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Der hi«*« A*zeiger r-chrmt täglich, ,ti LuZnahmr del Montag».
Die Gießener h«<rit«ftuutr •erteil dem Anzeiger •ichantltch dreimal
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Erstes Blatt Samstag dm 10. October ______
Gießener Anzeiger
Keneral-Wnzeiger.
1806
Lierteljahriger' Ako»ncme«t»,retO» 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Aedaction, lkxpeditio» und Druckerei:
Zch»lstr«teMr.»o Fernsprecher 51.
Aints» und Anzsigeblatt für den Nreis Gieren
Hratisbeikage: Äi-ß-ner Jamikj-nökstter.
Anrtlkher Theil.
lich befunden worden, als Gemeinde-Zuchtstiere verwendet zu werden. Sämmtliche Thiere find an einem Horue mit dem Brandstempel der Commission versehen.
Gießen, den 8. October 1896.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
vekmmtmachuNL
betreffend: Die Faselschau zu Lich.
Bei der am 28. v. Mt«. zu Lich abgehaltenen Fasel«
fs-ru find die nachstehend
verzeichneten yueemtcrc jur raug-
i Eigeuthümer.
Zuchtstier.
Bemerkungen.
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f Namen
0
Wohnort
Rasse
Alter
Farbe
Körper- beschaffen- hetl
Gesundheit?- und Nährzustand
1 Joh. Hrch. Mohr
1 »yg. Melch. Häuser
3. WUH. Grieb II.
1 Phil. Zimmermann
Gambach Watzenborn Holzheim Lich
Simmenth. Bastard Vogelsberger Stmmenthaler
Simmenth. Bastard
14 Monat
14 Monat
18 Monat IG Monat
gelb und weiß braun gelb und weiß gelb und weiß
genügend
genügend t gut gut
gut gut gut gut
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Zteuefte
Wolff« telegravhtfcheS ttonclptrnbem»®nr<t»
Paris, 8. October. Der Kaiser von Rußland hat »i keiner Abreise von Pari« 100,000 Francs für die Bratern gespendet. DaS Katserpaar traf um 2 Uhr 42 Mtn. üb Srrvres ein und wurde von der zahlreich versammelten Mcnschenmeuge mit den Rufen: „ES lebe Rußland! Es Itbt Frankreich!" begrüßt. Die Stadt ist reich geschmückt. LaS katserpaar besuchte darauf die Porzellan-Manufactur, Welcher der Kaiser selbst einen Ofen in Brand setzte. Wann begab fich daS Kaiserpaar inS Museum, wo dem !lhi|en und der Kaiserin mehrere Gegenstände dargeboten imirbtm. Nach 20 Minuten erfolgte die Rückfahrt durch den Huk St. Bland.
Pari», 8. October. Kaiser Nikolaus gab tele« Msttsch Befehl, daß der für die Gruft Larnot« bestimmte gilbene Kranz raschesten« vollendet werde und die Inschrift: B1 C'arnot Nikolas II.“ erhalte.
Athen, 8. October. Die Lage in Heraklion (Kreta) ist uin erträglich. Die Muhamedaner weigern fich, die chosk-r der Christen zu verlaflen. Die meisten Flüchtigen occl heraklion find genöthigt, in Griechenland zu bleiben. Mt Muhamedaner zogen nach dem vor der Stadt gelegenen chistl'lchen Friedhöfe, wühlten die Leichname aus den Gräbern, Wad-eten die Grabmäler und zerschlugen die Kreuze. Die Mcicionsuln begaben fich an Ort und Stelle und stellten den Ahvtdestand fest. Täglich stattfindende Mordthaten fordern Bit Rache der christlichen Bevölkerung heraus.
lKoustautinopel, 8. October. Infolge Ausbruches der Srft in der Provinz Astr ist über sämmtliche Häfen deS Mihm Meeres zwischen Lith und Loluja eine zehntägige Dmantäne verhängt worden.
Mtlanta, 8. October. Der Demokrat Atkinfon ist mit eitr Majorität von 28,000 Stimmen gegen den gemeinsamen
Candidaten der Populisten und Temperenzler zum Gouverneur gewählt worden. Die Wahl war allein durch locale Fragen beeinflußt. _____________
S«pi!6äi deS «»ree»
Berlin, 8. October. An der gestrigen Kronrathssitzung im Jagdschloß HubertuSstock unter dem Präsidium deS Kaisers, welche von 11 bis 2 Uhr dauerte, nahmen der Reichskanzler, sämmtliche Staatsminister, StaatSsecretär im Reichsschatzamt PosadowSky und UnterstaatSsecretär Humbert Theil. Der Sitzung folgte ein Frühstück, nach welchem die Theilnehmer um 3^ Uhr Nachmittag« die Rückfahrt nach Berlin antraten. Der Kaiser unternahm gestern Nachmiltag eine Pirschfahrt in daS HubertuSstocker Jagdrevier.
Berlin, 8. October. ES steht fest, daß der preußische Landtag in der zweiten Hälfte des November, voraussichtlich am 20., einberufen werden wird.
