Ausgabe 
8.10.1896 Erstes Blatt
 
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1S96

Donnerstag den 8, October

Erstes Blatt.

str. 237

LierteliLhriger

Amts- und Anzeigeblatt für den ICrcis Gieren

Hratisöeikage: Hießener Aamikienbkätter.

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Der und rief Stoppeln

Der Ferne.

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wüthevd nach seinem Hühnerhund, der in den einen Hasen aufgejagt hatte.

Andere stand nachdenklich dabet und blickte tu die seinen Augen versank die dammerduukle Herbst« mit den öden Feldern und kahlen Bäumen, mit

Durch dir Post be-« 2 Mark 50 W

Rebactiim, (tptbtde# und Druckerei:

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im Ofen buck. Bei seinem Anblick sprang sie auf und zupfte an dem kurzen Röckchen, als wolle sie ihre nackten Füße verstecken, und wurde roth, o, so glühend roth. Und doch glänzten ihre Augen ihn an mit verräihertschem Glanz und kokett warf sie die dicken blonden Zöpfe, die sie ebcn glatt geflochten, in den Nacken zurück. Und waS für Zöpfe und was für ein Nacken unter dem grobletnenen Hemd! Konnte er vorübergehen? Borübergehen an seiner Kinder- gespteltn, die schon mit ihm und dem Bruder hier in dem alten Backofen Räuber und Soldaten gespielt hatte? Er ging nicht vorüber, er schüttelte ihr die Hand und hielt die kleine derbe Hand fest.

Er war TagS zuvor von der Universität auf Ferien gekommen, er war solch ein lustiger Student.

Und wie er ihre Hand hielt, geschah da- Wunder, da- sich in jedem Menschenleben einmal vollzieht.

Die Erde war plötzlich ein Paradies.

Und sie standen beide im Garten Eden unter dem Baume des Leben-.-----------

Hat der verfluchte Racker wahrhaftig einen Hasen im Lager erwischt!" schrie der Gutsherr.

Der andere kam wieder zu sich, das Frühlingsbild verschwand und er sah die Pfützen der Landstraße vor sich, durch welche der ungehorsame Jagdhund jetzt seine Beute schleifte.

Er dachte au das alte Weib auf der Kartoffelmiete und die Welt war ihm noch nie so trist erschienen, wie an diesem Herbstabend.

Es wird Winter," sagte er und schlug fröstelnd den Kragen feiner Jagdjoppe in die Höhe.

Die Fiaker verlangten phantastische Preise- bald war gar kein Wagen mehr in der Stadt zu haben. In den Straßen, die der Zar durchfahren sollte, bildete ein ganzes Pariser ArmeecorpS Spalier. Hinter einer dreifachen Reihe von Soldaten standen Schutzleute, dahinter unabsehbare Volks« maffen. Alle Fenster und Dächer der Häuser find dicht besetzt. Der ganzen Avenue des Champs ElhsäeS und der Avenue du Bois entlang ist frischer Sand gestreut. Ueber dem Eingang der Avenue du Bois hängen Blumenketten und eine riesige russische Kaiserkrone. Kurz vor dem Bahnhofe, der am äußersten Ende deS BotS liegt, bildeten afrikanische Truppen, TurkoS und Zuaven mit arabischen Mufikcapellen Spalier. Asrtkanische Reiterei hielt vor dem Bahnhofe, der festlich decorirt und dessen AuSgänge in eine Triumphpforte verwandelt ist, mit den Initialen der französischen Republik in der Mitte. Der BahuhofSperron ist mit Blumen und bunten Draperien förmlich bedeckt. Dort wartete die Ehren« Compagnien mit Musik, vor dem Bahnhofe find mehrere Tribünen aufgerichtet für Herren und Damen der osficiellkn Welt und die Presse. Alle Minister trafen zur Begrüßung deS Zaren ein. Bald nach 10 Uhr fuhr der kaiserliche Zug durch die grünen Bäume des Bois .hindurch ein, von den Dächern der umliegenden Häuser mit endlosem Jubelgeschrei und Tücherschwenken begrüßt. Mufikcapellen auf dem Bahn­hof spielten fortan ohne Unterlaß abwechselnd die russische Hymne und die Marseillaise bis zur Abfahrt. Der Zar schritt die auf dem Perron aufgestellten Ehren'Compagnieen ab. Die Kanonen begannen zu feuern, deren Schießen bi- zum Emtreffen des Zaren in der russischen Botschaft cmhielt. Während dem ritt draußen der erste Theil der kaiserlichen Escorte an, über tausend Reiter von allen Waffengattungen der französischen Cavallerie, darunter CasseurS auf lauter weißen Pferden, SpahtS in festlichen weißen Turbans mit prachtvoll aufgeschirrten Pferden. Nachdem der Zar eine Viertelstunde im Bahnhof verweilt hatte, bestieg er den unter der Triumphpforte wartenden vierspännigen Galawagen. Unmittelbar vor dem Wagen ritten zwölf Araber ScheikhS in prachtvoller maurischer Rettertracht auf wilden Hengsten, die mit Seidenschabrackeu oder Tigerfellen bis auf die Knöchel behängt waren. Hinter den Scheikhs gingen zu Fuß einher deren arabische Diener. Dann kam Montjarret, Piqueur deS Elysee, als Spitzreiter, dann ein Galawagen von kostbar aufgezäumten schwarzen Pferden gezogen. Der Galawagen war ganz offen und hatte keine Reiterei zur Sette. Zur Linken saß her Zar in der Uniform eines russischen Infanterie- Obersten mit Pelzmütze und Röhrenstiefeln. Neben ihm saß die Kaiserin, ganz weiß gekleidet mit weißer Pelerine, kleinem Capothut, halb herabgelassenem Schleier und in der Hand einen weißen Sonnenschirm, den sie später öffnete. Auf dem Rückfitz saß der Präfident der Republik, dem Zaren gegenüber. Auf dem freien Sitz neben ihm lag ein Blumenstrauß, der

