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Der tziehtner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener
InmiktenSlälter werden dem Anzeiger wdcheotlich dreimal brigetegt.
Erstes Blatt. Samstag den 7 März
1896
Gießener Anzeiger
Henerat-Unzeiger.
vierteljähriger AS-nnement-prei-» 2 Mart 20 Pfg. mit vringerlohn.
Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
lUbaction, Expcditio» und Druckerei:
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Amts- unb Anzeigeblatt für den Areis Gietzen.
Hratisöeitage: Gießener Aamikienötätter.
die
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Die B-rathung deS Zuckersteuer-Gesetzes wird fortgesetzt- Abg. Hilpert (bayr. Bauernbund): Die VortheUe, die unS die Btsmarck'sche Handelspolitik gebracht hat, find uns durch die Handelsverträge wieder genommen worden. ES ist dayer ein sonderbares Verlangen, daß wir für dieses Gesetz stimmen sollen-
Abg. Ehni (südd. Vp.). Die Volkspartei ist in erster Linie «egen jede Mehrbelastung deS Consums; wir verlangen daher im Gegensatz zur Vorlage eine Ermäßigung der Consumabgabe. Ebenso bekämpfen wir die Exportprämie überhaupt als eine falsche wtrth-
dieses Gesetze sei eS auch nur in ihrer Eigenschaft als Steuerzahler, geschädigl^ umrden.^r^ ^g.) hält seine bezüglichen Behauptungen flUfrC1(b0. Götz v. Olenhusen (Welfe) halt in. seiner persönlichen Bemerkung aufrecht, daß der Bund der Landwirthe wilde Agitation treibe. Er hätte gestern noch hinzufügen können: der Bund könne ihn fonst waS. habe da« aber für sich behalten. .,(nnh,r_
Die Vorlage wird mit großer Mehrheit an eine besondere Commisfion verwiesen-
Morgen: Gewerbenovelle.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de» pkgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
ist bereits beseitigt. ,
Wien. 5. März. AuS Konftantlnopel wird gemeldet- In einem Orte deS Vtlajet Angora find zwei Armenier getödtet worden. Im Districte von Gentieh im Vilajet BitltS haben Gewaltthätigkeiten der Kurden gegen die Armenier, die früher Muhamedaner waren und zum Christenthume übergetreten find, stattgefunden. Auch aus anderen Orten werden Gewaltthätigkeiten gemeldet.
Rom. 5. März. Nach der „Agencia Stefani" fehlt noch jede Nachricht über die Gknerale Dabormida, Alb ertöne und Ari man di- 9000 Weiße und 8000 eingeborene ASkart sollen au der Schlacht Theil genommen haben. Der
König soll heute ein .
Baratieri zur Disposition gestellt wird. Das Kriegsministerium hat die Berichte BaratieriS dem militärischen Generalanwalt in Rom übermittelt.
Pari«, 5. März. Der „TempS" theilt den Wortlaut der Rede mit, die Felix Faure gestern in Nizza gehalten hat. Faure erzählte den Hergang der ersten Angliederung Nizzas an Frankreich und betonte, daß der Convent die Auf- nähme Nizzas in die französische Republik erst beschlofien habe, nachdem daS Volk von Nizza den Anschluß an Frankreich verlangt habe. Er sagte, der Convent hat dadurch daS Prinzip aufgestellt, daß der Sieg nicht genügt, um daS zu rechtfertigen, was nicht der Wille eines freien Volkes sauctionirt. (Langanhaltender Beifall.)
Pari«, 5. März. Die Deputirtenkammer nahm den Gesetzentwurf an, wodurch die Verfälschung der Butter
Deutsche* Reichstag.
52. Plenarsitzung. Donnerstag, den 5. Marz 1896.
Wolfis telegraphisches Sorrespondenz-Bureau.
Berlin, 5. März. Der Hierselbst verstorbene Rentier Simon Blad hat die Stadtgemeinde Berlin in Gemein- idjaft mit den Stadtgemeinden Ma nz und Bingen zu Universalerben seines, nach oberflächlicher Schätzung mindestens VI. Millionen Mark betragenden NachlasieS eingesetzt, der- aestalt, daß Berlin die eine Hälste und Mainz und Bingen die andere Hälste erhalten sollen. Der Erblasser hat bestimmt, daß der Nachlaß zur Gründung einer Stiftung zwecks Belohnung von hervorragenden Leistungen aus dem Gebiete der Kunst, der Wisienschaften und deS Handwerks verwendet werden soll.