Berlin, 8. October. Der BuudeSrath versammelte sich heute zu einer Plenarsitzung.
Berlin, 8. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt osficiöS: Wir find in der Lage, die Nachricht über die in Ausficht genommene Vorlage in Betreff der Couvertirung der 4 procentigen Reichs- und preußischen ConsolS in 3»/,procentige zu bethätigen. Gleichzeitig können wir no» htnzufügen, daß gutem Vernehmen nach auf besonderen Wunsch deS Kaisers bet der Durchführung dieses durch die Berhältniffe unabweisbar gewordenen Beschlüsse« mit aller möglichen Milde und Schonung der vielfach empfindlich berührten Jntereffen verfahren werden wird. Auf einer allerhöchsten, au« ähnlicher Fürsorge gegebenen Directive wird e« auch wohl beruhen, daß, wie wir au« guter Quelle erfahren, bet Gelegenheit der Erhöhung der Beamten Gehälter auch die Verbefferung der Lage der Wittwen und Waisen der Beamten und Mtlttärpersoneu in Verbindung genommen werden soll.
Berlin, 8. October. Der „RetchSanzetger" veröffentlicht die Ernennung de« wirklichen Geheimen Ober-RegierungSrath« und Mtntsterial-Dtrector« Fleck zum UnterstaatSsecretär in der Eisenbahn-Abtheilung deS Ministerium« der öffentlichen Arbeiten.
Berlin, 8. October. Gegenüber anderen Nachrichten erfährt die „Voff.-Ztg.", daß sich Major von Miß mann auch jetzt noch nicht schlüssig gemacht habe, ob er seinen Posten in Dar-es-Salam wieder antreten werde oder nicht. Sobald er die Ueberzeugung gewonnen hat, daß er ohne Gefährdung seiner Gesundheit sich dem Klima in Ostafrika auSsetzen kann, wird er dorthin zurückkehren, andernfalls nicht.
Berlin, 8. October. In der Angelegenheit des AttentatS- verfuchS gegen den Polizetoberst Krause soll nunmehr die Voruntersuchung so weit gediehen sein, daß demnächst gegen den Anarchisten Koschemann u. Gen. die Anklage wegen Mordversuchs bezw. Beihilfe dazu erhoben werden wird. Wie verlautet, liegt die Bearbeitung dieser Sache in den Händen de« Oberstaatsanwalts Drescher.
Frankfurt a. M., 8. October. Der „Franks. Ztg." wird aus Karlsruhe gemeldet: Sämmtliche Gauverbände de« Gewerbeverein« haben fich mit großer Mehrheit gegen den preußischen Vorschlag der Zwangsinnungen ausgesprochen und die Errichtung obligatorischer Gewerbekammern besür« wartet.
München, 8. October. Die Nachricht von einer bevor« stehenden Verlobung deS Prinzen Rupprecht von Bayern wird heute osficiöS dementirt.
Nürnberg. 8. October. Hier wird ein allgemeiner Kutscherstrike vorbereitet.
Paris, 8. October. DaS Zarenpaar hat kurz nach 1 Uhr Mittags in offenem vierspännigen Wagen unter demselben Ceremoniell rote bei der Ankunft die Fahrt nach Versailles angetreten. Eine ungeheure Menschenmenge brachte auf dem ganzen Wege stürmische Ovationen dar.
Pari», 8. October. An dem gestrigen Diner in der russischen Botschaft nahmen außer dem Zarenpaar und deffen Gefolge, sowie den Mitgliedern der rusfischen Botschaft Präsident Faure und Gemahlin, sämmtliche Minister, sowie der Senats« und Kammerpräsident und General Sausfier Theil. In der Comedie fran$aise erschien der Zar um 10 Uhr in schwarzem Anzug. Das Kaiserpaar wurde von der glänzenden Festversammlung mit Minuten- langem Händeklatschen und Hurrahrufen begrüßt. Die Vorstellung währte bi« 12 Uhr Nachts, worauf die Majestäten in die russische Botschaft zurückkehrten. Heute Vormittag 10 Uhr 45 Miu. kam der Zar zu Wagen, von der Menge lebhaft begrüßt, vor dem Louvre an. Der Verkehr stockte völlig. DaS Kaiserpaar besuchte die Apollo-Galerie und begab fich zur Statue von Milo, wo eS längere Zeit verweilte. Auf der Rückfahrt wurden die Majestäten wiederum von der Menge lebhaft begrüßt.
Feirilleton.
frankfurter Lheaterbnef.
(Origtnalbertcht für den »Gießener Anzeiger".)
(Nachdruck verboten.) ^le Erste" von Paul Lindau. — „Die officielle Frau" von HanS Olden.
