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8.12.1896 Erstes Blatt
 
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1896

Mv. 289 Erstes Blatt. Dienstag den 8. December

Der

Hteßener Anzeiger erscheint täglich, mit vu-nahme dcS Montags.

Die Gießener AamitienSlälter werden dem Anzeiger wdchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

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Hmilid?er Theil.

Nr. 38 des ReichS-GesetzblattS, ausgegeben den 1. d. M., enthält:

(Nr. 2348.) Bekanntmachung, betreffend die dem tnter. nationalen Uebereinkommen über den Eisenbahnfrachlverkehr beigesügte Liste. Vom 13. November 1896.

(Nr. 2349.) Bekanntmachung, betreffend Ausnahmen Don dem Verbote der SonntagSarbeit im Gewerbebetriebe. Vom 27. November 1896.

(Nr. 2350.) Bekanntmachung, betreffend AuSsührungS- bestimmuugen zur Gewerbeordnung. Dom 27. November 1896.

Gießen, den 7. December 1896. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern. ________________

Bekanntmachung, betreffend: die Maul« und Klauenseuche zu Rodheim und Bellersheim.

Nachdem in je einem Gehöfte zu NodHeim und Bellersheim die Maul- und Klauenseuche amtlich fest­gestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Gehöftsperre angeordnet ist.

Gießen, am 7. December 1896.

Großherzoglichcs KceiSamt Gießen.

v. Gagern.____

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche.

Die Maul- und Klauenseuche in Dreihausen, KretS Marburg, ist erloschen. Die Sperrmaßregeln find auf- gehoben.

Gießen, den 4. December 1896.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

________________v. Gagern.__

Gießen, den 4. December 1896.

Betreffend: Die Ausstellung von Waudergewerbefcheinen zum Gewerbebetrieb im Umherztehen.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen au Gr. Polizeiamt Gießen und die Gr. Bürger­meistereien der Landgemeinden des Kreises.

Mit Rückficht auf daS am 1. Januar 1897 in Kraft tretende Reichsgesetz vom 6. August 1896 (RetchSgesetzblatt Nr. 27) betr.:Die Abänderung der Gewerbeordnung" ist das seither in Gebrauch gewesene Formular für Ihre in rubr. Betreff zu erstattenden Berichte neu redigirt worden. Daffelbe kann von der Papierhandlung von Wilhelm Klee in Gießen bezogen werden. Insofern noch ältere Formulare vorhanden find, können dieselben nach vorheriger Gleichstellung mit dem neuen Formular weiter verwendet werden.

Im Uebrigen machen wir Sie insbesondere auf die Be­stimmungen der Art. 9 und 10 deS genannten Reichsgesetzes bezüglich der Legitimationskarten und der Art. 12, 13, 16, 17 und 18 bezüglich der Wandergewerbescheine aufmerksam.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 5. December. Seine Königliche Hoheit der Srohherzog ist heute Abend zu mehrtägigcm Besuche des Prinzen und der Prinzessin Heinrich nach Kiel ab-

5. December. In letzter Zeit wurden von Land wtrth en mehrfach Bäckerei-Genossenschaften t, richtet, so im Rheinlande, in Hannover und in Posen, theilS im Anschluß an den Molkereibetrieb, theilS gesondert. Die Genoffenschaftsbäckereien sollen in erster Linie daS unrationelle Backen im eigenen Haushalt, das viel Zett und Feuerung verschwendet und doch ost ein minderwerthtgeS Product her- slsllt, ersetzen, dann sollen sie aber auch statt des KornS daS °wS dem Korn ihrer Mitglieder gebackene Brod verkaufen, m dadurch eine höhere Berwerthung zu erzielen. In Pofen verpflichten sich die betheiligten größeren Landwtrthe, ihren Leuten den größten Theil deS Deputats in Gestalt von ynodanweisungea an die Bäckerei-Genoffenschaft zu geben Mftatt deS bisher üblichen BrodkoroS, von demrin großer Weil mißbräuchlicher Weife in Schnaps statt in Brod um- «eiietzt zu werden pflegte." Aus diesem Grunde hofft man, ba-.g die Genossenschaften einen segensreichen Einfluß auf die Lrrbeiterbevölkerung gewinnen werden. Wenn der in Brodform geOlieftrie Thrtl des Lohnes nicht daS normale Brdürsniß

nach Brod übersteigt und daS Rendrment loyal bemessen wird, kann daS Verfahren zweckmäßig sein. In Hannover find im letzten Monat auch drei Müllerei-Genossenschaften neu entstanden.

