1S96
Freitag den 10. Januar
Nr. 8
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Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
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Mr Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Fernsprecher 61.
Werk zu gedeihlichem AuSgange zu bringen, welches bestimmt ist, dem deutschen Volke nach seiner nationalen Einigung auch seine RechtSeinheit zu bringen.
wird.
Balin, 8. Januar. Anläßlich der jüngst stattgehabten Vorgänge in der südafrikanischen Republik hat der Ausschuß der deutschen Colonialgesellschaft in der Sitzung vom 4. Januar beschlossen, an den Reichskanzler eine Adresse zu richten und ferner am 16. Januar, Abends 7 Uhr, unter dem Vorsitz de- Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg, deS Präsidenten der Gesellschaft, eine Versammlung zu veranstalten.
Frankfurt a. M., 8. Januar. Die „Franks. Zlg." meldet aus London: Der Berliner Vertreter der „Times" kommt auf die beabsichtigte Landung der deutschen Marine- soldaten in Laurenzo Marquez zurück und versichert, daß nur durch daS rechtzeitige Anlangen der Nachricht von der Niederlage Dr. JamesooS die endgiltige Ordre dazu unterblieben sei. Da ein solcher Schritt nur in Uebereinstimmung mit Portugal und Transvaal möglich sei, folgert der Corre-
Berlin, 8. Januar. Heute Abend 6 Uhr gedenken sich der Kaiser und die Kaiserin nach Berlin zu begeben, um einer Trauerau dacht für den Prinzen Alexander von Preußen beizuwohnen. Die Majestäten werden sodann
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» rotzenden Tag erscheinenden Nummer biS Bonn. 10 Uhr.
Deiches
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Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Wir weisen Sie an, die Tagebücher der Fleischbeschauer vom 4. Quartal 1895 bis längstens 15. d. Mts. an die zuständigen Gr. Kreisveterinärämter einzusenden.
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Zur inneren Lage.
Der Reichstag hat seine Arbeiten von^Neuem ausgenommen, und hiermit auch wieder Leben in die innere Politik gebracht, welche während der parlamentarischen Weih- oachtSpause ein ziemlich beschauliches Dasein geführt hatte. Noch läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, welchen Verlauf die gegenwärtige Tagung des Retchsparlaments nehmen wird, hierüber dürfte erst der jetzt begonnene abermalige SesfionS- abschnitt, der den verhältnißmäßig langen Zeitraum bis Ostern umfaßt, hinlängliche Klarheit bringen. Im All- gemeinen steht aber doch zu erwarten, daß die ferneren ReichStagSverhandlungeu dahinfließen werden, ohne einen ernsten und folgenschweren Conflict zwischen Reichsregierung und ReichSparlamrnt zu gebären. Bei dem vorwiegenden wirthschaftlichen Character der schwebenden Reichstags- aufgaben erscheint wenigstens die Hoffnung berechtigt, daß ünS im Reiche neue kritische Perioden, wie sie sich namentlich an die Behandlung der „Umsturz Vorlage" in der letzten Session knüpften, diesmal erspart bleiben werden. Gewiß sind z. B. in den Fragen der Errichtung von Handwerkerkammern, der anderwettigen Zuckerbesteuerung, deS neuen Margarine Gesetzes und der Abänderung der Gewerbeordnung genug Gegensätze zwischen Regierung und Reichstag, schließlich in letzterem selbst vorhanden, trotzdem ist kaum anzunehmen, daß die eine oder die andere dieser Fragen Anlaß zu einer kritischen Spannung geben wird. Allerdings kann man eS schon jetzt als ziemlich sicher betrachten, daß spciell der Gesetzentwurf über die Errichtung der Handwerker- kammern scheitert, schwerlich würde indeffen die Regierung einen solchen AuSgaug sehr tragisch nehmen, wie eS denn auch unwahrscheinlich bleibt, daß daS eventuelle Scheitern der genannten Vorlage den endlichen Sturz des StaatSsecretärS Dr. v. Bötticher nach sich ziehen sollte.
