Ausgabe 
12.7.1896 Erstes Blatt
 
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Der

|ener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener

MnmtlienötLtler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt.

Sonntag den 12. Juli

1896

Gießener Anzeig er

Kenerat-Anzeiger.

Vierteljähriger X, AvonnemeutspreiFI 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog«» 2 Mark 50 Pfg.

Bedaction, Lx-editisE und Druckerei: 1

KchntstrntzeAr.V

Fernsprecher 51. /

Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den felgenben Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

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Hratisöeikage: Gießener Aamitienötätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslande- nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtliche» Theil.

Gießen, den 9. Juli 1896.

Betr.: Frankirung der portopflichtigen Correspondenz der Gemeindebehörden im Verkehr mit Behörden deutscher Bundesstaaten.

Ls- Großherzogliche KreiSamt Gieße« an die Großh. Bürgermeistereien, Schulvorstände nnd sonstige Commnnalbeamten des Kreises.

Zwischen den deutschen Bundesstaaten ist im Anschluß an das Norddeutsche Bundesgesetz über die Portofreiheiten vom 5. Juni 1869 (B. G. Bl. S. 141) eine Verständigung dahin getroffen worden, daß portopflichtige Sendungen zwilchen Behörden verschiedener Bundesstaaten stets von der absendendeu Behörde zu sranktren find.

Diese Vorschrift gilt nickt nur für Staats-, sondern auch für Gemeinde- und sonstige Commnual- behörden und zwar bezüglich aller Sendungen derselben an Staats-, Gemeinde« und sonstige Communalbehörden eines anderen Bundesstaats.

Zur Besörderung eines einheitlichen und zweckmäßigen Geschäftsgangs sehen wir uns veranlaßt, die Beachtung dieser Vorschrift mit dem Anfügen in Erinnerung zu bringen, daß Seitens der Regierungen der anderen deutschen Bundesstaaten gleichmäßiges Vorgehen in Bezug aus deren Durchführung zu erwarten steht, und zugleich der Erwartung Ausdruck zu geben, daß aus eine etwa zuläffige Wiedereinziehung des ver­ausgabten Portos überall grundsätzlich verzichtet wird. ES spricht hierfür, außer der Umständlichkeit und Kostspieligkeit deS Verfahrens, die Erfahrung, daß im Lause der Zeit sich die von der einen und der anderen Seite verauslagten Porto- lasten annähernd auszugleichen pflegen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Abhaltung von Viehmärkten in der Stadt Alsfeld.

Großh. Ministerium des Innern und der Justiz Hal die Abhaltung der Viehmärkte zu Alsfeld am 16. und 27. Juli unter folgenden Bedingungen gestattet:

1. Für Auf- und Abtrieb des Viehes ist den Anträgen deS Kreisveterinäramtes gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen, welche allein benutzt werden darf.

2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus uuverfeuchten Orten der Kreise AlSseld, Gießen, Schotten, Lauterbach, Friedberg und Büdingen, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens 7 Tage in unver­seuchten Orten der fraglichen Kreise in seuchenfretem Zustande gestanden haben, aufgetrieben werden.

Den Großh. Bürgermeistern wird die gewiflenhafte Be­folgung der bestehenden Vorschriften bei Ausstellung der UrsprungSzeugniffe noch ganz besonders zur Pflicht gemacht.

AlSfeld, den 6. Juli 1896.

Großherzogliches Kreisamt Alsfeld.

v. Grolman.

Bekmmtmachung.

Nachstehende Seitens der K. k. Staatsbahnverwaltung in Wien ergangene Bestimmungen bringen wir zur öffentlichen Kenntniß.

Gießen, den 9. Juli 1896.

Großherzoglichrs KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Ermäßigter Gepäcks-Taris für Musterkoffer von Handlnngsreisenden ans österreichischen Eisen- bahnen.

Für Die Musterkoffer jener Handlungsreisenden, welche sich als dieser Berufsklaffe angehörend, mit einer, den Namen des Reisenden und deffen Firma, Anzahl und Inhalt der mitgeführten Koffer, -die Unterschrift des Inhabers und die Bestätigung der competenten Behörde enthaltenden Legiti­mationskarte ausweisen, sind auf den im Geltungsbereiche des Zowntarifes stehenden österreichischen Eisenbahnen, für je 10 Kilogramm und für jedes K'lometer 0.1 kr. zu entrichten.

Derzeit findet der Zonentarif Anwendung auf nach­stehenden Bahnen:

K. k. österr. Staatsbahnen,

prim Kaiser Ferdinands- Nordbahn,

Oesterr. Nordwestbahn und Südnorddeutsche Ver­bindungsbahn,

Priv. österr.-ungar. StaatS-Eisenbahn-Gesellschaft,

K. k. priv. Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbau-Gesell­schaft,

Eisenbahn Wien-Aspang,

Böhmische Nordbahn,

Aussig'Teplitzer Eisenbahn,

A. priv. Buschtehrader Eisenbahn,

K. k. priv. Böhmische Commercialbahnen, K. u. k. Militärbahn Banjaluka-Doberlin.

Auf den im Betriebe dieser Bahnen befindlichen Linien, welche nicht im Geltungsbereiche des Zonentarifes stehen, findet der ermäßigte Tarif für Musterkoffer keine Anwendung.

