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Wt 288 Drittes Blatt. Sonntag den 6. December
Der ♦klenet Anzeiger erscheint täglich, ■ti Ausnahme bei Montag».
Die Gießener W««rtte»oratter Verde» dem Anzeiger »Gcheallich dreimal heigeleg».
Gießener Anzeiger
Keneral-Anzeiger.
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Amtliche* Theil.
Gießen, den 8. December 1896.
Detr.: Das Landgestüt- insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütbeschäler in 1897.
DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen G« die Grstzh. vürgermeiftereie« de- «retfes.
Wir sehen Ihrem Berichte darüber entgegen, wieviel Scheine Sie für voraussichtlich im Jahre 1897 zur Bedeckung kommende Stuten nöthig haben werden.
v. Gag ern.
Gießen, den 3. December 1896. Betreffend: Die Ausführung des FifcheretgefetzeS vom 27. April 1881.
Das Großherzogllche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien und Ortspolizei- beamteu des Kreises.
Diejenigen vou Ihnen, in deren Gemeinden sich Fischereien befinden, erhalten mit nächster Post Separatabdrücke der Ver- »rdnung vom 3. October 1896 zum Ftschereigesetz, welches Sie an das Ihnen untergebene Poltzetpersonal verthetlen »ollen.
v. Gagern.
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Gießen, den 5. December.
♦* Ernannt wurden: 1) der Heizer bei den Oberhesfi- scheu Eisenbahnen Martin Hartmann zum Locomotiv- sLhrer bei den Hessischen Staats Eisenbahnen, 2) der Bremser bei den Oberhesfischeu Eisenbahnen Johannes Dechert zvm Schaffner bet den Hessischen Staats Eisenbahnen, 3) der H lsöheizer bei den Overhessischen Eisenbahnen Ludwig Aff auS Reiskirchen zum Heizer bet den Hessischen Staats- Eisenbahnen, 4) die HtlfSbremser bei den Oberhessischen Eiseu- bahnen F r i e d r i ch F e y auS Kohden und P e t e r Stammel cmS Gießen zu Bremsern bet den Hessischen StaatS-Etsen- bahnen, sämrntlich mit Wirkung vom 1. December l. I. an.
P. Schulbäder. Die Würdigung der Thatsache, daß das Baden und gründliche Abwaschen des Körpers wesentlich zur Abhärtung und G esun d erhaltu n g desselben beiträgt, Hot zur Einrichtung von Schulbädern geführt. In den folgenden Ausführungen wollen wir uns über die Art und zweckentsprechende Benutzung derselben im hiesigen Stadt- knabeoschulhause kurz verbreiten, da wir annehmen, daß man sich hier und da unrichtige oder wenigstens ungenaue Vorstellungen davon macht. Die Badeeinrichtung in der Knabenschule an der Nordanlage ist neuesten StyleS und versehen mit ollen Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten, die sich dabei von selbst verstehen. Sie befindet sich in den unteren
Räumen des Hauses und besteht aus einem AuSkletde- refp. Baderaum, welche dtrect neben einander liegen und ganz gleichmäßig erwärmt sind. Der Boden ist mit Latten be- deckt, welche einen sofortigen Abfluß der Feuchtigkeiten ermöglichen. Sobald nun die Klaffe unter Führung drS Dieners den gedachten Raum betritt, wird das Entkleiden und das Anziehen der Badehosen ohne Säumen vorgenommen, hiernach der Baderaum betreten und die erste Brause — die Knaben stehen dabet in Wannen — bet einer Wärme von 28« R. verabreicht. Nachdem sich die Schüler gründlich ab gewaschen haben, erfolgt zur Abkühlung die zweite Brause von 24—25° Wärme. Der Vorgang spielt sich in 5 bis 6 Minuten ab, worauf tüchtiges Abretben und rasches Ankleiden erfolgt, sodaß die Klaffe schon nach nur etwa fünfzehn minutenlanger Abwesenheit den Schulsaal wieder be treten kann. Wir heben noch ausdrücklich hervor, daß die Kinder auf dem Rückmarsch nur Räume zu passireu haben mit einer Temperatur von 8—10° Wärme und daß dieselben durch Thüreu mit pneumatischen Schließern vor Zugluft sorgfälttgst geschützt find. Ueber das Ganze find L'hrer und Diener genau unterrichtet, und wird von allen Seiten auf peinlichste Jnnthaltung aller Anordnungen geachtet. Eine Etkältung infolge des Schulbades ist somit auSgeschloffen, wogegen wir constatiren dürfen, daß diejenigen Kinder, die sich regelmäßig am Baden betheiligen, zu den gesündesten und kräftigsten der Klaffe zählen. Wenn also hieran erkannt werden darf, daß die Gesundheit der badenden Jugend durch die Schulbäder eine wesentliche Unterstützung erfährt, so soll auch nicht außer Acht bleiben, daß eine 1—2 malige wöchentliche Körperreinigung für die Schule als solche von wesentlicher Bedeutung ist, da sie eine reine und gesunde Z mmer- luft ermöglicht, ebenso wohlthuend für Schüler als für Lehrer. Wir wollen außerdem nicht unerwähnt lassen, daß kränkliche und schwache oder mit körperlichen Fehlern behaftete Kinder frei vom Baden find, wie denn überhaupt alles Baden freiwillig geschieht. Der Zweck dieser Zeilen ist erreicht, wenn wir die Wohlthat des SchulbadeS für die Gesundheit der Schüler nachgewtesen, den Eltern unserer Schüler aber jedes Vorurtheil und jedes ängstliche Gefühl beim Baden ihrer Kinder benommen haben. Wir glauben sagen zu können, daß das Baden auch in der rauheren Jahreszeit bei der hier geübten Vorsicht für die Jugend gesundheitlich nur vou Nutzen sein kann, da eS geeignet ist, sie am sichersten vor Erkältung und deren Folgen zu bewahren.
