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13/03/1896 Zweites Blatt
 
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m. 62 Zweites Blatt. Freitag den 13. März 1896

Der #Uje«tr Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener W«mikieuvtälier werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

General-Anzeiger.

Vierteljähriger >6onn<mtnt5prctoS 2 Mark 20 Pfg. mit Vringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Lfpediti« und Druckerei:

SchulfiraßeMr.,«. Fernsprecher 51.

Zlints- und Anzeigeblutt für den Areis Gieszen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Kamilienblätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Avonnements^Einladung.

Zum Bezug desGietzener Anzeiger" für bad 2. Vierteljahr 1896 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrich­ten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Lausenden. Unterstützt durch an allenOrtender Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so fttihzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des An­zeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück­sichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge­diegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar­tikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die Gietzerrer Familienblätter", welche dem An­zeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. April den Anzeiger kostenfrei zu­gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements­betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus­drückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtend

Verlag desGießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch & Scheyda).

Deutscher Reich.

Berlin, 10. März. Heute Vormittag wurde im Fest- faale des Hotel Katserhof unter sehr zahlreicher Betheiligung der Delegirten von deutschen Handelskammern, kaufmännischen Körperschaften und kaufmännischen Vereinen die 22. Plenar» Versammlung des deutschen HandelStageS er» öffnet. Der Sitzung wohnte auch der StaatSsecretär de» Reichsamts deS Innern, Staatsminister Dr. v. Bötticher, bet, welcher in einer Rede darauf hinwieS, daß in dem letzten Jahre ein erfreulicher Aufschwung auf dem Gebiete de» deutschen Handel» und der deutschen Industrie stattgefunden habe- allein es sei nicht zu verkennen, daß dieser Aufschwung nicht auf allen WirthschaftSgebieten zu conftattren sei. Die deutsche Landwirthschaft befinde sich noch immer in einer argen Nothlage. Der Minister sprach die Hoffnung aus, der deutsche Handelsstand und die Vertreter der deutschen Industrie würden die Bemühungen der deutschen Reichsregierung, allen deutschen WirthschaftSgebieten soweit als thunlich die größtmögliche Förderung angedeihen zu laffen, unterstützen.

Berlin, 11. März. Der Kaiser empfing am DienStag Nachmittag 6 */a Uhr den Abends zuvor hier eingetroffenen österreichisch » ungarisch en Minister deS Aus­wärtigen, GrafenGoluchowSki, in dreiviertelstündiger zeugenloser Audienz. GoluchowSki erhielt hierbei den Rothen Adlerorden 1. Kl.- im Anschluffe an die Audienz beim Kaiser

hatte dann der österreichische Staatsmann auch die Ehre deS Empfanges durch die Kaiserin. Selbstverständlich kann man nur Vermuthnngen über den Inhalt der langen Unterredung des Kaisers mit dem Leiter der auswärtigen Politik des uns so eng verbündeten und befreundeten DonaureicheS hegen, die Annahme wird aber wohl keine irrige sein, daß die sämmtlichen schwebenden Fragen der Weltpolitik mit be» fonberer Berücksichtigung der italienisch-abessinischen Vorgänge hierbei eingehend zur Erörterung gelangt sind. Am Dienstag Vormittag waren vom Grafen GoluchowSki dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe und dem StaatSsecretär v. Marschall längere Besuche abgestattet worden, wodurch die politische Bedeutung der Audienz GoluchowSkiS beim Kaiser nur noch mehr hervortritt. Daß aber der Besucq be» österreichischen tonangebenden Diplomaten in Berlin in seiner Gesammtheit schließlich nur eine weitere Kräftigung deS segensreichen FriedenSbündniffeS zwischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien darstellt, dies darf schon jetzt als ausgemacht gelten, hierzu bedarf es eigentlich gar nicht der vorliegenden Versicherungen der Berliner und Wiener Blätter. Jedenfalls wird die Berliner Diplomaten Begegnung jenen hämischen Erwartungen, als ob jetzt das Ausscheiden Italiens aus dem Dreibunde infolge der abessinischen Vorgänge nur noch eine Frage der nächsten Zeit sei, eine arge Enttäuschung bereiten, dies kann man getrost behaupten, ohne als großer politischer Prophet gelten zu wollen.

Das stenographische Vereinswesen der Schule Gabelsberger.

