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13.6.1896 Zweites Blatt
 
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yjliillHeeirdtlcr tr k txm Anzeiger WMülich dreimal 1 eigelegt.

Zweites Blatt.

Samstag de» 13, Juni

1896

Gießener Anzeiger

Kmerat-Unzeiger.

vierleltährtger jLieeerwtetiFirtll 2 Mark 20 Psg. mit vringrrlohn.

Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

fUbaction, typebittea und Druckerei:

-ch»l»r«ßeAr.7. Fernsprecher 51.

Aints- und Anzeigeblutt für den Areis Gietzen.

chratiskeikage: Gießener Aamitienölätter.

Anitlirher Tbeil

1 gnchtne do» Anzeigen zu der Nachmittags für bew 1 M7,ii, Lag erscheinendm Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Rnnoncen-Bureaux des In- unb Luslanbes nehme» Anzeigen für benGießener Anzeiger" entgegen.

i, Boa bet Ridba, 10. Juni. Die Engerlinge richten :b ec im einzelnen Orten recht bedeutenden Schaden attm 8i*l der FrühjahrSauSstellung konnte man ihrer noch viMisiitbhaft werden- dagegen hat man sie in letzter Zeit beim

Homburg, 3. Juni. Ein verblüffte» Gesicht soll, dem T. ®." zufolge, vor einiger Zeit auf hiesiger GenchtSkasse ein auswärtiger Zeuge gemacht haben. Nachdem er feine nicht ganz unbedeutenden Zeugengebühren hingezählt erhalten und als er eben mit frohem Gefühl den letzten Buchstaben feines NamenS unter die Quittung gefetzt hatte, griff plötzlich hinter ihm her eine Hand hinüber und strich das Geld vom Tische ein. Eben wollte der erzürnte Zeuge über den an­scheinend schlechten Witz seine- Collegen losdonnern, da blieb, als er sich umsah, ihm da- Wort im Halse stecken, denn hinter ihm stand der Gerichtsvollzieher!

Ein Unikum bet Aerztewelt. lieber den Düffelborfer Homöopath Dr. med. Volbeding, den marktschreierischen Vertreter der Homöopathie in Deutschland, der in den letzten Jahren jährlich für rund 160.000 Mark Danksagungen über angeblich gelungene Kuren in 500 deutschen Zeitungen publicirte, ist im Verlag von E. O. Jahn, Leipzig, eine 80 Druckseiten umfassende Broschüre erschienen. Gegen Dr. Volbeding ist die Anklage deS Betrugs, der Bestechung und fahrlässiger Tödtung erhoben. Erwähnte Broschüre be­handelt auf» Gründlichste sowohl Praxis wie Privatleben de- vielumworbenen HeilkünstlerS. Dieser Arzt hatte es zu einer Tageseinnahme von 1200 bis 1400 Mark gebracht. Wir möchten da- Büchelchrn aus daS Angelegentlichste empfehlen.

Würzburg, 9. Juni. Der zum BezirkSthierarzt be­förderte zweite städtische Thierarzt Speiser erschoß sich

Zubereiten der Dickwurzäcker gesammelt. Recht empfindlich I ist der durch die Larve angerichtete Schaden auch auf Zucker- rübenäckern, weil sie da eben die fchon vereinzelten Pflänzchen zerstören, wodurch große Lücken entstehen und der zu er­hoffende Ertrag vermindert wird, viele Zückerrübenäcker mußten Heuer zweimal bestellt werden. Es war daran häufig I weniger daS unregelmäßige Aufgehen des Samen», als viel- I mehr das nach dem Eintritt des Regens so plötzlich über- Hand nehmende Unkraut schuld, dessen Ausrottung mehr Kosten verursacht hätte als die zweite Bestellung. Die Dick- wurzpflanzen sind fast alle gesetzt unb wachsen bei der günstigen I Witterung gut an. Die Gemüsepflänzchen sind dieses Jahr sehr schön, sie hatten weniger als sonst von den Erdflöhen zu leiden. Dagegen treten eben an Zwetschen- und Pflaumen- bäumen die Blattläuse in zahlreicher Menge auf.

Bad Nauheim, 11. Juni. Einen gehörigen Rausch hatte sich am Montag Nachmittag der Polizeidtener eine» benachbarten OrteS in unserer Stadt gekauft. An der steinernen Brücke nach der Ltndenstraße verließen den guten Mann die Kräfte und in einem Gebüsch daselbst bot sich ihm Gelegenheit, seinen Kater anSzubrüten. Ein Utzvogel hatte sich den Spaß erlaubt, den neben dem Schlafenden liegendenSpieß" auf­zupflanzen und die Mütze drauf zu setzen, so daß Jedermann sehen konnte, wer hier den Schlaf de» Gerechten schlief.

