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9.4.1896 Erstes Blatt
 
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1S96

Donnerstag den 9. April

M 83

Erstes Blatt

Aints- und Anzeigeblatt für den Ttreis Gietzen

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Gratisbeilage: Gießener Aamilienötätter.

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Deutsche» Reich.

Berlin, 5. April. Die Ruhe der Osterfeiertage herrscht noch immer auf dem Gebiete der inneren Politik, eS ist auf demselben keinerlei Borkommniß von Belang zu ver­zeichnen. Noch unmittelbar vor dem Feste hat in Berlin die Unterzeichnung deS deutsch-japanischen Handelsvertrages seitens des StaatSsecretärS Frhr. Marschall von Bieberstein und des japanischen Gesandten Vicomte Aoki stattgefunden. Der neue Vertrag kann im Interesse deS bedeutenden deut« sLen Exporthandels nach dem fernen ostafiatischen Jnselreiche nur mit Genugthuung begrüßt werden, er setzt für eine ganze Reihe deutscher Artikel, die zur Einfuhr in Japan bestimmt sind, die japanischen Einfuhrzölle wesentlich herab, Wodurch der deutsche Exporthandel eine erheblich gestärkte Stellung gegenüber seinem mächtigsten Concurrenten in Japan, England, erlangt. Auch politisch entbehrt daS Zustande- kommen des neuen Handelsvertrages zwischen Deutschland unt Japan nicht einer gewissen Bedeutung. Dem preußi« schm Abgeordnetenhause ist die angekündigte neue Eis en - bntzn-Vorlage zugegangen- sie enthält Forderungen für -gisenbahubauten, Erricytung von Beamten-Wohnhänsern usw. - Die Frage der Zwangsorganisation deS Hand­werks scheint während der Osterferien deS Reichstages einen Schritt nach vorwärts gethan zu haben. Es wird der« -sichert, daß die betreffende Vorlage in der letzten Sitzung deS preußischen Staatsministeriums vor Ostern zur Berathung gestanden habe, nur ist über deren Ergebniß noch nichts be- könnt. Selbst wenn jedoch dieser Gesetzentwurf dem Reichs- toze in seinem nachösterlichen Sessionsabschnitte wirklich noch zvgehen sollte, so ist an seine Erledigung entschieden nicht zu denken, dazu würde die nöthige Zett nicht mehr vor- hnben sein. ______________________________

Alle Unnoncen-Bureaux deS In- und Au-lande- nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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vekmmtmachung,

betreffend Faselschau zu Gießen im Frühjahr 1896.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß am 15. April d. IS. gelegentlich des an diesem Tage statt- sindenden Viehmarktes zu Gießen auf dem Viehmarktplatz eine öffentliche Faselschau durch die Körcommission abgehalten w.lden wird.

Die Schau beginnt Vormittags 10 Uhr; zur Ankörung kommen nur Fasel der Vogelsberger und Berner, speziell Emmenthaler Raffe; auch muffen die Bullen sprungfähig sein. Den Besitzern guter Thiere können, soweit die Mittel reichen, Wegegelder, vorbehaltlich näherer Bestimmung in Aussicht gestellt werden.

Gießen, den 7. April 1896.

Grobherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Wolffs telegraphisches Sorrespondwz-Burean.

Berlin, 7. April. DerReichS-Anzeiger" schreibt: Nachdem durch Bekanntmachung deS Reichskanzlers vom 27. Februar d. I. bestimmt ist, daß auf den Kleinhandel mit denatnrirtem Spiritus Paragraph 33 der Ge­werbeordnung keine Anwendung findet, werden folgende Be­stimmungen für das Rechnungsjahr 1896/97 angewendet: Der Betrieb deS Kleinhandels mit denatnrirtem Spiritus ist der Betriebssteuer nicht mehr unterworfen. Demgemäß wird die Anweisung vom 5. März 1894 zur Veranlagung zur Betriebssteuer abgeändert.

Stettin, 7. April. Der Ausstand in der Herren- ConfectionSbranche, der 10 Wochen dauerte, endete mit dem Siege der Groß-Confectionäre. Die Arbeit wurde heute zu den alten Lohnsätzen wieder ausgenommen.

Budapest, 7. April. Der Eigentümer desNeuen Pefter Journal", Sigmund Br o d h, hat zu der vorjährigen Viertelmillion.Stiftung für ein Kinderspital neuerlich 70 000 Gulden gegeben.

Rom, 7. April. Ein Comite von Senatoren und Depu- tirten von Venetien hat ein Schreiben an die übrigen vene- tischen Senatoren und Deputtrten gerichtet, in welchem dieselben auffordert, seinem Vorschläge zuzustimmen, fich in oorxoro Ihren Majestäten dem Deutschen Kaiser und der Deutschen Kaiserin vorzustellen, um Allerhöchst- denselben eine Adresse zu übergeben, welche Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm durch den Doyen der Senatoren über- reicht werden soll. Die Adresse soll ein Zeichen der Ehr- erbtetnng gegenüber dem Souverän sein, welcher während seiner Regierung Italien und seiner Dynastie so herzliche Beweise feiner Zuneigung und Freundschaft gegeben habe.