B. Der große Ausschwung, den die G a b e l S b e r g e r'sche Stenographie in den letzten Jahren aufzuweisen hat, gibt Anlaß zu folgender interessanten Betrachtung:

Dte Geschichte der GabelSberger'schen Stenographie dreht fich seit vier Jahrzehnten fast ausschließlich um die Geschichte der stenographischen Körperschaften. Dieses Zusammenftehen, diese freie Vereinigung Gleichgesinnter und Gleichstrebender ist, möchte man sagen, ein bezeichnendes Merkmal der Gabels« berger'schen Stenographie. Schon bei Lebzeiten GabelSbergerS fühlten die Jünger deffelben, welche außerhalb Münchens wohnten, denen daher das Glück nicht zu Theil ward, in dem persönlichen Verkehr mit Meister Gabelsberger ihren geistigen Mittelpunkt zu haben, das Bedürfniß nach Vereinigung zum Zwecke gegenseitiger Unterstützung, gegenseitigen Meinungs» auStauscheS.

Noch größer, noch sühlbarer wurde dieses Bedürfniß, als ein unerbittliches Geschick den Meister allzu früh seinen Jüngern entriß. Die Fortbildung der Redezeichenkunst, die Verbreitung derselben durch Unterricht und practische Der- werthung derselben, daS Streben nach persönlichem Verkehre mit Denjenigen, welche dasselbe Ziel mit gleichem Ernste, mit gleicher Opferwilligkeit, mit gleicher Uneigennützigkeit ver­folgten, waren die Bindemittel, welche die Kunstgenossen, die Schüler GabelSbergerS, wie von selbst in allen Gegenden Deutschlands und Oesterreichs zusammenführten und an- einanderschaarten. Und als die GabelSberger'schc Redezeichen» kunst auS den deutschen Gauen hinaus zu Völkern fremder Zungen vordrang, fand auch dort dasselbe statt, so daß wir jetzt über achthalbhundert Vereine zählen, die fich über daS Deutsche Reich, die österreichisch-ungarische Monarchie, die Schweiz, Italien, England, Dänemark, Schweden, Finnland, Bulgarien und Nordamerika auSbreiten.

Allein nicht bloS die in den einzelnen Städten und Ort- schasten wohnenden Kunstgenossen schlossen fich zu Vereinen, Gesellschaften, ClubS, UebuvgSkranzchen u. s. w. zusammen, es schaarten fich sehr bald die kleineren Vereine als Zweig­vereine um größere Mittelpunkte und eS kamen die Steno­graphen ganzer Länder und Staaten auf Wanderversamm­lungen, Stenographenragen u. s. w. zusammen. So fand bereits 1852 die erste Versammlung der Stenographen GabelSberger'scher Schule in München statt, welcher im Jahre 1857 die zweite allgemeine Versammlung GabelS­berger'scher Stenographen in Dresden folgte. So begann im Jahre 1857 die Wanderversammlung der fränkischen Stenographen, welche- Beispiel bald, nicht bloß in Deutsch- land, sondern auch in Oesterreich Nachahmung fand, bi» der im Jahre 1869 bei der Jubelfeier des 50jährigen Bestandes der GabelSberger'schen Redezeichenkunst in München ge­gründeteDeutsche GabelSberger Stenographenbund" die Bestrebungen der Schule GabelSberger zur Erlangung einer allgemeinen Organisation abschloß.

Neben dem deutschen GabelSberger Stenogravhenbunde bestehen aber in dem Deutschen Reiche noch 22 Landes­verbände und Zweigvereine, in der österreichisch-ungarischen Monarchie, außer dem österreichischen Stenographenbund noch

vier Proviozialverbände und außerdem noch der schweizerische Centralverein und der nordische Stenographenbund.

Die Gegner deS Systems GabelSberger und Anhänger fremder Systeme haben es zwar nicht unterlassen, ebenfalls Vereinigungen zur Pflege ihrer Systeme zu gründen- allein das stenographische Vereinswesen hat fich doch nirgends in so hohem Grade au-gebildet, wie bei den Anhängern GabelS­bergerS. ES würde nnS daher gar nicht Wunder nehmen, wenn ein Laie auf den Gedanken käme, daß die Mitglied­schaft eines solchen Vereins besondere Vortheile biete, so daß eS sich wirklich der Mühe lohne, einem solchen Vereine an­zugehören, wenigstens könnte man dies in unserer Zeit, wo eS ja an solchen Gesellschaften und Vereinen nicht fehlt, die ihren Mitgliedern oft nicht unansehnliche Einnahmen ver­schaffen, leicht vorauSsetzen. Allein die Stenographenvereine werfen ihren Mitgliedern keine fetten VerwaltungSrathSstellen, keine reichen Einnahmenquellen, keine gut besoldeten An­stellungen ab, sie find für sie keine Melkkühe, die sie reichlich mit Butter und Käse versorgen, sie bieten ihnen nicht einmal immer glänzende UnterhaltungSabende mit einem reichhaltigen und gewählten Programme: nein, sie verlangen von ihnen Opfer an Zeit und Mühe, Anspannung ihrer Geisteskräfte.

