Dienstag den 7. Juli
1S96
Nr. 157 Zweites Blatt
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Gießener Anzeiger
Keneral-Anzeiger
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Aintr« uni* Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
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weint ihm keine Thräne nach, denn daS hier Gebotene war
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einer der maßgebenden Herren des AuSstellungS-Comilvs die Idee besprach, in der Ausstellung ein Theater begründen zu wollen, wies ich sofort auf die Unrentabilität eines solchen Unternehmens hin, denn meine Ansicht geht dahin, daß die heimische Bevölkerung bei gutem Wetter tu die Ausstellung eilt, um nach des Tages Last und Arbeit etwas Luft zu schöpfen, aber wenig Lust verspüre» wird,j sich tu ein heißes Theater zu setzen, bei schlechtem Wetter hingegen geht der Berliner überhaupt gar nicht erst nach Treptow, sondern bleibt hübsch zu Hause. — Der Fremdenwelt fällt eS auch flar nicht ein, da draußen ein Theater zu srrquentiren, denn der Fremde, welcher den ganzen Tag in der Ausstellung herumgebummelt hat, sucht AbeudS, wenn er überhaupt ins Theater gehen will, ein Kunstinstitut auf. desien Namen und
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wagten sich die Mädchen, um mit dem Fernrohr die Aussicht beffer genießen zu können, auf einen nichtumzäunten Berg- Tegel, der außerhalb des von den Touristen sonst betretenen gangbaren Weges liegt. Dies wurde ihnen rasch zum Ver- hängniß. Das ältere Mädchen that einen Fehltritt, rutschte ab und stürzte mit gellendem Aufschrei die 120 Meter hohe Wand hinab, die jüngere Schwester im Sturz mit sich in die Tiefe reißend. Sie war sofort tobt. Man fand sie mit zerschmetterten Gliedern am Fuße des Kegels- der Tod war in Folge Zerreißens innerer Organe sofort eingetreten. Das jüngere Mädchen war auf einem 25 Meter hohen Vorsprung deS Kegels hängen geblieben und gab noch Lebenszeichen von sich. Man schaffte sofort Leitern und Seile herbei, als man aber nach mehrstündigen angestrengten Bemühungen endlich zu der Verunglückten gelangte, war auch sie bereits tobt. An der Leiche wurden außer anderen Verletzungen verschiedene schwere Schädelbrüche cvnstatirt. Der Schmerz des trostlosen Vaters war ergreifend, umsomehr, als die beiden Kinder ihren Tod durch leichtfertige Waghalsigkeit selbst verschuldet hatten.
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* Frankfurt a. M., 5. Juli. Etliche Metzger, die schon langst die Metzelsuppen der Wirthe mit scheelem Auge ansahen, machten die Anzeige, daß die Wirthe schlachteten, ohne eine Concession zu besitzen. Das sei ein Verstoß gegen die Gewerbeordnung. Die Wirthe beriefen sich auf das nicht aufgehobene Altfrankfurter Bürgerrecht, von Martini bis Fastnacht sechs Schweine und von Michaeli bis Martini ein Hornvieh schlachten zu dürfen. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung, die Strafkammer auf 10 Mk. Geldstrafe. Der Strafsenat des Oberlandesgerichts verwarf die dagegen eingelegte Revision. Die Handlung der Angeklagten sei zwar nicht als selbstständiger Gewerbebetrieb, aber doch als Hilfsgewerbe zum Wirthsgewerbe zu betrachten und deshalb ohne Concession strafbar.
* Lilienstein (Sächs. Schweiz), 1. Juli. Vor Kurzem machte der Lagerist Fischer aus Dresden mit seinen beiden Töchtern, der 15 Jahre alten Paula und dem 12 jährigen Hannchen von dem hiesigen Gasthaus, einem der schönsten Aussichtspunkte des EbbsandsteingebirgeS, einen Rundgang um das Plateau. Trotz den ernsten Abmahnungen des Vaters
Petersburg, 4. Juli. Der Kaiser hat die Verleihung von Andenken an die deutschen Künstler und Künstlerinnen befohlen, welche an dem Musikfest auf der deutschen Botschaft in Mo-kau theilgenommen haben.