Panorama. Auf nach Petersburg und zu den kaiserlichen Schlösirrn heißt die Parole im Panorama diese Woche. ES werden unS die Straßen, Plätze rc. vorgeführt. U. A. NewSky-Prospect, die Newa, Kirchen, Klöster, Monumente, wovon besonders das Monument Peter des Großen an der Isaaks Cathedrale hervorzuheben ist. Ferner die öffentlichen Gebäude und die herrlichen kaiserlichen Schlösser von innen und außen, Marmor-PalaiS, Zarskoje Selo, Eremitage, PalaiS Petcrhof mit den herrlichen Wasserkünsten
u. s. w. Herr Schmidt bietet in dieser Saison wirklich viel Schönes und Neues und wünschen wir ihm einen zahlreichen Besuch zu dieser Serie.
Weihaachtspackereie». Da« RetchS-Postamt richtet auch in diesem Jahre au daS Publikum das Ersuchen, mit den WeihnachtSseudungen bald zu beginnen, damit die Packetmaffen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zusammendrängen, wodurch die Pünktlichkeit in der Beförderung leidet. Die Packete find dauerhaft zu verpacken. Die Aufschrift der Packete muß deuilich, vollständig und haltbar hergestellt sein. Kann die Aufschrift nicht in deutlicher Weise auf daS Packet gesetzt werden, so empfiehlt sich die Verwendung eines Blattes weißen Papiers, welches der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Bei Fletschsendungen und solchen Gegenständen in Leinwandverpackung, welche Feuchtigkeit, Fett, Blut rc. absetzen, darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung geklebt werden. Am Zweckmäßigsten sind gedruckte Aufschriften aus weißem Papier. Dagegen dürfen Formulare zu Post-Packetadreffen für Packetaufschriften nicht verwendet werden. Der Name deS Bestimmungsortes muß stets recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Packetaufschrift muß sämmtliche Angaben der Begleit- adresse enthalten, zutreffendenfalls also den Francovermerk, den Nachnahmebetrag nebst Namen und Wohnung deS Absenders, den Vermerk der Eilbestellung u. s. w., damit im Falle deS Verlustes der Begleitadreffe das Packet auch ohne dieselbe auSgehändigt werden kann. Auf Packeten nach größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Packeten nach Berlin auch der Buchstabe deS Postbezirks (C., W., SO. u. f. w.) anzugeben. Zur Beschleunigung des Betriebes trägt eß wesentlich bet, wenn die Packele frankirt aufgelicfert werden- die Vermeidung mehrerer Packete zu einer Begleitadreffe ist thunlichst zu vermeiden.
Butzbach, 3. December. Die Militärverwaltung beabsichtigt, für daS zum 1. April 1897 nach hier zu verlegende Jnfanteriebatoillon außer dem bis zum Herbste von der Cavallerie-Garnison benutzten Lustgartengelände noch weiteres Terrain in nordöstlicher Richtung von dem Kaserne- ment zu erwerben. Auf Grund drffen ist auch bereite 87 Parzellenpächtern deS Lustgartens die Mittheilung geworden, daß ihr Pachtverhältniß nur bis zum 1. April 1897 dauere.
■ Meyers KonverSations- Lexikon
(auch in Umtausch gegen ältere Werke) sowie alle andern Bücher I liefert gegen Teilzahlungen von monatl. 3 M. an ”*5^: H. 0. Sperling, Buchhandlung, Stuttgart VII.
Feuilleton.
Durch eine Puppe.
Eine Weihnachtsgeschichte von E. Ritter.
(Nachdruck verboten.)
