Ausgabe 
6.12.1896 Erstes Blatt
 
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Nr. 288 Erstes Blatt. Sonntag den 6. December

1806

Der Hießen er Anzeiger erscheint täglich, äü Lu-nahme del Montag-,

Die Gießener A>a»itien v tälter werden dem Anzeiger wlchentlich dreimal beigrlegt.

Gießener Anzeig er

Keneral-Mnzeiger.

Lierteljähriger Abonnementspreis t 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohm Durch die Post bezeßM 2 Mark 50 Pf,.

Redaktion, Expedit»e« und Druckerei:

Kchntgra^e Ar.7. Kernsprecher 51.

Aints- unb 3lnjet$eblaW für den Tkreis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Dorm. 10 Uhr.

chratisöeikage: Gießener Aamitienötätter.

Alle Lanoncen-Vureaux de- In- und Au-laude- nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Anrtlichev Thott.

Bekanntmachung.

Die Roihlauskeuche in Moischt, Kreis Marburg, ist erloschen und die Gehöstkperre aufgehoben.

Vtetzen, am 2. December 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gietzen. v. Gagern.

Bekanntmachung

Der Riegelpfad von der Ebelstraße bis zum Eisen« bnhnüberaang an der Hehligenstaedt'schen Gtetzerei, sowie die Hammstratze von der Lahnstraße (viaduct) auS in süd­licher Richtung bis zur Wieseck, werden wegen deS Ausbaues dieser Straßen bis auf Weiteres für Fuhrwerke, Retter und vtehtranSport polizeilich gesperrt.

Gießen, den 4. December 1896.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.____________________

Gefunden: 4 Handschuhe, 1 Taschentuch, 1 Hammer, 1 Spazierstock, 1 Wagenkette, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Peitsche, 1 silb. Damenuhr mit Kette (Letztere in einer Tonne beim Entleeren gefunden).

Gießen, den 5. December 1896.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ü. Bechtold.

Wolffs telegraphische« Lorrespondenz-BNrnm.

Berlin, 4. December. Die Morgenblätter melden: Die Angelegenheit der Entsendung von Sachverständigen nach Ostasten zum Studium der dortigen Verhältnisse hinfichtltch der Production rc. ist soweit gefördert, daß tu Aussicht genommen ist, dte Expedition mit dem am 27. Januar von Bremen abgehenden Lloyd DampferSachsen" hinaus« zinsenden. Zur Erörterung der den Sachverständigen zu stellenden allgemeinen Aufgaben findet im RetchSamt des Innern am 11. December eine Versammlung der In« tereffenteu statt.

Hannover, 4. December. Seine Majestät der Kaiser nahm heute Vormittag Vortrage entgegen und besichtigte um halb 12 Uhr dte GarntsonSkirche, wo sich zur Begrüßung Er. Majestät dteGeistltchkett, sowie Oberpräsident v. Bennigsen und der commandtrende General, General der Infanterie v. Seebeck, etngesunden hatten. Um 12 Uhr wurde im Schlöffe daS Frühstück eingenommen und um 1 Uhr erfolgte dir Abfahrt Seiner Majestät zur Jagd nach Springe.

Sanpark-Springe, 4. December. Seine Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher mittels ExtiazugeS um 1 Uhr 20 Minuten auf der Station Kaiserallee etutraf und dort von den Kriegerveninen, welche mit Musik und Fahnen er­schienen waren, bewillkommnet wurde, begab sich mit den zur )agd Geladenen am Schlöffe vorüber nach dem Jagdrevier HallermandSkopf, wo Seine Majestät von den Jägern mit dem Fürstengruß empfangen wurde. ES findet eine Suche mit der Findermeute auf Sauen statt. Es herrscht mildes, gutes Jagdwetter.

Hamburg, 4. December. An der Versammlung der ausständigen Quatarbeiter nahmen etwa 4000 Per« fernen Theil. ES wurde öeschloffen, den verkündigten Gekawmt- LuSstand anzuerkennen und sich mit den übrigen Ausständigen solidarisch zu erklären.