dem dürren, faulenden GraS und Laub am Wegesrand, er sah den Frühling und die Welt in Blüthenpracht. Er sah den alten Backofen unter dem wilden Birnbaum hinter dem Dorfe, ganz bedeckt mit schimmerndem Blüthengezweig und Veilchen und Goldneffel um sein Gemäuer blühen. Blau- golden leuchtete der Himmel über dem verräucherten Schorn­stein und saftgrün dehnte fich vor seinen Augen die Trist mit den Störchen, den Schwalben und dem Lockruf der Kiebitze.

Hinter dem alten Backofen lag das Dorf im Frühlings- grün versteckt mit seinen altväterischen Bauerngehöften, den Arbeiterhütten und dem GutShof voll WerkeltagSrreiben und fröhlichem Kinderlärm, aber hier, unter dem Birnbaum, im Schutz des Gemäuers, war er allein in wildblühender Ein­samkeit, allein mit einem Weibe, so jung und schön wie der Frühlingstag.

Sie hatte unter dem Baume geseffen, als er mit der Flinte aus den Wiesen daherkam, fie hütete das Brod, das

Arrrlaitd.

Parts, 6. October. Der Eipzug des Zaren- paareS begann um »/,!! Uhr. Ungeheurer Enthusiasmus. Warmes Wetter, der Himmel etwas bedeckt, aber die Sonne dringt durch. Die gesammte Pariser Bevölkerung zog, wie bei großen Volksfesten, vom frühen Morgen an ins BoiS.

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I »nahm i BO» Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden tag erscheinenden Rummtr bi» Bonn. 10 Uhr.

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Deutsche» Reich.

Berlin. 6. October. Ueber die Aussichten der Hand­werker - Organisation-- Vorlage äußert fich die clericaleKölnische Volksztg.", indem fie schreibt, daß die Vorlage im Reichstage kaum etwa- zu befürchten habe, da da- Centrum und die Conservativen sie unter Beihilfe von kleinen Gruppen schon durchdringen würden. Gefährlicher sehe e- aber im BundeSrathe aus. Zwar wenn Preußen und Bayern fest blieben, sei nicht- zu befürchten, aber da- Blatt besagt, der Wind könne hier umschlagen, ehe die Vor­lage im sicheren Hafen ist. Das Organ deS CentrumS gibt des Weiteren za, daß man bisher gewohnt war, nur die Handwerker zu sehen, die für den Jnnungszwang agitirten. Jetzt aber könne man die Gegnerschaft gegen die Vorlage doch nicht ganz ignoriren. Diesem Widerstande gegenüber sei eS zu empfehlen, den Bogen auf einmal nicht zu stark zu spannen, sondern zunächst den Zwang, die Staatsaufsicht, die Anforderungen an den Geldbeutel möglichst milder zu gestalten, vor allem auch die Vorlage nicht unnöthig zu verschärfen.

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Alle Annoncen-Bureaux de- In« und Au-landts nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Bekanntmachung, öttneffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Riugels- hauseu, Kreis Gießen.

Nachdem sich mehr als ein Fünftheil der betheiligten Tmndeigenthümer in der Gemarkung Ringelshausen, «eiche mehr als die Hälfte der betheiligten Fläche besitzen, itntsrschristlich für die Einleitung des Verfahrens der Feld- becrünigung der Gemarkung Ringelshausen erklärt haben, xni nachdem innerhalb der gesetzlichen Frist keine Einwend- linken gegen die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit diese- Ergebnisses erhoben worden sind, hat die Großherzogliche Obere landwirthfchaftliche Behörde den Beginn der Feld- berüinigungsarbeiten angeordnet.