ES war in der sächsischen Hauptstadt, ungefähr vierzehn Lage vor Weihnachten, alS ein elegantes Coupä, von der König-Johannstraße kommend, in raschem Trabe die Richtung nach Strehlen nahm und vor einer in der Nähe des großen Sartens befindlichen ..herrschaftlichen V lla Halt machte. Daß der Besitzer der Equipage zu den „upper ten“ gehörte, be- Vliesen sowohl die ganze Ausstattung des auf Gummirädern laufenden Wagens, als auch der Livreediener, der, neben dem Lutscher fitzend, sich mit raschem Sprung vom Bock herunter- schwang, als der Wagen hielt, um der darin sitzenden Dame bei« AuSsteigen behilflich zu sein. Dieselbe, eine noch junge Kvau, ließ den prächtigen Wagenmanrel, der bis jetzt einen klaganten Visttenanzvg verhüllt hotte, von ihren Schultern sMeu, wies den Diener an, ihr mit verschiedenen CartonS, bin den Sitz bedeckten, zu folgen, und eilte in die Villa. D'ir öffnende Portier bejahte die Frage, ob die Frau Boaroniti zu sprechen sei, und während der Diener im Vor- ilamer wartete, begab sich die Dame in ein elegantes Ge- mach, wo sie nach kurzem Warten von der Herrin de« Hauses, (Inner gleichfalls noch jungen Frau, herzlich begrüßt wurde milt den Worten: „3Bte lieb von Dir, einmal bet mir vor- zasiprechen, meine theure Melanie- wir haben un« ja endlos lange nickt gesehen."
»Ja, liebste Hanna, Du hast recht — man wird sich ganz fremd und deßhalb konnte ich e« mir heute auch nicht versagen, da ich einmal in der Nähe war, einen Augenblick bei Dir einzukehren. Die Stunden find wirklich jetzt gezählt vor dem Feste. Eben war ich einkaufen und das trieb mich auch mit zu Dir — ich will eS nur gestehen. Ich habe eine solch entzückende Puppe für Lilli erstanden, wirklich ganz reizend, und ich muß sie Jemand zeigen. Wenn ich so enthusiaSmirt von etwas bin, muß ich ein Wesen haben, welches meine Begeisterung theilt. Mein Gatte lächelt wohl über dieselbe, versucht aber vergeblich, Verständniß für Puppen zu heucheln. Du erlaubst doch, daß der Diener die Sachen hereinbringt?"
»Aber natürlich, liebe Melanie, ich will versuchen, mich mit zu begeistern."
Die Angeredete hörte kaum auf diese mit leiser Bitterkeit gesprochenen Worte, sondern war in ihrer lebhaften, raschen Weise bereits nach der Thür geeilt, um den Diener herbeizurufen. Dieser stellte dann wohl ein halbe« Dutzend CartonS von verschiedener Größe auf und entfernte sich auf einen Wink feiner Herrin mit dem geräuschlosen Schritt deS gut geschulten Dieners.
Frau Melanie war ganz Eifer und bemerkte, während sie die CartonS zu öffnen begann, nicht, daß ihre Freundin nur zögernd näher kam. Zierst entnahm sie dem größten Ccrrton eine ganz entzückende Baby Puppe mit blondem Lockenkopf, blauen Augen und dem reizendsten Puppenmündchen von der Welt. Strahlend vor Freude betrachtete sie daS Wunder von einer Puppe, mit eifrigen Worten ihre Freundin
auf alle Vorzüge, Kugelgelenk, Schlafaugen, Vorrichtung zum Papa- und Mamasagen, aufmerksam machend.
„Und nun sieh nur hier," — jetzt kamen die anderen Kästchen an die Reihe — „diesen wunderbaren Troussean der kleinen Prinzessin. Da fehlt auch nichts, vom Badeschwamm bi« zur Haarbürste, vom Nachtröckchen bis zum elegantesten Mäntelchen und dem feinsten Helgoländer. Nein, wenn ich denke, wie sich Lilli freuen wird über diese Be- scheerung — ich sage Dir, ich kann es kaum erwarten. ES wird zu reizend sein. Kleinen Mädchen kann man zu entzückend aufbauen, findest Du nicht?"
„Natürlich finde ich baß, ich sehe eS ja vor mir," war die scherzhaft sein sollende Antwort, die aber mit seltsam gepreßter Stimme gegeben wurde, und jetzt erst bemerkte Frau Melanie, daß sie wohl in ihrem Jubel zu weit gegangen fei und nicht bedacht hatte, daß fie eine kinderlose Frau vor sich hatte.
„Ach, ich bin ein alberner Kindskopf, nicht wahr, Hanna, und denke, alle Menschen müssen meine .Puppenleidenschaft theilen," meinte sie mit sichtlicher Verlegenheit und begann den auSgestreuten Kram wieder in die verschiedenen Behälter zu räumen.
Die Hausherrin, wohl fühlend, daß sie sich wenig' freundlich gezeigt hatte, begann noch Dies und Jenes zu bewundern, aber eS war eine künstliche Theilnahme. Um davon abzubrechen, begann Melanie während ihrer Beschäftigung :
„Nun und wie wett bist Du mit Deinen Festvorbereitungen? Gewiß hast Du schon Alles fertig ?*