Hamburg, 4. December. DaS 7 6. Regiment wurde RorgenS vom Lockstedter Lager diSlocirt- die 85er rückten ein. Alles ist ruhig.

Karlsruhe, 4. December. Der Baudirector und Vor­stand der technischen Abtheilung der Generaldirection der SttaatSeisenbahnen, Goßweyler, ist heute gestorben.

Bern, 4. December. Der BuvdeSrath ersuchte dte vundeS«Versammlung um dte Ermächtigung, dte elb- geenvssischen Staatsanleihen vom Jahre 1887 zu kündigen und den Ttteltnhabern die Eouverfioa in drei« procentige Anleihen anbieten zu dürfen.

Rom, 4. December. Der Marineattachö der deutschen Botschaft drückte dem Marinemintster Brin litt herzlichste Beileid deS Staatssekretärs deS RetcbSmaiine- nwtS, Contreadwiral Hollmann, wegen des Ereignisses von Mogadischu auS.

Brüssel, 4. December. Kammer. Der Socialtft bmndervelde interpelltrt über die Ausweisung der Smgländer Tom Mann, Wilson, Sexton und Tillet. Dsr Justiz minister erwidert, er sei dem Gebrauche seiner

Vorgänger gefolgt. Jeder Fremde, der sich nicht den Landes- gesehen unterwirft oder auffordert, diese zu Übertreten, wüffe unverzüglich auSgewieseu werden. Diese Fremden seien nach Belgien gekommen, um eine aufständische Bewegung der Dock- arbetter Antwerpens zu organtfiren und einen Strike zum Raine des Antwerpener Hafens herbetzufÜhren, wie dies das foctaltstische belgische BlattPeuple- zugesteht. Gegenwärtig seien Verhandlungen mit dem englischen Auswärtigen Amte Über diese Frage eiogeleitet. Er könne daher keine Aus­kunft geben, allein er werde stets verhindern, daß Fremde die belgische Gastfreundschaft mißbrauchten. Die vom Inter­pellanten eingebrachte Tagesordnung mit Tadelvotum wird mit 56 gegen 27 Stimmen abgelehnt. Die Tagesordnung Delbecke mit Vertrauensvotum wurde angenommen.

Paris, 4. December. In der Zoll commission er­klärte heute der Handelsminister, dte Regierung fände die von der Eommtssion angenommene Exportprämie auf Zucker zu hoch. Die Regierung habe dafür Sorge getragen, die Frage zu einem guten Ende zu führen und werde ihren Gesetz« eutwurf vor der Kammer wieder aufnehmen.

Depeschen deS Bureau .Herold".

Berlin,4. December. Die Budgetcommission deS Reichstages wird Donnerstag den 10. December in dte Berathungen des MtlitäretatS eintreten.

Berlin, 4. December. Die Commission zur Bor- berathung der LehrerbesoldungS-vorlage trat heute zusammen.

Berlin, 4. December. Der .Post" zufolge besteht die Abficht, den Antrag Graf Schwerin wegen Aufhebung der Transitläger und deS ZollcreditS am Mittwoch auf die Tagesordnung deS Reichstages zu setzen.

Berlin, 4. December. Dte Verhandlungen Über die Militärstrafprocetzordnung werden, wie einige Blätter melden, im Plenum deS BundeSrathS voraussichtlich erst nach Neujahr stattfiaden.

Berlin,4. December. Etn Eommando von hiesigen Schutzleuten, bestehend aus 5 Offizieren, 10 Wacht­meistern und 200 Schutzleuten wird voraussichtlich nach Hamburg gehen, um dte dortige Polizei zur Aufrecht- erhaltung der öffentlichen Ordnung während der AuSstandS- bewegnng zu unterstützen.

Berlin, 4. December. Die dritte Lesung der Strafproceß'Novelle wird Donnerstag den 10. d. M. im Reichstage stattfinden. DaS Centrum hat gestern Abend über seine endgültige Stellung hierzu berathen.

