Donnerstag den 12. März
Zweites Blatt
tt. 61
vierteljLhriger
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Zlints- und Anzeig-blatt für den «reis Giehen
von Gewtnnsteu ver>
Gießen.
Gießen.
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wieder gegenüberstand, gnädige»
uu» nie wieder begegnet.
Wetterfeld und die angeorduete Ge-
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■nnatjme ooe Anzeigen zu der Nachmittag« für bei felgmben Lag erfcheinrnben Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.
Wäscherei
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BerloosungSplan dürfen 400,000 Loose und müsfen Mk. 200,000 zum Ankauf wendet werden.
Gießen, den 10. März 1896.
Großherzogliches Kreisamt v. Gagern.
bergansteigend in diesem Augen- einem Tragstuhl, wie er im Gebirge
abwärts.
Der Arzt, der den Fuß noch an demselben Abend untersuchte, fand denselben stark angeschwollen und verur theilte mich zu vollständiger Ruhe. So fand mich der folgende Tag auf der Catselongue liegend. Ich verlangte auch kaum etwas andere»: e» war mir vollkommen genug, da» Märchen weiterzuträumen, da» mich abermals mit goldenen Fäden umspann.
als ich Ihre Abweisung spiel scheint zu Ende kommt! O weh, wir gelebt--"
Wirklich erschienen
ij JlloHRtmtutsprrt«« flF 2 Mark 20 Pfg. wM
vringerlohn.
Durch bie Post bezog« 2 Mark 50 Psg.
Redaktion, LxpeditwO und Druckerei: Sch»r»r«tze Ar.H.
Fernsprecher 51.
blicke zwei Männer mit ..... • • • „
benutzt wird. Dr. Alexander Hertel hob wich abermals empor, weil der Fuß ganz unbrauchbar war, und bettete mich, sanft wie ein Kind, in die Polster de» Tragstuhles Dann schritt er stumm und gedankenvoll neben mir her, thal-
Feuilleton.
«in Rosenstrauß.
Au» dem Le^en einer Künstlerin. Von Zoö von Reutz.
(Schluß.)
Nothgedrungen überließ ich mich seiner Fürsorge. Mir war vollkommen traumhaft zu Sinne. Spielend zog ich ein Büschel GraS au» und streckte e» Prinzessin Ilse ent- -egen, welche mich von der Morgeopromenade her zu kennen schien und zutraulich herankam, um au den Seideufrauzeu weine» Plaid» zu nagen. Vergnügt und wiederkäuend legte sich da» Thier nun seitwärts mit dem GraSbüschel nieder, während Dr. Hertel sich hemdärmelig zu meiueu Füßen ins
Merkwürdigerweise waren wir — — - -
Nur gelesen hatte ich von Ihnen und von der überraschenden Entwickelung Ihre» Talent» — die ich nun bestätigt fand. Welcher Unterschied gegen einst! ... Und doch vermag ich Unsere erstell Begegnungen nicht zu vergeffen — im Concert» tzaale in L., al» ich, überwältigt durch die Anmuth Ihrer Erscheinung, Ihnen die Rosen spendete, sehr vorzeitig, wie ich später erkannte. Dann die gemeinschaftliche Reise, bet welcher Sie diese Rosen den Göttern opfern wollten, — -gleich den Ruffeu ta Toulon, welche die Blumenspendeo der Französinnen Rächt» dem schweigenden Meere anvertrauten," 'chloß er mit komischem Zorn.
Der Hefttaet Anzeiger erscheint täglich, e* Ausnahme bei Montag«.
Die Sießener P.mIttenökLlter «erden bem Anzeiger «tchattlich dreimal beigelegt.
Gießen, den 10. März 1896.
Aetr.: Die Beitreibung der Gemeindeeinkünfte.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
** die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 29. Januar d. I. — Anzeiger Nr. 27 — noch nicht nach» ^kommen sind, erinnern wir an Erledigung derselben mit Frist von acht Tagen.
v. Gagern.
zu gehen . . _
haben schon zu lange in Arkadien
">ra» streckte. .
3m Gespräche hörte ich nun auch au» seinem Munde, daß er al» Tourist nach dem kleinen Badeorte gekommen sri. Urberrascht und hocherfreut habe er meinen Namen nennen hören und mich dann im Kursaale wiedergesehen.
.Es war mir wie ein Traum, al» ich Ihnen urplötzlich Fräulein," fuhr er fort.
Amtlichem Tbeil.
Vekanntmachmig, betreffend Maul- und Klauenseuche zu Wetterfeld und Nieder-Seemen.
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Berlin 6.
Die öffentlichen Prüfungen.
