindustrie das Kleinhandwerk zu Grunde richte, und kommt zu dem Resultate, daß, um dem Kletnhandwerker entgegenzukomwen, eine progressiv höhere Besteuerung der Großindustrie stattzufinden hätte. Mit Ein« fiihrung der ZwangStnnung trete eine große Schädigung des Kleinhandwerkers ein. ES sollten sich einfach Handwerker- verbände bilden, die an maßgebender Stelle schon das Nöthige bewirken könnten. Der Hauptlehrer Meyer bedauerte, daß heute noch so viele Handwerker dem Gewerbverein nicht an« gehörten
§§ Bermuthshain, 10. September. Während des Dreschens mit der Dreschmaschine gerieth dem Landwirth Balthasar hrrchenröder in dem benachbarten Lichenrorh beim Einlegen der Frucht die rechte Hand in die Maschine und wurde schwer verletzt, indem ein Finger halb abgerissen und die anderen gequetscht wurden. — In den Waldungen deS Fürstlich Jsenburgtschen Bezirks, bei dem benachbarten Völzberg, wurde kürzlich ein großer Fi cht en stamm gestohlen.
-1- Salzhausen, 9. September. Die schlechte Witterung des nun zu Ende gehenden Sommers hat zwar den Besuch des hiesigen Bades auch ungünstig beeiofluht, wie es bei größeren und ganz großen Badeorten auch empfunden worden ist. Trotzdem können wir zufrieden sein. Erfreulich ist es, daß sich auch Gießener Familien, darunter einige Siammfamtlien, die feit Jahrzehnten erscheinen, wieder sehen ließen. — Besonder- wohlthätig wurden die Freibäder em
pfunden, die verschiedenen unbemittelten Kranken aus Wohnbach, | Geiß-Nidda, Hungen, Ober-Mockstadt und anderen Orten bewilligt und aus dem LangSdorf'schen StiftungScapitale gedeckt worden find.
n. Friedberg, 10. September. Dir Actienzuckerfabrik „Wetter au* eröffnet ihren diesjährigen Betrieb am 22. d. Mts. Die heurigen Rüben stehen bezüglich des Zucker« gehaltes hinter den vorigjährigen kaum zurück. Auch in quantitativer Hinsicht dürften die Laudwirthe ihre Rechnung finden.
Oppenheim, 8. September. Heute Vormittag wurden am Fahrt drei EScadrons deS 24. Dragoner-Regiments, eine Train-Abtheilung, sowie ein Bataillon des 116. Infanterie- Regiments mit Regimentsbagage mit der fliegenden Brücke über den Rhein befördert. Zwei Bataillone deS 116. Regiments wurden von Pionieren in je acht Doppelpontons übergesetzt. Die ganze Zeit deS Ueberfahrens der letzteren Abtheilung betrug nur 55 Minuten. Die Dragoner nahmen eine kleine Uebung mit ihren Faltbooten vor. Während der Ueberfahrt spielte die Regimentsmusik der 116er die „Wacht am Rhein". Eine große Enttäuschung harrte deS hiesigen Publikums, als die bereits für gestern angekündigte Einquartierung nicht erschien, und manche Hausfrau bl'ckte rathloS auf den bereits zubereiteten großen Schweinebraten. Man tröstete sich jedoch mit dem Gedanken, daß die heute erschienenen 950 Mann an doppelten Portionen ihre Schuldigkeit thun werden.
Bingen, 10. September. Ueber die hiesige Stadt und Umgegend ging heute Nachmittag ein äußerst heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlag nieder. Die Hagelkörner waren jedoch nur klein und richteten deshalb keinen ernstlichen Schaden an,- dagegen setzten die großen Waffermaffen die tiefer gelegenen Straßen längere Zeit unter Waffer. DaS Unwetter dauerte etwa 25 Minuten.
ver-mischtes»
♦ Flensburg, 10. September. Heute früh 7 Uhr wurde der Raubmörder Schuett aus Errigstedt durch den Scharfrichter Reindel-Magdeburg im Hofe des hiesigen Ge> fängnisseS hin gerichtet. Schuett, welcher am 8. Mai d. I. vom Schwurgericht wegen Mordes zum Tode ver- uctheilt worden war, hat kein Geständniß abgelegt.
* Papenburg, 8. September. Ein Soldat des in Oldenburg in Garnison liegenden Infanterie«Regiments I Nr. 91, welcher nach seiner Militärzeit wettere drei Jahre
Feuilleton.
Wochendriesr aus der Residenz.
(Origtnalbericht deS „Gießener Anzeigers").
• Z. Darmstadt, 11. September.
Herbstausstellung der HandelSgärtuerverbivduug. — Eröffnung des HoftheaterS. — Verkehrsaustalteu. — Allerlei.