Dr. M. Paul Lindau ist an der Wende der achtziger »i neunziger Jahre ein Anderer geworden. Die Inten« auieuthätigkeit in Meiningen, welche ihn der den Menschen tti auch den Schriftsteller vorzeitig müde und blafirt rächenden Großstadtluft entführte, hat auch einen günstigen SiKliß auf sein productives Schöffen gehabt. Nicht mehr 5tl oberflächliche Gesellschaftstreiben beschäftigt seine Phon- Uni, sondern die demselben zu Grunde liegenden ethischen utl ipsychtscheu Motive. Paul Lindau versteht fich auf den ffiis ich lag der Zeit. Im Aufgreifen der symptomatischen Meinungen bewährt er einen außergewöhnlich glücklichen $Mlnct, mag dann hinterher beim dramatischen Ausspinnen icj manches von der ursprünglichen Kraft deS ersten guten Ütiuigedanken» verloren gehen oder zum mindesten abbröckeln. Macu hat uns fast immer mit dem Eingang, mit der Ex- Milon gewonnen, aber im AuSgang hält er sich vielfach, Pmch in seinem jüngsten OpuS, nicht auf der Höhe unserer GiEltungen. DaS vieractige Schauspiel „Die Erste" Mt uns vor ein sehr ernste- Problem, vor ein Problem, B<! eigentlich niemals in abstracto, sondern immer nur von M z^u Fall entschieden werden kann, nämlich vor die Frage: Ädoir Mann moralisch zur Schließung einer zweiten Ehe
berechtigt sei, wenn die erste Frau als unheilbar krank im Jrrenhause lebt. Der RegierungSrath Matueck (Herr Bauer) kann seine innig geliebte Frau Elise (Frl. Frank) als eine solche lebendig Todte betrachten. Die Aussprüche der Aerzte lauten dahin, daß die Apathie der Patientin all« mählich in völligen Stumpfsinn übergehen würde. Die jüngere Schwester, Franziska (Frl. Doch) leitet den Haushalt de« Schwagers und ist gleichzeitig eine prächtige Er« zieherin für das mutterlose Töchterchen Marie (Frl. Gieseke). AllcS stünde in bester Ordnung, wenn nicht die „kluge Welt", die fich immer um den lieben Nächsten kümmert, zu diesem Familienhaushalt den Kopf schüttelte und e« sehr bedenklich fände, daß die noch junge Franziska bei ihrem Schwager lebt. Als e« fich darum handelt, daß letzterer eine Vorlage zur Bekämpfung der unsittlichen Ausschreitungen in der Groß« stadt al« Regierung-Vertreter begründen soll, werden sogar gehässige Stimmen laut, die den Rath Maineck nicht für die geeignete Persönlichkeit hierzu halten und seine Moralität anzweifeln. Anfang- fehlt diesem rechtschaffenen und Harm« losen Menschen jede- Verstävdniß für derartige Verläum« düngen und Verdächtigungen, al- ihm dann aber die Augen aufgehen und er, vor die Alternative gestellt, entweder den Verdächtigungen mit eiserner Stirn zu trotzen, oder Franzi-ka aus seinem Hause zu entlasten, erkennend, daß ihm daS liebe, tüchtige Mädchen fast unentbehrlich geworden ist, entschließt er sich, zumal die besten Freunde ihm dazu ratheu und das Zeugniß der Aerzte ihm seine Freiheit zurückgibt, die Ehe mit dcr irrsinnigen Frau gerichtlich zu lösen und zur zweiten mit Franziska zu schreiten. Nun aber kommt die Katastrophe. Wider alle menschliche Berechnung erlangt Elise ihre Gesund«
heit wieder und kehrt nach jahrelanger Abwesenheit in da- Hau- ihre« Gatten zurück, wo sie ihren Platz besetzt findet. Hat sie daS Recht zu Anklagen? Anfang« will fich ihrer Bitterkeit und Groll bemächtigen, dann aber gelaugt fie zu stiller, müder Refigvation, aber wer fände diesen Schluß, der kein Gefühl der Erleichterung, der Befreiung im Hörer aufkommev läßt, nicht namenlos traurig?!
Länger als Lindaus „Die Erste" dürfte fich Han« Oldens Schauspiel „Die officielle Frau" auf dem Repertoir erhalten, denn e« hat in einer Menge äußerer und höchst spannender theatralischer Effecte seine Halt- und Stützpunkte. Olden« Verdienste beschränken fich auf eine geschickte scenische Einrichtung de« Savage'schen Roman«, der ja alle wesentlichen Züge und Gestalten bereit- enthält. Man bleibt von Anfang au bi« zu Ende in fieberhafter Er- Wartung und da« ist für ein Bühnenstück immerhin kein zu unterschätzender Dortheil. Gleich die Eingangsscene, welche die Grenzstation Wirrballen und die scharfe Paßcontrole vor« führt, die doch nicht hindert, daß eine Nihilistin vom reinsten Waffer — der Theaterzettel nennt fie nur „eine Dame" — fich am Arme eine- gutmüthigen, arglosen Amerikaner- einschmuggelt, erregt unser brennende« Interesse.
Die tragende Figur der Handlung ist eben die ge« heiwnißvolle Fremde, welche nur durch eine starke Dofi« Morphium, welche ihr der „officielle" Gatte auf einem Balle beizubringen weiß, an ihrem Attentat auf den Großfürsten Gregor verhindert wird. Frl. E. Boch spielt diese Bravour- rolle mit hinreißendem Temperament.


