Ausgabe 
9.10.1896 Zweites Blatt
 
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Zusammenstoßes die Folge sein? Und gibt eS noch andere Möglichkeiten der Erdvernichtung?

Allerdings, und wir wollen sie au dieser Stelle einmal kurz beleuchten. Mach den Theorien der Forschung kann der Untergang unseres Planeten auf zweierlei Weise erfolgen: entweder durch den natürlichen Umlauf seiner Entwickelung oder durch plötzliche Katastrophe. Soweit erstere Möglichkeit in Betracht kommt, bleibt uns die Wahl oder vielmehr fie bleibt uns nicht zwischen der Erdvernichtung durch Verschwinden von Wasser, Kohlensäure und Sauerstoff,- durch verlangsamte Achsendrehung unter der Wirkung der Anziehungs­kraft des Mondes, durch Erkaltung der Sonne und durch Zusammensturz des ganzen Sonnen- und Planetensystems.

Das genügt," wird der Leser auSrufen, und in der That, man kann leicht daS Gruseln bekommen, wenn man die Reihe dieser angenehmen Möglichkeiten vorüberziehra läßt. Da ist zunächst der erste Fall: Ohne Waffer, Sauer­stoff und Kohlensäure, daS weiß jeder Schulknabe, kann kein organisches Leben bestehen. Unsere Gesteine, selbst die dichtesten,! sind nun so porös, daß fie beständig Waffer auf­saugen. Selbst Granit und Basalt zeigen fich durchfeuchtet. Da nun die Masse der Gesteine so beträchtlich ist, daß sie daS die Erede jetzt noch zu 8/4 bedeckende Naß mit Leichtig­keit in fich aufnehmen können, liegt die Gefahr nahe, daß einstmals auch der letzte Tropfen Waffer versickert sein wird. In ähnlicher Weise binden die Metalle und Gesteine den Sauerstoff, während wiederum zahlreiche Mineralien den Kohlensäuregehalt der Luft verzehren und ihn in kalkigen Thiergehäufeu, wie in den Torf- und Kohlenlagern ein- fangeo. Wir müffen also, wenn die gefürchteten Resultate eintreten, aus Mangel an Luft und Waffer elendiglich umkommrn.

(Schluß folgt.)

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Der gMfreaer £tqtifltr crscheint täglich, reit Äu-nahm« de» Montag».

Die Gießener - »mirienßlälter »erden dem Anzeiger eöchrntlich dreimal brigelrgt.

Zweites Blatt. Freitag den 9. October

1896

Giehener Anzeiger

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Rr. 33 de» Reichs-Gesetzblattes, ausgegeben den 5. d. M., inchält: (Nr. 2341) Bekanntmachung, betreffend die Anzeige- Mt für die Schweineseuche, die Schweinepest und den Mhlauf der Schweine. (Vom 2. October 1896.)

Gießen, den 7. October 1896.

GroßherzogltcheS Kreisamt Gießen, v. Gageru.

Bekanntmachung.

Nachdem der Herr Regierungspräsident mit Rückstcht auf den Stand der Maul- und Klauenseuche mittels Ver- sÜz-tug vom 27. November d. I. augeordnet hat, daß die siimmtlichen Biehmärkte des Kreises Wetzlar bis auf Weiteres zu verbieten sind, werden die auf den

14. October d. I. in Schmalbach, 20. October d. I. in Braunfels und 21. October d. I. in der Stadt Wetzlar llvsaehenden Biehmärkte hiermit aufgehoben.

Die Herren Gemeindevorsteher ersuche ich, die vor- siehirnde Anordnung auf ortsübliche Weise in den Gemeinden |o|cnt bekannt machen zu lasten.

Wetzlar, den 5. October 1896.

Der Königliche Landrath.

Schwurgericht.

