M,r 212
Der Hte^ener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montage.
Die Gießener Aamitienötütter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt.
Erstes Blatt. Mittwoch den 9. September
1896
Sießmer Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
Bierteljähriger Avonnementspreir: 2 Mark 20 Plg. mit Bringcrlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
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Aints- und Aiizeigeblatt für ben Üreis Oiefzen
] chratisöeitage-, chießener Aamitienötätter. |
Amtlicher Theil
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Nerrefte
«olff« teUgrophssche« Lorrespondenz-Bsre«.
werden, da der Sultan ihnen Leben und Freiheit -ugesagt habe.
Madrid, 7. September. Bei den gestrigen General« rathswahleu erhielten die Ministeriellen eine bedeutende Majorität. — Während der Wahlen in Barcelona kam es zu Streitigkeiten, bet denen eine Wahlurne zerbrochen und mehrere Revolverschüsse gewechselt wurden.
Petersburg, 6. September. Wie die „Nowoje Wremja" wissen will, werden im September im Eisenbahndepartement die Sitzungen der Commission zur Revision des Frachttarifes sür ausländisches Mehl beginnen. Diese Tarife sollen beträchtlich ermäßigt werden.
Newyork, 3. September. DaS Operntheater in Benton Harbor (Michigan) ist durch Feuersbrunst zerstört worden. Elf Feuerwehrleute kamen dabei ums Leben. ____________
langen find daher nicht öffentlich.
Berti«, 7. September. DaS „Marineverordnungsblatt" meldet: Die Kaiserin von Japan spendete zur Unterstützung der Hinterbliebenen der auf dem „Iltis" Verunglückten 1000 Yen.
BreStau, 6. September. Das Kaiserpaar besuchte ^«te Vormittag daS schlesische Museum der bildenden S linste, verweilte dortselbst eine halbe Stunde und sprach in überaus anerkennender Weise über die Sammlungen aus.
verliu, 7. September. DaS Loreley" ist am 6. September tiAgetroffen.
Berti», 7. September. Die zusammentretende Conferenz zur
Kanonenboot „Ersatz vor Konstautinop el
Depesche» 8-rt «vreav „veralb*
Berlin, 7. September. Reichskanzler Fürst Hohenlohe und der StaatSsecretär des auswärtigen Amtes, Freiherr von Marschall kehrten heute Abend von Breslau hierher zurück.
Berlin, 7. September. Der bisherige KriegSmiuifter Brousart von Schellendorff ist, wie die „Post" hört, gestern Nachmittag nach beendetem Kurgebrauch von Neuenahr nach Berlin zurückgekehrt.
Vertin, 7. September. Dem Prinzen Victor von Italien ist vom Kaiser während der Manöver der Schwarze Adlerorden verliehen worden.
Vertin, 7. September. Profeffor Bergmann ist heute aus Warschau zurückgekehrt. Er sprach die Hoffnung aus, daß Graf Schuwalow der, wenn auch langsamen, Ge- nesung entgegengehe. „
Berlin, 7. September. Dem „Berliner Localanzeiger wird aus Kiel gemeldet: Das Zarenpaar wird mit dem „Polarstern" nach Kopenhagen fahren. Zum Empfange des- selben wird morgen der deutsche Kronprinz aus Plön hier etntreffen. Der Bahnhof prangt schon heute in herrlichem Flaggen- und Guirlandenschmuck.
Wiesbaden, 7. September. Ftnanzminister Miquel ist nach ersolgreich beendetem Kurgebrauch heute Mittag 2 Uhr 30 Minuten abgereist. Er begibt sich zunächst nach Frankfurt a. M, woselbst er übernachtet, und wird dann die Reise nach Berlin fortsetzen.
Breslau, 7. September. Aus Glogau wird dem „Breslauer Generalanzeiger" gemeldet: Gutem Vernehmen nach sind sämmtliche Verbände des 5. niederschlestschen Artillerie-RegimentS, welches in Glogau, Sprottau und (s^gan garnisonirt, und die bestehenden Avancirten-Vereine aufgelöst worden, angeblich wegen fortgesetzter Reibereien zwischen Militär und Civil.
