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Freitag den 11. September
Erstes Blatt.
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Anrts- und Anzeigeblntt fut den Ureis Oieszen
chratisbeikage: chießener Jamitienölätter
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.
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begleiten werde. u
London, 9. September. In dem Hauptvtertel der «ladt ist ein großer Schneiderstrike auSgebrochrn. Bon 1250 Schneidern sind 750 in den Ausstand eingetreten.
London, 9. September. Infolge des Dynamit- Attentats in Westminster Bridge Road herrscht hier große Beunruhigung. Die Bombe platzte 200 Schritte vom Parlamentsgebäude und in der Nähe des größten Kaffeehauses Londons. ,,,,, _ ..
Kopenhagen, 9. September. Das russische Kaiser- paar ist heute Mittag hier eingetroffen. Nachdem die Kaiserin-Wittwe, die Prinzessin von Wales und das dänische Königspaar den „Polarstern" besucht hatten, fuhren die Herrschaften durch die geschmückte Stadt zum Schloß ^"^Konvanttnopel, 9. September. Mehrere geflüchtete armenische Familien auS Konstantinopel wurden von Türken in Skutari angegriffen, wobei 20 Armenier getödtet wurden. ______
zu verantworten. , , __
Berlin,9. September. Anläßlich des heutigen 7O. Geburtstages des Großherzogs von Baden schreibt der „Reichsanzetger" : Liefer noch als die Zeitgenoffen wird | einst die Nachwelt begreifen und durch den Mund der Geschichte aussprechen, wie viel das neu geeinte Vaterland dem echt deutsch gesinnten Herrscher Badens schuldig ist, von deffen Lippen an einem ewig denkwürdigen Tage unserer Geschichte zum ersten Male nach langer Zeit wieder der Name eines deutschen Kaisers erklang. Auf der Ehrfurcht gebietenden Gestalt, die heute über die Schwelle des GreiseualterS schreitet, ruht ein Abglanz der milden Weisheit unseres ersten Kaisers, welchem Großherzog Friedrich neben dem unvergeßliches Fürsten, der denselben Namen trug, ein zweiter Sohn gewesen war. Möchte eS ihm beschieden sei«, bis zu den Grenzen menschlicher Lebensdauer seine treuen Augen über das Wohl seines blühenden Landes und über die Geschicke deS jungen deutschen Reiches wachen zu lassen.
Berlin, 9. September. Wie der „Retchsaozeiger" meldet, ist dem Finanzmtnister Miquel daS Großkreuz des Civil- Verdienst-Ordens der bayerischen Krone verliehen worden.
Berlin, 9. September. Die Ziehung der Serie B der AuSftelluugSlotterie findet vom 23. bis zum26. d. M. im Hörsaale des ChemtegebäudeS statt.
Berlin, 9. September. Hofprediger a. D. Stöcker veröffentlicht im „Volk" einen längeren Artikel, in welchem er die Gründe anführt, die einen Pfarrer veranlaffen können, sich der Politik zu widmen.
Kiel, 9. September. Die Manöverflotte, welche die Absicht hatte, sich heute Morgen von Kiel durch den Kaiser-Wilhelm-Canal zu den Manöver« in die Nordsee zu I begeben, mußte wegen deö gestern im Canal gesunkenen dänischen Dampfer- „Johann Sim" ihr Vorhaben aufgeben und hat nunmehr die Fahrt um Skagen angetreten.
BreSla», 9. September. Gegenüber der Nachricht ver- schiedener Blätter, daß C a r d i n a l. F ü r ft b i s ch o f vr K o p p an den hiesigen Festlichkeiten nicht theilgenommen habe und die Ordensverleihung au den Fürstbischof hierzu tm Mder- I spruch stehe, kann der „BreSl. Gen.-Anz." auf Grund be-
Neueste
«M, telegraphisch«* Correspoudenz-Bm«».
Berlin, 9. September. Der deutsche Schriftsteller- Verband erledigte gestern eine Anzahl, lediglich den Verein betreffender Angelegenheiten. Der Vorstand wurde wieder gewählt und als Ort des nächstjährigen VerbandStageS Leipzig bestimmt.