W. Gießen, den 8. October 1896.

Heute Vormittag wurde in die Verhandlung gegen Wiltt und vier Genossen wegen LaudfriedeuSbruch ein- gttmtrn. Die Anklage wird vertreten durch Herrn Gerichts- ajleHor Dr. Friedrich. Angrklagt sind (die Namen der Der- ihrdiger find in Kammern beigefügt): 1. H einrich. Wtlh. iilit, 32 Jahre alt, Ziegeletarbeiter von Erkshausen, (Rechts- anrtialt Dr. Fuhr), 2. Ferd. Joh. Fischer, 20 Jahre «lt/Tagelöhnerlvon Ober-Erlenbach, (Rechtsanwalt Dr. Rosen- birg. II.). 3. Friedrich Fischer, 27 Jahre alt, Tage- übi.tr von Ober Erlenbach, (RrchtSanwalt Hirschhorn), i. Johannes Stein, 30 Jahre alt, Ziegeleiarbeiter von Ramtenhausen, (Rechtsanwalt Metz), 5. Joh. Habe, 22 Jahre alt, Ziegeletarbeiter von Schwarzenhaffel, (Rechts- »walt Kraft.)

Witt und Habe find vorbestraft. Außer Fischer und hatie sind die Angeklagten verheirathete Männer. Die An- iill igtcn find beschuldigt, daß fie in der Gemarkung Ost- stim am 12. Juli 1896 an der Zusammenrottung einer Menschenmenge, welche mit vereinten Kräften Gewaltthätig-

ketten gegen Personen beging, thcilgenommen, und hterbet selbst Gewaltthätigkeiten gegen Personen begangen haben. Verbrechen gegen § 125, Abs. 2 des R.-Str.-G. Es find über 20 Zeugen, darunter 3 Gensdarmen zu hören. Der Thatbestand der Anklage ist nach der Darstellung der An­klagebehörde der folgende:

Am 12. Juli d. I. wurde zu Ostheim das GesangSfeft des Wetterauer HauSberg-SängerbundeS abgehalten. Der Bürgermeister des Ortes hatte daS Aufstellen von Buden zu diesem Feste vorher untersagt. Trotzdem erschien einige Tage vorher in Ostheim ein Budenbesitzer und erklärte, er würde seine Bude doch aufstellen, auch wenn zehn Gens­darmen ihn daran hindern wollten. DaS KreiSamt benach­richtigte die GenSdarmerie-Station Butzbach, und so erklärt es fich, daß am Tage deS Festes die drei Gensdarmen Schwarz, Ebert und Seng in Ostheim auf dem Festplatz anwesend waren. . Die Beamten behaupten nun, daß sie be­reits am Nachmittag von Rustensteinbrennern belästigt wurden, und als fie gegen Abend einen derselben, den Wilhelm Schade, der sich besonders auffallend benommen hatte, nach seinen Legitimattonspapieren frugen, soll derselbe fich dumm gestellt und dabei frech benommen haben. Auf wiederholtes Ver- langen nach seiner Legitimation habe derselbe nur immer gefragt:Was für eine Portion?" Um der Comödte ein Ende zu machen, forderten die Gensdarmen den Schade auf, mit zur Bürgermeisterei zu kommen. Dieser habe sich ent­schieden geweigert, mit zu gehen, so daß er verhaftet wurde, und mit Gewalt dorthin transportirt werden mußte. Unterwegs schlug der Arrestant wie ein Wüthender um fich, so daß die Gensdarmen Mühe hatten, den Rasenden von der Stelle zu bringen. In der Bürgermeisterei angelangt, tobte Schade weiter, so daß man ihn in daS Wachtlocal bringen mußte. Die Gensdarmen konnten ihre Abficht, die Personalien des Verhafteten festzustellen und ihn dann wieder zu ent­lasten, unter diesen Umständen nicht ausführen. Unterdessen erfuhren die übrigen Rustensteinbrenner die Festnahme ihres Genoflen und trafen Anstalten, denselben zu befreien. Der Angeklagte Witt zog mit einigen Anderen vor die Bürger­meisterei und vrrlangten Schade'S Freilastung, nachdem er diesem zngerufen, die Fenster des WachtlocalS zu zer­trümmern, was dieser auch prompt besorgte. Um weiteren Excessen auS dem Wege zu gehen, beschlossen die Beamten, den Arrestanten Schade in das Amtsgefängniß nach Butz­bach zu bringen. Der Gendarm Ebert sollte den Transport übernehmen; Wachtmeister Schwarz schloß sich als Begleiter bis zur Gemarkungsgrenze dem Transport an. Als die drei die Bürgermeisterei verließen, soll der Angeklagte Witt mit vier bis fünf Genossen fie umringt und gerufen haben:Der kommt nicht nach Butzbach, der bleibt hier!" Die GenS-