Hamburg, 5. December. Die heutige Versammlung des Arbeitgeber-Verbandes blieb einstimmig der Meinung, mir der Ablehnung des Schiedsgerichts das Richtige getroffen zu haben. Der proclamirte General- strtke im Hafen ändere bis auf den Ausstand der staatlichen Quaiarbeiter kaum etwas au der bisherigen Lage. Wenn die Arbeiterschaft gegenwärtig infolge bedauerlicher Auf- hetzungen ihrer Preffe die Gründe der Ablehnung deS Schiedsgerichts verkenne, müffe man hoffen, daß die Zukunft ihnen, wenn der Strike ntedergeworfen, zeige, ob die Ham- burger Arbeitgeber thatsächlich kein Verständniß für die be- rechttgten Wünsche der Hafenarbeiter und Seeleute haben. Wenn der soctaldemokratischen Parteileitung es wirklich um daS Wohl der Arbeiter, nicht nur um Aufwiegelung der Mafien und um eigene Machtentfaltung zu thun fei, möge sie den Arbeitern ratheo, freiwillig die Arbeit wieder auf­zunehmen. Mit der gegenwärtigen Verhetzung der Mafien richte sie bei den Arbeitgebern nicht» aus und werde den Arbeitern und ihren Familien schaden. Eins aber müffe offen ausgesprochen werden: Wenn thatsächlich durch die Ablehnung des Schiedsgerichts die allgemeine Lage verschlechtert, der Strike verlängert sei, müßten die Arbeitgeber die Verant- wortuog dasür ablehnen. Die Verantwortung für die Ver­längerung des Strtkes, der nahezu erloschen war, für die Aufreizung der GemÜther liege ausschließlich in dem unglück­lichen SchiedSgerichtSvorschlag, mit dem den Arbeitgebern un­zeitgemäß in den Arm gefallen und der der Arbeiterschaft erst die Ansicht von oem vermeintlichen Rechte betgebrachr habe.

Ausland.

Wien, 5. December. Der Botschafter Graf Philipp Eulenburg hat telegraphisch gebeten, in der nächsten Der- Handlung des Prozesses gegen Leckert und Genoffen als Zeuge vernommen zu werden, und ist bereits nach Berlin ab- gereist.

Loudon, 5. December. Eine Anzahl Handelshäuser, die Beziehungen mit Uruguay haben, empfingen Telegramme aus Montevideo, die nichts, was den von demNewyork Herold" veröffentlichten beunruhigenden Gerüchten entspräche, erwähnen. Der Schauplatz der übrigens für wenig be- deutend angesehenen Unruhen, sowie die Grenze zwischen Uruguay und Brafilieu find 400 Meilen von Montevideo entfernt.

Raueste

»olff« telegraphisches Lorrespovderrr-Br.rra».

Berlin, 5. December. Aus Utrecht wird telegraphisch Folgendes gemeldet: Anläßlich der Vertheilung von Kinder­spielzeug zu Ehren des Festes vom heiligen Nicolaus war eine Estrade über dem Canal errichtet, die während der Festlichkeit einftürzte. Fünszig Frauen und Kinder fielen in den Canal. Die Meisten ^wurden gerettet, doch find mehrere Personen ertrunken.

Berlin, 6. December. DaS Königliche Polizei-Präfidium theilt mit, daß dem Criminal-Commiffarius v. Tausch mit Rücksicht auf die schwebenden gerichtlichen Verhandlungen die fernere Ausübung von ArntSoerrichtungen vorläufig unter­sagt worden ist.

Springe, 6. December. Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchst welcher baß Jagdschloß heute Vormittag nicht verließ, ist Nachmittags nach 4 Uhr nach Bückeburg abgereist. Die Abreise von da nach Potsdam dürfte am Dienstag Vor­mittag erfolgen.

Bückeburg, 6. December. Se. Majestät der Kaiser traf um 6 Uhr hier ein, wurde am Bahnhofe von dem Fürsten Georg und dem Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe empfangen und fuhr mit dem Fürsten im offenen Wagen durch die festlich erleuchtete Bahnhofstraße zum Schloß, tu welchem bald darauf ein Diner zu 60 Gedecken stattfaud. Die Stadt ist festlich beflaggt.

Kiel, 6. December. Seine König!. Hoheit der Grobherzog von Hessen ist heute Vormittag von Darm- stadt zum Besuch Ihrer König!. Hoheit der Prinzessin Heinrich hier eingetroffen. Hofmarschall Frhr. v. Seckendorff sowie Adjutant Rittmeister v. Breugel empfingen den Großherzog am Bahnhofe und geleiteten ihn nach dem Schlöffe.

vochu«, 6. December. Auf ZecheConstantin" Schacht 2 wurde gestern durch einen Sprengschuß ein Berg- mann getödtet- zwei wurden schwer verwundet.

Hamburg. 5. December. Zwei von Frauen, Schwester» und Töchtern der Ausständigen besuchte Versammlungen verliefen ruhig. In denselben wurde ein Beschlußantrag angenommen, treu mit den Männern auSzuharren, ohne Vor­wurf, ohne Murren Noth und Entbehrungen mit ihnen zu tragen, und fie zu ermahnen, daß fie nicht nachgeben, um die einzige KampfeSwaffe aller Arbeiter, die Organisation, stark zu erhalten.