AuS bem Vogelsberg, 11. Juni. Zur höchsten, aber I noch rechten Zeit, hat sich der Regen eingestellt. In aus- I giebigster Weise ergießt sich da» lang ersehnte Naß über die duftenden Fluren. Die Trockenheit ist beendigt. Dte Wirkung der niedergehenden Gewitterregen macht sich überall dem Auge in der erfreulichsten Weise btmtrfbar. DaS Korn, dessen Ackerboden tiefe Risse zeigte und da» nicht empor- wachsen konnte, ist mit einem Male hoch herauSgeschossen- ebenso zeigt der Wetzen daS beste Aussehen. Hafer und Gerste, die durch die Trockenung wieder zu verkümmern schienen, berechtigen nun noch zu den besten Hoffnungen, vor Allem ist der Regen dem Klee und Heugras noch recht

I zeitig gekommen. Der Klee blieb trotz seines dichten Standes I kurz und brachte keinen Ertrag, jetzt aber wächst er zusehends, sodaß der besürchtete Mangel an Grünfutter nun behoben

I erscheint. Bei der bevorstehenden Heuernte hatte man sich allgemein schon auf recht geringe Erträgnisse gefaßt gemacht,

I weil daS BodengroS zurückgeblieben war. Wer aber jetzt die Wiesen beobachtet, der wird bemerken, wie in den wenigen Tagen, seit der erste Niederfchlaa erfolgte, daS Gras überall emporwächst. Wie im Felde, so sieht eS auch im Garten jetzt sehr vortheilhast au». Alle Küchen- und HauS-

I Haltung» - Gewächse haben daS üppigste Aussehen. Die Bohnen unb Gurken sind prächtig aufgegangen und von keiner Reifnacht, wie oft um diese Zeit, beschädigt worden. Die Hackpflanzen sind soweit gediehen, daß mit ihrem Ver-

I setzen aus» Feld überall begonnen werden kann. Mangel I hat eS an diesen Pflanzen keinen. Zu diesem AuSsctzen herrscht gegenwärtig ein Wetter, wie es der Landmann sich nicht besser wünschen kann Alles in Allem berechtigt der Wandel in der Witterung zu den besten Hoffnungen.

Cfteratur A«nsr

Wie sah es während der Belagerung 1870/1871 in Pari» aut ' Eine höchst interessante und spannende Schilderung hüben wir in dem im Verlage von Stephan Geibel in Altenburg er­scheinenden Lieferungswert. «. Steffen Sohn. <^f****tt®** eine» Pariser Nationalgarvisten a. d. I. 1870/71. Dte Lieferungen 2 bis 4, welche uns die Verlagshandluna sendet, ent­halten folgende Capitel: Die c-roß: Maustfalle - Nepublikanische Ercellemen Ter Plan Trochu Im Dienst des rothen Kreuze» Drei Tage bei den Moblots Pariser Kriegs Nationalgardist Pariser Hungermist-re. Wir können diese außerordentlich anregend geschriebenen Erinnerungen eines Luxemburgers, der zuletzt auS einemFranzosen" ein überzeugungstreuer Deutscher wurde, allen unseren Lesern aufs Wärmste empfehlen, nicht nur Erwachsenm, sondern auch der Jugend. Gesteigert wird das Interesse des Leser« noch du^ch die hübschen, nur nach authentischen Vorlagen gezeichneten Bilder de» Malers Starcke-Weimar.

_ In dem Vortrag, welchen Dr. P. Jessen kürzlich in Berlin über »Künstlet und Dilettanten im «nnstgewetbe hielt, betonte er zum Schluß, welch ein werthvoller Mitarbeiter bet oer- ständnißoolle, ernsthaft arbeitende Dilettant '^wbalb es gelte das Verständniß iürS Kunstgewerbe in die breiten Schichten deS Volkes zu tragen, den Sinn für das wirklich Schone zu wecken und zu heben?wieviel Gutes dte jetzt beim Publikum so in Gunst stehende Liebhaberei für häusliche Kunst in dieser Richtung wirken könne, wenn sie sich nicht in Nebensächlichem verliere, sondern lerne,ben Blick bei allen Decorationen immer ausS Ganze zu richten; die Kenntnitz der kunstgewerblichen Techniken, die sinngemäße Verwendung de« verschiedenen Materials zu eigen machte. An München, wo da- Kunfthandwerk in so hoher Bluthe steht, die dort (bei R. O'denburg) erscheinende ZeitschriftDie Liedhaderkünste" richtet seit Jahren< ihr ganzes Scfkeben daraus, durch sorgfältigste Auswahl künstlerischer Vorlagen und anschauliche Anleitung zu den gediegendsten aller neu austauchenden Techniken in diesem Sinne bildend und fördernd zu wirken (Monatlich erscheinen 2 Hette. Pr.ts pro Vrerteliahr 3 refp. 5 Mk).

