Ausgabe 
10.12.1896 Erstes Blatt
 
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1806

Donnerstag den 10 December

Nie. 291

Amts- und Anzeigeblutt für den Wirers <8iefzen

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festgesetzt.

Alle Lnnoacen-Bureaux de- In- und Auslandes nehmen , Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uh*.

Wochen eine fortschreitende Besserung in dem Befinden des Großherzogs constatirt, in der Presse begegnet ist, wird von bestunterrichteter Seite mitgetheilt, daß die Meld­ungen des HofberichtS vollkommen richtig seien.

Glasgow, 8. December. Sine Anzahl von Seeleuten am Clyde hatte die Arbeit niedergelegt, weil fie eine Erhöhung des Lohnes verlangten. Die Bewegung breitet ich jetzt aus und am Donnerstag wird der Versuch gemacht werden, das Absegelu der Oceandampser unmöglich zu machen. Die Bewegung wird von dem ParlamentSmttgliede Havelock Wilson geleitet. Die Rheder erklärten, fie würden Mann­schaften zu den alten Löhnen erhalten.

Vierteljähriger ^vonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Sxpcditto« »nd Druckerei:

KchukstrateAr.7.

Fernsprecher 61.

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«HlffS telegraphische« Eorresysnd-m-B»n«.

Berlin, 8. December. Den Abendblättern zufolge ist die Entlassung deS CrtmtualcommiffarS von Tausch a»S der Untersuchungshaft gegen Stellung einer Caution ab gelehnt worden.

Dresden, 8. December. Geheimer OberregieruugSrath Engel, früher Director des statistischenBureauS in Berlin, ist heute früh tu Lößnitz gestorben. .....

Karlsruhe, 8. December. Gegenüber den Anzweifelungen, denen der Hofbericht derKarlsruher Zeitung", der seit

ätzten Preise»

dieses Jahres.

n. M*

Grotzh. Districts-Einnehmerei Gießen I.

Bon Donnerstag den 10. December 1896 ab befindet fich das Bureau Bismarckstraße Nr. 10, tm Hause deS Herrn BuchbindermetsterS Sann.

Wacker, Rendant.

AnrtUcher Theil.

Bekanntmachung, betreffend: die Maul- und Klauenseuche zu Gießen. Nachdem in einem Gehöste in der Gemarkung Gießen die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, wird die» mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntuiß gebracht, daß GehSftsperre angeordnet ist.

Gießen, den 8. December 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche.'^ M

Die Maul- und Klauenseuche zu Griedel, Kirch- GönS, Nieder-Mörlen und Pohl-GönS, Kreis Friedberg, und zu Cölbe, Kreis Marburg, ist erloschen und die angeordueten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben worden.

Gießen, am 8. December 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

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KusMung

Dir Hieße«er Anzeiger erscheint täglich, »it Ausnahme deS Montags.

Die Gießener S-amitienvlSIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelrgt.

Erstes Blatt.

Gießener Anzeiger . Kenerat-Mnzeiger.

Leipzig, 8. December. DieLeipz. Reuest. Rachr." er­halten aus Berlin folgende Mitthetluug, für deren Rich­tigkeit fich der Gewährsmann mit Namen verbürgt. Sin etwas mysteriöser Zwischenfall, welcher noch der Aufklärung bedarf, ist vor Kurzem in der Affatre PeterS eingetreten. Dr. PeterS hatte einen Theil seiner wichitgeo Papiere bet einer großen Berliner Bank depouirt. Bet seiner letzten An- Wesenheit in Berlin beauftragte er dieses Bankhaus, ihm dieselben tu ficherer Verpackung an seine Londoner Adrrffe zu schicken. DteS wurde auSgesührt. Eine Kiste mit ^Akten­stücken" declartrt, und mit Mk. 600 versichert, wurde vo« dem Bankhause der Berliner Packetsahrt Geitll chast zur Spedition nach London übergeben. Am Tage nach der Ab­lieferung erschien ein Beamter der Packetfahrt-Gesellschaft und theilte mit, daß die betreffende Kiste auf dem Hamburger Bahnhof gestohlen worden sei. Sofort wurden Recherche« angestellt, und am 2. December wurde die Kiste tm Hofe eines Hauses in der Wtlhelmstraße entdeckt und es stellte fich heraus, daß dieselbe gewaltsam geöffnet war. Die Haupt- acten Peters waren indessen dieser K.ste nicht anvertraut, und insofern mögen wohl die Diebe enttäuscht gewesen sein. WaS von den betriffenden Papieren gestohlen sein mag, hat noch nicht festgestellt werden können, da sich vr. PeterS, wie bekannt, zur Zett in London aushält. Die weitere Ver­folgung dieser Aagelegenheit wird möglicher Weise zu eigen­artigen Enthüllungen sühreu. ...... ....