Leipzig, 5. März. Auf der Station GohltS der Thüringer Bahn sind zwei Wagen entgleist. Ein 16jähr. Mädchen wurde ziemlich schwer verletzt. Die Betriebsstörung
Deutsche» Reich.
Berlin, 5. März. Die schon vor längerer Zeit angekündigte Frühjahrsreise des Kaisers nach dem Süden dürfte nächster Tage vor sick gehen. Wie aus Kiel gemeldet wird, segelt die kaiserliche Yacht „Hohenzollern Ende der Woche nach dem Mittelländischen Meere ab, und zwar nach Abbazia, woselbst der Kaiser auf dem Landwege eintrifft. Ueber die Einzelheiten des kaiserlichen Relse- Programms liegen authentische Mittheilungen noch nicht vor, jedenfalls trägt aber die bevorstehende SüdlandSreise des deutschen Kaisers schwerlich einen politischen Character, sie stellt vielmehr nur eine Vergnügungs- und Erholungsfahrt des erlauchten Monarchen vor.
— Im Befinden deS an Kopf rose erkrankten regte- renden Fürsten von Reuß ä. L. ist endlich eine an- haltende Befferung eingetreten, voraussichtlich wird der hohe Herr nächstens daS Bett wieder verlaffen können.
— Die Wahlreformfrage in Sachsen dürfte zur Stunde ihre parlamentarische Lösung gefunden haben. Am Donnerstag war die zweite Kammer in die Schlußberathung der Wahlreform-Vorlage, betr. die Einführung indirecter Klaffenwahlen, eingetreten, eS ist zweifellos, daß die Kammer inzwischen dem Entwürfe mit großer Mehrheit ihre end- giltige Zustimmung ertheilt hat. Hoffentlich frommt diese Entscheidung in einer so hochbedeutungsvollen Frage dem gesammten Lande, wenigstens kann man nur lebhaft wünschen, daß die düsteren Voraussagungen, die von den nichtsocta- listtschen Gegnern der Wahlreform über deren Wirkungen verkündet worden sind, sich als unzutreffend Herausfiellen mögen.
unterdrückt und die Verwendung der Margarine geregelt wird.
Mentoue, 5. März. Präsident Faure ist heute Vormittag hier eingetroffen zur Einweihung deS zur Er- innerung an die Vereinigung MentoneS mit Frankreich errichteten Monuments. Nach der Feier empfing der Präsident im Stadthause die Spitzen der Behörden. Aus eine Ansprache des Generals Gebhardt, der da« OffiziercorpS vorstellte, antwortete der Präsident, die hiesige Truppe sei eine Avantgarde, auf die Frankreich rechnen könne.
Mentoue, 5. März. Präsident Faure begab sich um 2 Uhr Nachmittags nach Cap Martin zum Besuch de» Kaisers von Oesterreich. Graf Paar führte den Präsidenten bis zum Hotel, wo ihn der Kaiser im großen Salon erwartete. Der Präsident wurde der Kaiserin vor- gestellt, die er begrüßte und der er die Offiziere setues militärischen Hause» vorstellte. Letzte« zogen frb fobatm mit dem dsterreichtschen Befolge zurllck. Der Kaiser »°» die Kaiserin unlerhielten sich sehr herzlich mit dem Pra- fidenten. Die Kaiserin dankte dem Präsidenten für die Auf- merksamkeiten, deren Gegenstand sie sei. Die Zusammenkunft dauerte etwa 20 Minuten.
Loudon, 5. März. Ein heute veröffentlichter Armeebefehl bestimmt, daß künftighin daS Gehalt der Armee- Offiziere, die zu Mitgliedern des Parlaments gewählt I worden sind, auf die Hälfte herabgesetzt wird.
Petersburg, 5. März. Die russische Marineverwaltung hat die Platten für den 368 Millimeter starken Panzer- gürtel deS Geschwaderpanzerschiffcs „Poltawa" bet der Firma Friedrich Krupp in Essen in Auftrag gegeben.
Peking (Reutermeldung), 5. Marz. Der Bicekönig Li-Hung Tsckang und die Mitglieder der Gesandtschaft sind I gestern zu den Krönungsfeierlichkeiten nach PeterS- bUr Havanna^ 4. März. Die Aufständischen wurden in mehreren Treffen geschlagen, insbesondere bei Mamey, wo eine Schaar von 3000 Insurgenten 35 Todte und 50 Verwundete, sowie viele Waffen, Munition und Pferde verlor. Die Spanier hatten 4 Todte und 19 Verwundete.
