M. 135 Zweites Blatt. Donnerstag den N. Juni
1806
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Montags.
H Gießener lUniitteirati« I »än dem Anzeiger l M.lich dreimal tmgrlrgt.
Gießener Anzeiger
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chratisbeikage: Gießener Iamikienökätter
liüd^mt von Anzeigen zu der Nachmittags für de» Rrihm Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
Alle Rnnoncen-Bureaux de» In- und Auslände» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Anrtliche»« Theil.
Lekannnnachang,
betreffend: die Maul« und Klauenseuche.
3t OckerShausen (Kreis Marburg) und zu Trais« LMilljstnberg (AceiS Friedberg) ist die Maul« und Klauen« ftrüitt auSgebrochen und Gehöft« und Gemarkungssperre an- gcpfibne worden.
® eßen, den 8. Juni 1896.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
T. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend: die Maul- und Klauenseuche.
Da Maul« und Klauenseuche zu Nauborn (Kreis Msglac ist erloschen.
Gi eßen, den 8. Juni 1896.
Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, den 9. Juni 1896.
Bl itte'if enb: Die standesamtlichen Auszüge io Angelegenheiten der Kranken«, Unfall«, Invalidität-- und Altersversicherung.
ZW Sroßher,mögliche KreiSamt Gießen aionbit Vorstände der Krankenkassen des Kreises (Tießau und den Vorstand der Sectio» VI der Hss tise» Nassauischen Baugewerksberussgenossen- schast zu Gießen.
NtchstehendeS AuSschretben des Großh. Ministeriums des Ji-nrnm und der Justiz, Secnon für Justizverwaltung, vom 28.38. Kdii d. I. thetlen wir Ihnen hiermit zur Kenntnißnahme ur°i!?!c:chachtung mit.
v. Gagern.
Zu Nr. M. I. 15195.
Darmstadt, am 28. Mai 1896. Betreffend: Wie oben.
Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz,
Sektion für Justizverwaltung, au die Grohherzoglichen Standesbeamten.
Alle zur Führung der den Versicherung-pflichtigen nach Vorschrift des KrankeokaffrngesetzeS obliegenden Nachweise, sowie alle zur Begründung und Abwickelung der Recht»- Verhältnisse zwischen den auf Grund der Reichsgesetze vom 6. Juli 1884, 5. Mat 1886, 13. Juli 1887 und 22. Juni 1889 errichteten BerufSgenoffenschasten und Versicherung-- anstalten einerseits und den Versicherten andererseits erforderlichen Urkunden, wozu auch die standesamtlichen Register- auSzüge gehören, find nach Vorschrift der genannten Reichsgesetze gebühren« und ftempelfrei zu ertheilen. Zur Verminderung des Schreibwerks und Ersparung von Kosten bestimmen wir, daß, soweit zu den bezeichneten Zwecken Auszüge aus den StandeSregistern erforderlich find, solche in abgekürzter Form den nachstehenden Mustern A bis C entsprechend ertheilt werden können. Wir gehen hierbei von der sicheren Annahme au», daß in der großen Mehrzahl der Fälle die zur Anwendung jener Reichs- gesetzt berufenen Organe sich mit diesen Bescheinigungen begnügen werden. Jndeffen bleibt selbstverständlich die Verpflichtung der Standesbeamten zur gebührenfreien Ertheilung eines vollständigen RegtsterauSzugeS, sofern ein solcher ausdrücklich verlangt wird, unberührt, und eS muß auf Verlangen ein vollständiger Auszug auch dann noch gebührenfrei ertheilt werden, wenn schon vorher eine abgekürzte Bescheinigung ausgestellt worden sein sollte.
Die Formulare zu den abgekürzten Registerauszügen werden in der Bekker'schen Hofbuchdruckeret dahier hergestellt und durch Vermittelung der Großh. Kreisämter kostenfrei an die Großh. Standesämter abgegeben. Die Standesbeamten haben sich zu diesem Zwecke mit ihren Bestellungen an die Großh. Kreisämter zu wenden.
Finger.
Lorbacher.
A. Geburtsurkunde.
Nur giltig in Angelegenheiten der Kranken-, Unfall-, Invalidität»- oder Altersversicherung.
Vor- und Zuname .............
Geburtstag und -Ort ............
Vor- und Zuname, sowie Stand de» Vater» .....
Dor- und Zuname der Mutter: (Ort) (Datum)
Der Standesbeamte
(Siegel) (Unterschrift.)