Berlin, 9. September. In Folge eines Unfalls auf | tzrr Rohrpost wurde eine große Anzahl Depeschen nach auswärts zerstört, so daß die Beförderung unmöglich war.
Bovenau bet Rendsburg, 9. September. Das kaiserliche Eanalamt macht bekannt: Die Fahrt durch den Kaiser Wilhelm»-Can al ist für Schiffe von 4 Meter Tiefgang vnd 8 Meter Breite bis auf Weiteres bei Tageslicht frei- * Ö Bremen, 9. September. Heute Nachmittag brach im Erdgeschoß des Schuppen« 3 des hiesigen Freihafens, in welchem sich ein großes Spirituslager befindet, ein Schaden- feuer au«. Der schnell herbetgeeilten Feuerwehr gelang es, in kurzer Zeit den Brand zu bewältigen. Ein erheb- licher Schaden ist nicht verursacht worden.
Bremen, 9. September. BoeSmaunS Bureau zufolge richtete der Senat au den Großherzog von Baden ein Glückwunschtelegramm folgenden Wortlautes: Eurer Königlichen Hoheit, dem erhabenen BundeSfürsten und dem langjährigen weifen Regenten des gesegneten badischen Landes vud dem ruhmreichen Förderer der deutschen Einheit beehrt sich der Senat der Freien Hansestadt Bremen zum heutigen Geburtstag seine ehrerbietigsten und aufrichtigsten Glückwünsche in der Gesinnung unwandelbarer Verehrung und
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Tilsit, 10. September. Die Verhandlung gegen den des Meineids verdächtigen früheren Polizei-Verwalter Stadt- rath Witschel findet vom 1. bis 3. October statt.
Pest, 10. September. Die Erbprinzessin von Meiningen besichtigte gestern mit ihrer Tochter die Millennium«-Ausstellung.
Paris, 10. September. Der Ausschuß der hiesige« Armenier.Colonie veröffentlicht einen Protest gegen die Gefangenhaltung von 17 ihrer Landsleute und verlangt deren Freilassung.
Pari», 10. September. Die neuerlichen Nachrichten aus Madagaskar lauten bedenklich. Die FahavalloS dehnen ihre Raubzüge nahezu über die ganze Insel aus.
CoceUs nnb provinzieller.
Gießen, den 10. September.
•* Durch Verfügung Großh. Ministeriums der Justiz vom 4. September wurde folgende Bertheiluog der Prüfung»- gegevstäude unter die Mitglieder der PrüfungScommtsfion für das Justiz- und Berwaltuugsfach genehmigt:
ES haben zu prüfen:
1) in dem tm Großherzogthum geltenden bürgerliche» Rechte:
a. der Provinzen Starkenburg und Oberheffeu:
aa im Sachenrecht, Erbrecht und in der freiwilligen Gerichtsbarkeit der Großherzogl. Mintstertalrath Pückel,
Ergebenheit darzubringen.
München, 9. September. Da« „Verordnungsblatt des bayerischen KriegsministertumS" schreibt: Prinz Luitpold, I de« Königreichs Bayern Verweser, hat sich bewogen gefunden, den Großherzog Friedrich von Baden zum Inhaber de* 8. Jnsanterie-RegimentS Pranckh zu ernennen.
Karlsruhe, 9. September. Ihre Majestät die Kaiserin ist heute Mittag 12 Uhr auf dem festlich geschmückten Bahn- Hofe eingetroffrn. Zu ihrer Begrüßung waren die Großherzogin und die Erbgroßherzogtn erschienen sowie der badische Gesandte in Berlin von Jagemann. In einer vierspännigen A la Daumont bespannten Equipage fuhren die Allerhöchsten | Herrschaften unter dem brausenden Jubel der dicht gedrängten Bevölkerung nach dem großherzoglichen Schlöffe, wo Ihre Majestät den Großherzog begrüßte.