Brussel, 8. December. Die Regierung beabsichtigt jetzt, die Fremdengesetze, welche bisher nur provisorisch wäre» und alle dret Jahre erneuert werden mußten definitiv z« machen. In den meisten Sectionen der Kammer hat der Vorschlag der Regierung eine wenig günstige Aufnahme ge­sunden. In der zweiten Section sprach man sich heftig gegen daS Bestehen der Fremdengesetze au», und verlangte, daß die Ausländer ebenso wie die Einheimischen behandelt werden und im Falle eines Vergehens gegen die Gesetze be­straft werden müßten. Im vebrigen aber sollten fie in Ruhe gelösten werden. _

Lüttich, 8. Drcrmber. In Dtfon ist eine Pocken- I Epidemie ausgebrocheu. 800 Kinder find "krankt. I Sämmtliche Schulen find geschloffen. In Spaa herrscht

Depeschen des BureauHerold". I I

Berlin, 8. December. DerR.ichsanzeiger" veröffent- i licht die Makler-Ordnung für die CourS-Makler an der I 1 Berliner Börse. I i

Berlin, 8. December. Nachdem im Prozeß gegen l < Leckert und v. Lützow daS Urtheil gesprochen ist, be- I schuftigen fich fast sämmtliche Blätter eingehend mit dem Resultat dieses hochpolitischen Prozeffes. DieNational- I zeitung" meint, für die Oeffeutlichkett sei die Angelegenheit mit dem Urtheil selbstverständlich nicht erledigt. DieBoss. Ztg." vermißt noch die Namen der Hintermänner der Lützow, Tausch und der Preffe, die seit Jahren eine förmliche Ministerhetze betreibe. In dieser Hinficht habe daS Ende I des Prozesses eine schwere Enttäuschung gebracht. Ob dar Nachspiel die erwünschte Klarheit schaffen werde, sei min- bestens zweifelhaft. In jedem Falle werde dieser Prozeß einen unvergeßlichen Beitrag zu der deutschen Geschichte am Ende deS 19. Jahrhunderts bilden. DenBerl. Neuesten I Nachr." ist es zufällig bekannt, daß auch die Erfahrungen, 1 die der Reichskanzler in Paris und im Elsaß mit der Ber- liner politischen Polizei gemacht habe, fast unmittelbar nach seinem htefigen Amtsantritt einen ganz bestimmten amtlichen Ausdruck sanden. Dennoch sei alles beim Alten geblieben. I DerDeutschen Tageszeitung" ist eS nicht begreiflich, warum I v. Tausch seinen Gewährsmann Staerck nicht sofort nennen I durfte. DieStaatsbürger Zeitung" will trotz der Verur- I thrilung ihres Redacteurs nicht aufhören, in deutscher Weise die Mißstände zu rügen, die fie für verderblich für unser deutsch politisches Wesen erachtet. DaSBerl. Tageblatt glaubt, daS eigentliche Drama beginne erst mit dem Ber- I fahre« gegen Tausch, und wer wolle eS sagen, ob nicht dem I Prozeß Tausch noch ein anderer Nachfolge, der die ganze I Katastrophe erst aufweisen wird. DieVolkszeitung" sagt: Bor Allem müffe die Frage aufgeworfen werden, wie es möglich war, daß Herr v. Tausch so lange sein Wesen treiben I konnte. DerVorwärts" hält v. Tausch nur für eine Schachfigur, die ebenso gut von anderen Händen geschoben werde, wie er selbst Leckert und v. Lützow geschoben habe. Wenn die Fährte nicht deS Weiteren verfolgt werde, so sei aller Welt dargethan und eiogestauden worden, daß der ganze StaatSorganiSmuS keine chirurgische Operation vertrage.

Berlin, 8. December. Zur Verhaftung des Herrn v. Tausch meldet derLocalanzeiger", daß die Vorunter- suchung vom LandgerichtSrath Herr geführt wird. Bor dem­selben hatte der Aogeschuldtgte heute bereits eine längere \ Vernehmung zu bestehen. Polizelpräfident v. Wtndheim hatte heute Vormittag mit dem Geheimerath Muhl, dem Dirigenten der politischen Polizei, sowie dem Grafen Stillfried, dem Chef der Executivpolizei, eine längere Unterredung. Herr v. Tausch hat noch in verschiedenen Prozrffen als Zeuge zu erscheinen. Die Stellung einer Caution ist abgelehnt worden in Anbetracht deffen, daß der Angeklagte wegen wissentlichen Meineids in Haft genommen ist. Außerdem wird er fich wegen Amtsverbrechen und Anstiftung zur Urkundenfälschung zu verantworten haben. DaS Bureau von Tausch, sowie seine darin befindlichen Papiere find amtlich versiegelt worden.

Berlin, 8. December. Wie derNordd. Allg. Ztg. von zuständiger Seite mitgetheilt wird, ist die Nachricht, wonach die japanische Regierung an die deutsche RetchSpost das Ersuchen gerichtet habe, eine Anzahl deutsche Tele­phonistinnen zum Uebrrtritt in japanische Dienste zu be­wegen, durchaus unbegründet.

