Ausgabe 
13.5.1896 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Mvireiii) eS^

® o nee:

Umv;Mugikdirector Bi*, Mitglied dal iRAMn.

ilendelssoh.; c»

36- Variationen für is ir: Adagio aus dem °,f> r kur Violine und Ont-s lr (B u.H.Nr.4).

ertschen Univ.-BuchluiL

Neustadt

elfahrtwarkt:

'anzmusit

SM

( \

fctite

letzt:

Ht. 24

i Htel Mappti.

lehler, K ephoo Nr. 110,

WKl-K smann, Giess irsweg 89. Bezugteuelle "* öbeln, sowie A !lusstattu«ge«-

M 112 Zweites Blatt. Mittwoch de» 13. Mai

1896

$rr

DM«r Antti-er rrl'imt täglich, o k iSnahmc de- Jbntogl.

> Gießener ,||*ii ILcaOrälict ro tri: :-rm Anzeiger Mzz^rltch dreimal I .'gtltgU

Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

Lieneljährtger >ltMiiemriibpr<l» I 2 Mark 20 Psg. mtt Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg.

Kedaction, Erpcdilio» und Druckerei:

KchulKratzeDkr.7.

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblntt füv den Tiveis Gieren.

EI " --------------- -.....-

>l »eh m« von Anzeigen zu der Nachmittag- für de* fc;l^nt<rn Tag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr.

Hratisöeikage: Gießener Jamilienökätter.

ÄH: AnnonceN'Bureaux de- In« und Lu-landr- nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" enigegen.

Amtlicher Theil.

ür. BO des Reichs-Gesetzblatt-, auSgigeben den 9. d. M./ enteilt:

(Sr 2301.) Bekanntmachung, betreffend die dem inter­nal rm!ei Ueberrinkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr Liste.

8i! ßen, den 11. Mai 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern.

3ie Frage des 8 Uhr-Ladenschluffes.

ViL'ReichScommission für Ärbeiterftatistlk Hal durch ihren u i 1tlc£ daß künftig alle offenen Ladengeschäfte in ganz rtüniijlöib mit wenigen bestimmten Ausnahmen von der: M von Abends 8 Uhr an bis 5 Uhr Morgens.' da«-! NI kum geschlossen sein sollen, eine neue gesetzgeberische MotchegL socialpolitischen Charakter- von einschneidender BeiioMirU für unser gesammteS WirthschaftSleben angeregt, rssef Sjscrllliche Meinung beginnt denn auch immer lebhafter zu lLilstclFrage Stellung zu nehmen und auch im preußischen ''b,), urttt'tenhause ist dieselbe jetzt zu einer erstmaligen ein» gehbsitil Erörterung gelangt, wozu der Antrag Brütt, die St.'.Meisterung aufzufordern, dem genannten Vorschläge fHmit Kotige zu leisten, den äußeren Anlaß gegeben hat. ilthaiibnlfe dieser Verhandlungen läßt sich dahin zusammen» kifiNf die groß- Mehrheit des Hauses den vorgeschlagenen '.wMizöschluß der offenen Ladengeschäfte um 8 Uhr AdendS int im bei schtedenen Gesichtspunkten als eine höchst bedenkliche Na Wahne betrachtet, mtt welcher Auffassung sich die bis ietztj. Iiui gewordenen Urtheile der öffentlichen Meinung in ter i iillgrllegenheit des 8 Uhr Ladenschlusses vollkommen decken.

DK wettere Entwickelung dieses neuesten Problems unfitinr svcialpolitischcn Gesetzgebung bleibt indessen zunächst abziMitim, denn wie aus den vom HandelSmtntster n. üLnlipich bei Besprechung des Antrages Brütt abgegebenen E.kd'iimpen hervorgeht, hat die preußische Regierung noch keirrkvu'llung zu dem beregten jüngsten Project der Reichs» comiNficin für Arbeiterstatist'k genommen.

