Ausgabe 
10.3.1896 Zweites Blatt
 
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1896

Dienstag den 10. März

Zweites Blatt

Ur. 59

Amts- und Anzergeblutt für den Ums Eeszen

chratisöeitage: chießener Jamikienökätter.

orstand.

rojeffors

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es Mr.

Fe«illeton

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»nnahm« von Anzrigrn zu btr Nachmittag- für bei folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Vorm. 10 Uhr.

85.5/8 242.- ' 171.80 13L- 128.70

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1896.

die Ver« Capital«

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85.- 245\ 172.5« 13b* 130.-

88.- 73^

129-lb 132.20 95.80 35.95

meiner Laufbahn als Concertsängertn. Eine Handvoll Rosen, diese Rosen, fliegen zu meinen Füßen nieder, noch bevor ich sang. Und dann sehe ich ihn mir gegenübersitzen, ihn, den unschönen Mann, welcher der Geber war. Ich sehe die be­brillten Augen haarscharf auf mich gerichtet vnd den auS Sarkasmus und Trauer gemischten Ausdruck seines Gesichtes, als Elise auf mein Geheiß die Blumen aus dem Wagen« fenster fliegen läßt. Wieder höre ich ihn reden, eingehend, verständnißvoll, und fühle mich angeregt, verstrickt. Seine Worte noch weiß ich sie fast auswendig! Und dann erfahre ich, daß der Mann, den ich zu lieben im Begriffe stehe, derselbe ist, der meinen Erfolg zu beeinträchtigen be­strebt ist und meinen jungen, mühsam herangepflegten Ruhm durch die Schärfe seiner Feder zu vernichten droht! Denn die sachgemäße Kritik hatte ihre Wirkung keineswegs ver« fehlt, mein Impresario hatte mich niemals wieder nach L. zu führen gewagt. Aber wunderbar I Ich vermag mich nicht von dieser Kritik zu trennen, immer wieder muß ich sie lesen, studtren, fast unbewußt ward sie mir zur Richt« schnür. Erst verachtete ich sie, dann haßte ich sie, aber immer trieb es mich, darüber nachzudenken.

Und wie ich das abscheuliche ZeitungSblatt aufbewahrt hatte, trieb es mich plötzlich, auch den wtedergefundenen Rosenstrauß aufzubewahren. Ich trat tnS HauS, nahm ein Kästchen mit der AufschriftLiebe Erinnerungen" und legte

durch beeinträchtigt wird und die Abänderung nicht mit uip verhältnißmäßigen Opfern für die Eigenthümer verbunden ist.

Zu Punkt 8 der Tagesordnung: Beschaffung wei« terer Räume für das Realgymnasium und die Realschule, liegt ein Schreiben Großh. Direotion beider Anstalten vor, in welchem auf die Unzulänglichkeit der vor­handenen Räume zu UnterrichtSzwecken hingewiesen, auch die baldige Trennung einer Klaffe in Aussicht gestellt wird. Die Anstalt umfaßt zur Zeit 21 Klassen, welche von 688 Schülern besucht werden- eine Klaffe befindet sich im ThurmhauS am Brand. Die Schuldeputation hat das Bedürfniß zur Be­schaffung weiterer Räume (htngewiesen ist auf Räume für die physikalischen Sammlungen und die Bibliothek, sowie Be­schaffung einer Schuldienerwohnung, weil die bisherige den UnterrichtSzwecken dienstbar gemacht werden soll) anerkannt und danach einem Project die Zustimmung ertheilt, demzufolge an der BiSmarckstraße ein dreistöckiger Neubau mit je zwei Sälen, ferner eine Schuldienerwohnung errichtet werden soll. Die Versammlung stimmte dem Project unter Bewilligung der generell auf 78750 Mk. veranschlagten Kosten zu. ES soll bet Anlage dieses Baues Rücksicht auf besten spätere Er­weiterung alS besonderes Realgymnasium, welches mit der Realschule die Turnhalle sowie den Hof gemeinsam haben soll, genommen werden.