Hamburg. 8. December. Die Eisenbahndirectros macht bekannt, daß bis auf Weiteres Sendungen für den Freihafen von der Beförderung ausgeschlossen find, aus­genommen Sendungen von Kohlen und solche für den Petersen- Quai. Anträge auf Beförderung mittelst Quai Bahn werden vorläufig abgelehnt. Die Hamburger Quai-Berwaltung lehnt Sendungen für die Staats Quai ab. Für den Verkehr nach Hamburg ist zur tarifmäßigen Lieferzeit eine ZuschlagSsrist von drei Tagen für Eilgut und zehn Tage für Frachtgut

dieselbe Krankheit.

Loudon, 8. December. Der Wiener Korrespondent deS Daily Telegraph" will aus bester Quelle erfahren haben, daß sofort nach der Ankunft Neltdows in Konstantinopel daS Project der Finanzreform, welches Frankreich vorge- schlagen habe, veröffentlicht Wird.

Loudon, 8. December. DerStandard theilt mit, daß die Beamten der North Western Bahnlinie für'Sonntag den Ausstand proclamiren werden, wenn nicht Lohn-Erhöhung einiritt und die ausgeschlossenen Arbeiter nicht wieder ange- nOttim«ettt8burg, 8. December. Angeblich soll Menelik einen schmalen Küstenstrich zwischen der italienischenl und stanzö- fischen Colonie (Obok) zur Anlage einer Kohlenstattou an Rußland abgetreten haben. JWsW Russen hätten in Paris wegen der Abtretung Oboks sondirt, jedoch eine ablehnende Antwort erhalten.

1 Warschau, 8. December. DaS Befinden deS Grafen Schuwalow ist andauernd Besorgniß erregend. Dem Zaren wird täglich über daS Befinden Schuwalows Mit- theiluug gemacht.

Berlin, 9. December. Der Kaiser traf gestern von Bückeburg kommend 3 Uhr Nachmittags im Neuen Palais ein

Berlin, 9. December. Zum hundertjährigen Geburtstage Kaiser Wilhelms I. werdentmSng- liehen Schlosse bereits Vorbereitungen getroffen. Es handelt fich in erster Reihe um die Einrichtung der Fürstenzimmer, die zur Aufnahme hoher Persönlichkeiten bestimmt find.

Berlin, 9. December. Durch eine CabinetSordre vom 3. December ist mit der Ernennung LiebertS zum Gouverneur von Deutsch-Ostafrika Major W ß- mann in einstweiligen Ruhestand versetzt, unter Zuthetlung I rum Colouialamte. ,

Berlin, 9. December. Mit dem Hamburger Strtke be- schästigten fich gestern Abend sechs stark besuchte BolS. Versammlungen. Die Referenten

I Abgeordnete. Es gelangte zu Gunsten der AuSständischen I eine Resolution zur Annahme.

Berlin, 9. December. DieVolkszeitung meldet a«S Hamburg: Eine gestern Nachmittag stattgesundeue Ber- sammlung des Arbeitgeber - Verbandes entschied fich dahin, en dem Beschluß, kein Schiedsgericht anzunehmen, festzuhalten. Nur einige wenige Mitglieder deS Verbände» sprachen fich gegen den Beschloß aaS.

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Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche zu Eberstadt.ZZ Nachdem in zwei Gehöften zu Eber stad t die Maul- und Klauenseuche amtlich frstgestellt worden ist, wird die» mit dem Ansügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Gehöftsperre angeordner ist.

Gießen, am 9. December 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gieß:n.

v. Gagern.___

Gießen, den 7. December 1896. Betr.: Lehrmittel in der Fortbildungsschule.

Die

Sroßh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Nach den von uns gemachten Erhebungen hat sich ergeben, daß in vielen Gemeinden als Lesebuch für die Fortbildungs­schule das Volksschul-Lesebuch verwendet wird. Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß dieses Buch den Schülern der Fortbildungsschulen in keiner Weise genügenden Lesestoff bietet, daß derselbe vielmehr den Schülern aus früheren Schuljahren bekannt ist und fie interesselos macht. 20 Ge- mcinden unseres Kreises haben daher schon da» Hessische Lesebuch für Fortbildungsschulen eingeführt und zwar so, daß die Gemeinde eine Anzahl dieser Bücher für das Inventar der Schule angeschafft hat, damit den einzelnen Schülern keine Kosten entstehen.

Wir fordern Sie auf, die Gemeinden zur Anschaffung einer genügenden Anzahl von Exemplaren des oben erwähnten Buches zu veranlassen, bezw. entsprechenden Antrag bei dem Gemetndevorstaud zu stellen. n r ,

Um den Gemeinden den Bezug deS Lesebuches zu er­leichtern, find wir mit der Verlagsbuchhandlung von Emil Roth in Gießen in Verbindung getreten, und dieselbe hat fich bereit erklärt, da- gebundene Exemplar portofrei für 2.16 Mark an die Gemeinden abzugeben.

Ihren Berichten über Ausführung vorstehender Verfügung sehen wir bis zum 15. Januar k. I. entgegen.

v. Gagern.