Sofia, 4. Juli. Die Nachrichten von der Grenze bestätigen, daß die bulgarischen Behörden gegen die Bildung von Räuberbanden energisch einschreiteu. Fortgesetzt werden Waffen mit Beschlag belegt und verdächtige Personen verhaftet. Eine große Zahl von militärischen Emigranten auS Rußland wird demnächst erwartet. Sämmtliche Blätter mit Ausnahme der „Swobada", welche energisch gegen die Einstellung von Emigranten in die Armee protestirt, ignoriren die Emigrantenfrage.
New-Jork, 4. Juli. Wie aus Wilkesbarre gemeldet wird, wurden durch Einsturz einer Gallerte in einem Bergwerk eine große Anzahl Arbeiter verschüttet. Die Rettungsarbeiten dürften eine Woche beanspruchen, weshalb man befürchtet, daß nach Beendigung derselben die Bergleute nur noch als Leichen herausbefördert werden können.
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der Ausstellung ein Theqter zu begründen, meiner Meinung nach von vornherein verfehlt, und die rauhe Wirklichkeit hat mir hierin Recht gegeben. Anders hätte die Sache vielleicht gelegen, wenn dem Besucher da draußen etwas ganz Originelles, wirklich Gutes geboten worden wäre, dann scheut der echte Berliner keine Anstrengung, denn „too wat los ist, will er auch dabei sein". — Dies war aber ganz und gar nicht der Fall und deßhalb ist daS FiaSco auch ein riesengroßes. Der Bau deS Hauses für daS Theater „Alt-Berlin" hat allein die ungeheure Summe von 200,000 Mk. verschlungen, hierzu kamen dann nochmals 150,000 Mk. für Dekorationen, Coftüme, Requisiten rc., so daß, wenn man die stattlichen Gagen für die Mitwirkenden in Betracht zieht, wohl eine halbe Million herankommt, die in dieses gänzlich fehlgeschlagene Unternehmen hineingesteckt worden ist. Die Tageseinnahme betrug durchschnittlich nur 300 Mk., während 2000 Mk. verdient werden mußten, um auf die Kosten zu kommen. Ein traurige- Resultat, welches für die Waghalsigkeit eines Unternehmers recht deutlich demonstrtrt. — So gibt es auf der Ausstellung noch viele Unternehmungen, welche, wie z. B. das „Riesenzelt", fix und fertig find, andere, die ganz bedenklich wackeln.
Wenn man nun nach den Ursachen dieser traurigen Wirkung forscht, so kommt man zu dem Schluß, daß verschiedene Factoren zusammenwirken, um dieses ungünstige Resultat zu zeitigen. In erster Reihe ist eS daS Wetter, welches leider alles zu wünschen übrig läßt, denn nach einer kurzen Reihe von schönen, warmen Tagen im Juni herrscht nun schon seit 10—14 Tagen das kalte, regnerische Wetter wieder an, worunter die Ausstellung bereits während deS Monats Mai so zu leiden hatte. Diese anhaltend ungünstige Witterung läßt jede festliche Veranstaltung zu Nichte werden, und so ist auch daS letzte große Fest, welches mit solch großem Trara angekündigt wurde und eine große Ehrung für den chinesischen Vicekönig Li-Hung Tschang auf Kosten deS zahlenden Publikums bedeuten sollte, nichts als ein großer Reinfall gewesen. Abgesehen davon, daß unter dem schon oben erwähnten bekannten Zeichen des NichtfertigwerdenS die geplante Aufstellung von chinesischen Thürmen unterbleiben
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aller Art
unoeränbettet Weise für
Bekmwtmachmv.