Gelegentlich der Berathung über die Fortsetzung der Trottoirerhöhungen wurde die Nothwendtgkeit, Cementtrottoir für die Wagengasse, die Marktstraße, den Kirchenplatz vor den Häusern der Herren Apotheker Roth und Buchhändler Ferber, sowie der linken Seite des Neuen­wegs betont und beschlosten, darüber Erhebungen anzustellen, inwieweit sich die den Troltotrerhöhungen bisher entgegen­stehenden Schwierigkeiten vermindert bezw. gehoben. Nach Berichten der Baudeputation ist die Trottoirerhöhung in der Wagengasse deren geringer Breite und der besonderen Eigen- thumSverhältnisse wegen nicht angängig- auf dem Neuenweg ist eine Aenderung in dem Widerstand einiger Anlieger nicht eiogetreten und wird die Anlage erhöhter Trottoirs auf einzelnen Strecken als nutzlos bezeichnet- einer Trottoir­erhöhung am Kirchenplatz aber widersetze sich der Besitzer der Engelapotheke, weil dadurch der Eingang zur Apotheke tiefer gelegt und er gezwungen würde, mit hohen Kosten den Fußboden zu erhöhen. Die Versammlung beschloß unter diesen Umständen, von einer Trottoirerhöhung in den ge­nannten Straßen abzusehen, dagegen die Kosten für die Markt­straße im Betrage von 4700 Mk. in daS Budget einzustellen.

Mit dem zunehmenden Verkehr in der Goethestraße | ist die Strecke zwischen Südanlage und Wieseck in einen

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Sei ««chherze-tiche KreisaM Metzen an die Großh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Nach Art. 50 des Gesetzes vom 25. Juni 1895 (Reg.-Bl. Nr. 20 von 1895), die allgemeine Einkommensteuer bett., ist zur Einschätzung in die Steuerklassen der Einkommensteuer zweiter Abtheilung und zur Veranlagung der Capitalrenten- steuer für jede Gemeinde eine örtliche Commission von dem bett. Ortsvorstand auf drei Jahre zu wählen. Da die Dienstzeit der im Jahr 1893 gewählten CommissionSmitglieder demnächst abläuft, so beaustragen wir Sie, entsprechende Neu« wähl vorzunehmen und das erwachsende Protocoll bis zum 15. März l. I. an uns einzusenden.

Hierzu bemerken wir, daß für sämmtltche Gemeinden deS Kreises, mit Ausnahme von Gießen, drei Mitglieder nnd zwei Ersatzmänner zu wählen find. Von den zu wählenden-Mitgliedern dürfen nicht mehr als zwei Dritt« rheile dem Gemeindevorstand selbst angehören, wenigstens ein Mitglied muß aber demselben augehören. Bet dieser letzteren Bestimmung bleibt der Bürgermeister, welcher als solcher ständige» Mitglied der EinschätzungScommisfion und Stellvertreter deS Vorsitzenden ist, außer Betracht.

In den einzuseodenden Wahlprotocollen wollen Sie an- geben, welche der Gewählten dem OrtSvorstand angehöreo.

v. Gagern.

voce zu probiren. Gottlob, die Töne rollten wie Perlen. In heiterer Stimmung und einfacher Sommertoilette stand ich am nächsten Abend im Kursaale, um daS schlichte, keusche LtebeSempfinden der edlen deutschen Jägermaid in den dicht gefüllten Raum hinauStönen zu laffen. Ich glaube, ich sang gut . . . Da plötzlich erblicke ich unter meinen Zuhörern mehrere Touristen, welche vermuthlich am Abend mit der Klingelbahn angekommen waren und die der langgewordene Hochsommerabend in den Kursaal geführt hat. Ein Moment später und ich habe unter ihnen meinen einstigen Reise-

147.45 158.- 120.-

14L-

viertrffähriger jUoaiemextsyreUt 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

Rebaction, kxpeditioO und Druckerei:

Fernsprecher 61.

Sitzring der Stadtverordneten

am 6. März 1896.

(Schluß.)