Dir Schwerpunkt der ganzen Frage liegt selbstverständlich :i i >«i Forderung, daß die Läden längstens Abends 8 Uhr gesäWcn» fein sollen- die Bestimmung, tafe diese Ruhezeit bifl I jm anderen Morgen 5 Uhr zu dauern habe, besitzt ang t jitfl des Umstandes, daß um 5 Uhr früh kaum irgend .inen SatlANg offener Ladengeschäfte auf Kunden zu zählen batt.e, irrliter keine Bedeutung. Niemand wird nun bestreiten

wollen, daß der Grundgedanke des gesammten Vorschlags, den Hunderitausenden von Angestellten in den offenen Ber« kaufSgeschästen durch den zwangsweisen Geschäftsschluß um 8 Uhr AbendS eine Erleichterung in ihrem anstrengenden Berufe zu gönnen, ein sympathischer und menschlich schöner ist. Der Handlungsgehilfe hat vom Standpunkte der Gesund» heit und des menschenwürdigen Daseins aus gewiß vollen Anspruch darauf, daß seine Arbeitskraft und Arbeitszeit nicht allzusehr ausgenutzt werden und daß ihm, der von früh btS Abends fast ununterbrochen zur Bedienung der Kunden zur Verfügung stehen muß, durch einen künftigen zeitigeren GefchäftSfchluß eine größere Erholungspause gegönnt werde.

Aber eine Reihe gewichtiger Erwägungen sprechen andererseits gegen den vorgeschlagenen 8 Uhr»Ladenschluß und namentlich gegen die Verallgemeinerung einer solchen Maß­regel. Zahlreiche Ladenbesitzer, besonders in den großen Städten, würden durch dieselbe eine schwere geschäftliche Schädigung erleiden, da ja sehr viele Geschäfte ihren Haupt­umsatz erst in den späteren Abendstunden haben. Anderseits würde die Gehilfenschaft selbst die Kehrseite der Medaille empfindlich spüren- es ist wohl keine Frage, daß eine Ver­kürzung der abendlichen Geschäftszeit auch eine Entlassung zahlreicher Angestellter zur Folge hätte.

Ein Hauptfehler des EommtsfionSvorschlageS besteht ferner darin, daß er den 8 Uhr-Ladenschluß ganz gleichmäßig durchzesührt wissen will, ohne jede Berücksichtigung der doch häufig grundverschiedenen Verhältnisse zwischen Stadt und Land und dann wieder zwischen den einzelnen Theilen deS Reiches. Schließlich find ja auch die Verhältnisse in den einzelnen Geschäften überaus verschieden von einander.

Jedenfalls steht schon jetzt fest, daß ein allgemeiner Geschäftsschluß um 8 Uhr Abends mit den Forderungen und Bedürfniffen des realen Lebens in dtrectem Widerspruch stehen, daß er tief in unser gesammteS crwerbliches und wirthschaft» licheS Leben eingreifen würde und die bedenklichsten Folgen nach sich ziehen müßte. Wenn wirklich etwas zur Erleichterung der Lage des HandlungSgehtlfenstandeS geschehen soll, so muß darum dringend gewünscht werden, daß dies nicht aus dem Wege einer schablonenhaften Schlußstunde für alle Verkaufs» stellen erfolge, welche Schablonisirung lediglich an die Stelle eines kleineren UebelS ein großes und allgemeines Uebel setzen würde.

ecel<* »mw P-svösKEe».

z. Londorf, 9. Mai. Aufregende Tage lagen schon seit voriger Woche über unserem friedlichen Dörfchen. Am 9. Mai

Hruilleton.

Itrlintr AussteUungsbrirfk.

(Von unserem Correspondenlen.) VI.

Berlin, 10. Mai 1896.

