Berliner Ansstellungsbriese.
lVon unserem Eorrespondmten.)
X.
Berlin, 2. Juni 1896.
Ich versprach in meinem letzten Briefe eine eingehendere Schilderung der Stufenbahn, welche die Verbindung zwischen der Sonderau-ftellung „Alt-Berlin" und dem Vergnügung«« park vermittelt. Erft seit einigen Tagen ist der volle Betrieb ausgenommen und man kann sich nunmehr au« eigener An« schauung eia Unheil über diese« neue und zugleich hochinteressante Verkehrsmittel bilden. Diese Bahn ist nach einem Project von Richard Damm gebaut und ist die Erfindung eine« Deutsch'AmerikanerS, Namen« Schmidt. Zum ersten Male wurde diese Bahn auf der Weltausstellung in Chicago gezeigt und erregte dort allgemeines Aufsehen. Sie ist das Verkehrsmittel der Zukunft und hat für uns Berliner ein erhöhtes Interesse, da der Plan vorliegt, Berlin mit dem Grünewald durch eine solche Stufenbahn zu verbinden.
Die Bahn hat ihren Namen daher, daß die Steigerung ihrer Geschwindigkeit stufenweise erfolgt. Sie besteht nämlich aus mehreren Plattformen, die fich concentrisch in derselben Richtung bewegen, jedoch mit verschiedener Geschwindigkeit, sodaß der Uebertritt von dem festen Boden auf die erste Plattform, die nur eine geringe Geschwindigkeit besitzt, fast unmerklich erfolgt, ebenso unmerklich geschieht dann das Weiterschreiten nach den übrigen Plattformen, bis man auf der am schnellsten ctrcultrenden angelangt ist und auf den dort aufgestellten Sitzbänken Platz nimmt, die man, wenn man am Ziel der Reise angekommen ist, auf dieselbe allmälige Art wieder verläßt.
Die Stufenbahn, welche in der GewerbeauSstellung funcrionirt und die in 'erster Linie dazu dienen soll, den Boden sür die Einführung einer großen Stufenbahn durch Veranschaulichung ihrer Vorzüge zu ebnen, hat nur zwei Plattformen. Die äußere von ihnen, die sich in einer Geschwindigkeit von P/g Meier in der Secuade bewegt, dient zur Verbindung zwischen dem längs der Bahn fich erstreckenden festen Bahnsteg und der zweiten Plattform, die sich mit einer Schnelligkeit von 3 Meter in der Secunde fortbewegt. Der Hauptvortheil besteht in der ununterbrochenen Bewegung, die aber infolge der geschilderten Construction jederzeit Aufsteigen und Absteigen ermöglicht, obgleich ihre Geschwindigkeit die jeder Pferdebahn erheblich übersteigt und durch die Ersparniß der Zeit, welche alle anderen Bahnen durch da« Anhalten verlieren, ein noch weit günstigeres Resultat ergibt, als fich aus der bloßen Vergleichung der Schnelligkeiten ersehen laßt. Jedenfalls ist diese Beförderung das Verkehrsmittel der Zukunft, denn die Benutzung der Stufenbahn ermöglicht die Beförderung ungeheurer Menschenmaflen in verhältnißmäßig ganz kurzer Zeit, ohne daß hierfür überhanpt ein nennens« werthes Personal aufgewendet zu werden braucht.
Aber zurück zu unserer Hauptausstellung! 5000 AuS« steller find eS, welche fich hier vereint haben, um zu zeigen, was der Berliner Gewerbefleiß im Stande ist zu leisten. Noch im Jahre 1879 beschränkte fich die Zahl der Aussteller auf 1800 und der Raum, welchen die damalige Ausstellung bedeckte, betrug nur 60000 Quadratmeter, eine winzige Zahl dem jetzigen Raum von 1 Million Quadratmetern gegenüber. Schon aus diesen Zahlen kann man deutlich erkennen, welchen Aufschwung die Berliner Industrie genommen hat und tbot« sachlich ist denn auch Großartiges geleistet worden. Die Ausstellung umfaßt nachstehende 23 Gruppen:
Gruppe 1: Textil-Jodustrie.
9 2: DrkleidungS-Jndnstrie.
■ 3: Bau« und Jngenreurweseu.
, 4: Holz-Industrie.
■ 5: Porcellan-, Ehamotte« und
* 6: Kurz« und Gaiauterir-Waaren.
w 7 : Metall-Industrie.
* 8: Graphische und decorative Künste iuk e
gewerbe.
n 9: Chemische Industrie.
„ 10: Nahrung«, und Genußmiltei.
„ 11: Wissenschaftliche Instrumente.
„ 12: Mufik-Jnstrumeote.
„ 13: Maschinenbau, Schiffsbau, Trans»«».
, 14: Electrotechnik.
n 15: Leder, und Kautschuk-Industrie.
w 16: Papier-Industrie.
„ 17: Photographie.
n 18: Gesundheitspflege und Wohlfahrts j-.
ungeo.
* 19: Unterricht und Erziehung.
„ 20: Fischerei, Schifferei und dazu gedönsn -
a 21: Fahr- und Reir«Sport. Aaffer'vsn **'
fahr-Sport. Sch eß- nnd Jagd Lau- schifffahrt.
* 22: Gartenbau.
n 23: Deutsche Colonial-Au-stellung.
In meinem nächsten Briefe werde ich tut Ar der einzelnen Gruppen übergehen.
Deutsche
landwirthschastliche Ausstellung.
Stuttgart-Cannstatt, 11.—15. Juni 1896.
Auf dem Canuftatter Wasen bei Cannstatt.
Pferde, Rinder, Schafe, Schweine, Ziegen, Geflügel, Fische, Bienen, Samen, andere Felderzeugnisse, Molkereierzeugnisse, Wein, Obstdauerwaaren, Dünge- und Futtermittel, Maschinen und Geräthe.
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Täglich Vorführungen von Zucht, u. Militiirpserden, sowie Rindern
3NF Concertmusik.
Eintrittspreise: Dauerkarten . . . 10 Mk.
11. Juni (Eröffnung) 3 „
12. und 13. Juni 2 „
4965 14. und 15. Juni . 1 „
Deutsche Landwirthschafts-Gesellschaft.
Die der Spar- und Leihkaffe zu Lang. Göns gehörige, in der Ge- markung Wetzlar an der Nauborner« straße und Wetzbach gelegene
Hofraithe, enthaltend ein zweistöckiges Wohnhaus mit 29 Zimmern, Hintergebäude, Kellerbau, Holzschuppen, Hofraum mit Garten — zusammen 10 Ar haltend — soll wegen Wegzugs des bisherigen Miethers, Herrn Major Soest anderweitig vermiethet und kann mit dem 1. Juli l. I. bezogen werden. Auch wird diese Hofratthe unter sehr günstigen Bedingungen verkauft. Die Besitzung dürfte sich zu einer Fabrikanlage, z. B. für Cigarren, eignen.
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