Die Legitimations-Karten sind von den zur Ausfertigung derselben berufenen Behörden nach dem am Fuße gegebenen Muster aufzulegen. Diese Behörden werden dringend ein­geladen, um eine mißbräuchliche Benützung der Legitimationen hintanzuhalten, bei Ausfertigung derselben mit größter Rigorosität vorzugehen und über deren Ausgabe ein Ver- zeichniß zu führen. Die Legitimationen dürfen ausgegeben werden:

1. an die Inhaber protokollirter Geschäfte und deren eigene Angestellten,

2. nicht protokollirter Geschäfte und

deren eigene Angestellten,

3. Handels-Agenten, welche ihre Geschäfte persönlich besorgen,

insoferne der Sitz der betreffenden Firma sich im Amts­bezirke der zur Ausfertigung der Legitimationen befugten Behörde befindet.

Dagegen dürfen Legitimationskarten nicht ausgegeben werden an die Gehilfen der Handels-Agenten.

In Verluftfällen können als solche zu bezeichnende Duplicate der Legitimationen mit gleichen Ordnungsnummern wie die Originale ausgegeben werden.

Die Legitimationskarten haben Giltigkeit für die Dauer eines Kalenderjahres und sind bei Aufgabe von Reisegepäck am Schalter mit der Fahrlegitimation vorzuweisen.

Zur Constatirung der Identität des Besitzers hat derselbe über Verlangen die Namensfertigung zu leisten.

Die Bahnanstalten behalten sich das Recht vor, in zweifelhaft erscheinenden Fällen den Inhalt der Musterkoffer zu prüfen. Die Muster müffen als solche erkennbar sein.

Feuilleton.

Wochendriefr aus der Resideu?.

(Origtnslbericht desGießener Anzeigers").

Z. Darmstadt, 10. Juli.

17. Sauverbaudöfest de8 mittelrheinischen Fechtclubs. Allerhand Gommerfeste. Generalversammlung deS Evangelischen Bundes.

Vom Hofe.

DaS 17. Gauverbandsfest mittelrheinischer FechtclubS sand in den Tagen vom SamStag letzter biS zum Montag dieser Woche statt und brachte allen Freunden des betreffenden Sportes abwechselungsreiche und intereffante Schauspiele, neben gemüthlicher Geselligkeit geweihten Stunden. Nach einer Sitzung des Preisrichtercollegiums wurde am Samstag Nachmittag das Fest durch den präfidirenden Darmstäoter Verein sür eröffnet erklärt. Von auswärts waren Angehörige verschiedener Fechtveretne hier eingetroffen, darunter auch zahlreiche Sportsfreunde aus Oberheffen. Am Abend eröffnete der große Festcommers im Saalbau die Reihe der einzelnen Festlichkeiten. Dabei toastete der Präsident deS hiesigen Vereins auf den Kaiser und den Großherzog und Herr Frohnweiler aus Mainz auf den schönen Fechtsport, den Gauverband und das FestcomiiL, das viele Arbeiten und Mühsale zu bewältigen hatte. AlS Vertreter der städtischen Behörden begrüßte Herr Beigeordneter Köhler die Versammlung, ihr guten Verlauf wünschend.

Am Sonntag Vormittag begannen dann btc sportlichen Vorführungen. Diese füllten den ganzen Morgen aus, dann folgte um 1 Uhr ein fröhlich verlaufenes Fefteffeo, bei dem selbstverständlich die verschiedensten Toaste auSgedracht wurden. Am Nachmittage war Concert im Saalbaugarten, vor dem noch ein großes Schaufechten abgehalten wurde. Das inter­essante Programm, das in seiner eigenartigen Zusammen­stellung auch weitere Kreise interesfiren dürsre, lautete folgendermaßen: Säbel-Moulinet mit Volten, ausgeführt vom Darmstädter Fechtclub,- Potpourri für Säbel (Mainzer Fecht« club)- Einzelschauübung mit zwei Säbeln, auSgeführr von einem Herrn des FechtclubSHerrnannia" in Frankfurt a. M.; Säbelübung im Stern (Fechtclub WormS), Säbelübungen

aus der früheren Centralfechtschule zu Darmstadt (Frankfurter Fechtclub Herrnannia")- Schauübung mit Degen unb Dolch (zwei Mainzer Herren),- endlich Floret au mur vom Fecht­club Butzbach. Nach dem Concert fand im großen Saale die Verthetlung der Preise statt. Eine große Anzahl von goldenen, filbernen und broncenen Medaillen tonnte an die glücklichen Sieger auSgetheilt werden, deren Namen im Einzelnen hier anzufügen, zu weit führen würde.