Betr.: Die Unterhaltung der Kreisftraßen.
Fuhrwerkbesitzer werden hierdurch benachrichtigt, daß von Dienstag den 7. ds. Mts. ab auf der Kreis- straße Danbriugeu—Maiuzlar eine Dampfwalze in Thätigkeit ist.
Gießen, am 4. Juli 1896.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Vo ?Uer*n.
großen Ausstellungstheater „Alt Berlin" und „Neu-Berliu", welche fix und fertig sind, bezüglich waren. „Neu-Berlin" ging mit bösem Beispiel voran, „Alt-Berlin" folgte schnell nach. DaS erste Unternehmen wechselte, als eS mit feinen Mitteln zu Ende war, den Besitzer und es wird nun flott weitergespielt, wie lange noch, wage ich nicht zu entscheiden. DaS Theater „Alt-Berlin" hat mit dem gestrigen Tage seine Pforten geschloffen und ich kann wohl sagen, daS Publikum
scheinbar, wie alles hätte so schön werden können. DaS Tollste bei der ganzen Geschichte war aber, daß ich für meine Mark Enttse, welche die Ausstellungsleitung trotz mangelhafter Beleuchtung sich nicht scheute allen Denen abzuknöpfen, die nicht alle werden, nicht einmal den alten Herrn, den Vicekönig Li-Hung-Tschang ober auch nur seine gelbe Jacke zu Gesicht bekam und ziemlich unbefriedigt, mit einem starken Rheumatismus behaftet, abziehen mußte. — Am nächsten Tage berichteten aber die meisten hauptstädtischen Zeitungen über die „feenhafte" Beleuchtung, welche stattgefunden haben sollte, und eS giebt hierbei nur zwei Möglichkeiten, entweder waren die Herren nicht persönlich anwesend oder sie hatten vielleicht bet dem stattgehabten Banket selbst ein wenig inner» lich illuminirt.
Ein zweiter Grund für baß vielfache Mißlingen dieser privaten Unternehmungen auf unserer Ausstellung ist darin zu suchen, daß daS frische pulfirende Leben, wie eß sich auf der Pariser Ausstellung täglich und zu jeder Stunde abgespielt hat, in Berlin entschieden fehlt. Jcy bin weit entfernt davon, mit diesem abfälligen Urtheil etwa den großartigen Gesammteindruck, welchen die Berliner Gewerbeausstellung macht, in Abrede stellen zu wollen, aber bas Terrain ist so groß und die Zahl der Besucher im Verhältniß zur Ausdehnung derselben viel zu klein. Waß bedeutet die Zabl von 50 000 Besuchern auf einem Terrain, welcheß weit größer alß baßjenige ist, welches die Pariser Weltausstellung umfaßte. Man vergeffe nicht, daß die Durchschnittszahl der Besucher in Paris weit über 100 000 Personen betragen hoi- Selbst an den Tagen, wo in unserer Ausstellung biß zu 150 000 Personen anwesend waren, rief dieselbe nur m einzelnen Theilen den Eindruck der Ueberfüöung hervor, während andere Theile recht leer schienen. Dann spielte sich auf der Pariser Weltausstellung noch bis zur frühen Morgenstunde ein flottes, fröhliches Leben ab, während bei uns schon um 10,/2 resp. 11 Uhr „sich der Schwarm verlausen hat", ohne überhaupt erst die vorgeschriebene „mitternächtige Stunde" abzuwarten.