Görlitz, 7. September. Punkt 10 Uhr lief der Breslauer Sonderzug mit den fremdländischen Offizieren und fürstlichen Gästen im hiesigen Bahnhofe ein. Die Fürst- lichkeiteo fuhren alsdann mit den Offizieren in den bereit- stehenden Wagen nach dem Paradefelde. Um 10 Uhr 40 Min. langte der kaiserliche Sonderzug hier an. Der Kaiser verließ mit dem Zaren, die Kaiserin mit der Zarin den Salonwagen. Während die Kaiserin mit der Zarin ohne weitere Begrüßung den Bahnhof verließ, erfolgte die Begrüßung der beiden Herrscher durch den Oberbürgermeister von Görlitz. Der Kaiser reichte dem Ober- bürgermeifter dankend die Hand und verließ darauf an der Sette des Zaren den Bahnhof. In einer mir sechs Pferden bespannten Equipage fuhren fie, geleitet von einer Husaren- EScorte, unter Jubel und Hochrufen der zahlreichen Menge durch die festlich geschmückten Straßen nach dem Paradefelde.
Görlitz, 7. September. Die Parade nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Nach dem Abreiteu der beiden Treffen erfolgte der Vorbeimarsch. Der Kaiser führte beide Male die Leib-Grenadiere und die Leib-Kürassiere vorbei, der Zar daS erste Mal das Ulanen-Regimeut feines Vaters. Nach der Kritik fuhren beide Kaiserinnen, die Zuschaueriribüne be- rührend, nach der Stadt. An der Bauschule wurden sie Yon Ehrenjuugfraueu unter Ueberreichung von Blumensträußen begrüßt. Die beiden Kaiser ritten denselben Weg und be- gaben sich an der Spitze der Fahnencompagnie nach dem Ständehause, woselbst Frühstückstasel stattfand.
Görlitz, 7. September. Das Zarenpaar wurde heute Abend 6 Uhr von dem Kaiser und der Kaiserin zum Bahn« Hofe geleitet und ist nach Kiel abgeretst. Der Abschied der beiden Kaiserpaare war ein überaus herzlicher.
Kiel, 7. September. Zum morgigen Empfange des Zarenpaares sind außerordentliche Vorbereitungen ge- troffen worden. Vom Bahnhofe aus sind sowohl bis zum
Breslau, 7. September. Se. Majestät der Kaiser hatte vorgestern Ihre Königl. Hoheit die Erbprinzesfin von Sachsen-Meiningen zum Chef des Genadier-RegimentS Kronprinz Friedrich Wilhelm (2. Schlesisches) Nr. 11 ernannt. Die Vorstellung und seierltche Uebernahme des Regiments fand heute Mittag auf dem PalaiS-Platze statt. Die Frau Erbprtnzessin trug bet der Feier die Uniform des verliehenen Regiments, den Waffenrock mit Achselstücken und den Helm mit Haarbusch. Nach der Vorstellung nahm Ihre Königl. Hoheit den Parademarsch ab und begab sich demnächst an der Spitze der Fahnencompagnie nach dem Re- gimentScafino, wo sie mit den Ofstzieren des Regiments das Frühstück einnahm. Bet dem Frühstück hielt der Erbprinz vou Sachsen-Meiningen eine Rede, in welcher er auf die Bedeutung des Allerhöchsten Gnadenacts, die Verleihung des Regiments an seine Gemahlin, hinwies.
