Ausgabe 
8.8.1896 Zweites Blatt
 
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kommt täglich durchschnittlich 10 Ceutner Himbeeren von den Leuten gebracht- ferner sind noch viele Händler in der Um­gegend, welche ebenfalls mehrere Centner täglich eiukaufen. Die Händler bezahlen im Einkauf den Ceutner mit 12 Mk. ES gehen ganze Wagenladungen nach der nahen Bahnstation. Die Himbeeren find in diesem Jahr gut geratheu. Ju den fiScaltschen Waldungen (jungen Anpflanzungen), ist allerdings daS Suchen von Himbeeren bet 10 Mk. Strafe von Seiten der Oberförsterei Grebenhain verboten worden und find die Leute nur auf die Privatwalduugen angewiesen.

§§ Bermuthshain, 5. August. Gestern fand in dem benachbarten Bölzberg Bürgermeisterwahl statt. Der seitherige Gemetnderechver Peter Jung wurde mit erheb­licher Majorität gewählt.

Laubach, 4. August. Tin günstiges Ergebniß hatte die gestrige Reifeprüfung, die am hiesigen Gymnasium unter dem Vorsitze des Geheimen Oberschulraths Soldan stattfaud. Von den sieben Prüflingen, die alle bestanden, wurden drei ganz, die übrigen theilweise von der mündlichen Prüfung be- freit. Zwei der Abiturienten wollen Theologie, zwei Medizin, je einer Mathematik, Jurisprudenz und Forstwissenschaft studtren.

-f- Groß Eichen, 5. August. Gestern fand hier die Er­öffnung der neu errichteten Rahmstatton der Molkerei­genossenschaft Nteder-Ohmeu statt. Der am Morgen erfolgten Inbetriebsetzung der Molkerei schloß sich am Nachmittag eine Besichtigung der neuen Einrichtung an. Der hierzu erlassenen Einladung hatten zahlreiche Interessenten trotz der Ernte- arbeiten Folge gegeben. Die maschinellen Einrichtungen der Rahmstation in dem früheren Jughardt'schen geräumigen Fabrikgebäude, welches die Molkereigenossenschaft für den sehr billigen Kaufpreis von 4500 Mark erworben, fanden allgemeinen Beifall- sie entsprechen vollkommen den heutigen Anforderungen au eine größere Molkerei, namentlich erregte der Bergedorfer Alfa-Separator Bewunderung. Zur Rahmstatton werden gegenwärtig täglich ca. 2500 Liter Milch geliefert, man hofft aber, die Lieferung schon in nächster Zeit auf 3000 Liter zu bringen. Die Hauptstation der Molkerei, Nteder-Ohmen, verarbeitete seither ca. 6000 Liter Milch täglich. Ihr Butterabsatz ist ein recht guter, der Gang der Molkerei überhaupt sehr zufriedenstellend. Nach erfolgter Besichtigung der Entrahmungseinrichtung begrüßte Herr Lehrer Dern aus Nieder Ohmen Namens des Vor­standes der Genossenschaft die erschienenen Gäste und führte in kernhaften Worten aus, wie Hessens Landesfürsten allezeit

der Landwirthschaft ihre Fürsorge gewidmet, wie namentlich der hochselige Großherzog Ludwig IV. dem Verband der landwirthschaftlicheu Genossenschaften einen silbernen Becher verehrt und wie Se. Kgl. Hoheit der jetzige Großherzog Ernst Ludwig dem Director des genannten Verbandes die Medaille für Kunst und Wissenschaft gnädigst verliehen. Des Wetteren betonte Redner, daß iu der Selbsthilfe die Stärke für den Landwtrth liege und daß er im Kampfe des wtrth- schaftlichen Lebens hier allein den Hebel zum Fortschritt fände, statt stets nach Staatshilfe zu rufen. Diesem Zweck der Selbsthilfe diene das landwtrthschaftliche Genossenschafts­wesen, welches neben dem materiellen Ziel auch daS ideale Ziel: Stärkung des Schwächeren, im Auge habe. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Einigkeit und Stärke der deutschen Landwirthschaft schloß Herr Dern seine Aus­führungen. Bei einem Glase Bier blieb die Versammlung tn anregender Unterhaltung noch mehrere Stunden beisammen.

§§ Vom höheren Vogelsberg, 3. August. Obwohl die Reife des Roggens gekommen ist, so hat der seit einigen Tagen eingetretene Regen daS Schneiden desselben zurück- gehalten. Auch Hafer, Gerste usw. beginnen weiß zu werden. Voraussichtlich drängen sich die Erntearbeiten dieses Jahr sehr zusammen. Die Grummeternte fällt ungenügend auS, da der vöthige Regen seither gefehlt hat. Aepfel und Birnen gibt es viel. Auch Sommersamen und Flachs ist sehr gut geratheu. Die Preise für Rindvieh find tn letzter Zett etwas zurückgegangen, während diejenigen für Schweine etwas tu die Höhe gegangen find. Das Korn verspricht eine ziemlich gute Mittelernte, während Hafer und Gerste an Stroh gering ausfalleu.

Marburg, 6. August. Heute Vormittag fand auf den Militär-Schießständen iu der Knutzbach daS diesjährige Königs-Prämienschießen des JägerbataillonS statt. Den besten Schuß vom ganzen Bataillon gab der Jäger Müller m. von der 3. Compagnie mit 70 Ringen ab, und erhielt derselbe auch den 1. Preis, bestehend in einem Ehren- Hirschfänger. Den 2. Preis, einen Forsthirschfänger, errang der beste Schütze des Oberjägercorps, Böhme, von der 4. Compagnie mit 64 Ringen. Den 3. Preis, einen Rucksack, bekam Oberjäger Reinmold von der 1. Compagnie mit 64 Ringen. Die Mannschaften wurden während des Schießens bewirthet und marschirteu dann nach Beendigung desselben

(die besten Schützen und Diejenigen, welche da« Schieß abzeicheu tragen, an der Spitze), um i/,2 Uhr nach Caserue. Vor der Caserne augelaugt, nahmen letztere d« Parade des ganzen Bataillons ab.