Im Frühjahre und im Herbst veranstaltet die Darm« flädter HandelSgärtnerverbindung nun schon seit einigen Jahren Ausstellungen vonNutz- und Zierpflanzen, in wie von Gartengeräthen, um dem Publikum regel- iragig Gelegenheit zu bieten, die Leistungsfähigkeit und das Lrceben der Vereinigung feststellen zu können. Man hatte diesmal anstatt des sonst zu ähnlichen Zwecken benutzten SaalbaueS die Gärten der Gesellschaften „Eintracht" und „Bürgerverein" zur Ausstellung gewählt und diese boten den vesuchern in ihrem prangenden Blumenschmucke ein Pracht- volles Bild. Herr Hofbouquetlieferant Henkel eröffnete om Samstag voriger Woche die hübsche Ausstellung mit tnem Hoch auf den Großberzog. Die zur Schau gestellten Pflanzen find außerordentlich werthvoll und ausgezeichnet zu- lammengestellt. Die Firma Noack hat gleich am Eingang ein mächtiges Dekorationsstück ausgestellt, ihr reihen fich die Firmen Wenz, Heß, Horn, Völker u. s. w. würdig an. Etartengemüse find neben den lieblichen Kindern Floras auch vertreten, Blumenkohl>nd Kürbisse sogar in wahren Resen- exemplaren. Eine ausgestellte Tombola ermöglicht, gleich am glotze ein blühendes Andenken au die Ausstellung zu ge- Linnen. Leider erlitt der Besuch gerade am Haupttage, dem Sonntag, in Folge des abscheulichen Wetters eine starke Einbuße, so daß die ganze Ausstellung um ein paar Tage t'rlängert werden mußte- der Erfolg für die rührige HandelS- zäRtnerverbindung war auch diesmal ausgezeichnet und dürfte Üagu beitragen, die Herbst- und FrühjahrSausstellurgen zu hiier dauernden Einrichtung werden zu laffen.
Günstiger als dem Brsnch der GartenauSftellung ist das Wetter der Eröffnungsvorstellung im Hoftheater gewesen. Hier hatte man gleich zu Anfang der Spielzeit den erfreulichen Anblick eines dichtbesetzten HauseS, das der vortrefflichen Aufführung von Gounods „Romeo und Julie" mit größtem Interesse folgte und namentlich den neu gewonnenen Vertreter des lyrischen Teuorfaches durch rauschenden Beifall auSzeichnete. Von außerordentlich günstiger Wirkung erwies sich die Tieferlegung des Orchesters und die durch den gewonnenen Raum ermöglichte Neugruppirung der Instrumente. Die Klangfülle und Tonschönheit der Ouvertüre kam zu vorzüglicher W rkung. Am Dienstag gab man eine bemerkenSwerrhe Novität, Wildenbruchs vaterländisches Schau- spiel „Die QuitzowS", das dank einer trefflichen Jnsceniruvg und flotten Darstellung ausgezeichnet gefiel. Zunächst kommen nun noch ein paar Gastspiele auf neu zu besetzende Fächer in Bctracht, deren Ergebniß jedoch wohl erst in der nächsten Woche bekannt werden dürfte.
Wichtige Bekanntmachungen und Verhandlungen zwischen dem Vorstand deS PolizeiweseuS und dem AuSschuffe des Bicycleclubs und Radfahrervercins wurden in der laufenden Woche veröffentlicht. ES handelt fich zunächst um ein euer- gischls Vorgehen gegen die rückfichtSlosen Burschen, die innerhalb der Stadt in zu schnellem Tempo fahren, und oft die polizeilichen Anforderungen ganz unbeachtet laffen. Die Radsahrervereinigungen haben bcschloffen, die Polizeiorgane beim Vorgehen gegen dieses Unwesen zu unterstützen, zugleich erbaten sie die Zusicherung, daß bei der Anlage von neuen Verkehr sftrußen auch die Frage der Einrichtung besonderer Fahrbahnen für Radfahrer erwogen werden solle. Man kann darin ein Sympton für die zunehmende Bedeutung des moderustcn Verkehrsmittels erkennen und vielleicht find wir den Zeiten besonderer Radfahrerstraßen gar nicht mehr fern.
Ein anderes Verkehrsmittel, das nun schon so lange heiß ersehnt wird und so dringend nothwendig ist, die elektrische Straßenbahn, hat in den letzten Tagen
bet der afrikanischen Schutztruppe diente, kehrte dieser Tage in seine Heimath zurück und zwar in Begleitung seiner Braut, die keine Geringere ist als die Tochter des bekannten Häuptlings Witboi. Das Mädchen hat recht angenehme GefichtSzüge, ist der deutschen Sprache beinahe mächtig und hat fich deutsche Sitten und Gebräuche vollkommen ungeeignet. Die beiden Verlobten haben fich nach dem in OstsrieSland gelegenen Geburtsort des Bräutigams begeben, woselbst die Hochzeit demnächst statlfinden soll.