Görlitz, 7. September. Zu einer großartigen Kund« gebung gestaltete sich die Abreise des Kaisers und der Kaiserin von Rußland, welche um 6 Uhr erfolgte. Auf dem Platze vor dem Bahnhof war eine Ehreu-Compagnie des 6. Grenadier-Regiments Graf Kleist von Nollendorf, sowie das Wahlstätter Cadettencorps aufgestellt. Die ganze Ein- fahrtftraße war mit einem Militärcordon besetzt. Auf dem Bahnhofe fanden sich sämmtliche hier anwesenden Fürstlich, ketten ein; dieselben versammelten sich in der Ltchthalle. Kaiser Nikolaus suhr mit dem Kaiser Wilhelm im ersten, die beiden Kaiserinnen im zweiten Wagen. In der Ltchthalle verabschiedete sich Kaiser Nikolaus von den Fürstlichkeiten und höheren Offizieren. Nach dem Aufstieg des Tunnels zum BahnhofSstetg tntonirte die Capelle des Grenadter-Re- giments Nr. 6 die russische Nationalhymne. Hierauf ver- abschiedeten sich die Majestäten in überaus herzlicher Weise. Beide Kaiser umarmten und küßten sich zweimal, dasselbe thaten beide Kaiserinnen. Als der Zug sich in Bewegung setzte, winkten sich die beiden Herrscherpaare AbschiedSgrüße zu. Bet der Rückfahrt Ihrer Majestäten des Kaisers Wilhelm I und der Kaiserin Auguste Victoria nach dem StändehauS erschollen jubelnde HurrahS seitens der Bevölkerung.
Kol«, 7. September. Einer der Eigentümer der „Köln. Ztg.", Auguste Neven Dumont, ist heute Vormittag in Hohwald bet Barr im Elsaß, wo er zur Kur weilte und vor einigen Tagen einen Schlaganfall erlitt, in vollendetem 64. Lebensjahre gestorben.
Hamburg, 7. Septembrr. Wie der „Hamb. Corresp." aus Frtedrichsruh meldet, fuhr gestern Nachmittag Fürst Bismarck im offenen Wagen spazieren und hielt eine kurze Zeit au, um 120 Lübecker Turner zu begrüßen, die seit Mittag auf daS Erscheinen des Fürsten gewartet hatten. Der Fürst war wohlauf,- sein Befinden ist ein gutes.
vrauufchweig, 7. September. Die deutsche Naturforscherversammlung soll im Jahre 1897 in Braunschweig abgehalten werden.
Karlsruhe, 7. September. Wie die amtliche „Karlsruher Zeitung" meldet, trifft die Kaiserin Mittwoch Mittag 12 Uhr hier ein, um an den GeburtStagSfeierlichkeiten theilzunehmen. — Laut Hofbericht der „Karlsruher Zeitung" empfing der Großherzog heute die am htefigen Hofe accreditirten Gesandten von Preußen, Sachsen, Schweden, Norwegen, Belgien, Württemberg, Bayern, Rußland, Oesterreich-Ungarn, Großbritannien und Italien, sowie die besonderen Abgesandten I des Großherzogs von Heffen und des Herzogs von Sachsen- Altenburg, die die Glückwünsche ihrer Souveräne zum Geburtstage des Großherzogs überbrachten. Die Gesandten wurden I später auch von der Großherzogin empfangen. Die Kron- Prinzessin von Schweden weilt bereit« feit SamStag am hiesigen Hofe. Die Erbgro ßherzogin trifft heute I Abend hier ein.
Zürich, 7. September. Der erste internationale I ethische Congreß wurde heute Vormittag durch Professor Felix Adler-Newyork unter zahlreicher Betheiligung aus I Oesterreich, England, Amerika, der Schweiz, namentlich aber I aus Deutschland eröffnet. DaS französische UnterrichtS- I Ministerium entsandte die Herren Buiffon und Jost zu den I Verhandlungen.
Paris, 7. September. Alle Blätter, mit Ausnahme der socialistisch und international gefärbten, begrüßen die vom Minister deS Innern, Barthou, verfügte Ausweisung der deutschen socialdemokratischeo ReichStags-Ab- geordneten Bebel und Bueb mit großer Genugthuung.
Marseille, 7. September. Die 17 Armenier, welche kürzlich auS Konstantinopel an Bord des „Gironde" hierher- gebracht und in daS Gesäugniß St. Pierre abgeführt wurden, haben an den Minister deS Innern ein gemeinsames Schreiben I gerichtet, tu welchem sie verlangen, tu Freiheit gesetzt zu
Allc AnnonccN'Burcaux dcS In- und Auslandes nehme» . Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
morgen Vormittag hier Berathung der neuesten Vorlage über die Organisation des Handwerks wird eine« streng vertraulichen Charakter haben. Die Verhand-
Bekanntmachung.
iett.: Die Abhaltung landwirthschaftl. Vorträge.