Daß nach den heißen Wettkämpfen, die der Tag gebracht hatte, ein Ball zur Erholung nicht fehlen durfte, bedarf keiner besonderen Erwähnung. 42 Paare betheiligten sich an der stattlichen Polonaise durch den in prächtiger Illumi­nation strahlenden Garten. Mit einem heiteren Katerbummel nach dem lieblichen Traisa endigte daS schöne Fest, daS den veranstaltenden Vereinen ausnahmslos reiche Ehren brachte und manch neues Mitglied gewonnen haben dürfte.

Der städtische Saalbau ist zur Zeit überhaupt durch Sommerfeste aller Art stark in Benutzung genommen, lieber das Sommerfest, das für gestern von der Capelle Hilge in Gemeinschaft mit der Direction des Sommertheaters an» gesagt war, und das Concert und Operettenvorstellung bringen sollte, behalten wir unS Bericht für die nächste Woche vor, für diesen SamStag hat der Mozar tver ein sein Sommer- cafino angesagt, daS ja alljährlich wiederkehrt, und am 18. Juli will sich dieHumanitaS" mit einer gleichen Veranstaltung anschließen.

Der Sommer bühne im Saalbau waren in letzter Zeit auch schöne Erfolge beschieden. Die französische Operette Die kleinen Lämmer- Übte während des ganzen Gast'pielS große Anziehungskraft auS und auch die Vorstellungen der kurzen Auswanderungsperiode imOrpheum" fanden guten Besuch. In dieser Woche fand Karl Weinbergers freund« licheS OpuSLachende Erben" ungeteilten Beifall. Ist auch das Libretto kein Meisterwerk feiner Art, so entschädigt eS doch durch zahlreiche hübsche Scherzworte für das Un­wahrscheinliche der Handlung. Die GesangSnummern find jedoch sämmtlich äußerst wirkungsvoll, und Dank der sehr guten, wieder fleißig vorbereiteten Aufführung konnte das Werkchen gute Ausnahme finden, die ihm auch beim Wieder­erscheinen gesichert bleiben dürfte.

Ende September wird im Saalbau die schon einmal

an dieser Stelle erwähnte Generalversammlung des Evangelischen Bundes" statifinden. Schon jetzt ist man eifrig mit Vorbereitungen hierzu beschäftigt. Im Ganzen sollen zwei Hauptversammlungen stattfinden, eine am 30. September und eine am 1. October. Vorträge find bereits in größerer Zahl angemeldet, wir nennen als Redner von bekannten Herren: Prof. Behschlag aus Halle, Prof. Weiffenbach und den Grafen HoenSbroich. Am Abend des 30. September soll eine Festaufführung von Devrien ts«Luther" mit dem Herrn Hofschauspieler Hugo Edward in der Titelrolle stattfinden, die man dann noch öfters für das allgemeine Publikum zu wieder­holen gedenkt. Die Aufführung stellt an die Mitwirkenden große Anforderungen an Arbeit, find doch nicht weniger als 250 Personen dazu nöthig. Schon jetzt hat sich für das Festspiel, deffen Protektorat Se. Großherzogl. Hoheit Prinz Wilhelm gütigst übernommen hat, ein besonderes Comitö unter dem Vorsitz des Herrn Hofprediger Ehrhardt ge­bildet. Am 1. October soll eine Fahrt nach WormS unter­nommen werden, da am Lutherdenkmal in der alten .Nibelungenstadt ein Festact stattfinden soll. Im Ganzen find bereits sechs vorbereitende Ausschüsse für die Tage der Versammlung gewählt.

Bei Hose war eS wegen der Abwesenheit des Groß- herzoglichen Paares längere Zeit recht still. In dieser Woche wehte aber doch einige Male die Großherzog­liche Flagge aus dem Refidenzschloß zum Zeichen der An­wesenheit unseres glücklich heimgekehrten Landesherren, der zunächst nur zur Entgegennahme von Audienzen und Vor­trägen von seinem Sommerfitze Wolfsgarten wöchentlich zweimal herüberkommen wird. Im September erwartet man dann bestimmt das russische Kaiserpaar zuBesuch. Natürlich werden dazu besondere Vorbereitungen getroffen werden, doch verlautet vorher noch nichts Bestimmtes über einzelne Veranstaltungen. UebrigeuS ist unserem hohen Herrscherpaare die russische Reise sehr gut bekommen, nicht nur der osficielle Hosbericht konnte melden, daß beide hohe Herrschaften in bestem Wohlsein hier eingetroffen seien, es ließ sich auch bei den Ausfahrten deS GroßherzogS an seinem blühenden Aussehen leicht erkennen.