Die Versammlung ertheilte hierauf auf Antrag der Baudeputation und nach Anhörung eines Referats deS Herrn Oberbürgermeisters folgendem, den Art. 30 der allgemeinen Bauordnung betreffenden Local-Reglement ihre Zustimmung: In die Straßenflucht vorspringende Fenster- zitter, Kettensteine und Ketten, AbweiSsteine, sofern diese nicht auch in die Thore einspringen, Säulen, Freitreppen, Kellerhälse und ähnliche Vorrichtungen find zu beseitigen, so- fern der Gebrauch der Straßen und öffentlichen Plätze da-

Alle Annoncen-Bureaux be» In- unb ÄuÄlanbe» nehm« Anzeigen für benGießener Anzeiger" entgegen.

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Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Au-nahme be» Montag».

Die Gießener »nmtkie-itLtier werben bem Anzeiger wvchentlich breimal beigelegt.

Kichmer Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Badeort- wi-klich dankbar, wenn ich in den Spieg.l sah, filr I ihn ju -°d-r-n Erinnerung-zeichen. D°nn schm-tte-t- ich dieNaturschminke". Darum hatte ich mir das riesige | eine Woten~in £"r.l

Notenpacket kommen lassen und schickte mich an, meine Wahl zu treffen. Meiner grünen, poetischen Umgebung Rechnung tragend, wählte ich schnell eine Arie AgatheuS aus dem Freischütz". Gewohnheitsmäßig blätterte ich weiter in den lang entbehrten Noten. Da fällt mir auS einem älteren Heft ein kleiner, vertrockneter Rosenstrauß entgegen und wie mit Zauberschlag sind die letzten fünf Jahre aus meiner Er« innerung hinweggewischt. Ich stehe in Gedanken plötzlich wieder an der Seite meines Impresario und im Anfang

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geführten erkannt.

Mit wunderbar gemischten Gefühlen sehe ich die be- brillten Augen wieder auf mich gerichtet, fest, forschend, ziel­bewußt. Und ich fühle mich unsicher werden im Banne dieser Blicke, eS war gut, daß die Arie zu Ende ging. Ein Beifallssturm bricht aus, Blumen, Gartenblumen und Feld« blumen, regnen zu meinen Füßen nieder und er bleibt unbeweglich. Und doch hätte mich schon die Anerkennung deS Kenners, als welchen ich ihn schätzen mußte, hocherfreut.

Mir kommt ein Gedanke. Ich werde ihm die An- erkennung abzwingen, indem ich sein LteblingSlied finge. Ein Wort an den Badecommiffar und man fliegt sreudig nach den Noten. AuS dem herbeigebrachten Beethoven- CycluS wähle ich daS LiedAn fie" auS. Aber in der Erregung meines Herzens variire ich unwillkürlich den Text unb finge:O Du, nach dem sich alle meine Wünsche lenken!" Als ich mich gesammelt habe und meiner Heraus- forderung bewußt geworden bin, ist eS zu spät. Aber auch jetzt kein Zeichen der Antheilnahme als stummes Zuhören und ein leichtes, kaum bemerkbares Neigen des Hauptes, mit dem er den Meister zu grüßen schien, als die ersten Töne sein Ohr trafen.

(Fortsetzung folgt.)

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Zustand gerathen, der dringend der Verbefferung bedarf- eS ist deshalb beantragt worden, die Strecke auszubauen, und die Wieseck mit einer Fahrbrücke zu überbrücken. Die Ver­sammlung genehmigt Plan und Voranschlag: 11,000 Mk. für den Ausbau der gen. Strecke, und 27,000 Mk. für die Ueberbrückung.

Für Chaussirung eines zwischen den Querwegen 3 und 7 im Neustädter Feld gelegenen, consolidirtes Gelände berührenden Feldweg werden 6600 Mk., entsprechend den Kosten der Hestellung einer 900 Meter langen Strecke, be­willigt.

Die Anlage eines von den Univerfilätsgebäuden in der Ludwigstraße nach der Goethestraße sührenden Kanal- rohreS wird widerruflich genehmigt.

Zwei im Zuge der Riegelpfadstraße liegende, dem städtischen Hospital gehörende kleine Geländeparzellen sind an die Stadt übergegangen- die Genehmigung zum Er­werb wurde ertheilt.