Und doch! Vom Lehrer der Stenographie, der, begeistert für seine Kunst, weniger darauf sieht, ob ihm der steno­graphische Unterricht eine Einnahme abwirft, als vielmehr darauf, daß er recht viele neue Jünger unserer schönen Kunst zuführe, von dem Beamten, Kaufmann und Lehrer, die ihre Mußestunden verwenden, um mit Gleichgesinnten über GabelS­bergerS Kunst und deren Fortschritt und Verbreitung sich zu besprechen, bis herab zum armen Schulmeister und Weber deS Erzgebirges, die oft stundenweit zu Fuß gehen, um fich in der Redezeichenkuast fortzübilden, ober bie Reben zu hören, bie zum Lobe unserer» Meisters und seiner geistvollen Schöpfung in Vereinsfitzungen, auf Wanderversammlungen und Steno» graphentagenj gehalten werden: fie alle scheuen sich nicht, Zeit und Mühe freudig zu opfern, zu Ehren unserer Kunst und ihres Erfinders.

ES sind in Deutschland nach dem GabelSberger'schen System noch verschiedene andere stenographische Systeme er­standen, es haben andere Völker auch verschiedene andere stenographische Lehrgebäude zu Tage gefördert- sie haben denselben Eingang in die verschiedenen staatlichen BertretungS- körper verschafft: allein eine solche Ausbildung deS steno­graphischen Vereinswesens tote bet den Anhängern GabelS­bergerS finden wir nirgends. Mag man auch zugeben, daß unsere Zeit die Zeit der Vereine ist, und daß dieser Umstand auch der Bildung von Stenographenvereinen günstig ist, mag man auch anerkennen, daß daS Gabelsberger'sche System in fich viele Vorzüge enthält, um die Anhänger und Pfleger deffelben, je tiefer sie in dasselbe eindrtngen, mit desto größerer Begeisterung für dasselbe zu erfüllen: so ist es doch hauptsächlich der Geist Babelsbergers, der alle seine Schüler wett hinan» über die Geburtsstätte unserer Kunst durchdringt und zusammenhält, jener Geist der Selbstlosigkeit und Un­eigennützigkeit, der unseren Meister beseelte, al» er fein Werk schuf, nicht um sich daraus eine Einnahmequelle zu eröffnen, nicht um sich dadurch eine höhere Stellung in der Gesellschaft und im Staatswesen zu erwerben, sondern nur, um seinem Vaterlande und der Menschheit nützlich zu werden. E» ist da- erhabene Beispiel der uneigennützigen Begeisterung für die Verbreitung einer nützlichen Kunst, das uns GabelSberger gab und daS er selbst ebenso schön in den Worten ausdrückte: Und was ich fand, das gab ich hin, um Nutzen zu verbreiten", eS ist der Geist der Opferwilligkeit, welcher auch seine Schüler beseelte und in dem stenographischen VereinSwesen unserer Schule zum lebendigen und werkthätigen Ausdruck kommt.

Mögen darum alle Jünger GabelSbergerS fich einem Verein anschließen, denn nur vereinte Kräfte vermögen eS, dem Ziele zuznarbeiten, welches die GabelSberger Steno- graphen-Vereine tm Auge haben!Viele Wenige machen ein Viel, vereinte Kräfte führen zum Ziel!"

Der Nährwerth der Molkereierzeugnisse im Vergleich mit Fleisch.

Betrachten wir unsere Nahrungsmittel nach ihrem wirk- lichen Nährwerthe, ziehen wir das darin enthaltene Wasser, die unverdauliche Faser, die Knochen usw. ab und fassen wir nur die eigentlichen Nährstoffe derselben in» Auge, nämlich die Eiweißkörper, Fette und Kohlenhydrate, so bekommen wir ein Bild von dem wirklichen Werthe der betreffenden Nahrungsmittel, der mit ihrem Verkaufspreis in keinem ein­fachen Verhältniß zu stehen pflegt.

Je nachdem wir die Kohlenhydrate (Starke, Zucker usw.)