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♦itHeetr Aazeiger krschkint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die GieHm<r PasikienVtLller oerden dem Anzeiger »Schentlich dreimal drigelegt.
1896
Zweites Blatt. Frettag deu 10. April
Gießener Anzeiger
Kmerak-Mnzeiger.
vierteljähriger JllOÄiiem<Ht*prrUt 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezöge» 2 Marl 50 Pfg.
Nedartion, Expedition und Druckerei:
Kchnlstra^e Kr.7.
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Aints- und Anzeigeblntt für den Ureis Gieren.
Isnahm« von Anzeigen zu der Nachmittag- für de, folgenden tag erscheinmden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Hratisöeikage: Hießener Jamitienötätter.
All- Annoncen-Vureaux deS In- und Au-lande» nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Amtlicher Theil.
Gießen, am 24. März 1896.
Bett.: Frühjahrs-Controlverfarnrnlungen.
Das Großherzogliche Kreisawt Gießen
Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Leise zur öffentlichen Kenntniß bringen lasten.
v. Gagern.
Bekamtmachmtg.
Bei den diesjährigen Frühjahrs'Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmelde-
Gießen gehörigen:
s 1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots (Anzug: Kleiner Dienst- Anzug).
2) Reservisten, sowie zur Disposttion der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlaffenen.
3) Wehrleute I. Aufgebots, die vom 1. October 1883 ab eingestellt worden.
4) Ersatz-Reservisten, geübte und nicht geübte.
Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die kontrolpflichtigen anzutreten haben:
A. Zu Gietzerr
in Oswalds Garten für die Bewohner von Annerod, Burk- tyrbsfelben, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchel- 1dm, Klein-Linden, Oppenrod
am 16. April 1896.
1. Appell Vormittags 8 Uhr:
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve imb Landwehr I. Aufgebots.
Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile mb der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften der Jn- swtcrie.
2. Appell Vormittags 11 Uhr:
Wehrleute I. Aufgebots der Infanterie.
3. Appell Nachmittags 2 Uhr:
Reservisten, sowie zur Disposttion der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlaffenen Mannschaften und die Lehrleute I. Aufgebots aller übrigen Waffen und zwar: drr Garde, Jäger, Cavallerie, Feld- und Fuß-Artillerie,
Feuilleton.
Bnkel Hasenbusch.
Erzählung von Cethegus.
(1. Fortsetzung.)
Auch war er unermüdlich in eigenen poetischen Ver- Ilten, bei denen er sich nach Art solcher phantastischen und s-lbgebildeten Dilettanten am liebsten an die letdenschaft- Wen Vorbilder hielt und ihr Pathos noch übertrieb. Er pstzte diese Stylübungen und HerzenSergüffe sehr sorgfältig, eit einer merkwürdig zierlichen und fehlerfreien Hand ab- Mreiben, ohne daß er fie in seiner Schüchternheit Jemand wzutheilen wagte, außer einer ungefähr zehn Jahre jüngeren «iherin, die in demselben Hause mit ihm wohnte und ver- vrhltch durch eine gewisse mitleidige Freundlichkeit in ihm Mrmngen erweckt hatte, zu denen ihn freilich sein Aeußeres drnig berechtigte. Sie ließ fich die poetischen Huldigungen Id schüchternen Hausgenossen gefallen, ohne vielleicht zu itzen, daß fich die Wünsche eines ernsthaften Freiers in |ßFn aussprachen. Jedenfalls wagte eS Nikola Hasenbusch Ich lange Zeit nicht, diesen Wünschen einen deutlicheren Airdruck zu geben, und als er es endlich versuchte, mußte m;u seinem Kummer erfahren, daß sich die Schöne just nH einem schmucken Altersgenossen versprochen hatte- da fie litt eine empfindsame Person war und auch einigermatzen Idtmt hatte, wie der gute Nikola am leichtesten zu nehmen lei, io versicherte sie ihn ihrer immerwährenden Freundschaft md entlieh sich zur Besiegelung des Bundes eine runde eommc Geldes von ihm, worauf fie alsbald aus der Stabt verzog und nachmals nie wieder etwas von fich Ihn ließ. . . .
Nikola Hasenbusch spann sich nun wieder ganz in sein Snstedlerleben ein, laS und dichtete still für sich weiter, A «eine Pflicht und bezog seinen Lohn und hätte in dieser Srise: wer weiß wie lange, im Ganzen vergnügt, voran
Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffettruppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonal, Büchsenmacher, Oeconomie - Handwerker und Marine-Mannschaften.
Am 17. April 1896
1. Appell Vormittags 8 Uhr: Sämmtliche Ersatz-Reservisten.
2. Appell Nachmittags 2 Uhr:
für die Bewohner von Allendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen.
Reservisten und Wehrleute I. Aufgebots zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlaffenen Mannschaften aller Waffen sowie der Ersatz-Reservisten.
B. Zrr Lollar
am 18. April 1896
neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertöhausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.
1. Appell Vormittags 8 Uhr 45 Minuten:
Offiziere, Sanitäts-Offiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.
Reservisten, sowie zur Disposition, der Truppentheile und der Ersatz - Behörden entlaffenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten: Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen.