Rom, 9. September. Die Nachrichten, daß mehrere Bataillone auf Kriegsfuß gesetzt und bereit wären, nach Afrika abzugehen, find der „Agencia Stefani" zufolge unbegründet. Auch das Gerücht, daß General Baldtssera iu dem heutigen Mintfterrathe gezogen worden sei, bestätigt sich der „A. St." zufolge nicht. General Baldtffera reift unverzüglich ab, um den Oberbefehl iu der erhthräischeu Colonie zu übernehmen, was bereits früher bestimmt war.
Pari», 9. September. Der Minister des Auswärtigen, Hanotaux, stellte dem französischen Botschafter in Constan- tinopel 10,000 FrcS. zur Unterstützung der Armenier in der Vorstadt HaSkioei zur Verfügung.
Shri-iauia, 9. September. Siebenzig fast überfüllte Dampfer waren Nansens Schiss „Fram" entgegen» gefahren, daS in Begleitung von 20 Schiffen in den Christianta- F,ord einfuhr. Alle Aussichtspunkte längs des Fjord waren von einer jubelnden Volksmaffe besetzt, die den „Fram" mit begeisterten Hurrahrufen begrüßte. Die Begegnung der Schiffe bot einen unvergeßlichen Anblick. Der „Fram" ging sodann auf der „Ptpervike" vor Anker, wo er von den Kriegsschiffen, Dergnügungsdampfern und sonstigen Privat- booten umringt, von Kanonenschüffen und Mustkcapellen be- grüßt wurde. Zwischen einem Spalier von Segelbooten ruderte die Mannschaft deS „Fram" an« Land. Als Nausen ans Land stieg, brausten begeisterte Jubelrufe empor, wobei die Musik spielte. Nachdem sodann entblößten Hauptes ein Psalm angehört und das Baterlandslied gesungen, trat Nansen die Fahrt nach dem Schlöffe an, die sich zu einem wahren Trtumphzug gestaltete. Als der Zug vor der Universität angekommen war, begrüßte Profeffor Schiotz den Forscher, dankte ihm für seine unermüdliche, stille Arbeit und rühmte seine Voraussicht, seine Energie und sein Wissenschaft- lkcheS Ansehen. Nansen dankte sichtlich bewegt und entgeg- nete, er habe sich als Vorposten norwegischer Wissenschaft l -Mi. „ e ,
Konstantinopel, 9. September. Die bisherige Thätigkeit duS außerordentlichen Tribunals befriedigt in uv- b tfangeuen Kreisen keineswegs,- während e« einen Kurden tnotz vieler Beweise vom Verbrechen deS TodtschlagS fret-
DaS Wetter ist prachtvoll.
Brüssel, 9. September. Infolge eines heftigen Ge- Witters ist die Telephon Linie Brüssel-Parts gestört.
Pari», 9. September. Von unterrichteter Sette wird mttgetheilt, daß dte Zarin ihren Gemahl nicht nach Part«
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3[(lc Annoncen-Burcaux des In- und Auslände» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
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Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, »lit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Alamilienvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
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$eu! til besitzt vor solch« tönbtaui) den d» ann. Nach Loilass, augung der Wa^ ng bewirft.
u,lirh,n Armenier oeaen die bloße VerdachtSgründe | stimmter Informationen versichern, daß der Fürstbischof allen D.-° St,mmung dfrA-m-nt-r h-rvorrag-nd-n Fürstlich-.,.-n »st.« « hab., lowl- ist noch immer geängstigt, da die Massenverhaftungen und beim Mahner und sonstigen Festlichkeiten °nwese^ war. Drohungen der Muhamedaner fortdauern. Dte Armenier Königsberg i. Pr., 9. September. Iu der Börsen- halten sich vielfach versteckt, veranlassen hierdurch aber weitere gar ten-Af faire-wirb weiter beachtet, ^^^i^u^chCom- Verhaftuugen. Meldungen der Consulu auf Creta bezeichnen mandautur Befehl den Reserve-Offizieren witg-theiltworden die Pacifikation der Jnfel auf Grund der von der Pforte daß ihnen am Besten daS Verhalten der activen Offiziere al» oemachten Zugeständnisse trotz des Protestes der Muhame- Richtschnur dienen könne.