VtkmmtmachllN-, betreffend: die Maul- und Klauenseuche.

Räubern unter der Schafherde zu Lauter die Maul- n JIRI®ienfcud)e amtlich festgestellt worden ist, wird die» mt-M im Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß tietoulcttg»- und Weidesperre angeordnet worden ist.

Sttßen, den 11. Juni 1896.

Grobherzogliche» Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

lei den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt, 11. Juni 1896.

Di, Sitzung wird um 9 Uhr eröffnet.

Di- gestern abgebrochenen Berathungen Über das Kunst- -F-tzeiigefetz werden heute fortgefrtzt. Die Kammer in die Einzelderathung der 44 Artikel umfassenden GMsik.orlage. Art. 1, der die Zugehörigkeit der Kunst- itw Um Allgemeinen behandelt, wird nach längerer Debatte, I n:iin nch die Abgg. Erk, Muth und Haas-Offenbach betttfitligren, mit allen gegen eine Stimme angenommen. t'birxt 25 finden einstimmig Annahme. Der Ab- behandelt den Neubau der Straßen und umfaßt die I g,tn 612. Derselbe wird angenommen. Abschnitt III, *Iihtl$--16, behandelt die Straßenunterhaltung, insbesondere dtettMüffe deS Staates, Aufbringung der übrigen Mittel, ^ej-fielb-ng der Voranschläge und wird ebenfalls angenommen ge>M bkk Stimme de» Abg. Muth. Abschnitt IV handelt I O0«i btn Ortsdurchfahrten, hier Festsetzung der Straßen- un:iii Zuufluchtiinien, Straßenherstellung und -Verbreiterung, UtMhanung der Ortsdurchfahrten u. f. w. und umfaßt die

11825. Diese werden angenommen. Abschnitt V, foiaiijt besondere Bestimmungen, umfaßt die Art. 2633, roitilit üite Entschädigung für Nutzungen, Geländestellung für Slivliifimoerbrsserungen, Offenhaltung der Durchlässe und .flrimiltn sowie bei Schneeanhäufungen u. f. w. festfetzen. D M «erden angenommen. Abschnitt VI, Organisation und , ZvMchigkeit der technischen Localbeamten, umfaßt die I «1^3440. Der Art. 34, Bauinspectoren im Allgemeinen, gilch'seiner längeren Debatte veranlaffung. Der Gesetz- en sejif bestimmt, daß der Krei-verwaltung eine« oder mnstmvc Kreise gemeinsam ein Techniker, welcher die

Prüfung für das Bauingenieurfach gemacht hat, als ob mr!tr> Straßenbaubeamter betgegeben wird. Dagegen schlägt -e'imliSichuß dem Haufe vor, für jeden Kreis einen Techniker, de AmtStitelBauinfpector" führt, anzustellen und au» de mSiciatSkasse zu besolden. StaatSminister Finger be- gr rföit die Ansicht der Regierung, daß eS sehr schwer sein tr>t nii, geeignete Techniker mit der erforderlichen AuS- oiliM-z zu finden und auch auf der anderen Seite ein so Ml Techniker entsprechende Beschäftigung nicht fhrita itoerbe. Der Ausschuß gehe von einer anderen

au». Die Regierung wolle dem gemachten Vor- ch Pflicht widersprechen. Sie verkennt aber auch nicht, daß "id ist der Zeit doch Herausstellen könnte, daß die Regierung Rür iibe. Dehhalb empfehle er den Artikel in folgender 2B8air:^ fassen: ES ist zulässig, daß sich mehrere Kreise durch B'sie^ß de» Krei»tageS wegen gemeinsamer Bestellung eines Kt lnr!ik chniker» vereinigen. Die Anstellung des BauinspectorS auf Vorschlag deS KreiSauSschusseS. Diese Fassung finck: Einnahme. Auch bezüglich der Dienststellung des Sau- inf Ji.s sind Meinungsverschiedenheiten vorhanden, doch toiigj! »tr AuSschußantrag trotz des Widerspruchs Haas- OsHfiiLch angenommen. Zu Art. 38, Bezirksbauaufseher, bet trugen die Abgg. Vogt und Jöckel, diesen Beamten öeialrttfltitelKreiStechniker", wie derselbe schon bet dem ftrtaiant Friedberg gebräuchlich, zu verleihen. Abg^HaaS rot ittüt jsich mit Entschiedenheit hiergegen. Gegen 10 Stimmen toinbkbttt Antrag Vogt abgelehnt und der Ausschußantrag antTBimen. Die übrigen Artikel finden einstimmig An­na fc Der ganze Gesetzentwurf, der von fast sämmtlichen atÄuiÜnctcn al» vorzüglich anerkannt wird, findet sodann ge:ificehine Stimme Annahme.

