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Dienstag den 7. Januar
1896
Nr - Zweites Blatt.
Der #U|e*er A«ttiger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montags.
Die Gießener MamItteuStätter »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
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Amts- uni* Anzeigeblatt für den Kreis Gieszen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr,
Gratisbeilage: Gießener Iamikienökätter.
Alle Aunoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Amtlichen Theil.
Gießen, 3. Januar 1896
Betr.: Erlaß einer Polizei-Verordnung für den Kreis Gießen; betr.: den Verkehr der Radfahrer auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen.
Sei SrMerzsgliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Unter Bezugnahme auf den Schlußsatz unsere- Aus« schreibens vom 29. December 1893 (Gießener Anzeiger Nr. 2 von 1894) sehen wir binnen 5 Tagen der Vorlage eines Verzeichnisses der in der Zeit vom 1. Juli bis 31. December 1895 stattgehabten und in Ihren Registern gewahrten Ab« und Zugänge von Fahrradbesitzern mit den zugehörigen Nummern entgegen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig - freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1896.
Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1896 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung
spätestens bis zum 1. Februar 1896
bei der unterzeichneten Commission einzureichen.
Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ciellen das Folgende bemerkt:
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs - Commission nur daun anzubringen, wenn der sich Meldende im Grotzherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts- ort hat.
2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.
3. Das Gesuch muh von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.
4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a. Geburtszeuguiß;
b. Cinwilliguugs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt fein;
o. ein Uubescholtenheitszeugnih, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist;
d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.
5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.
6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Uubescholteuheitszeuguiß beizulegeu.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden «stellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur »ehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 27 von 1894) Aufschluß.
Bezüglich des Prüfuugstermius, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt eventuell weitere Bekanntmachung; auf specielle Ladung kann nicht gerechnet »erden.
Darmstadt, den 18. Decembrr 1895.
Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende:
Buchinger, Regierungs-Rath.
Deutsche» Reich.
Berlin, 4 Januar. DaS Telegramm Kaller Wilhelms au Präsident Krüger, das Staatsoberhaupt der TranS- vaal-Republik, stellt einen SywpathiebrweiS jür dieses aufstrebende, südafrikanische Staatswesen dar, welcher daffelbe in seinem Kampfe mit englischer Anmaßung, Hinterlist uns Vergewaltigung nur mächtig stärken kann. Ja der Depesche spricht der deutsche Kaiser dem P.äsident.n Krüger seinen
ausrichr'gen Glückwunsch aus, daß es den TranSvaal-Buren, auch ohne einen App.ll an bte Hilfe befreundeter Mächte, gelungen sei, nrt eigener Kraft den Frieden in ihrem Lande wieder herzustellen und die Unabhängigkeit desselben gegen den Angriff von außen zu wahren. In ganz Deutschland hat diese kaiserliche Kundgebung lebhafte Zustimmung gefunden, da der frevelhafte Einbruch einer Bande englischer Abenteurer in das Gebiet der TranSvaal-Republik von der öffentlichen Meinung unseres Vaterlandes mit seltener Ein müthigkeit verurtheilt wird. Allgemein ist denn auch die Befriedigung über die vernichtende Niederlage, welche die wackeren Transvaal - Buren der in ihr Land eingefallenen englischen Abenteurer-Schaar unter Dr. Jameson bei K'ügers- doip beigebracht haben und welcher Vorgang die äußerliche Veranlassung des TelegrammrS Kaiser Wilhelms an Präsident Krüger bildete. Hoffentlich genügt die blutige Lection, welche die Transvaal ■ Buren ihren Feinden ertheilt haben, um etwaige geplante fernere Angriffe von englischer Seite auf ste hintan zu halten, zumal ja das entschiedene Auftreten Deutschlands in der Transvaal Angelegenheit den Engländern außerdem hinlänglich gezeigt haben dürfte, daß im Nothfalle Deutschland den Buren nicht nur diplomatisch zu Hilfe kommen würde. UebrigenS li'.ß Kaiser Wilhelm seine Depesche an Präsident Krüger im unmittelbaren Anschluffe an eine Besprechung ergehen, welche der Monarch am Freitag Vormittag im ReichSkanz erpalais mit dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe, mit den StartSsecretären von Marschall und von Hollmann, dem commandirenden Aomiral Knorr und dem Chef deS Marine CubinetS, von SendewBtbran, gepflogen hatte.