Jd) schloß meinen vorigen Brief mit einer Betrachtung übe::r)it Verkehr-Verhältnisse nach der Ausstellung und will .mtiÜBibjt nb hieran roch bemerken, daß außer der Fahrt oer:!stolichke und der Beförderung per Maile Coache vor alle,« !itse durch tie E senbahn (Stadt» und Ringbahn) tn SWacht kommt- zu dieser würden wir, wie wir schon -nculili ELarlegten, nickt rathen, da dieselbe hauptsächlich von den nWrldnern selbst in Anspruch genommen sein wird. Die Züghs renden voraussichtlich große Verspätung erleiden, zudem lehrt iinsüllt fein, so daß dies; Beförderung zu vielen Un= nwläkltchkeiten Veranlassung geben dürfte. Diese- gilt benra ;ud) von den Dawpferverbtndungen, welche vor Allem laagiM Zeit, circa 50 Minuten, in Anspruch nehmen. Die Darainc nach der Ausstellung fahren an der Haltestelle .,Anb Ur Jannowitzbrücke" ab. Ehe man diese aber erreicht, Ich tgjfüld) einen Platz auf einem Dampfer erobert hat, geht ann tii| liiel Zeit verloren und stets waltet alsdann eine so biaiUfNÜIc Eage ob, daß man ein zweites Mal zu einer solckiis Dampferpartie kaum Lust verspüren dürfte. Zudem biehitiH<; Waffersahrt selbst fast gar nichts. Es geht vor» Übetöi en rauchenden Fabriken, Lagerplätzen :c. und erst kurz oor i iiiscrow selbst bietet sich dem Auge einiger landschaft» Ucheäi'Sieüz. Wozu ich dem Fremden nur rathen würde, fallck n nicht Droschke oder Mtelh-fuhrwerke benutzen will, ist l i.iiZi-rhrt ver Omnibus, electrische Bahn oder Pferde» bahiiin. Die Omnibus»Gesellschaft hat sechs durchgehende Lintlim n.iich dem Treptower Park eingerichtet, und zwar gehe!!» liiiiselben vom Potsdamer Bahnhof, Nordbahnhof,

Alexanderplatz, Lustgarten und Dönhoff-Platz ab. Der Wagen» verkehr ist auf 5 Minuten festgesetzt. Ferner führen vier Pferdebahalien nach der Ausstellung und zwar:

a. Potsdamerstraße (Botanischer Garten) Leipziger» straßeKöpenickerstraßeSchlesischestraße,

b. Zoologischer GartenLützowplatzPotSdamerstrahe Königgrätzerstraße OranienstraßeSkalitzerstraße Schlesischestraße,

c. Behrenstraße Charlottenstraße Leipzigerstraße KöpenickerstraßeSchlesischestraße,

d. SpittelmarktKöpenickerstraßeSchlesischestraße.

Ferner kommen drei electrische Straßenbahnen in Betracht:

a. Die electrische Bahn der Firma Siemens u. Halske, welche von der Behrenstraße (Ecke Wilhelmstraße) durch die Mauerstraße, Schützeustraße, Markgrafen» straße, Hollmanuftraße, Wafferthorstraße u. s. w. führt. Bei lebhaftem Verkehre ist eine Zugfolge von 2V2 Minuten vorgesehen, wobei jeder Zug 108 Per­sonen mit sich führen wird. Diese Verbindung dürfte für unsere Fremdenwelt die aller- wichtigste sein- der Fahrpreis beträgt für die ganze Strecke nur 20 Pffl. Die Bahn hält vor der Ausstellung am Eingang IV, pasflrt man denselben, so befindet man sich nach einigen Schritten schon vor dem Hauptau-stellung-gebäude, welches linker Hand liegt.

b. Die Linie DönhoffSplatz Ritterstraße Skalitzer- straßeSchlesischestraße. Der Fahrprei- für diese

ganze Strecke beträgt sogar nur 15 Pfg.

c. Die Linie Zoologischer GartenBülowstraßeAork» straßeHallescheS ThorGitschinerstraßeSkaUtzer» straßeSchlesischestraße.

Auf diesen letzteren beiden Strecken hat die Große Ber­liner Pferde-E,senbahn den electrischen Betrieb eingerichtet

erst sollte man die Gewißheit haben, welchem der beiden tn Stichwahl stehenden Eandidaten das Amt de- BÜrgermeisters übertragen würde. O, diese lange Zeit ernsten Harrens, in welcher ab und zu eine Wahlversammlung gehalten, jaFlugblätter" verbreitet worden. Endlich kam der ersehnte Tag mit der frohen Botschaft: Unser seitheriger Beigeordneter Herr I. Aumann ist mit 91 gegen 57 Stimmen gewählt. Sofort regte sich im ganzen Orte. Heitere Wahl» und Parteigenossen füllten die Wirthschaften und mancher Tropfen wurde auf das Wohl des neuen Bürgermeisters getrunken. Der GesangvereinFrohsinn", unter der Leitung seines Dirigenten, Herrn Lehrer Gödtel, brachte dem Neugewählten ein Ständchen. Im Uebrigeu verlief der Tag in der gemüthlichften Weise und eine Freude war es zu sehen, mit welcher Liebe und Anhänglichkeit die Bürger deS Ortes ihrem neuen Bürgermeister zugethan find.