B. Sterbeurkunde.
(Nur giltig usw. wie zu A.)
Dor- und Zuname, sowie Stand des Verstorbenen: . . .
TodeStag und -Ort: Vor- und Zuname, sowie Stand des Dater» .....
Dor- und Zuname der Mutter:
(Im Uebrigen wie zu A.)
C. Heirathsurkunde.
(Nur giltig usw. wie zu A.)
Dor« und Zuname sowie Stand des Ehemannes: . . . .
Dor- und Zuname der Ehefrau:
Tag der Eheschließung:............
(Im Uebrigen wie zu A.)
Schwurgericht.
W. Gießen, den 9. Juni 1896.
Fortsetzung der Verhandlung gegen den Maurer MagnuS Merle. Als erster Zeuge wird Heinrich Schaumburg vernommen- derselbe wohnt in Schrecksbach und ist der Besitzer der verbrannten Hütte. Er schildert das persönliche Derhältniß zwischen sich und dem Angeklagten in den Jahren 1894/95, wie eS im Thatbestand der Anklage schon angegeben. Der Bruch Ende 1895 sei gekommen, weil Schaumburg keine Dorschüffe auf angefangene Arbeiten an den Angeklagten habe geben wollen. Auch die sonstigen An-
^kuilletsn.
Die Lösung des Problems.
Humoreske von Paul A. Kirsietn.
(Nachdruck verboten.)
Ballsaale hatten sie sich kennen gelernt, ordnungS- flcueit, nach allen Regeln der Kunst. Im Kreise der Mütter, Xiltaiia und Freundinnen hatte sie dagesessen und nun ge« toowani, ob und von wo wohl ein Tänzer für sie kommen toiiüH, M'ßmuthig war endlich der Vater aafgesiavden und hLMsich umgesehen. Er hätte viel lieber eine kleine Seal« pa mr.! gemacht, ober er konnte doch unmöglich sein Töchterchen gl Inti auf der ersten Reunion fitzen laffen- dazu war er doch ni iti nrit ihr inS Bad gereist.
Sri steuerte also langsam durch die dichtgedrängte Menge bt tnu)lre zu und hielt fleißig Umschau. Anfangs entdeckte er! einige Momente später aber tauchre vor ihm eia altiitcZieschäftSfreund auf. Der konnte ihm vielleicht nützlich fetitii Freilich — Tänzer Haire auch er nicht aus Lager, aber eir»zi:oßen, erwachsenen Sohn. Der konnte zur Noth die SM: xines einzelnen entnehmen. Schleunigst wurde er also heiMzAiholt und feierlichst vorgeftellt.
Ur ist zwar Gelehrter," entschuldigte der väterliche GsiMi:i»freund, „aber doch auch nicht ganz ungeübt in edlen ßeidki-iungen."
Do sahen sie sich also daS erste Mal. Na, später kamen da «miet Wochen deS täglichen Zusammensein-, wie daS im ©dioM« üblich ist, und als die Zeit vorüber war, waren fie btroü: jdflon recht herzlich ineinander verliebt, so daß Olga, dislirüchter des einen, Hermann, den Sohn deS andern, tm GMii schon immer „Männe, ihren lieben Manne" sogar, ntum Aber daS geschah vorläufig immer noch ganz inS- geh Ar, nur begleitet von leisem Erröthen und um so lauterem H:i!Ä»hifen.
Zoll der Stadt freilich, da wurde eS bald anders. Da fa^ fHc sich bald ziemlich offen ganz ähnliche Sacken, oft nv ^I-grar in bedeutenderem Maße - aber daS Erröthen legte fi<tlg!:bed und daS Herzklopfen trat nur auf, wenn fie sich , betoii martcten. Auch die Eltern erfuhren es bald, was 1
fie für einander fühlten, und da sonst alles gut und schön zu einander stimmte, so nahmen sie die verschiedenen Hände, legten sie ineinander und — sagten weniger, als sie tm inneren Herzen fühlten und dachten.
Glänzend und rührend wurde dann die Verlobung gefeiert, und als an ihren beiden Fingern die blinkenden Ringe blitzten, fühlten fie sich so glücklich, so gehoben, — daß der junge Bräutigam, Privatdocent der Philosophie, gleich an eine neue Auslegung des Glücksbegriffes dachte.