Hannover, 4. December. Der .Hann. Anzeiger" be­richtet, der Kaiser habe in einer gestern in der hannover­schen Militär-Reitschule gehaltenen Rede sich deS Längeren über den Fall Brüsewitz ausgesprochen, der ihn äußerst schmerzlich berührt habe. Er richte hauptsächlich an die jüngeren Offiziere dte Mahnung, sich stets der hohen Pflichten, welche ihnen die Uniform auferlege, bewußt zu bleiben. Namentlich sollten sie immer eingedenk sein, daß dte Uniform keineswegs einen Gegensatz zwischen OsfizierwÜrde und Bürger­schaft schaffe und daß ein derartiger Unterschied keinesfalls durch daS Benehmen der Offiziere markirt werden dürfe. Er hoffe und erwarte, daß daS Offizier«CorpS, soweit es an demselben liege, stets bestrebt fein werde, in einem guten Verhältniß mit der Bargeschäft zu bleiben.

Paris, 4. December. Der .Figaro" gibt der Meinung Ausdruck, daß der Besuch deS Präsidenten Faure, der in einigen Monaten in Petersburg erfolgen werde, etwas mehr sein werde, als ein bloßer Höflichkeitsbesuch.

Madrid, 4. December. Die hier eingegangenen Meld­ungen von dem Auf st an de'Huf den Philippinen werden als Übertrieben bezeichnt

London, 4. December. ES verlautet, die Königin Victoria werde nach den Jubiläums-Festlichkeiten eine Reise nach Irland unternehmen.

London, 4. December. .Daily Telegraph" meldet aus PrSioria, daß der neue englische Agent in Prätoria sich geweigert habe, eine Adrrffe von in Transvaal lebenden Engländern entgegenzunehmen, in welcher die Oberhoheit Englands über die südafrikanische Republik gefordert wird.

Berlin, 5. December. (Proceß Leckert.) Auf eine Bemerkung des Oberstaatsanwalts, daß man dem jetzigen Gestandniß nicht ohne Weiteres glauben dürfe, erklärt der RrchtSanwalt LubczinSkt, er könne zeugeneidltch versichern, daß Lützow schon bei der ersten Unterredung mit ihm gesagt habe, er wolle v. Tausch so lange halten, wie eS gehe, wenn es aber nicht mehr gehe, gebe er ihn frei. Tausch wird nun in ein scharfes Kreuzverhör genommen, wobei er die Behauptung v. Lützows immer wieder als Lüge bezelchuet.

Weiter erklärt der Bertheidlger Lützows fich bereit, zu be­eiden, daß Lützow schon vor drei Tagen zu ihm gesagt habe, die Seele drr ganzen Jntriguen gegen den Frhrn. v. MarschaA sei Commiffar Tausch. Letzterer habe wohl gewußt, daß der Verfasser deS Artikels Hauptmann Hönlg fei, die Sache aber so dargeftellt, als sei v. Huhn der Autor, v. Tausch erklärt Alles sür unwahr. Der Berthetdiger v. LützowS beantragt die Vernehmung des Oberstlieuteoant Garde und des Hauptmann Höaig und erklärt, weitere Be- weiSanträge nicht mehr stellen zu wollen. Auf eine Frage des Vorsitzenden bekundet v. Tausch, daß der Polizeipräfidrut ihm untersagt habe, den Gewährsmann betreffend die An­gelegenheit v. Huhn zu nennen. Oberstlieutenant v. Gaede wird nochmals vernommen. Er verbreitet fich über den Plan des an den KriegSminister anonym zu sendenden Briefes. Nach Vernehmung weiterer Zeugen wird die Verhandlung auf Montag vertagt.

Berlin, 5. December. Der Magistrat verwies in seiner gestrigen Sitzung daö Profit eines Sch fffahrtS-CanalS Berlin-Stettin zur Vorberathung an die Verkehrs-Deputation.