Herr Lavdwirthschaftslehrer Leit Higer zu Alsfeld wird
1. Samstag, de» 12. September lfd. ZS., AbeudS 8 Uhr, I
ZU Steinbach in dem Saale des Gasthauses I „Zum Ritter" über daS Vogelsberger Rind und seine Zucht, I
2. am 19. September l. 3 , Abend» 8 Uhr, zu Wies eck über die Anwendung der künstlichen Dungmittel,
3. Souutag, deu 20. September lfd. 3»., Nachmittag» I 3 Uhr, in Londorf über Viehzucht und Fütterung, I
4. Samstag, de« 26. September lfd. 3»-. Abend» 8 Uhr, in Staufenberg im Burgsaal über die Anwendung der künstlichen Dungmittel einen Vortrag halten.
Zu diesen Vorträgen werden alle Laudwirthe und Freunde der Landwirthschaft hierdurch ergebeust eingeladen.
Die Herren Bürgermeister der obengenannten und be« pachbarten Gemeinden werden hierdurch ersucht, dies in ihren Gemeinden zur öffentlichen Kenntniß bringen zu lassen und tuf recht zahlreichen Besuch der Versammlung htnzuwlrken. |
Gießen, deu 25. August 1896.
Der Direktor des landwirthschaftlicheu BezirkSvereiuS.
_____________E- Jost._______________________
Deutsches Reich.
Berlin, 6. September. Wie wohlthätig die mittelbaren Wirkungen der deutschen Arbeiterversicherung find, ergibt sich aus der Thatsache, die bisher noch wenig gewürdigt worden ist, aus dem da und dort beobachteten Rückgang des Verkehrs der öffentlichen Leihhäuser. I» Mannheim ist nach einer vor kurzer Zeit erfolgten Mit- .Heilung der dortigen städtischen Behörde dieser Rückgang so erheblich, daß die Selbstkosten der Anstalt nicht mehr gedeckt werden können und daher die Gebühren erhöht werden müssen. Diese vom volkSwirthschaftlichen Standpunkt höchst erfreuliche Erscheinung ist hauptsächlich auf die Wirksamkeit der socialpolitischen Gesetzgebung zurückzusühren, wenn zwar daneben auch auf die Besserung der wirthschaftlichen Verhält- Nisse hingewiesen werden kann. SS ist klar, daß in den Arbeiterfamilien der Anlaß, einen Gegenstand zu versetzen, in erster Linie dann gegeben ist, wenn der Familienvater inlolge von Krankheit oder durch Eintritt eine» Unfalls oder auch durch eintretende Erwerbsunfähigkeit außer Stand ist, weiterzuarbeiten- die socialpolitische Versicherung gewährt et er gerade in diesen Fällen Hilfe, und zwar sofortige Hilfe, so daß also die Nothwendigkett, den Credit der Lethanstalten in Anspruch zu nehmen, weggefallen ist. Um die mittelbare Wirkung der Versicherung auf den Volkswohlstand zu be- »rtheilen, wäre e», wie die „Köln. Ztg." schreibt, sehr zweckmäßig, wenn in den größeren Städten statistische Erhebungen Ibet diesen Punkt angestellr und veröffentlicht würden- im Allgemeinen aber dürste überall dieselbe Erscheinung beobachtet worden sein. Neben den unmittelbaren Wirkungen tragen diese mittelbaren doch dazu bei, auch in der Arbeiter- bevölkerung ein gerechtes Urtheil über die socialpolitische Versicherung anzubahnen und thatsächlich hat sich in dieser Hinsicht auch in den Kreisen, die zu den festesten Anhängern der Socialdemokratie zählen, dem sorgsamen Beobachter schon der Anfang eine» Umschwungs bemerkbar gemacht.