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so wenig auf der Höhe, so wenig verlockend, daß sich nur
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— «Herr Denjenigen, welche sich auf leichte und bequeme Art die Keurttuitz der französischen, englischen und t'altentschen Sprache aneignen wollen, seien die Zeitschriften „Le Repötiteur“, „The Repeater*, „II ripetitore“ zum Abonnement warm empfohlen. (Berlin, Verlag von Rosenbaum & Hart.) Es Iaht sich kaum ein besseres Mittel, diese wichtigsten fremden Sprachen, deren Kenntnitz in allen Berufszweigen äußerst werthvoll ist, ausfindig zu machen, als die Methode der genanten Zeitschriften. Unter jedem fremden Wort steht das entsprechend deutsche, so daß dem Leser das Unbekannte sofort auffällt und bei der Wiederholung in Erinnerung gebracht wird, wodurch der Wortschatz sich beständig vergrößert. Der Inhalt der Journale ist interessant und unterhaltend, es wechseln in bunter Reihe Poesie und Prosa, Ernst und Scherz, alles ist im modernen Stil und äußerst practtfch gehalten. Für die weiter Fortgeschrittenen ist ebenfalls gesorgt, indem die oierzehntägig erscheinenden Blätter allmonatlich eine Beilage mit nur französischem, englischem und italienischem Text enthalten, dem zum Zweck besseren Verständnisses am Fuße jeder Seite die nöthigen Anmerkungen beigegeben find. Es durften daher diese Zeitschriften, deren Abonnementspreis pro Quartal nur je 1 Mk. beträgt, vielen unserer Leser willkommen fein. Abonnementspreis auf diese Journale können zu jeder Zeit bei allen Postanstalten und Buchhandlungen gemacht werden.
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Paris, 4. Juli. Die chauvinistischen Boulevardblätter reproduciren die Debatte, welche in der italienischen Kammer Über die auswärtige Politik stattgefunden hat. Nach den snti-franzöfischen Erklärungen der verschiedenen Redner, besonders nach den Erklärungen der beiden Minister Rudini unb Sermon eia müßten eS die französischen Staatsmänner wohl eivsehen, daß eS gegen die Interessen Frankreichs wäre, irgend welche Annäherung mit Italien anzustreben.
London, 4. Juli. Vicekönig Li-Hung Tschang wird am 3. August aus Paris hier eintreffen und einen Aufenthalt von einem Monat in England nehmen.
London, 4. Juli. Die „Times" melden aus Berlin, man glaubt, daß Deutschland von China keine polttischen und finanziellen Vortheile erlangen werde, wie man sie sich erhofft habe. Andererseits will «an jedoch wissen, der Bice- könig Li-Hung Tschang habe drei große Kriegsschiffe in Deutschland bestellt und Deutschland werbe die Concession zur Erbauung einer Kohlenstation in den chinesischen Gewässern erhalten.
Warscha«, 4. Juli. Zwischen der russischen Regierung und der Kurie wurde eine Vereinbarung getroffen, der zufolge in Zukunft die Bullen, Encyklien und Anordnungen deS Papstes innerhalb der Grenzen des russischen Reiches nur nach vorhergegangener Bewilligung der russischen Regierung veröffentlicht werden dürfen.
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Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
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Renommö ihm dafür Gewähr leistet, daß ihm etwas Gutes I mußte, da dieselben nicht vollendet waren, functionirte auch für sein Geld geboten werden wird. So war die Idee, in der Feuchtigkeit wegen die tm großen Style geplante Fest- beleuchtung nicht, und nur einzelne Flämmchen markirten
Vorstand
Feuilleton.
Berliner Ausstellungsbriefe.
(Bon unserem Correspondenten.)
(Nachdruck verboten.) XIV.
Berlin, 29. Juni 1896.
Allgemeine Betrachtungen.
Man spöttelt hier so gern, unsere Gewerbeausstellung stehe unter dem Zeichen des NichtfertigwerdenS! DaS find aber nur elende Verleumdungen, denn in unserer Ausstellung ist jetzt schon Mancher vollständig „fertig", der eS noch gar nicht nöthig hat. — In erster Reihe find eS die beiden
Wenige fanden, welche den Entschluß faßten, sich zwei ober t'- drei Stunden dort festzusetzen, um zum Schluß eine große 138> Enttäuschung mit nach Haufe zu nehmen. Als mit mir s. Zt.