Berlin, 5. December. Die .Nordd. Allg. Ztg." be­stätigt, daß der Kaiser die Ernennung des Oberst Siebert zum Gouverneur von Ost-Afrika bereits vollzogen hat.

Hamburg, 5. December. DieHamb. Börsenhalle" dementirr officiill die Nachricht von der Entsendun g Ber­liner Schutzleute nach Hamburg. Die Haltung der Strikenden ist fortdauernd ruhig. Die Strlke-Commlsstom berief für heute Vormittags zehn Versammlungen von Aus­ständigen ein.

Brussel, 5. December. Der König appelllrte an die patriotische Gesinnung der Liberalen behufs Beilegung der Krisis im Brüsseler Gemeinderath. Wenn diese Bemühungen scheitern, soll der Gemeinderath am Montag aufgelöst werden.

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Gießen, den 5. December 1896.

nn. Unser Großherzog. Am nächsten Freitag den 11. December d. I. find 10 Jahre verflossen, daß Se. Königliche Hoheit Großherzog Ernst Ludwig von Hessen in das Großh. hessische Infanterie Regiment Nr. 115 (Leibgarde- Regimem) und zwar al- Lieutenant in die Leibcompagnie eingetreten ist. Das Patent zu feiner Charge erhielt Seine Königl. Hoheit bereits am 21. April 1885. Dieser Ehren­tag der 10jährigen Wiederkehr des Dienstantritts Sr. Königl. Hoheit wird von der Leidcompagnie in festlicher Weise be­gangen werden. Im Saalbau findet aus diesem Anlaß eine Bereinigung des OifiziercorpS des Regiments, sowie der Offiziere, Reserveoffiziere und der Mannschaft der Leibcom­pagnie statt, wobei ein Concert mit lebenden Bildern, Prolog u. s. w. veranstaltet werden wird. Gewiß wird diese Nach­richt manche schöne Erinnerung bei Denjenigen wachrnfen, welche unter dem Commando Sr. Königl. Hoheit deS Erb« großherzogS als Zugführer standen und das RegimentS- exerclren und die Manöver mitmachten. Das Avancement Sr. Königl. Hoheit gestaltete fich in folgender Weise: Am 21. April erhielt Erbgroßherzog Ernst Ludwig daS Patent als Lieutenant und am 9. December 1889 als Premier­lieutenant. Übersprungen hat derselbe die Chargen als Hauptmann, Major und Doerftlteutenant. Am 22. März fand dte Beförderung Sr. Königl. Hoheit zum Oberst, am 19. April 1894 zum Generalmajor und am 27. Januar 1896 zum Generali eutenant statt. Se. Königl. Hoheit der Groß- Herzog ist Inhaber des Regiments 115 sowie deS Dragoner- Regiments Nr. 23.

e* ProviozialauSschußfitzung. SamStag den 12. d. Mts,, Vormittags 9 Uhr, findet im RegierungSgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des ProvinzialauSschuffeS der Provinz Ober- heffen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Den RecurS der Wittwe Rübsamen zu Gießen gegen einen das Baggern in der Lahn verbietenden Pollzechefehl des Großh, KcelSamiS Gießen betreffend. 2. Die Enteignung des zum Bau der Nebenbahn FriedbergHungen erforderlichen Geländes in den Gemarkungen Hungen, Inheiden und Feld­heim - hier Antrag auf Ausspruch der Enteignung gemäß Art. 54 deS Gesetzes vom 26. Juli 1884 betreffend. 3. Da- Gesuch der Fabrik feuer« und säurefester Steine zu Bad- Nauheim um Genehmigung zur Errichtung eines Stein- brennofenS betreffend. 4. Gesuch deS Metzgermeister» Hetrich Müller zu Schotten um Ertheiluug einer Con- cesfion zum Gastwirthschast« betriebe.

* Der Arbeitsnachweis der Stadt Gießen hat im ersten Monat seines Bestehen«, dem Monat November, eine ver- hältnlßmäßig rege Inanspruchnahme erfahren und man darf