• Der jüngst verstorbene Anatom Dr. Rüdiuger eröffnete seine verdienstvolle anatomische Laufbahn als Barbierlehrling. Als er einmal, so wird jetzt erzählt, die Arbeit eines angehenden MedtcinerS nicht eben zart kritifirte, rächte fich der Schüler mit dem Einwurfe: „Herr Profeffor, ich bin eben noch nicht Rastrer gewesen!" Rüdiuger erwiderte darauf humorvoll: „So weit werden Sie es auch wohl nie bringen," — spräche und ließ den angehenden, mißvergnügten Anatomen stehen.
• Aus Furcht vor Strafe e r s ch o ß fich in der T o r g a u e r Schloßkaserne ein Soldat der 11. Compagnie des Infanterie- Regiments Nr. 72, weil er von der Ronde auf Posten lesend angetroffen wurde.
♦ Die Zahl der Fürstlichkeiten, welche ä la suite unserer Marine geführt werden, beträgt jetzt fieben: König von Schweden, Erzherzog Carl Stephan von Oesterreich, Herzog Alfred von Coburg, die Prinzen Ludwig und Thomas von Italien, Großfürst Alexis von Rußland und Kaiser Nikolaus II. Auch Zur Alexander III. wurde ä la suite der deutschen Marine geführt.
* Aus der Schweiz, 1896. In der „Neuen Züricher Zeitung" klagt Einer, dem'S zu Herzen ging, über den ver- wäfferten Alpensommer dieses Jahres und theilt aus dem Fremdenbuche eines Berghotels folgende Troftreime mit, bei deren Lesen man allerdings auch literarisches Gliederziehen bekommen könnte:
Vor dem Sommer 96
Muß der größte Alpenfreund fich Mindestens dreimal bekreuzen - Denn was bringt des Sommers Segen? Husten, Schnupfen, Schnauben, Schneuzen!
• Eiu guter Vater. Der Papa läßt fich, während er sein Mittagsschläfchen hält, von seinen Kindern die Fliegen wegfangen. Für jede Fliege bekommen fie einen Pfennig, und für das ge'parte Geld dürfen fie — dem PapaCigarren kaufen.
———"gg
uuch wieder einmal von sich reden gemacht. Es wurde nämlich der zur Erzeugung der uothwendigen BetriebSkrast erforderliche Dampfkeffel von der Firma Rodberg an daS städtische Electricitätswerk abgeliefert, wenigstens ein Anschein, daß daS so lange beschloffene Institut einer Straßenbahn im Laufe der nächsten Zeit in» Leben treten wird. Im Elec- tricitätswerke find zur Zeit übrigens 5 große Kessel aufgestellt, und bei der stets steigenden Nachfroge wird wohl die Anlage weiterer Vergrößerungen in den nächsten Jahren nöthig werden.
Im Saalbau bringt die ungünstige Witterung den Concertveranstaltungen andauernd Schaden. Nur das von der Capelle Hilge veranstaltete Benefizconcert für ihren Chef hatte fich eines schönen äußeren und künstlerischen Erfolges zu erfreuen- an Ehrungen deS tüchtigen Dirigenten hat eS nicht gefehlt. Auch die Capelle der Gießener 116er, die am Sonntag ein großes Concert im Saalbau veranstaltet hatte, fand wohlverdienten Beifall, nur schade, duß daS Regenwetter die Abhaltung im Garten und deffeu geplante Illumination vereitelte. Seit dem Abzug der Garnison in daS Monöver hat das Straßenleben Darmstadts, in dem das Militär ja eine bedeutende Rolle spielt, ein verändertes Aussehen erhalten.
In der jüngst hier besprochenen „Orpheums"-Angelegen- heit ist nun auch eine Entscheidung getroffen. DaS beliebte BergnügungSetabliffement wird nämlich seine Vorstlllungen in den neuen großen Saal, der zur Zeit in der Gcafen- straße gebaut wird, verlegen. Die Vollendung des Baues wird allerdings noch recht lange auf sich warten laffen, denn vertragsmäßig soll die Uebergabe der neuen Lokalitäten an den Besitzer erst im December erfolgen und so werden die Variet^vorftellungen wohl auch erst nach Weihnachten ihren Anfang nehmen. Ucber die künftige Bestimmung deS Skating-RinkS, das ja verkauft worden ist, hat man noch nichts gehört.