Kritische Entwickelungen in unserem Politischen Leben erscheinen aber dafür nach anderen Richtungen hin keines- wegS auSgeschloffen. Der bevorstehende Prozeß gegen den Frhrn. v. Hammerstein, welch letzterer seiner Auslieferung von Italien an Deutschland entgegenfieht, und die zweifellose Berurtheiluug dieses Mannes, der noch vor Jahresfrist eine so hervorragende Rolle im öffentlichen Leben Deutschlands spielte, wird kaum ohne politische Folgen bleiben. Die con- servative Partei, zu deren führenden Geistern Herr von Hammersteiu nun doch einmal gehörte, wird jedenfalls dann eine schwierige Periode durchzumachen haben, so wenig selbstverständlich auch die Partei als solche sür die gemeinen Handlungen deS früheren Chefredacteurs der „Kreuzzeituug" verantwortlich gemacht werden kann. WaS den sich immer fryärfer markirenden Conflict der conservativen Partei mit den leitenden Elementen der christlich-sozialen Bewegung an- belangt, so dürfte die Parteileitung gut thun, nach dieser Richtung hin endlich klare Bahn zu machen, und eine scharfe SchetdungSlinie zwischen sich und einer Parteigruppe zu ziehen, welche immer bedenklicher mit der Sozialdemokratie eoquettirt.
Inzwischen naht mit dem 18. Januar allmählig ein patriotischer Jubel- und ErinuerungStag heran, welcher einen freundlichen Lichtblick inmitten der unerquicklichen Partei» uugeu und Kämpfe im Reiche darfiellt. Die 25 jährige Ge- denkfeier an die Errichtung des neuen Reicher giebt allen wahren Vaterland-freunden, gleichviel in welchem Lager sie auch sonst stehen mögen, einen besonders geeigneten Anlaß, fich wieder einmal in der Freude und dem Bewußtsein an den so schwer errungenen nationalen Gütern zusammen zu finden. Vielleicht, daß dann die Gedenkfeier deS 18. Januar auch das ihrige dazu thut, die Bahn für daS Zustandekommen deS bürgerlichen Gesetzbuches ebnen zu helfen. Man sollte wenigsten- meinen, daß alle patriotischen Elemente im Reichstage unter dem Eindrücke der Bedeutung des 18. Januar freudig die Hand dazu bieten müßten, dar gesetzgeberische
Deutscher Reich.
Berlin, 8. Januar. DaS neue Jahr hat kaum begonnen und schon machen fich wieder Ministercrtsengerüchte bemerklich. Diesmal gelten sie dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe, welcher nach einer dieser Tage an der Berliner Börse umlaufenden Nachricht angeblich sein Entlassungsgesuch eingereicht haben sollte. ES wurde hierbei angedeutet, Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Hohenlohe über die Behandlung der Transvaal- Frage hätten letzteren zu diesem seinem behaupteten Schritte veranlaßt. Inzwischen hat sich aber dies ganze Gerücht von A bis Z als erfunden herauSgestellt, lediglich zu unsauberen Börsenzwecken auSgesprengt. Dem Vernehmen nach soll eine strenge Untersuchung behufs Ermittelung deS Urhebers der falschen Nachricht eingeleitet werden. Auch versichert man von unterrichteter Berliner Seite, daß gerade in Bezug auf die TrauSvaal-Vorgänge völliges Einvernehmen zwischen dem Kaiser und seinem ersten politischen Berather herrsche und daß der Monarch speciell den Wortlaut seiner Glückwunsch- Depesche an den Präsidenten der TranSvaal-Republik vorher mit dem Fürsten Hohenlohe eingehend berathen habe. Uebrigens präfidirte der Reichskanzler, wie gewöhnlich, der am Dienstag Nachmittag abgehaltcnen jüngsten Sitzung des preußischen
pesche theilt mit, daß Dr. Jameson an Sir^H. Robinson au-geliefert worden ist. In der Depesche wird hinzuge'ügt, Präsident Krüger habe sich bereit erklärt, die Frage bezüglich der Reformen in Erwägung zu ziehen. — Die Abfahrt des englischen Admirals am Cap nach der Delagoa-Bay wird amtlich bestätigt. — Da« neue Geschwader brsttht aus den Schiffen „Rcyal Oak", „Revenge", „Thesen-", „Gibraltar", „Hermione" und „CharybodiS".
Loudon, 8. Januar. Der Colonialminister Chamberlain erhielt eine auS Prätoria von gestern datirte De- pesche des Gouverneurs Sir Hercules Robinson, welche lautet: Johannesburg hat fich heute Nachmittag beding' ungSloS ergeben. Die Waffen wurden ausgeliefert. Präsident Krüger hat die Absicht kundgegeben, Dr. Jameson und die anderen Gefangenen an den Gouverneur der CapColonie an der Grenze von Natal auszuliefern. Die Krisis ist vorüber, jede Gefahr weiterer Feindseligkeiten beseitigt.
