Ausgabe 
10.4.1896 Erstes Blatt
 
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M, 84

Frettag den 10. April

1S96

LicrltljLbriger

Kenerat-Mnzeiger

Aints» und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

Hratisöeikage: Hießener Aamitienötätter.

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Gieße«, den 8. April 1896.

»mcher Concerre in erfreulicher Weise bereichern halfen. 118 zweite Anziehungskraft erscheint das Gastfpiel der tzianortna Prevosti, die mit ihrer Kunst dem ältesten |

ÄidinhÜter der Opernliteratur ein berückendes, jugeodfrisches

lanahme vo» Anzeigen zu der Nachmittag» für den fefgntbm Lag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.

Urmpenlicht zu ziehen.

In der Oper gibtS nächstens eine Novität, ein Werk °dcn Mever-Hellmund, des Componisten anmuthiger »rder, der zur Zeit sein Domictl in Darmstadt auf- «ILlagen hat, wo seine Arbeiten auch schon daS Programm ° _ i ..e_____cm.ir« hevotmsrn nnl tkN.

bis zum 15. April d. I. unter Beibringung der erforder- ltchen Belege bet der unterzeichneten Stelle einzuretchen. Später etnlangende Gesuche finden keine Berücksichtigung.

Einen begründeteren Anspruch haben nur solche Kriegs« theilnehmer, welche früher als am 8. September 1847 ge­boren sind oder einen früheren Feldzug mitgemacht haben und sich wegen dauernder gänzlicher Erwerbsunfähigkeit

besonders feierlicher Empfang harrt. Die Kaiserin Augusta Victoria reist noch am genannten Tage mit dem Kronprinzen und dem Prinzen Ettel Friedrich nach Berlin weiter, Kaiser Wilhelm dagegen wird noch bis zum Abend des 15. April in der österreichischen Hauptstadt verbleiben und u. A. der an diesem Tage stattfindenden großen Frühjahrsparade der Wiener Garnison beiwohnen. Der österreichisch-ungarische Botschaster am Berliner Hofe wird bei der Zusammenkunft der Kaiser Wilhelm und Franz Joseph zugegen sein.

Dem preußischen Abgeordnetenhause ist die schon angekündigte neue Eisenbahnvorlage jetzt zugegangen. Dieselbe verlangt iuSgesammt 69,321,000 Mk. zur Erweite- rung deS StaatSbahnnetzeS, Betheiligung des Staates am Back' von Privat« und Kleinbahnen, Errichtung von Beamten. Wohnhäusern u. s. w. Außerdem wird in derselben Vorlage die Errichtung landwtrthschaftlicher Getreidelagerhäuser vor­geschlagen, zu welchem Zweck von oben genannter Summe 3 Mill. Mk. verwendet werden sollen.

Schopbati Äste.

8 tr.: Wie oben.

Das Grotzherzogliche Sreisamt Gießen in die Groffh. Bürgermeistereien der zum dritten Wildfchadensbezirk gehörenden Gemeinden.

Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie sofort in ortS- 16lief)er Weise publictren und daß solches geschehen, binnen 8 Lagen bertchtlich anzeigen.

v. Gagern.

hülfSbedürftiger Lage befinden.

AuSgeschloffen find:

a. Personen, welche auS Reichsmitteln gesetzliche Invaliden« Pension oder entsprechende sonstige Zuwendungen beziehen,

b. Personen, welche nach ihrer Lebensführung der beab­sichtigten Fürsorge als unwürdig anzusehen sind,

c. Personen, welche sich nicht im Besitze deS deutschen JndigenatS befinden.

Gießen, den 31. März 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Adlung gesuchj

Neueste

WolffS telegraphisches Eorrespondenz-Burum.

Berlin, 8. April. Gegenüber der Meldung deSHann. Cour.", dem Reichstage werde im Spätherbste eine Mariuevorlage zugehen, erklärt auch dieNordd. Allg. Ztg." unter Hinweis auf die technischen Schwierigkeiten für das Project auch nur eines Schiffes es für unmöglich, daß die Vorlage schon so beschaffen sei, daß Details daraus mir-* theilbar seien. Das Blatt fügt hinzu, man hoffe, die Vor- läge bis zum Zusammenrreten des Reichstages im Herbst feststellen zu können. Schon hieraus ergebe sich, daß die Vorlage dem Kaiser vor seiner Abreise nach Italien nicht unterbreitet werden konnte.

Berlin,8. April. Der 19. Deutsche Protestautenj- tag ist heute hier zusammengetreten. Heber 100 Delegtne auS Deutschland, der Schweiz und Holland find eingetroffen. Der heutige Vormittag war den Berathungeu deS ständigen AuSschuffeS gewidmet, der den Bericht über die Thätigkeit des Vereins und seiner Zweigvereine entgegennahm. Morgen beginnen die öffentlichen Verhandlungen.