Sie aber blickte strahlend zu ihm auf und in ihrem Herzen wuchs der Stolz auf ihn, der da so groß und herrlich vor ihr stand, ihr Bräutigam, ihr Einziger, ihr Schirm und Schutz von nun an' Sie lehnte sich so ganz leise an feine Brust, als wollte sie es das erste Mal schüchtern durchkosten. Da schlang auch er seine starken Arme wild um ihre zarten Schullern und preßte fie an fick, als wollte er fie gleich festhalten, wo von jetzt ab ihr Platz, ihre Heimstätte sein sollte.
«engstlich entwand sie sich ihm, schüchtern wich fie zurück vor dem Neuen, das jetzt in ihr Leben getreten war. ES schien ihr wie eine Entweihung ihres reinen Gefühls. Sie wollte und mochte diese Wildheit nicht, weil fie fie ja nicht kannte und ihr alles so fremd vorkam. Still und ruhig sollte es brennen, aber desto länger und heißer.
DaS sagte fie ihm später einmal, als er sie danach fragte, und der Privatdocent, gewöhnt an daS Lösen großer Probleme, begann nun aufs Eifrigste zu forschen, wieso, warum sich daS GlückSgefühl der Menschen so verschiedentlich und anders äußerte- aber er fand so leicht keine Lösung.
Und doch verfolgte ihn diese» Problem, wo er auch ging und stand. Bei allen Derlobungsvifiten, DinerS und Feier- lichkeiteu — immer wieder mußte er daran denken. Sie saß dann so ruhig und liebenswürdig, so wohlerzogen neben ihm, konnte mit jedem und über alles sprechen, als wäre gar nichts vorgefallen- überhaupt that fie, als wäre sie nicht verliebt und verlobt. Ihm rollte inzwischen daS Blut so stürmisch und wild durch die Adern, daß er fie in einemfort hätte drücken und küssen mögen! Seine Augen glänzten wie Feuer, er fühlte es ordentlich. Er mochte überhaupt nichts anderes sehen mehr, wie sie, seine kleine, angebetete Olli, und wenn
er sie dann so inmitten der anderen anhimmelte, dann winkte fie ihm doch verstohlen, er solle eS doch lassen, die anderen merkten eS ja!
Als ob daran etwas läge! Die anderen und immer wieder die anderen!
Er war doch da, er zuerst und ganz allein für fie. Daß sie das nicht fühlte!
Er wurde ganz betrübt. Mitunter kam eS ihm so vor, als ob fie gar nicht so glücklich wäre, wie er — und wie er es sich gedacht hatte. Sie könnte doch bann gar nicht immer so gemessen und . . . und feierlich sein. Einmal müßte sie doch ordentlich auS sich herauSgehen. Sie konnte ihn wohl nicht so lieb haben, konnte nicht glücklich sein . . .
Doch bann, wenn er mit ihr allein war, sah er ihr wieder in die guten Augen und jeder Zweifel war vorüber. So viel LiebeS und Treue» für ihn sprach daraus und ihre kleine Hand streichelte ihn dabet so zärtlich, drückte ihm so alle- in die seine hinein, Hingebung und Vertrauen, daß er sich schalt und ordentlich böse war wegen seine- Mißtrauen-.
Einmal hatte er eS ihr auch gesagt, au» Zorn über sich selbst. Da war eS feucht unter ihren Wimpern hervorgedrungen, leise zitternd hatte fie seinen schwarzen Kopf genommen und ihn geküßt — dann war fie fort. Er konnte fie eine halbe Stunde nicht finden. Sie hatte wohl geweint.
In stiller Freude erinnerte er sich immer diese- ein- sammen Zusammensein». Er dachte daran so viel, daß er da- Lösen seiner Probleme fast darüber vergaß. Seine ganze Sehnsucht gipfelte darin.
Aber noch immer war der Winter nicht vorüber. Noch immer wechselten fich Gesellschaften und Bälle ab, und da er den Tag über fast stets beschäftigt war, wurde ihm die Erfüllung seines Wunsches sthr erschwert. Und Abend-, unter den aufgeputzten Menschen, von denen fich die meisten ziemlich fremd gegenüberstanden, war dann immer da- alte Spiel- fie wollte kühl und besonnen sein, daß Niemand von ihrem Brautstände was Besonderes merkte, und er wollte fie in einemfort anschaucn. Der Schluß war, daß fie auf diese Weise gewöhnlich halb böse auseinandergingen.
(Schluß folgt.)