Loudon, 8. Januar. Meldung auS Capstadt vom 7. d. Mts.: Nach einer Depesche auS Prätoria fordert die Regierung von Transvaal die Entfernung Cecil RhodeS und JamesouS aus Afrika, sowie eine hohe Entschädigung von der Chartered Company.
Loudon, 8. Januar. Gerüchtweise verlautet, daß das Kriegsgericht in Prätoria Dr. Jameson zum Tode durch Erschießen verurtheilt habe, daß jedoch Präsident Krüger auf die Vorstellung Robinsons das Urthetl nicht bestätigen werde.
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Der chietzen-r Anzeiger erscheint tägliche mit Ausnahme deS Montags.
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Gießener Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
StaatSmtnisteriums.
— Gegen den Affessor Wehlan wurde am DienStag vor der Kaiserlichen Discipltnarkammer zu Potsdam wegen der mannichfachen Ausschreitungen verhandelt, die ihm in seiner amtlichen Wirksamkeit in Deutsch-Westafrika zur Last gelegt worden sind. Nach längerer Verhandlung erkannte — ---------
der Gerichtshof den Angeklagten deS Dienstvergehens für bon heute an im hiesigen Schlöffe Wohnung nehmen, schuldig und verurtheilte ihn zur Versetzung in ein anderes Berlin, 8. Januar. Nachdem der Kaiser heute Bor- Amt, zu 500 Mark Geldstrafe und zur Tragung der Kosten- mittag 9 Uhr im Neuen Palais den Vortrag deS Chefs der sein bisheriger Beamtenrang wurde ihm belaffeu. Herr Wehlan CivilcabinetS Dr. v. LucanuS gehört, empfing er um 11 Uhr ist also in seiner Proceß Affaire noch mit einem blauen Auge den Reichskanzler Fürsten Hohenlohe und den Director der davongekommen. Colonialabtheilung des Auswärtigen Amts, Wirklichen Geh.
— Die Frau Großherzogin von Oldenburg LegationSrath Dr. Kayser zum Vortrag.
ist an einem heftigen Nierenleiden bedenklich erkrankt- Er- Merlin, 8. Januar. Die Trauerparade ür den nährung und Schlaf find gestört. Proieffor Gerhart aus verstorbenen Prinzen Alexander von Preußen wird der Berlin wurde am Sonntag an das Krankenlager der Groß- Generalmajor Herwarth von Bittenfeld, Commandeur der Herzogin berufen. 8. Garde-Jnfanterie-Brigade, commandiren. Dieselbe besteht
" " aus drei Bataillonen Infanterie, drei Escadronen Cavallerie XUudjte rurchrichte«. und drei Batterien Artillerie. Bei der Ueberführung nach
WolffS telegraphische- Correspondenr-Bureau. der Domkirche um Mitternacht wird der Kaiser seinem ver-
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aus sechs Schiffen bestehenden fliegenden Geschwaders wird amtlich bestätigt. — Meldungen hiesiger Blätter zufolge erhielt der englische Admiral am Cap Befehl, nach der Delagoa-Batz zu gehen. Derselbe sei bereits an Bord seines Flaggschiffes mit anderen Schiffen dahin abgegangen.
London, 8. Januar. Reuter-Meldung aus Capstadt vom 4. dS. MtS.: Hier herrscht eine erbitterte Stimmung gegen die Rand-UitlanderS, welche als Feiglinge ge- brandmarkt werden, weil sie Jameson nicht zu Hilfe gekommen find. Man hegt die Erwartung, daß die Forderungen der UitlanderS verworfen werden. DaS humane Verhalten der Buren wird allgemein gelobt. Gestern Abend fand eine Maffenkundgebung statt, bei welcher Hurrahrufe auf Jameson ausgebracht wurden, während Aeußerungen lebhaften Miß- fallens gegen die UitlanderS laut wurden.
Loudon, 8. Januar. DaS Reuter'sche Bureau meldet auS Capstadt von gestern: Sine dort eingegangene De-
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Gießen, 8. Januar 1896.
Betr.: Die Einsendung der Fleischbeschau • Tagebücher 4. Quartal 1895.