Hamburg, 8. April. DieHamburger Nachrichten" ver­öffentlichen ein Schreiben Bismarcks folgenden Inhalts: Friedrtchsruh, den 8. April. Bon Nah und Fern, aus Deutschland und dem AuSlande, erhielt ich auch in diesem Jahre viele Glückwünsche zu meinem Geburtstage. Die Anzahl dieser mich in hohem Grade beglückenden und ehrenden Kundgebungen ist so groß, daß ich zu meinem lebhaften Be- dauern darauf verzichten muß, jede einzeln dankend zu be« antworten. Ich rechne deshalb auf die Nachsicht meiner

Alle Aimoncen-Bureaux de» In- und AuSlande» nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

Bringerlohn.

Durch die Post bezöge» 2 Mart 50 Pf».

Nedaclion, LxpeditiM und Druckerei:

-ch»cstr«teMr.1.

Fernsprecher 5L

erzählerin am VortragSpult, hat sich der Abwechslung halber in diesem Winter auch auf ein anderes Gebiet verlegt, auf daS der Recitation aus den Werken moderner Schrift- fiel le rin neu. Die lyrischen Gaben bestanden in Gedichten der feurigen, temperamentvollen Italienerin Ada Negri, der klar und edel empfindenden Ostpreußin Johanna Ambrosius, der philosophisch vertieften Lou AndreaS- Saloms und der monumental veranlagten Marie delle Grazie.

Heber die Auswahl der Prosastücke, die durch Olive Schreiner, Hermine Villinger und die Engländerin George Egerton vertreten waren, laffen sich ebenfalls Worte des Lobes sagen.

Einen eigenen Artikel könnte man füllen mit dem Bericht über die Wilhelm Steinhauseu-AuSstelluug im Schneider'schen Kunftsalou, welche hart auf die Kallmorgen- AuSstellung gefolgt ist. Wir müffen uns hier auf einige Hauptpunkte beschränken.

Zu diesen gehört in erster Linie die Thatsache, daß das große religiöse Historienbild noch immer andauernd im Vordergründe deS Jntereffes steht und daß Wilhelm Steinhaufen, eine Hans Thoma verwandte Künstlernatur, gerade auf diesem Gebiet ihr Hervorragendstes leistet.

Bon tiefer Characteriftik zeugen die Figureubilder: die AbendmahlSscene:Dieser nimmt die Sünder auf und isset mit ihnen"Die Griechen fragen Philippus" Die Jünger auf dem Wege nach Emmaus." WaS uns alle diese Gestalten so nahe rückt, ist, daß der Künstler, ähnlich dem Dichter der altsächfischen EvangeltenharmonieHeliand", die Menschen und Vorgänge der biblischen Geschichte mit der Natur und der Tracht deS heimischen Landes verschmilzt. DieJünger auf dem Wege nach EmmauS" bewegen sich z. B. in dem Rahmen einer großartigen Rheiulandschaft, Gegend von Säkkiugen.

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Deutscher Reich.

Berlin, 8. April. Kaiser Wilhelm trifft mit seiner erlauchten Gemahlin und seinen beiden ältesten Söhnen nach Beendigung seiner Erholungsfahrt an den mittelländischen Gestaden Italiens in diesen Tagen in Venedig ein, wo die italienische Reise der deutschen Majestäten durch deren Zusammentreffen mit dem italienischen KönigSpaar ihren be­deutsamen Abschluß findet. Spezielle Abmachungen sind von dieser jüngsten Zusammenkunft Kaiser Wilhelms und Königs Humberts gewiß nicht zu erwarten, ist doch als feststehend zu betrachten, daß die abessinischen Vorgänge die Stellung Italiens innerhalb des Dreibundes durchaus nicht weiter be­rührt haben. Aber Kaiser Wilhelm verleiht durch den Besuch, welchen er jetzt seinem königlichen Freund und Verbündeten an der Küste der Adria abstattet, seiner Theiluahme für Italien angesichts des Waffenunglückß der Italiener bei Adua nochmals wärmsten Ausdruck, durch den Händedruck, welchen Wilhelm II. und Humbert wiederum in der alten Lagunen­stadt, wie schon vor zwei Jahren, wechseln, erfährt zugleich daß so enge Politische gegenseitige Verhältniß ihrer Reiche seine erneute Besiegelung. Dieser sich von selbst ergebende politische Hintergrund der Venediger Monarchenbegeguung tritt insofern noch schärfer hervor, als bei derselben der deutsche Botschafter tn Wien, Graf Eulenburg, und, wie man hört, der italienische Minister deS Auswärtigen, Herzog von Ser- moneta zugegen sein werden. Von Venedig aus wird daS deutsche Kaiserpaar direct nach Wien reisen, und dort am 14. April eintreffen, woselbst der deutschen Majestäten ein

Gießener Anzeiger

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.weite Jrw b' 1. R.,

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Bekanntmachung, kerreffeud: die Ausführung des Gesetzes vom 22. Mai 1895 Ntgen Gewährung von Bkihülfen an ehemalige Kriegs- theilnehmer.

Durch Wegfall eines Bezugsberechtigten ist eine Beihülfe ton jährlich 120 Mk. vom 1. d. MtS. an frei geworden. Hon den vorgemerkten KriegStheilnehmern hat der zum Etn- tfltfcn Nächstberechtigte den Feldzug 1870/71 mitgemacht und ist em 8. September 1847 geboren.