I Dec Prinz von Bourbon, ein Sohn deS Grafen Caserta, I zeichnete sich tm Kampfe auS.
ZohanuiSburg. 5. März. Die „Times- melden unter dem 3. d. M., daß die Bauthätigkeit hier eine so leb- hafte, wie nie zuvor sei.
Deptschrn M Burete .Herold.
Berlin, 5. März. Nach der gestrigen Abendunterhaltung im Schlosse blieb der Kaiser noch einige Zeit mit den I Ministern Dr. Miquel und Thielen im Rauchzimmer.
Berlin, 5. März. Der BundeSr ath erklärte sich I heute damit einverstanden, daß in Stettin auf den der Stadtgemeinde gehörigen bisherigen Möllnwiesen ein^Freibezirk I errichtet werde. Ferner wurde beschlofien, den Kaiser^Wil- helm Canal dem Seeamt in Flensburg zuzuweisen und der Resolution deS Reichstags, betr. Herabsetzung der Patent- gebühren, keine Folge zu geben. e
Berlin, 5.März. Eine Begegnung zwischen Kaiser I Wilhelm und König Leopold von Belgien soll nach einer Meldung des „Berliner Tagebl." im Hochsommer in ! Ostende stattfinden. .
Berlin. 5. März. Die Gräfin Herbert Bismarck I ist heute Nacht in Schönhausen von einem Mädchen entbunden
"Scharre>är^Gras Posadowski erwidert Barth, daß der Letter der englischen Politik die ungünstige Lage der englischen Land- wtrthschast selbst anerkannt habe und verlhetdtgt dann das Prämien- I system. Zimmermann habe Ausdehnung der Staffelsteuer auf die I BierbraueVei angeregt. In Bayern habe sich das allerdings bewähr und wenn wir wieder ein Btersteuergefetz oorlegen, werden wir diese I Anregung ernst beachten. Abg. v. Slaudy wünscht, baß wir gegen I Amerika mehr Energie bethättgen. Diese kann ich Koch aber nur da entwickeln, wo ich dazu befugt bin und es angebracht erscheint. Mich ist e« eine sehr delikate Frage, dergleichen gerade bei einer solchen Malerte anzuregen, wo es sich um eine Industrie Haubelt, die /, I ihrer Production exportirt. Redner bestreitet dann^ daß die Vorlage I ,uch einen fiscalischen Character trage, wie v. Staudy behaupte. Die Materialsteuer, das cetenun censeo Staudys, sei unter den I gegenwärtigen Verhältnissen absolut unausführbar. Eine Animosität gegen den Osten liege nicht vor, auch nicht bei dem Vorschläge der ^°""Äbg"RöUcke (liberal): Welche andere Branche würde es wagen, sich um Unterstützung an die Reichsregierung zu wenden, menn sie — abgesehen von einem einzelnen Jahre — solche Erträge I «uszuwetsm hat, wie die Zuckerindustrie'. (Sehr richtig! link«.) Wie I kann man von der Nothwendigkeit reden, die Ausfuhr zu Hebers wenn felbst in diesem sogen RothstandSjahre die Ausfuhr noch I 3 Millionen Doppelccntner beträgt! Man bezeichnet die Vorlage als I nur ein Kampfmittel"; aber durch Vergrößerung unseres Fehlers bewegen wir doch das Ausland nicht, feinen Fehler aufzugeben. Das Ausland wird uns sicher aus diesem Wege folgen. Unbegreiflich ist I eg daß solche Vorschläge, wie Conttngenttrung und Pramienwirth- sch'ast, gerade aus einer liberalen Partei heraus haben gemacht werden I ktznnen. Durch die Contingentirung erwachsen nur dem Auslande I Vortheile. Die Conttngenttrung der Zuckerproduction muß den Rübenvreis zum Nachthetl der Bauern drücken Paasche ist je wohl I "X’ i" &, wegen bereu fpecul.tioen Zrelbenä. Diele Vor- schlage geben hier aber doch noch weit über daS Treiben an der Börse I hinaus. Den Landwtrthen nützt dieses Gesetz nicht daS Mindeste. Unter den Landw rthen und Industriellen herrschtt j« auch in dieser Frage nichts weniger als Einigkeit. Welche Mühe bat sich Herr Laasche in einer Versammlung in Bromberg geben müßen, um die Opposition gegen seine Vorschläge zu beschwichtigen. Wie betet den Leuten zugeredet! So sagte er schließlich: au der einen Seite gebt Ihr wenig, auf der anderen nehmt Ihr viel, da habt Ihr doch I Dorthin (Große Heiterkeit links. Paasche ruft: Ganz richtig ) 3a wenn Sie das sagen, Sie, ein Gegner der Börse, da zeigen Sie damit nur, daß Sie ein guter Geschäftsmann sind. Aber wir appelliren nicht an den Vortheil deS Einzelnen, sondern wir ver reten die Jn- tereffeoder Allgemeinheit und lehnen deshalb die Vorlage ab