bannen wollen nun mehrfach zum Zurückbleiben aufgefordert haben, während der Transport von den Ruffenbrennern bis zum Festplatz, den der Zug zu passtren hatte, begleitet wurde. Hier soll nun vereint der Ruf ertönt sein:Russen­macher herbei! Auf fie!" und im Nn sollen die Gensdarmen von 20 bis 30 drohenden Menschen umringt gewesen sein, die danach getrachtet hätten, den Gefangenen Schade zu be­freien. Der Gendarm Seng kam seinen bedrängten Collegen zu Hilfe und nachdem mehrfachen Aufforderungen zum Trotz die Menge nicht Raum gewährte, im Gegentheil gegen die Beamten Schläge, Stöße und Püffe austhetlten, da zogen die Gendarmen ihre Waffen und machten fich Luft damit. Aufs Neue sollen nun die aufgeregten Menschen versucht haben, den Transport dadurch zu hindern, daß fie in drohender Haltung die Gensdarmen einschlossen, so daß der Wachtmeister Schwarz seinen Revolver schußfertig machte, worauf erst die Tumultanten zurückwichen und den Weg freigaben, so daß Schade unangefochten nach Butzbach verbracht werden konnte. Die Beamten behaupten, daß fie unterwegs an einem förm- lichen Barrikadenbau vorüber gekommen, den die Russen- steinbrenner errichtet und von dem aus fie einen weiteren Angriff gegen sie zur Befreiung des Arrestanten Schade unternehmen wollten, woran dieselben aber verhindert wurden, oder dessen Ausführung unterblieb, weil mehrere Butzbacher Dragoner auf der Bildfläche erschienen. Die Anklage be­hauptet nun, die fünf Angeklagten seien die Rädelsführer der erregten Menge gewesen, fie seien es auch gewesen, die bei dem Angriff in erster Linie gekämpft hätten.

(Fortsetzung folgt.)

Darmstadt, 6. October. Früher war es üblich, mit der Generalversammlung des LandeSgewerbevereins alljährlich Ausstellungen von Schülerarbeiten auS den ge­werblichen Fortbildungsschulen des ganzen Landes zu ver­binden; aus verschiedenen Gründen, insbesondere auch wegen deS mächtig angewachsenen Umfanges des AuSstellungS- materials, beschränkt man fich jetzt auf die Provinz des Tagungsortes der Versammlung. So sind denn jetzt, als Einladung zu der am 12. October hier in Darmstadt statt- findenden 1896 er Generalversammlung, aus allen Starken­burger Anstalten, mit Ausnahme der Landesbaugewerkschule und der Kunstgewerbeschule in Offenbach die wegen Raum­mangels fernbleiben mußten diese letzthinigen Schularbeiten im Dienstgebäude der Großh. Centralstelle für die Gewerbe, Neckarstraße 3, im LaudeSbaugewerkschulgebäude und im alten Schulhause daselbst zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt unb werden zahlreich aus den interessirten Kreisen, auch von

Femlletoir.

Weltuntergang.

Von F. Clemens.

(Nachdruck verboten.)