Indem ich dies zur öffentlichen Kenntniß bringe, lade ich gleichzeitig fämmtliche betheiligten Grundbesitzer zu der in Gemäßheit des Art. 16 des Gesetzes vom 28. September 18817, Samstag den 24 October l. I., Vor­mittags 11 Uhr, zu Ringelshausen stattsindenden Versammlung ein. Diese Versammlung hat:

1. zu bestimmen, wie die Bereinigungskosten aufgebracht werden sollen, ob durch Ausschlag auf den Flächen­gehalt, oder den Abschätzungswerth der Grundstücke,

die erste Ursache, daß ich so ein uustäter Weltbummler ge­worden bin. Herrgott, wie thöricht ist doch die Jugend! Aber ein schöne- Frauenzimmer war-, ein Raffeweib vom besten märkischen Schlag, da- muß man ihr laffen. Ja, und schließlich, wenn man sich'- recht überlegt wa- kommt wohl im späteren Leben nach solch einer ersten Jugendeselei gleich an Lust und Rausch?"

Gut-Herr hatte die letzten Worte überhört, er pfiff

vekmmtmachnng.

Mit Bezugnahme aus unsere Bekanntmachung vom 21. März d. I. (Anzeiger Nr. 72) bringen wir hiermit mb er zur öffentlichen Kenntniß, daß Großh. Ministerium bc8 Innern die Verschiebung der dem VereinKunstfreund" In Darmstadt gestatteten Berloosung von Oelgemälden auf Cftteru k. I. genehmigt und zugleich fich damit einverstanden uklArt hat, daß anstatt 25000 Loose nur 10 000, eintretenden Falls höchstens 15000 Loose zur Ausgabe gelangen.

Gießen, den 6. October 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Der Wdeeer Ziel,er erscheint tSglich, eit Ausnahme des Montags.

Dte M en er p,Witte«ör»1ter werben dem Anzeiger -.»-chentlich dreimal beigelegt.

oder durch Bildung und Verkauf von Maffegrund- stücken, sowie ferner ob die Beiträge nach Bedürfniß erhoben, oder ob die Kosten durch Capitalaufnahme aufgebracht werden sollen.

2. Die zur Vollzugscommission zu berufenden Sach- verständigen und deren Stellvertreter, sowie ein Mit- glied des Schiedsgerichts und dessen Stellvertreter zu wählen.

Außerdem können Wünsche und Anträge seitens der Betheiligten vorgebracht und berathen werden.

In dieser Versammlung hat ein jeder anwesende be- theiligte Grundeigenthümer eine Stimme; die Beschlüsse er­fordern zu ihrer Gültigkeit eine Mehrheit von Zweidritttheilen der Anwesenden und sind unter dieser Voraussetzung auch für die nicht erschienenen Betheiligten verbindlich.

Kommen gültige Beschlüsse nicht zu Stande, so hat zu 1. die Vollzugscommission die erforderlichen Beschlüsse zu fassen, zu 2. die Großherzogliche Obere landwirthfchaftliche Behörde die Sachverständigen und Schiedsrichter zu ernennen.

Friedberg, den 6. October 1896.

Der Bereinigungscommissär:

8896 Dr. Göttelmann, Kreisamtmann.

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in der

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche.

Zu Niederwalgern, Kreis Marburg, Rendel «Mb Ostheim, Kreis Friedberg, und Kölschhausen, Rrtift Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Zu Friedberg und Rodheim, Kreis Friedberg, und pl Kraftsolms, Kreis Wetzlar, ist dieselbe erloschen.

Gießen, den 6. October 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Fetrilleton.

HkrdstkSwehkN.

Von Marie Stahl.

(Schluß.)

Da» ist der Norden," sagte der Bruder zum Gut-- liprn, indem er fich behaglich eine Cigarre anbrannte und Ile Jagdmütze sest über den Schädel zog gegen den fich üiuernden Wind,statt der Weinernte habt Ihr die Kar- gelernte. Da lob ich mir ein Wiazersest im Süden."

Hm, hm, Heimath bleibt Hetmath," erwiderte der twisherr.Ich gäbe die alte Scholle nicht für alle Wein- itvige de- Süden-. Aber hast Du denn die Liese nicht neibetertannt? Das war ja Liese Schurich! Hättest ihr ach können guten Abend sagen."

Wer denn? WaS denn?"

Na, das alte Weib mit dem betrunkenen Kerl von Renn, das war Hofmeier- Liese. Die kannst Du doch nicht Pwz vergessen haben!"

Donner und Doria! Die Liese? Wer hätte da- ge- IM! Brrrr! WaS doch aus einem schönen Mädchen Kirben kann! Wie ist denn da- arme Geschöpf so herunter- |i6bmmen ?"

Wie das so geht. Der Mann trinkt und taugt nicht», tun weißt doch, daß die schönsten Mädchen gewöhnlich die limmsten Heirathen machen. Da wird scharmutzirt, bi» die M und Gelegenheit verpaßt ist "

Ha, ha, ha," lachte der andere laut auf,wenn ich tolfite, daß ich um das Weib einmal beinahe Dummheiten Macht hätte, wenn mich mein Alter nicht zur rechten Zeit iMxpedirt hätte! Ich glaube wahrhaftig, die Liese war

Amtlicher Theil

Gießener Anzeig er

Kenerat-Anzeiger.