abg. v. Plötz (cons.) vertheidigt den Bund der Landwirthe aeaen die gestrige Aeußerung des Abg. Gotz v. O enbusen, baß die A?t des Vorgehens deS Bundes undeutsch sei, sowie überhaupt argen die aroben llnwahrheiten, die in diesem Hause über den Bund der Landwir he gefallen seien. Sachlich begrüßt Redner die Grundlagen des Gesetzes empfiehlt, die Betriebssteuer ganz zu streichen und die Contingentirung auf 17 Millionen zu erhöhen- Die Erhöhung der Con umabgabe schädige den Arbeiter nicht. Schr am Herzen liege ifcm nerKiä daß nicht den Landwtrthen, die bisher noch nicht Rüben gebaut der Uebergang dazu nicht allzu sehr erschwert werde Die Errichtung neuer Fabriken dürfe den Provinzen, in denen letzt
n „1. <uQken gebaut würden, und die deshalb, wenn die Darstellung des LandwirthfchaftSministers richtig „Rückgrat"
Hättm (Heiterkeit), so Schleswig-Holstein und Ostpreußen, nicht zu W °Ab^Schippe^(Soc.) spricht gegen die Vorlage, welche das 9(tt8T»nh tu einer Erhöhung der Prämien veranlassen würde und »ur4 wÄ Me ÄZ« un.u-bl-lbllch g.^äMat wütbm. Staben ben Bauern bisher für bleS.ufrüben «« ,u niedrige Prttk son den Fabriken geboten, dann brauchten sie nur mit der genofwn- schaftlichen Errichtung eigener bäuerlicher Fabriken l^hrohen und d?S genügte, um einen zu starken Preisdruck bei den Rüben »u ve^ Binbetn ^Werde die Contingentirung beschlofien, so müssen die Bauern rir ihre Rüben nehmen, was ihnen geboten wird.
Ab^vr. Paasche (natl.) bestreitet, daß die Consumenten durch
worden. t
Berlin, 5. März. DaS Abgeordnetenhaus setzte heute die Berathung deS CultuSetatS bet dem Capitel «Katho- lische Geistlichkeit und Kirchen" fort und genehmigte das Gebalt der altkatholifcheu Bischöfe. — Morgen Fortsetzung.
; 900U Wettze und öuuu emgeoorene i J L, ffiifeuna der
chlacht Theil genommen haben. Der I Berlrn, 5. März. In der he g b u. Decret unterzeichnet haben, wodurch Budget-Commission ^eS Reich ag ^schall
ofition gefüllt wirb. Das Kriegs- I drei neu zefarberien Kreuzer b-E'S
verlangte eine ihrer Aufgabe gewachsene K"uzerflo»e ,aoc er weist die Annahme erneut von sich, als wolle Deutschland eine Weltpolitik treiben, die dazu führe, sich auch in Dinge einzumischen, die Deutschland nichts angehen, und überall da mitzureden, wo etwas loS sei. Wir können nicht in Europa ein Hort deS Friedens fein und Abenteuern nachlagen. Wir würden daS Vertrauen in unsere Friedensliebe und unser Gerechtigkeitsgefühl erschüttern. Die Autorität deffen w^ er, der StaatSsecretär, sage, könne nicht dadurch erschüttert werden, daß ein RegierungSaffefior einmal etwas anders sagt.
Berlin, 5. März. Gestern Abend tagte eine von 3000 bis 4000 Personen besuchte Versammlung der Buchdrucker, nm zu der Antwort deS Vorstandes deS Bundes Berliner Buch- druckeretbesitzer Stellung zu nehmen. Der Referent empfahl,
2lmtiid?er Theil.
Gießen, den 5. März 1896._ Petr.. Ermittelung der landwirthschaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrag» im Jahre 1895.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien deS Kreises^
Soweit Ihnen die rubr. Ueberfichten wieder zugehen, wollen Sie die dazu erhobenen Anstände erledigen, da» in Ihren Acten befindliche Covcept ebenfalls richtig stellen und die Ueberfichten mit den Bemerkungen längsten» btnnen -8 Tagen an uns zurückfenden.
v. Gagern.