§:»hluß der Sitzung ^2 Uhr.

im Bade- er hinterläßt einen Brief, in welchem e» heißt; Lieber au» der Welt, al» an Körper und Geist krank und wahnsinnig zu werden.

» Ingeburg, 8. Juni. Auf der Donauwörtherstraße wurde gestern ein verhetratheter Schneidermeister mit noch zwei Arbeitern von einem Schlosser durch Messerstiche schwer verletzt, so daß an ihrem Auskommen gezweifelt wird. Der Thäter wurde verhaftet, entlief jedoch den Schutzleuten und sprang in die nahe vorbeifließende Wertach, in deren Wellen er spurlos verschwand.

* Frankenthal. 9. Juni. Der Geschäftsmann Stork (Ludwigshafen) wurde wegen Untreue und Beleidigung von der hiesigen Strafkammer zu einem Jahre unb acht Tagen Gefängniß verurtheilt. Der verurtheilte erschoß sich im Sitzungssaale.

Brüssel, 9. Juni. Der Arbeiter Jacob hat im Wahnsinn feine Frau unb sieben Kinber mit Arsenik ver- giftet unb sich bann erhängt.

Feiner Geist, feiner Gaumen, ist ein alter Erfahrung»- fatz. In ber That find geistvolle Leute an unb für sich mehr ober weniger Gourmands. Wir find deßhalb überzeugt, un» bm Dank von manchem Freunde einer guten Küche zu er­werben, wenn wir ihn auf die vorzügliche Suppenwürze von Maggi aufmerksam machen. Nur wenige Tropfen davon i genügen, um auch der fadesten Suppe oder Fleischbrühe Wohlgeschmack unb Kraft zu verleihen. Maggis Suppen- würze sollte behhald in feinem Haushalte fehlen. Sie kommt in zwei Sorten in ben Handel, mit und ohne Kräuter- geschrnackfinea herbes unbpurum und ist in allen Delicateß- unb Colonialwaarengeschästen zu billigem

I Preise erhältlich.

I * John Bull. Ein englischer Staatsmann, Minister eines südafrikanischen Staates, ist ein fähiger Mensch, aber ein berüchtigter Trinker. Unter bem Banne deS Alkohol» hielt er einmal eine öffentliche Rede, die unzusammenhängen­der Blödsinn war. Anderen Tage» kam der Stenograph zu ihm, las ihm vor, waö er aufgezeichnet hatte und bat I um einige Erläuterungen. Der Minister sagte:Da» ist gar nicht meine Rede. Ich werde Ihnen biettren, wa» ich gesagt habe!" Und er btetirte dem Stenographen eine Rede, die Hand unb Fuß hatte. Zum Schluß bemerkte er:Junger Mann, Sie sind begabt und haben eine große Zukunft vor sich. Aber laffen Sie sich von mir rathen: Stenographiren Sie nie wieder eine Rebe, wenn Sie betrunken flnb V*

Bei der Redactiou eingegangeue Bücher rc.:

Famo»! Der neue Familien- ueb Vereins-Humorist. Ein» fortlauienbe Sammlung von humoristischen Vorträgen und I Aufführungen, Schwänken, Couplets (mit Noten), P^omimen u.s.w. für eine oder mehrere Perlonen (Damen und Herren). SDUt fofc« Heber Anleitung zum wirksamen Vortrage sowie practischen Winken für Regie, Costüme, Maske, Dccoratton und Requisiten. Heraus- geaeb.n von Paul RÜthling, Kgl. Hofschauspieler, und Her mann Förtsch, Salonhumorist. Stuttgart, Verlag von L-oyL Muller. Heft 40 unb 41 (4. Jahrgang, Heft 4 und 5) ie ^ Seiten Groß- octao. Eimelprcis j- 90 P'. im Abonnement ,e Pi