3. Appell Nachmittags 1 Uhr: Ersatz-Reservisten.
C. Zu Grünberg
am 20. Llpril 1896, am Bahnhof
für die Bewohner von: Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein«), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhards- Hain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit Hainerhof, Winnerod.
vegetirt, wenn ihm das Schicksal nicht nach einigen Jahren eine neue Versuchung in den Weg geführt hätte. In dem Wirthshause, wo er sein dürftiges Mahl zu nehmen pflegte, lernte er einen jüngeren Mann kennen, der seine ganze Begeisterung für „schöne Bilder" zu theilen schien, nur daß er alles mtt einer erstaunlichen Mundfertigkeit laut heraus predigte, was Nikola Hasenbusch nur zaghaft und wortkarg zu gestehen wagte.
Dieser Mann war ein sogenannter Schweizerdegen, d. h. ein Handdrucker, der fich zugleich auf die Setzerei versteht _ er verstand aber beides nur mäßig und hatte, da er in keiner Stelle lange aushielt, schließlich auf Borg und Hoffnung selber eine winzige Druckerei errichtet. Nachdem er dem durch sein Schwadroniren völlig überwältigten Nikola erst das Geständniß entlockt hatte, daß er erstens einen ganzen Pack eigener „Gedichte" und zweitens dreihundert Thaler auf der Sparkasse, ließ er dem Unglücklichen keine Ruhe mehr, und es gelang ihm, daS Fünklein menschlicher Eitelkeit in Nikolas Linderseele so hell anzufachen, daß dieser schließlich einwilligte, ein Heft Gedichte im Selbstverlag herauszugeben und natürlich bei dem neuen Freunde drucken zu lassen.
ES begann nun eine wahrhaft selige Zeit für Nikola Hasenbusch. DaS Bewußtsein, gedruckt zu werden, der An- blick der ersten Abzüge, daS Durchlesen der Correcturbogen — und zuletzt daS eigenhändige Einbinden der noch so kümmerlich auf grauem Löschpapier gedruckten Büchelchen — alles dies war eine Fülle von Wonnen, die ihn daS Schwinden seiner so sauer zusammengekargten Spargroschen schon verschmerzen ließ. Es fanden sich auch etliche Gönner, welche die Widmung eines Exemplars der „Gedichte von Nikola Hasenbusch" gefällig lächelnd anoahmen und mit höflichem Lobe belohnten- eine OrtSzeitung brachte sogar eine Notiz über da- ltterarische Ereigniß und damit hätte die Sache füglich abgethan sein können. Eben aber zu jener Zeit hatte in einer deutschen Großstadt ein witziger Literat
1. Appell Vormittags 9 Uhr 15 Minuten:
Offiziere, Sanitäts-Offiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.
Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz - Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Vormittags 11 Uhr:
Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatz- Reservisten.
D. Zu Hungen
am 21. April 1896
am Friedhof für die Bewohner von: Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Rinaelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
1. Appell Vormittags 9 Uhr 30 Minuten:
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.
Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz - Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Vormittags 11 Uhr:
Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatz-Reservisten.
E. Zu Lich
am 21. April 1896
am Bahnhof für die Bewohner von : Albach, Birklar, Dorf- Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Rieder, Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
1. Appell Nachmittags 3 Uhr:
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.
Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz - Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Nachmittags 4 Uhr 30 Minuten:
Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatzreservisten.
Befteiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Nothfalle genehmigt.
Diejenigen Okannschaften, bei denen Fußmessungen noch
etwas erfunden, wodurch er oberflächlichen Leuten vielen Spaß und fich selber einen wohlfeilen Eintagsruhm verschaffte- er stöberte in allen entlegenen Winkeln Deutschlands dilettanttsche Dichtereien auf, die er dann in seinen Aufsätzen unter dem Vorwande literarischer Kritik mit dem scharfen Messer seines Witzes zerlegte und gleichsam anatomisch präparirte, während fie ohne ihn ein kurzes, unschädliches und verborgenes Leben zur Freude ihrer Urheber geführt haben würden.
Unglücklicherweise fielen diesem Manne auch Nikola- wohlgemeinte Reimereien in die Hände, und ohne die in ihrer Hilflosigkeit rührenden Stammellaute echten Gefühls von dem überwuchernden Zeug anempfundener Phrasen zu scheiden, machte er da- Ganze in seiner Weise herunter, wobei er bald den sittlich entrüsteten Reiniger de- deutschen Dichterhain-, bald den geistreichen Feuilletonisten hervorkehrte und sogar au- dem Familiennamen de- Verfasser- einige Wortwitze münzte. Biele Zeitungen beeilten fich, da- unterhaltende Feuilleton auszugsweise mttzutheilen, und schließlich blieb eS auch Nikola nicht vorenthaltev. Auf diesen aber wirkte die Kritik in einer Weise, von der ihr Verfasser und dessen Bewunderer wohl keine Ahnung hatten. Zunächst hatte er ein Gefühl, als ob er von dem höchsten Richter eines wahrhaften Verbrechens überführt worden sei, denn er war ehrlich und verständig genug, einen großen Theil des ernsthaften Tadels einzusehen. Als er dann aber weiterhin sah, wie der große Mann ihn mit Hohn über- häufte und gleichsam mit ihm spielte, wie die Katze mit der MauS, kam etwas über ihn, als ob er nun mit dem ganzen Menschengeschlecht fertig sei. ES war ihm, als könne er fich vor keinem seiner bisherigen Bekannten, Vorgesetzten und Collegen mehr sehen flössen, als müßten alle mit Fingern auf ihn zeigen, und als müßte er ihnen dafür ins Gesicht fahren wie eine gehetzte Wildkatze.
(Fortsetzung folgt.)