Die Hoffnungen, dies. Z. auf die vom Allgemeinen Verein für Armen« und Krankenpflege unter Ver­hülfe der Stadt eingerichtete Kochschule für erwachsene Mädchen des Arbeiterstandes gesetzt wurden, haben sich, wie ein Bericht des Vereinsvorstandes näher darlegt, auS Mangel an Theilnehmertnnen nicht ersüllt, so daß dieselbe ihre Thätig« fett einzustellen gezwungen war. Um die Ziele, die mtt Errichtung dieser Kochschule erreicht werden sollen, nämlich die Mädchen zur Herstellung einer nahrhaften und dabet billigen Kost zu befähigen, vielleicht auf anderem Wege zu erreichen, hat der Vorstand des Allgemeinen Verein- für Armen« unb Krankenpflege die Anfrage an den Stadtvorstand gerichtet, ob derselbe diese Kochschule in städtische Verwaltung nehmen, und als städtische HauShaltungSschule zu einer Art weiblicher Fortbildungsschule auszugestalten gesonnen sei. Nach Benehmen mit dem Oberlehrer der Stadtmädchenschule, Herrn Fuhr, welcher Zwecks Information einige derartige Anstalten besuchte, ist man zu der Annahme gekommen, daß aus Theilnehmerinnen an der Kochschule weder auß dem Kreise der Besucher der Stadtmäbchenschule, noch aus dem­jenigen der dienenden Klaffe bezw. Fabrikarbeiterinnen zu rechnen sei, daß vielmehr Aussicht auf Erfolg vorhanden sei, wenn sofort nach Entlaffung der Mädchen aus der Schule- also nach Ostern, für diese ein achtwöchentlicher CursuS ein­gerichtet würde. Finanziell würde sich die Sache so stellen, daß sür laufende Ausgaben per CursuS 275 Mk-, für Be­soldung einer Kochlehrerin 200 Mk., für eine Handarbeits­lehrerin (ben Theilnehmerinnen am CursuS soll Gelegenheit zur Fortbilbung in weiblichen Hanbarbeiten gegeben werben)

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Gießen, ben 4. März

Betr.: Die Wahl ber Einschätzungscomnnsfion sür anlagung der Einkommensteuer unb ber Rentensteuer.

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AuS bem Leben einer Künstlerin. Von ZoS von Reuß.

(2. Fortsetzung.)

II.

Jahre stnb vergangen.

Ermüdet, blafirt, nervös, war ich noch zu Enbe ber Saison in eine jener kleinen Sommerfrischen verschlagen worben, bie alsBab Salzloch" oberLuftkurort Heuduft" heute wie Pilze auS der Erde schießen ES war schon fast leer von Sommerfremden, nur Touristen gab eS in Menge. Denn mit Recht gilt der September als die beste Reisezeit sür Harzreisen. Die Fernfichten sind köstlich unb ble Wirthe ltebenswürbiger.

Ich saß auf ber Veranda meiner kleinen, auß Holz gezimmerten, schinbelgedeckten Villa unb sah frühstückend den Rest der Kurgäste und Sommerfremden auf und ab wandeln, bet gewissenhaft biß zum Schluß der Saison auSzuharren entschloffen war. Ihnen voran trottete mit blumen» umwundenen Hörnern Prinzessin Ilse, die stattliche Harzkuh, um, getreu ihrer Mission, ein paar nachzügelnden bleich- süchtigen Großstädterinnen daß milde, schäumende Raß ihrer Euter in die bereitgehaltenen Becher zu spenden. Daß Ganze war zum Einschlafen langweilig unb ich gähnte unverholen, als mir bie Postsachen gebracht wurden.

Ungeduldig öffnete ich ein mächtige- Packet. Fast vier Wochen war ich ohne Noten gewesen, meine Nerven ver­langten kategorisch Ruhe, Ausspannung, Erholung. Vor drei Tagen war aber der Badecommiffar vonHeuduft" zu mir gekommen, um michebenso respectvoll als dringend" um meine Mitwirkung bei einer Soiree zu bitten, welche sür die Ort-armen im Kurhause gegeben werben sollte. Ich konnte nicht wohl abschlagen. Auch war ich bem kleinen