Berlin, 4. Januar. Im Hinblick auf die Mildung eines hiesigen Blattes, der Kaiser habe beim Empfang deS hier eingetroffenen Gesandten der südafrikanischen Republik im Haag, sich diesem gegenüber hinsichtlich deS Sieges der Buren bei Krügersdorp geäußert, erfährt die „Nat.-Ztg." auS sicherer Quelle, daß ein solcher Empfang bisher überhaupt nicht stattgesunden hat. Die einzige Kundgebung des Kaisers in dieser Angelegenheit sei daS bekannte Telegramm an den Präsidenten Krüger, deffen Bedeutung schon hervorgehoben worden sei.
Artslarrd.
Wie», 4. Januar. In hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, wie die „Neue Freie Presse" schreibt, daß die TranSvaal-Republik sich infolge der letzten Vorkomm niffe veranlaßt sehen könnte, ein Protectorat Deutschlands anzustreben. Da aber England unter Berufung auf seine Verträge mit Transvaal sich gegen die Annahme eines solchen ProtectoratS von Seilen Deutschlands sträuben werde, so sei die Möglichkeit ernster Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und England nicht auSgeichloffen.
Wien, 4. Januar. Beim Austhauen eingefrorener GaS- röhren in der Hauptstraße deS Landstraßenbezirks gerietheo infolge ausströmenden GafeS fünfzehn Arbeiter in Lebensgefahr. Zwölf von ihnen konnten von der RettungS- gefellfchaft wieder zur Besinnung gebracht werden, während drei ins Spiral gebracht werden mußten.
Paris, 4. Januar. Sämmtliche Blätter billigen daS Telegramm Kaiser Wilhelms an den Präsidenten Krüger. Der „Soleil" sührt auS, daß England den ihm vom dlutschen Kaiser angethanen S^imps ruhig hinnehmen, aber ihm die Sache nachtragen werde.
London, 4. Januar. Von officiöstr Seite wird ver- fichert, daß in Johannesburg keinerlei Ruhestörungen stattgeful.dcn und keine Personen gefährdet seien. Auch daS HauS Rothschild erhielt die Nachricht, daß ia Johannesburg nichts vorgefallen sei und alle gegentheiligen Nachrichten tendenz-öd erfunden sind.
London, 4. Januar. DaS Telegramm deS Deutschen Kaisers an den Präsidenten der südafrikanischen R-Publik, Krüger, erregte hier ungeheures Aussehen. Der con- servattoe Abgeordnete Sir Sortiert theilte mit, daß die Buren nach ihm zugegangenen Nachrichten zuerst die Dr. Jameson'schkn Truppen beschaffen haben. Ferner sei ihm gemeldet worden, daß deutsche Marinetruppen in der Delagoa Bai gelandet find.
London, 4. Januar, Der Cith-Kausmann Regan empfing die Bestätigung der Meldung, daß Dr. Jameson vor ein Kriegsgericht komme. Seine Soldaten seien jedoch freigelassen worden.
London, 4. Januar. Wie verlautet, ist die zweite Streitmacht der Chartered-Compagnie entweder auf- gerieben oder gefangen genommen worden.
London, 4. Januar. Die englischen Blätter zeigen sich heute sehr erregt über ta8 Telegramm des Deutschen
Kaisers an den Präsidenten Krüger. „Daily Graphtc erklärt, man brauche den intelligenten Engländern nicht d e' jenigen Punkte deS kaiserlichen Telegramms hervorzuheien, welche die Gesetze der Diplomatie überschreiten uud auf ter Grenze einer internationalen Beleidigung stehen. Der Deutsche Kaiser habe eine schwerwiegende Kundgebung gnh .n. DaS Telegramm sei ein osficielleS diplomatischer D?cum>nt, weil der Kaiser vorher darüber mit den Ministern con- ferirl hat.
London, 4. Januar. Die öffentliche Meinung interesfirt sich um io mehr für das Wohlergehen Dr. Jamesons und feiner Leute, alß mehrere seiner Offiziere englischen Familien arigehören. Mehrere Offiziere der Chartered Company pro testiren energisch gegen die Meldung ausländischer Zeitungen, daß sie schon seit langer Zeit von dem Übernehmen deS Dr. Jameson unterrichtet gewesen seien.