Porto Empedocle, 7. April. DaS Deutsche Kaiser­paar verließ an Bord beiHoheazollern" den Hafen zur Weiterreise nach ShraknS unter brausenden Hnrrahrufen der Matrosen der italienischen KriegsschiffeBausat" undDoria". Der KreuzerKaiserin Augusta" fuhr derHohenzollern" voran.

Syrakus, 7. April. Der KreuzerK a i s e r t n A u g u st a" hisste heute Vormittag 8 Uhr die italienische Flagge. Der italienische PanzerMorosint" und der englische Kreuzer Astraea" und die im Hafen ankernden Schiffe hissten die deutsche Flagge. Die Üblichen Salute wurden gewechselt. Viele kleine Fahrzeuge umringten dieHohenzollern". Alle Fenster waren besetzt. Die Stadt ist reich geschmückt. Das Rathhaus und andere öffentliche Gebäude haben italienische und deutsche Flaggen gehisst. Viele Fremde find etngetroffen. Kurz nach 9 Uhr besuchte der Kaiser den italienischen Panzer und den englischen Kreuzer. Alsdann begab fich daS Kaiser, paar und die Prinzen an Land und bestiegen unter den be° geisterten Zurufen der Menge in Begleitung des Professors Salinas die Wagen, um die Denkmäler zu besichtigen.

Syrakus, 7. April. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin besuchten heute mit einem zahlreichen Gefolge den Anapo-Fluß, dessen Lauf sie bis Fontectane folgten. Die Fahrt nahm einen höchst befriedigenden Verlauf. Die Rück­kehr erfolgte heute Mittag. Die Stadtverwaltung sandte zwei prachtvolle BouquctS an Bord derHohenzollern".

Loudon, 7. April. DieTimes" melden aus Cap- stadt vom 4. dsS. MtS.: Man befürchtet jetzt, daß im Ganzen 200 Weiße durch die Matabele ermordet worden find/

Athen, 7. April. Prinzessin Marte hat fich mit dem Großfürsten Georg Michailowitsch verlobt.

Athen, 7. April. Der erste Tag der olympischen Spiele verlief glänzend. Mehr als 80000 Personen wohnten denselben bei. Die königliche Familie hielt einen feierlichen Einzug. Der Kronprinz, umgeben von den Mit­gliedern des ComiteS, bat den König, von dem Stadion, welches die Freigebigkeit eines großen Hellenen wtederherzu- stellen gestattet, hat Besitz zu ergreifen. Der König bewtll- kommnete die kampfeSkundige Jugend, die aus allen Theilen der Welt nach hier zusawmenströmte. Inmitten begeisterter Zurufe begannen die Spiele. Beim Wettlauf über lOO Mtr. auf flacher Bahn wurde der Deutsche Hoffmann Zweiter, auch beim DtScuSwerfen über 400 Mtr. errang Hoffmann den zweiten Preis.

Depesche» bH Bure«Herold*.

Berit«, 7. April. DerReichsanzeiger" meldet die Ernennung des bisherigen ersten SecretärS bet der Botschaft in London, des LegationSrathS Grafen Wolff Metternich zum General-Consul für Egypten mit dem Titel und Range eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers.

Berlin, 7. April. Auswärtigen Blättern werden von hier aus zahlenmäßige Mitthetlungen über die neue Marine-Vorlage gemacht, die angeblich dem Reichstage im nächsten Herbst zugehen soll. Diese Mittheiluvgen find derNat.-Ztg." zufolge vollständig unbegründet. ES sei nicht nur eine Marine-Vorlage noch nicht auSgearbettet, eS sei überhaupt vor der Hand noch nicht abzusehen, wann die Vorarbeiten zum Abschluß gelangen werden.

Berlin, 7. April. Dem preußischen Abgeord- netenHause ist der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Erweiterung des StaatSeisenbahnnetzeS und die Betheiligung des Staates an dem Bau von Prtvat-Eisenbahnen und Klein­bahnen, sowie an der Errichtung von laodwirthschaftlichen Getreide-Lagerhäusern zugegangen.

Berlin, 7. April. Der österreichisch-ungarische Botschafter v. Szögyönh-Marich gedenkt am Sonntag Abend Berlin zu verlassen, um am Dienstag bei der Ankunft des Kaisers Wilhelm in Wien anwesend zu fein.

Berlin, 7. April. Am ersten und zweiten Osterseier- tage fand hier ein Congreß von Vertretern der social^ demokratischen Handlungsgehilfen Deutschlands statt. Etwa 30 Delegirte nahmen an demselben Theil. Zur DiScussion standen die ThemataS:Unsere Taktik", die Lage der weiblichen Angestellten im Handelsgewerbe" und dieEinführung einer einheitlichen Ladenschlußstunde". Zu sämmtlichen drei Punkten wurden Resolutionen angenommen. Bezüglich der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe wurde be­schlossen, die Einführung einer vollständigen Sonntagsruhe durch Reichsgesetz zu fordern, sowie eine Verkürzung resp. Abschaffung der Sonntagsarbeit durch OrtSstatut zu er­streben. Der Congreß beschäftigte sich weiter mit der Stellung der Handlungsgehilfen zur Berficherungsgesetzgebung, der Frage des unlauteren Wettbewerbs, der Lehrlingsfrage und der Gewerbeordnung.