* Großherzog und Etaatlauwalt. Mecklenburgische Blärrr berichten: In Heiligendamm hat fich während bet Doberauer Rennen ein höchst amüsanter Vorfall abqeip Dort wird zur Zeit der Rennen auch der Sport des Taubes schießen- eifrig gepflegt, und der Großherzog von Mecklar bürg Schwerin, der Protektor des schönen BadeS, ist einte der eifrigsten Förderer dieses Sports, an welchem er fi* unter dem Namen eines Grafen Schwerin zu betheili^i pflegt. Beim Taubeoschießen find stets auch einige tzev«. darmeu zugegen, um den Andrang unbefugter Neugieriger abzuwehren. Dieser Tage nun, als das Taubenschteßen der Asfiftenz des Großherzogs gerade im besten Ganz, erschienen plötzlich zwei Gensdarmeu, um im Auftrup *v Staatsanwaltschaft die Namen der Mitschießenden fest-uhAe». Tags darauf bekamen die sämmtlichen Herren vorladur^, um fich vor dem Staatsanwalt wegenThierquälerei* verantworten .... Drollig mag es nun sein, wenn ttr Staatsanwalt erfährt, daß auch sein eigener LandeSfüch des Vergehens der Thierquäleret schuldig gemacht hat.

* Ein Studeuteuftrike ist an der Unioerfität Bern oy. gebrochen. Die Kliniker, 80 Stndirende, hatten gehofft, Professoren würden ihnen die im Sommersemefter besuch,, Curse bis spätestens 25. Julitesttren". Dies geschah nüi. Sie ersuchten darauf die Professoren, mit dem Testtren ni*i länger zu säumen, damit sie in die Ferien gehen fönntcu Der Bernische ErziehungSdtrector Dr. Gobht erhielt Kto,, niß von dem Gesuche der Studenten und ordnete an, * dürfe den Studenten nicht vor dem 29. Juli testirt wert« In dieser Anordnung erblickten die Kliniker eine BeeiotrLtz tigung der akademischen Freiheit. Sie sammelten Untn schriften und gelobten einander, vom 25. Juli an keine A« lesnngen und Kurse mehr zu besuchen. 75 Kliniker strikt die meisten davon find schon mit untestirten Heften abgrreiß. Die Professoren versprachen ihnen, das Testtren für tu Sommersemester im Wintersemester vorzunehmen. Te, Striken liegt nicht Trägheit zu Grunde. Die Kliniker fb) Während des Semesters mit praktischen Arbeiten übetlabo, nur in den Ferien können fie fich theoretischen Studien h» geben, darum legen sie Werth auf lange Ferien.

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Verdingung.

Die zur Vervollständigung der östlichen Umfassungsmauer am Fried- Hofe erforderliche Erd- ».Maurer­arbeit (Erdarbeiten 65 cbm, Mauer­werk 127 cbm) soll

Dienstag den 18. d. Mts., Bormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden.

Arbeitsbeschreibung und Beding­ungen liegen während den Amts- stunden bei uns zur Einsicht offen, woselbst Angebote auf vorgeschriebenem Formular bis zum genannten Termin einzureichen sind.

Zuschlagsfrist 4 Wochen.

Gießen, den 4. August 1896. Das Stadtbauamt.

Schmandt. 7084

GrHberhesstscht Eisenbahnen

AuSgeschiedene Acten, Zeitschriften und Fahrkarten im Gewichte von ca. 3400 kg sollen verkauft werden- Die Bedingungen find bei unserem Sekretariat einzusehen, auch gegen frankirte Einsendung von 20 von demselben zu beziehen, mit be, züglicher Aufschrift versehene Angebote, tn welchen die Anerkennung der Beding­ungen ausgesprochen sein muß, bis zum 18. l. M1S., Vormittags lOVe Uhr, hier einzureichen.

Zuschlagsfrist 10 Tage.

Gießen, den 1. August 1898.

7059 Gr. Direktion-

Samstag den 15. August,

Nachmittags 2 Uhr, soll auf dem hiesigen OrtSgericht die den Joha«««S SchLfer Ehtteitterr in Gießen gehörige Hoftaithe:

Flur 1 Nr. 1079 - 56 qm bei der Kirche öffentlich meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 24. Juli 1896.

Großh- OrtSgericht Gießen-

I. A: Bogt. 6741

Samstag den 8. d. M.,

Vormittags 11 Uhr, werden in der neuen Güterhalle der Main-Weser-Lahn

80 stark« Vvchss-Bohle«

versteigert.

Die verstttgerrrirg stndtt be- stimmt statt.

Thür«, GerichtSoollzieheraSptravt, als Stellvertreter deS

7120 Gerichtsvollziehers Geißler.

Samstag den 5. September,

Nachmittags 2 Uhr,

sollen auf dem hiesigen OrtSgericht die den Eberhard Neuster Eheleute« in Gießen gehörigen Immobilien:

Flur 26 Nr. 265,/1o 547 qm Zimmer­platz am untersten Riegelpfad zwischen den Wegen,

Flur 26 Nr. 265</io 50 qm Grabgarten daselbst,

Flur 26 Nr. 2656/l0 643 qm Hoftaithe daselbst

öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 24. Juli 1896.

Großh. OrtSgericht Gießen. ____________I. A.: Vogt. 6740

Samstag den 8. Angnst 1896,

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