Hamburg, 6. December. Heute fanden hier 13 Volks- Versammlungen statt, die in größter Ordnung ver­liefen. In allen Versammlungen wurden Beschlußanträge angenommen, in welchen entschieden gegen das Verhalten der Arbeitgeber Einspruch erhoben wird.

Hamburg, 6. December. Die Unglückssälle zu­gereister Arbeiter infolge der ungewohnten Hafenarbeit und herrschenden Glatteises mehren fich tu furchtbarster Weise zur Warnung auswärtiger Arbeiter. Allein gestern gab zwei Todte und zwei Arbeiter wurden lebenßgefährlich verletzt.

Triest, 6. December. Heute, Abends, trat eine heftige Springfluth ein, die die Ufer, sowie die dem Hafen zu- liegenden Straßen und Plätze überschwemmte. Da» Wasser steht einen halben Meter hoch.

Athen, 6. December. Der König hat an den Minister- präfidenten Del Yannis eine Botschaft gerichtet, in der heißt: Die im vorigen Frühjahr abgehaltenen Manöver hätten die Nothwendigkeit ergeben, die Manöver durch stärkere Einheiten abhalten zu laffen. Der König wünsche, daß daß Heer seiner Ausgabe würdig sei, und halte deshalb für erforderlich, daß ein permanentes Lager errichtet werde, in dem das Heer fich ganz der militärischen Ausbildung widmen könne. Um eine Streitmacht von ungefähr 12000 Mau« zu bilden, sei es nöthig, die Reserven einzuberufev. Auch für berittene Truppen müffe gesorgt werden. Ferner müffe ein Ausschuß von höheren Offizieren gebildet werden, der fich mit der Wahl eines Gewehres für daß Heer zu be­schäftigen habe. Die vorgeschlagenen Maßregeln würden das Heer in den Stand setzen, das seit langen Jahren er- strebte Ziel zu erreichen. Die griechische Armee, die ihren Hauptzweck aus den Augen verloren habe, sühle das Be- dürfniß, fich wieder einer ihrer würdigen Aufgabe und einer Ausbildung zuzuwendeu, die eine schnelle, den Staatsmitteln entsprechende Heeressormirung gestatte. Der lebhafteste Wunsch des Königs sei eine der Aufgabe des Heeres würdige Formirung desselben, und die Erfüllung dieses Wunsche« werde eingeleitet werden durch die Errichtung eines per­manenten Lagers, das der König der Sorgfalt seiner Re­gierung anvertraue. Diese Botschaft, die vom 4. d. MtS. datirt ist, hat großes Aufsehen hervorgerufen.

Depeschen des BureauHerold".

Beilin, 6. December. DaS Herrenhaus hält seine nächste Pienarfitzung am 16. December, 1 Uhr, ab. Aus der Tagesordnung stehen die Wahl des Präsidenten, der Gesetz- entwurs über den Erwerb der Hessischen Ludwigsbahn mit dem dazu gehörigen Nachtragsetat und die CouvertiruugS- Vorlage. Für den Prafidentenposten werden von beiden Fractionen drei Candtdaten deS höchsten Adels vorgeschlagen werden.

Berlin, 6. December. Zum Fall Leckert-v. Lützow berichtet die Post: Oberstaatsanwalt Drescher erschien gestern Vormittag im Auswärtigen Amt, dem Vernehmen nach, um mit dem StaatSsecretär v. Marschall zu conferiren. Von dort begab fich der Oberstaatsanwalt zum Polizeipräsidium, woselbst er eine längere Unterredung mit dem Polizei- präfidenteu v. Windheim gehabt haben soll. Nachmittag« sah man Dr. Hamann vom Auswärtigen Amt im Hause des Rechtsanwalt Dr. LubzinSki, de« Vertheidiger« v. Lützow«, woselbst derselbe nahezu eine Stunde verweilte. Sicherem Vernehmen nach ist während der Vernehmung de« Criminal- commiffarS v. Lausch die Verhaftung desselben wegen ColltfionS- gefahr von einflußreicher Seite dem Oberstaatsanwalt nahe- gelegt worden. Oberstaatsanwalt Drescher soll indessen die Erwirkung eines Haftbefehls aus dem Grunde abgelehnt haben, weil die Aussage v. Lützows allein nicht hinreichend zu erachten sei, um den dringenden Verdacht einer strafbaren Handlung zu rechtfertigen. Der Angeklagte v. Lützow empfing gestern, nachdem ihn der Oberstaatsanwalt Drescher nochmals persönlich verhört, den Besuch des Gefängniß-Geistlichen, der ihn eindringlich ermahnte, sein Geständniß zurückzuziehen, wenn dasselbe der Wahrheit nicht entspräche, damit kein Nu- schuldiger dadurch tnS Verderben gestürzt werde. Lützow soll mit aller Entschiedenheit dabei geblieben sein, daß er unter dem Druck der Verhältnisse sein v. Tausch gegebenes Ver- sprechen gebrochen, nur die reine Wahrheit gesagt habe, wie er fie auch vor dem höchsten Richter vertreten könne. Er sei fich dessen voll bewußt, daß sein Geständniß an der