Wiesbaden, 7. April. Prinz Albrecht von Preußen, Regent von Braunschweig, ist heute früh zu vierwöchentlichem Kuraufenthalt hier etngettoffen und hat im Nassauer Hof Wohnung genommen.

Wie«, 7. April. AuS Konstantinopel wird gemeldet, daß der Sultan ein Jrade unterzeichnet hat, welches die Schließung der christlichen Missionen in der asiatischen Türkei, sowie die Ausweisung aller Missionare verfügt.

Budapest, 7. April. Der hier gestern und vorgestern abgehaltene Socialiften-Congreß, welcher am ersten Feiertage ruhig verlief, mußte gestern, da die Erschienenen den Behörden nicht Folge leisteten, polizeilich gewaltsam auf­gelöst werden.

Triest, 7. April. Der Lloyd-DampferHelene" ist infolge heftiger Bora in der Nähe von Cap Pora ge­strandet. Man hofft denselben wieder flott machen zu können.

Venedig, 7. April. Am Samstag trifft Kaiser Wilhelm zu seinem dreitägigen Aufenthalt hier ein. Während dieser Zeit wird auch der deutsche Botschafter in Wien, Graf Philipp Eulenburg, hier weilen.

Rom, 7. April. Der Minister des Aeußern sagte in einem Prtvatgespräch, der Rückzug MeneltkS mache die Friedensverhandlungen äußerst schwierig. Menelik habe ein BeobachtungS-CorpS von 15- bis 20000 Schoanern zurückgelassen, welches die Italiener zu fortwährender Wach- samkeit zwinge. Trotz der schwebenden Friedensverhandlungen wäre eS nicht ausgeschlossen, daß eS zu Kämpfen komme.

Rom, 7. April. Die Perseveranza weift auf die über­raschende Zunahme der socialistisch-anarchistischen Propaganda in Italien hin. Seit dem Erlaß der Amnestie tauchen die ficilianischen FaSciS bereits massenhaft wieder auf.

Rom, 7. April. Nach derAgenzia Italia" find die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Vatikan durch die Begegnung deS Kaisers und des Cardinals Sanfeltce in Neapel und den Besuch des Prinzen Heinrich im Vatican außerordentlich gebessert.

Pari«, 7. April. Die bei dem gestrigen Rennen zu Auteuil verhafteten Manifestanten gegen die Kammer und daS Ministerium erklärten bei ihrer Vernehmung, bezahlt zu fein.

Paris, 7. April. In einem Manifest, welches Prinz von Balari im Namen des Herzogs von Orleans veröffent- licht, wird die Bildung eines französisch russisch - deutschen Dreibundes als daS einzige Mittel hingestellt, um inter­nationale Conflicte in Zukunft unmöglich zu machen. Der Staatsmann, welcher diese Idee verwirklichen würde, hatte das größte Werk deS Jahrhunderts zu Stande gebracht.

Der fielen« Anzeiger erscheint täglich, vrit Ausnahme bei Montag».

Die Gießener P««tlle« dtäller »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

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Ausland.

Wie«, 6. April. Nachdem gestern den ganzen Tag ein eiskalter Wind über Wien gebraust, stellte fich Abends heftiger Schneefall ein, welcher die ganze Nacht anhielt. Wien mb Umgegend bietet das Bild einer Winterlandschaft. Die Ucher, Gärten und umliegenden Berge find mit einer dichten Schneedecke bedeckt, die Temperatur ist fortgesetzt libr niedrig.

Paris, 5. April. Das Mißtrauensvotum. welches .yr französische Senat unmittelbar vor seinen Oster- jtrlen dem radicalen Ministerium Bourgeois wegen dessen «yptischer Politik erteilte, hat in Frankreich eine neue Mische CristS geschaffen. Welchen Verlauf sie nehmen »ird, dies läßt fich indessen noch keineswegs bestimmt 6e- ntheilen, man muß da erst das Ende der parlamentarischen Cfterferien abwarten. Von den beiden Häusern deS franzö- Hit en Parlaments nimmt der Senat seine Thätigkeit zuerst liebet auf, am 21. April, für welchen Tag die MadagaScar- »idite zur Berathung stehen. Sollte der Senat dieselben Zehnen, wie es sehr wahrscheinlich ist, so muß dann die ktputirtenkammer ihre Osterferien abkürzen, um Stellung |u Liefern Senatsvotum zu nehmen, von welcher Entscheidung irr Deputirtenkammer auch das Schicksal des CabinetS kmrgeois abhängen wird.

Athen, 6. April. Die Feier deS NarionalfesteS hemn in allgemeiner Begeisterung. Die Stadt ist festlich «ichmückt. Dem heutigen Tedeum in der Kathedrale wohnte tic königliche Familie bei. DaS Wetter ist trübe.