ner in Candia und anderweitiger Opposition als gesichert, Hamburg, 9. September. Jnetneman cheinend osfict e» hrt. ^i-b-nSk>edürsntk allgemein ist. Artikel tritt der „Hamb. Corresp." anläßlich de« letzt cou-
KooVautiuovel 9 September. Angesichts der Möglich- cesfionirten Hafenbaues in Salonickt für eine energische keit hrß^d" letzten Unruhen aus der Hauptstadt sich auf Action ein, um dem deutschen Handel mit den Balkanlandern be©Haie18 aZra konnten, faßte der Minister- und mit Egypten einen Aufschwung zu verleihen.
!ath °l enden vom Sultan sanctionirten Beschluß: Alle Rudolstadt, 9. September Da- Minister um mach Civil- und Militärbeamten sind streng dafür verantwortlich, darauf aufmerkiam, daß d tr verstgun»l über Bkschranruug vr Hntuf.» im -rstickt werde. Privatpersonen I der Sedanfeier sich lediglich darauf beschranke, ote vio dürfen an amtUch-n Handlungen nicht th-fin-hm-n. Plünde- h-rlge Schnlsteih-t- an diesem °us»uh-b-n. Alle Ubrlg-n rungen und Metzeleien find ,u verhindern. Zun-tderhand-lnd-, Anordnungen über di- Erinnerungdseier in den Schulen wären
9D?o6,C0dn iU er8 ' hause und dem Thurm der evangelischen Stadtkirche wurden
»aMa b«l „fcutfo6 Choräle geblasen. Ferner wurden am Morgen 101 Kanonen-
Berlin, 9.^eptember. Die Rede, welche Kaiser schüsse gelöst. In allen Kirchen fand FestgotteSdienst ft°£ Nz.lbelm in G^lid nach der Abreise deS Zaren gehalten Die Kaiserin Augusta Victoria traf um 12 Uhr hier bat ist dem Loc-Anz." zufolge von diesem vorher gelesen ein und wurde von der Großherzogin und der Erbgroßherzogiu worden. ^Der deutsche Botschafter am russischen Hofe, Fürst empfangen. Der Festzug
ik hnM hipr einoetroffen und hatte heute tm I e nen imposanten Eindruck. Der Vorbeimarsch oeffelven AuSwärtto^u ^Am^etne^ Unterredung mit dem Re'chd-anzl-r wahrt, zwei Stunden. Nachdem der Festzug beim Schloff- I nnh hem Ataatsfecretär Freiherrn v. Marschall. vor dem Großherzoge vorbetdefilirt war, brachte eine unzählige
Berlin 9 Bcvtember. Der bekannte Romanschriftsteller Menschenmenge dem Jubilar enthusiastische Dbattonea bar. Alexander Baron von Roberts, der sich in den letzten | Der Großherzog erschien^immer von Neuem, um zu danken. I Jahren auch als Dramaturg versucht hat, ist gestern in I Schreiberhau im Rieseugebirge, wo er sich zur Erholung
aufhielt, tm 53. Lebensjahr gestorben.
Berlin, 9. September. Dte tu der Attentatssache gegen I den Poltzetoberst Krause vielgenannte Frau Gürtler in I Rixdorf, welche unter der Beschuldigung der Begünstigung des Anschläge« tu Haft genommen und vor einiger Zeit wieder entlassen worden war, ist heute Mittag wieder verhaftet worden. Der Anarchist Koedicmann, welcher in Plötzensee I eine neunmouatliche Strafe verbüßt, ist mit Unterbrechung I seiner Hast nach dem UntersuchungSgefängniß Moabit über- I geführt worden, um sich wegen de« Attentats in Verbindung mit den übrigen Anschuldigungen vor dem Untersuchungsrichter
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D.R.P. 8638!