Im Heft 7 der „Grenzboten" ist ein kurzer Aufsatz Über die öffentlichen Prüfungen an höheren Schulen enthalten- da die Sache auch für un6 von Interesse 'st, bringen toir hi» !ntUd)Cn Prüfungen. ES ist in Preußen mit großem Beifall begrüßt worden, daß der Kultusminister mit einem Federstrich die öffentlichen Prüfungen au den höheren Schulen beseitigt hat. Im Lause der Jahre hatten sich bet den Prüfungen soviel Uebelstände, Störungen und unnütze Aufregungen eingestellt, daß die ganze Einrichtung zui einer wahren Plage für die Schüler, p die Lehrer und selbst für die Eltern geworden war. Die Schüler wußten nicht recht, weßhalb sie eigentlich für diese Prüfung, die keinen Einfluß auf die Cenfur und die Versetzung haben sollte, gedrillt wurden. Die Lehrer verstanden nicht, weßhalb sie sich und ihre Schüler der Kritik eines zusammengewürfelten, oft sehr urtheilSlosen Publikums aussetzen sollten, da doch die fach. , männifch gebildeten Aufsichtsbehörden nicht allein da» Recht, | sondern sogar die Pflicht haben, jederzeit an ihrem Unterricht I in der Klaffe theilzunehmen und sich über die Leistungen der Lehrer ein Urtheil zu bilden. Die Eltern endlich fühlten eS al» einen unangenehmen Zwang, doch auch bet diesen öffentlichen Borsührungen zu erscheinen, damit die Lehrer und der I ftexr Director nur nicht denken könnten, sie hätten kein In- tereffe für die Schule. Da aber tu einem geordneten Hau», kalte weder der durch seinen Beruf in Anspruch genommene Vater noch die in der Wirthschaft vollauf beschäftigte Mutter Vormittag» in die Schule laufen konnte, so pflegte die Vertretung deS Hauses irgend einer alten Tante, genannt Aulalia, I übertragen zu werden. Bor einer solchen würdigen Gesell- I schäft alter Tanten pflegte sich dann die ganze Schulcomödie abzuspielen. Der mit Orden geschmückte Director schritt würdevoll etnhei, die befrackten Lehrer, leicht geröthet von de.- Aufregung deS Tage», bewegten sich geschäftig vor der stauneudeu Gesellschaft und führten, im Flüstertöne Alles ordnend, die Klaffen in die Aula. Andere saßen dump brütend au den langen Tischen und starrten aus ihre weiße Wäsche oder auf die Lor ihnen liegenden unzähligen Schul- Programme. Andere wieder, die an der Vorführung nicht I betheiligt waren, standen tatit sarkastischem Lächeln an den
Nack dem von der zuständigen Behörde genehmigten - - - z Mk. 1 auögegeben
Um ihn zu versöhnen, erzählte ich, daß ich sein Rosen- bouquet treu aufbewahrte und daß seine Kritik mir im Ge- Heimen eine Richtschnur der künstlerischen Weiterbildung geworden sei - wider Willen. Ich gestand °u4, daß ich ihn gestern sofort erkannt habe und darum sein LieblingSlied
Bekanntmachung, betreffend die Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterien zum Vertrieb im Großherzogthvm.
GroßherzoglicheS Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Vorstände der ständigen Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe in Weimar die Erlaubniß ertheilt, die Loose einer im Mat und December I. I. zu veranstaltenden Ver. loosung von Gegenständen der Kunst und deS Kunstgewerbes innerhalb deS GroßherzogthumS zu vertreiben.
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
Die Maul« und Klauenseuche zu Nieder - Seemen ist erloschen und markungSsperre aufgehoben worden.
Gießen, den 10. März 1896.
Großherzogliche« KreiSamt v. Gagern.
gEflU1®®a8Rlabbetabattögefid)! - Sie erfannten e« Hiebet?" unterbrach er mich freublg. .Ja, bie i«tönen Frauen unb die häßlichen Männer pflegt man nicht zu vergessen! Und waS die Kritik betrifft, nun, mein Federkiel ist eben etn sonderbare», thörichteS, eigensinnige» Geschöpf. Er weigert sich beharrlich der Lüge - selbst wenn Ange und Herz, Mitleid oder Klugheit sie dictiren möchten! Ich ahnte, daß ich die Strafe seiner Wahrheitsliebe tragen mußte, damals, erfuhr. . . . Aber das Schafer-
Jn solcher Stimmung empfing ich Mittag» nachstehendes Billet Dr. Alexander Hertels:
„Unmöglich kann ich „Heuduft" verlassen, ohne von Ihrem Wohlbefinden zu wissen. Wie gehr es Ihnen? Schreiben Sie mir zwei Worte oder geben Sie mir sonst irgend ein Zeichen Ihrer Huld. Oder darf ich kommen, um selbst zu sehen?"