Die Idee des Weltunterganges findet sich in zahlreichen RiLtißtonen und zwar in der Regel in Verbindung mit der dviahme der Wiedergeburt einer neuen und besseren Welt. der nordischen Literatur begreift dieGötterdämmerung" litt dasGöttergefchick" (Ragnarök) den Untergang alles gehenden in fich. Götter und Menschen werden getödtet, Bifjet und Feuer wüthen, die Erde finkt in das Meer.

Alle Wesen müssen die W«lstatt räumen:

Die Sonne wird schwarz, in die See sinkt die Erde,

Dom Himmel stürzen die heiteren Sterne,

Zum ltchtlosm Hochsitze locket die Hitze,

Die loderndLden Nährer des Lebens verzehrt."

Wenn aber nach der furchtbaren Katastrophe daS Feuer Idolen ist und das Waffer fich verlaufen hat, taucht eine wt Erde auf. Ein neue» Menschengeschlecht wird groß iitöen. Ein Menschenpaar überlebt den Untergang der tür^e, eine neue Sonne, die Tochter der ehemaligen, scheint, lijii minder schön als ihre Mutter. Ein glückliches, sorgen- l-Ii« Leben ^beginnt, die Aecker tragen Frucht ohne Saat, lll Gegensätze find versöhnt. Mit einem Worte, das goldene gdtiilter ist hereingebrochen.

Hier, wie Überhaupt in den religiösen Anschauungen In : Bölter, ist der Weltuntergang mit dem jüngsten Gericht, Im Weltgericht, identisch, und so blieb eS bis in noch gar lijll allzu weit hinter nnS liegenden Zeiten. Im Mittel- ilitn tauchte von Zeit zu Zeit einmal die Idee des Welt- Umganges man wußte damals noch nichts von Welten «estnhalb der Erde auf, bald fich stützend auf irgend ibi Prophezeiung oder eine falsch auSgelegte Verheißung,

bald auch hervorgegangen auS der Furcht vor irgend einem harmlosen Kometen, welcher den Menschen seinen langen Feuerschweif präsentirte, oder von einem anderen Natur­phänomen, daS fich die abergläubischen und unwiffenden Menschen derguten alten Zeit" nicht zu erklären ver­mochten. So entstand im Jahre 1000 eine große Panik unter den Bewohnern der Culturländer. Der mißverstandene Begriff der Verheißung deS tausendjährigen Reiches führte zu dem Glauben, daß da» Ende aller Dinge bevorstehe, so ängstigten fich denn die lieben Erdenwürmer gewaltig, und je nach ihrem Temperament und ihrer Ueberzeugung gingen fie entweder in Klöster und thaten Buße oder machten alles zu Gelbe, um fich noch einige vergnügte Wochen oder Monate zu bereiten.

An die Stelle derartigen Aberglaubens ist jetzt die wissenschaftliche Hypothese getreten. Auch die Wissenschaft kann fich der Ueberzeugung nicht verschließen, daß zwar nicht ein Untergang der Welt, wohl aber der Erde durchaus nicht zu den Unmöglichkeiten gehört. Mindestens sieht man eine einstmalige Vernichtung des organischen Lebens auf der Erde mit Sicherheit voraus. Die Erde ist, wie alle übrigen Weltkörper, ewigen und unabänderlichen EntwickelungSgrfetzen unterworfen, fie wird und kann daher keine Ausnahme von den für alle übrigen Erscheinungen geltenden Regeln bilden. Ja, die früher unbewußt ihres drohenden Aeußeren halber so sehr gefürchteten Kometen spielen sogar gegenwärtig noch eine wichtige Rolle bei den Hypothesen der Wissenschaft. Hat doch Falb für die Nacht deS 13. November 1899 die Möglichkeit eines Zusammenstoßes der Erde mit dem ersten Kometen des Jahres 1866, der eine Umlaufszeit von 33 Jahren unb 2 Monaten besitzt, behauptet, oder doch wentgstenS darauf hingewiefen, daß dieser Komet in der be­wußten Nacht die Erdbahn in gefahrdrohender Nähe der Erde schneiden dürfte. Was würde im Falle eines wirklichen