Diejenigen KriegStheilnehmer, welche auf den Bezug tiefer Beihülfe begründeteren Anspruch glauben erheben zu Uunen, werden hierdurch aufgefordert, ihre Ansprüche längstens

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Der -ießeuer Anzeiger erscheint täglich, »it Ausnahme dc» Montag».

Die Gießener P«»ttie»dlätter «erben dem Anzeiger »tchentlich dreimal deigelegt.

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Feuilleton.

Frankfurter Bries.

(Originalbericht für denGießener Anzeiger".) (Nachdruck verboten.)

Reutet. Coucerte. Vorträge. Steinhausen-Ausstellung.

Dr. M. Italien war wieder einmal Trumps im Frank- firter Schausptelhause. Roberto Bracco, seiner Ab« stcmmung nach ein Neapolitaner, gehört mir Giacosa, Pcaga, Berga usw. zur Gruppe der jungen italienischen Kristen, die ihren Wahrheitsstudien eine mehr oder minder -fivrke Dosis Satire beizumischen lieben. Auch das Schauspiel llntreu" hat in letzterer seinen Schwerpunkt. Den Iiomaneu erkennt man sofort an der Art, in welcher mit riner für uns heiligen Einrichtung, zum Mindesten sehr ernsten Angelegenheit, der Ehe, ein l-kette- Spiel getrieben wird. Jl nt "eu" erinnert in vielen Zügen an Victorien S-rrdouS Mprienne", nur daß der junge Italiener dem alternden Franzosen in der Feinheit deS Dialogs unendlich über- 1,6 Nachdem Arthur Schnitzler sich den Frankfurtern 1, erfolgreich in dem Schau,PielLiebelei" vorgesührt, durste fr Intendanz e6 wohl wagen, aus altere Manuscr^te des jungen Wiener Autors zurückzugreisen und den Eüwcter ,2aS Abschiedssouper", eine echte Großstadtstudie, ans

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Leben einzuhauchen vermag und welcher die Kritik nicht mit . Unrecht die EtiketteDie singende Düse" auf­geklebt hat. I

Die Genußfähigkeit deS Publikums für gute c o n c e r t a l e Darbietungen ist und man kann billig darüber staunen noch immer nicht ins Stadium der Ermüdung und Heber­sättigung getreten. Beim Großstädter scheint sich im Laufe der Jahre schon so etwas wieAnpaffung" vollzogen zu haben, eine Erweiterung des ästhetischen Magens!

Der Frauenchor, der im Hoch'ichen Conservatorium sein zweites Concert brachte und in diesem u. A. Schuberts Allmacht" sang, der Abend deS Künstlerehepaars Max und Blanche Schwarz, beides tüchtige Pianisten, der letzte Kammermusik-Abend der MuseumS-Gesellschaft, deffen Programm ein Streichquartett deS stellenweise sehr originellen Cesar Franck enthielt, fanden vor dichtgefüllten Zuhörerreiheu statt. Gewahrt mau daun noch, daß eS den Sinfonieconcerten deö Zoologischen (Capellmeister Keiper) und des Palmen-G arte nS (Dirigent Stix) an Besuchern und verständnißvollen Hörern auch keineswegs fehlt, so kann man sich einen ungefahren Begriff von der Aufnahmefähigkeit der Frankfurter machen!

Bon den Vorträgen am Schluß der Saison, welche auf eine möglichst populäre Wirkung berechnet waren, erwähnen wir den des Herrn Dr. Zinsser (Wiesbaden) überdas deutsche Volkslied", ein Thema, das dem Redner außer­ordentlich gut liegt und ihn vor einer Reihe von Jahren schon zu einer Herausgabe von BolkSliedermelodien mit correctem Text für den Familiengebrauch bestimmte.

Dr. Zinssers Darstellung, die er imKaufmännischen Verein weiblicher Angestellter" gab, wurde musikalisch durch die Damen Schacko und HÜttel und Herrn Pichler auSgeführt.

Fran Toni Kwast-Hiller, die feffelnde Märchen«

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BtBäflltrttttc dem Hause.

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Bekanntmachung,

betreffend: die Ausführung des Gesetzes vom l.Juni 1895, den Ersatz des Wildschadens betr.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß der tzormalige Grohh. Bürgermeister Stephan zu Kroßen-Bufeck an Stelle des ans dem Kreise verzogenen SdminiftratorS H e r m a n n zu Winnerod zum Sachverständigen In dem III. WildschadenSbczirk von dem Kreisausschuß gewählt mb von uns in dieser Eigenschaft verpflichtet worden ist. Derselbe ist zugleich zum Vorsitzenden der Sachverständigen« Kommission, zu deren Bezirk die Gemeinden Bersrod, Binnerod, Hattenrod, Reiskirchen, Burkhardsfelden, Oppenrod, Inrtrob, Rödgen, Steinbach, Albach, Großen-Buseck und Btuern gehören, ernannt worden.

Im Hebrigen verweisen wir auf unsere Bekanntmachung mbr. Betreffs vom 16. September v. I. (Anzeiger Nr. 221).

Gießen, den 8. April 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.