LellerShaiu. 10. Mai. Die in unserer Gemarkung tn unmittelbarer Nähe des WarthofeS befindlichen Bauxit» werke des Herrn Emmel haben in jüngster Zeit einen ungeahnten Aufschwung genommen. Gegenwärtig sind dort etwa 40 Arbeiter, größtentheilS Bewohner der umliegenden Ortschaften, beschäftigt, welchen dadurch ein willkommener Verdienst erwächst. Dem Vernehmen nach trägt sich der Unternehmer mit der Absicht, sein Gut, den Warthof, zu ver­pachten, um seine ganze Thatigkeit dem Werke widmen zu können. (Drst. Ztg.)

Mainz, 10. Mai. Krtegervereine pflegen bekanntlich ihre Mitglieder mit militärischen Ehren zu Grabe zu geleiten. Dieser Gebrauch hat in Landgemeinden wiederholt zu ärgerlichen Auftritten Anlaß gegeben, weil die betreffenden OrtSpfarrer die Beerdigung nur in der gewöhn­lichen Form gestatten wollten. Das bischöfliche Ordinariat hat deshalb für den Bereich der Dtöcese Mainz folgendes gleichmäßige Verfahren angeordnet: 1. ES soll den Krieger- und Soldaten»Vereinen gestattet sein, ihre Mitglieder mit militärischen Ehren zu Grabe zu geleiten, bet gedämpftem Trommelschlag unter militärischem Commando zu marschiren und unter Beobachtung nöthiger Vorsicht Ehrensalven am Grabe abzugeben. 2. Trommel und Musik soll aber auf Anordnung deS Pfarrers einen Theil deS Weges hindurch schweigen, damit die ortsüblichen Gebete und Gesänge unge- stört stattfinden können. 3. Sollten auf dem Kirchhofe von irgendwelchem Vereine Lieder gesungen werden, so sind die» seiden vor dem Begrädniß dem Pfarrer zu bezeichnen, welcher Über deren Zuläsfigkeit zu befinden hat.

und übernommen. Die Beförderung kann jedoch trotz Elec- tricität nicht schneller als per Pferdebahn erfolgen, da die Wogen in den Schienen der Pferdebahn laufen und durch die vorherfahrendeu, durch Pferde gezogenen Wagen aufgehalten werden. Auf der oben näher beschriebenen Strecke Behren­straßeAusstellung ist dieses nicht der Fall und erhält man nur durch diese Beförderung eine richtige Vorstellung von der Schnelligkeit einer electrischen Bahn. Eine ungefähre Berechnung hat übrigens intereffante Zahlen ergeben, welche Ihrem Herrn Correfpondenten an geschätzter Stelle bereit­willigst zur Einsicht zur Verfügung gestellt worden sind. Man nimmt an, daß sich an einem vom Wetter begünstigten Sonntage der Hauptverkehr nach der Ausstellung inner­halb von drei Stunden adwickeln wird, bet der Rückbeförde­rung kann man die gleiche Zeitspanne annehmen, denn zwischen 8 und 11 Uhr wird wohl das GroS der Besucher die Heim­kehr antreten. Nun ist festgestellt worden, daß sich für den Eisenbahnverkehr eine äußerste Leistungsfähigkeit von 140,000 Personen tn drei Stunden ergeben, für den Straßenverkehr per Droschke, Wagen, Pferdebahn u. s. w. eine solche von 80,000 und für den Wafferverkehr eine solche von 24,000 Personen, je in der gleichen Zeit, im Ganzen ergibt sich also eine Personenzahl von 244,000 Personen. Bei dem an­genommenen stärksten Besuche von 280,000 Personen in dieser Zeit würden somit 36,000 Personen nicht befördert werden können. Bei den bisherigen Berechnungen ist aber ein Zu» und Abgang von den östlich des Ausstellungsgebiets, also an der Görlitzer Bahn und an der Obrrspree belegenen Ort­schaften unberücksichtigt geblieben- diese werden zweifellos einen auf die verschiedenen Verkehrswege sich vertheilenben erheblichen Bruchtheil zu den AusftellungSbesuchern'stellen, der jener Zahl von 36,000 entsprechen wird.

In einem weiteren Briefe werde ich mich mit der An­kunft in der Ausstellung beschäftigen.