Ich schloß die Augen und träumte weiter. Die selige Stimmung, welche seit unserer Aussprache in „Arkadien" in mir noch zitterte, zog mich wieder in ihr Bereich. Endlich richtete ich mich entschlossen auf, entnahm dem Behaitnttz „Liebe Erinnerungen", da» ich um seinen neuen kostbare» Inhalt nicht von meiner Seite ließ, den Rosenstrauß, der mein holdes Märchen eingeleitet hatte. „An Alexis send ich Dich!" schmetterte ich jubelnd hinan», indem ich die verwelkten Rosen sorgsam tn Seidenpapter schlug, um sie ihm al» bestes „Willkommen!" zu senden.
Fünfzehn Minuten später saß er an meiner ©et«. Wir sprachen allerlei, vom Nächstliegenden unb von der Welt draußen, und von dem Leben, dem wir beide voll und ganz angehörten. Ob wir auch von Liebe sprachen? Ich glaube kaum. Seit wir uu- in „UMabien" w ebergelehw, schien sie vnS so natürlich geworden wie den Göttern. Ich weiß nur, daß er mich fest an sein Herz zog und daß ich mich an ihn schmiegte wie der einsame, chwankende, stur«- bewegte Epheu an den Baumstamm. Und als wir „Heu- duft" verließen, gingen wir Hand in Hand, war Dr. Hertel mein sicherer Führer auf der Lebens- und Künstlerlaufbahn geworden.
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Hott-raße 18.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dir nach S 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aus- schlags von Fünf vom Hundert pro Monat Februar 1896 für- den Lieferungöverband Gießen pro 100 Kg betragen: Hafer Mk. 14,40, Heu Mk. 5,30, Stroh Mk. 4,20.
Gießen, den 9. März 1896.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern. _____
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Wänden und verwünschten die ganze Parade, deren Gaukelwerk sie genau kannten und die ihnen soviel kostbare tfe raubte. Denn die Eomödie dauerte fast eine ganze Woche.
Dieser Unfug ist nun in Preußen seit einiger Zett glücklich beseitigt worden und eS gibt wohl keinen verständige» Schulmann, der ihn wieder zurückwünschte, ^"berwart» dauert er aber noch fort und wird, da man sich scheut, preußische Einrichtungen im Schulwesen anzunehmen, wahr- scheinlich auch noch ein paar Jahrzehnte fortdauern, bis die letzie Aulalia verschwunden und man zu der Einsicht ge» kommen sein wird, daß eS doch besser und erfolgreicher ist, in aller Stille eine Woche weiter zu arbeiten, als not 6er Oeffentlichkeit ein pädagogisches Effrctstück auszuführen. Wichtige geistige Arbeit ist zu ernsthaft und zu keusch, al» daß sic eine öffentliche Schaustellung dieser Art vertrüge.
Wir können unS nur von Herzen dem anschließen, »al der Verfasser über diesen längst veralteten Gebrauch schreibt. Wie eS mit so vielen, mehr oder minder ehrwürdigen lieber, bleibseln ans der Vergangenheit geschieht, fristet auch die öffentliche Schaustellung der Klaffen unserer Heeren Schulen bei uns im Lande noch ein friedliche» und ungestörte» Dasein Am Ende jeden Schuljahre» gehen einige Tage, die sehr wohl für den Unterricht zu brauchen wären, bet den öffentliche Prüfungen drauf, an manchen besonders beglückten Anstalten sogar zweimal im Jahre! Wenn nun wirklich noch diese Prüfungen volköthümlich wären! Bei den Vorschulklassen und den zwei untersten Jahrgängen der höheren Schulen zeigt sich allerdings eine Theilnahme des Publikum» - aber wenn die Klaffen höher hinauf vorgeführt werden, dann ist der Besuch wahrhaft kläglich, wie Jeder wahrnehmeu konnte, der in den letzten Jahren sich einmal diese Prüfungen angesehen hat, — wir sagen ausdrücklich „angesehen , den« nur ganz wenige von den wenigen überhaupt anwesenden Vätern werden noch im Stande gewesen sein, den Leistungen ihrer Söhne in den alten Sprachen und auch in der höheren Mathematik zu folgen, — von den Müttern und der aud) bei un» vorhandenen Tante Aulalia ganz zu schweigen. <)te Hauptsache ist: Die öffentlichen Prüfungen haben keinen Zweck. Unsere Kinder gehen in die Schule, um zu lernen, nicht aber, um am JahreSfchluß mit bem zu paradiren, was sie im letzten Schuljahr oder vielleicht erst in den letzten Wochen gelehrt worden find. Ist diese Thal- sache nur erst bei un» einmal richtig erkannt, wie sie vorn preußischen Minister erkannt worden ist, so werden bald auch die öffentlichen Prüfungen dahin kommen, wohin sie gehören: in die pädagogische Rumpelkammer!
* Sieben Sohne beim Militär hat eine Bäuerin Namen» Marie Kösel, welche in dem Dorfe Kauppa bet Bautzen lebt.
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