Der Krieg von 187O|71, jefchildert durch Ausschnitte «US ZeitunqS-Nummern jener Zeit (Nachdruck verboten.) 7. Januar
Von Lothringen, wo der preußische General v. Werder commandirt, werden wir bald hören. Bon Lyon aus ist eine sranzöstsche Armee von etwa 30000 Mann (und 300 arabische Reiter) im Anmatsch, um sich mit Garibaldi zu vereinigen. Die deutschen Soldaten nennen Garibaldi nur den Vagabonden» Vater und sind gegen ihn sehr erbittert, seinen Soldaten geben sie selten Pardon. Unter Garibaldi dient eine polnische Legion (800 Mont,), sowie eine italienische (15000) und eine amerikanische (3—400), in seinem Heere find Schweden, Ungarn, Dänen, Schweizer und sogar hannöversche Offiziere, namentlich wird ein Oberst Krämer genannt. General Werder zieht sich zunächst aus strategischen Gründen auS Dijon auf Vesoul zurück.
• Berliner Meßpalast. Nachdem der Rohbau deS auf dem ausgedehnten Grundstücke Alexandrinenstraße 10 errichteten MeßpalasteS vollendet ist, bringt die 1893er Vereinig un g für internationale Messen in Berlin jetzt ein hübsch ausgestatteteS Heft zur Versendung, welches neb n den Grundriffen der fünf Stockwerke dieses AuSstellungS- Gebäudes eine Ansicht des Vorderhauses sowie erläuternde Bemerkung-n enthält. Die Baufläche des Berliner Meß- palastee umsaßt ein Areal von 5535 Quadratmeter und bildet ein gewaltiges, 128 Meter langes und 52 Meter breites, nach der Front zu fich verschmälerndes Viereck. Der Bau selbst umsaßt ein Vorder- und zwei dahinter liegende Quergebäude, welche, durch zwei parallel lausende Seitenflügel mit einander verbunden, drei Höfe bilden, von denen der mittlere 932 Quadratmeter groß ist. DaS Vordergebäude, welches eine monumentale Fatzade ziert, ist in Sandstein aas- geführt, reich ornamentirt und im Renaiffance-Stil gehalten. Dasselbe besteht im Erdgeschoß auS dem imposanten Portal nebst einer geräumigen Durchfahrt, ferner aus den R-stau- rationSräumlichkeiten, die fich von der Straßenfront bis zum eigentlichen Meßgebäude auSdehven und auf'S Comfortabelste eingerichtet werden. Im ersten Stockwerk deS VordergebäudeS befinden fich ein großer Festsaal, mehr als 500 Personen fassend, Spetsesäle, Toilette- und Garderobezimmer re., darüber im zweiten Stockwerk die Büreauräume und im dritten Stockwerk die Beamtenwohnungen. Der für die eigentlichen Maßzwecke bestimmte Thetl deS Meßpalastes erhebt sich im ersten Hofe. Dieses Bauwerk, fein und geschmackvoll gegliedert, wirkt imposant in den Einzelheiten der ausragenden Front. Dasselbe enthält neben zwei großen Sälen für Collectiv-AuSstellungen lauter separate, kleinere und größere Ausstellungsräume. Für reichlichste Zufuhr von Luft ist durch Fensteröffnungen von ungewöhnlich großen Abmessungen gesorgt. Den Personen- Verkehr vermitteln neben vier breiten Treppen in den vier Ecken deS Gebäudes eben ko viele elektrische Fahrstühle. Dampfheizung und electrische Beleuchtung sind für alle Räume vorgesehen. Für telephonische Verbindungen, Gelegenheit zur Erledigung deS Briefwechsels und ähnliche Bequemlichkeiten deS Ausstellers und des Einkäufers dienen hierzu bestimmte separate Zimmer. M'.t den Vermiethungen der Einzelräum- zu den festgesetzten, sehr billigen Preisen ist neuerdings begonnen worden, und die Meldungen laufen derart zahlreich ein, daß in kurzer Zeit über alle Räume verfügt sein dürfte.
* eine im 90. Lebensjahr stehende Greisin, die noch den anstrengenden Beruf einer Waschfrau versieht, daS ist — so schreibt das „Darmft. Tgbl " — gerade kein alltägliches Vvikommniß, und mancher Leser deS „Tageblatts" wird


