Ausgabe 
6.10.1896 Zweites Blatt
 
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Der $<<»<« Anjeiger erscheint täglich, nrt Ausnahme bei MintagS.

Dir Gießener h>o misicnö tätter Verben dem Anzeiger vdchmtlich drei weil deigelegt.

Zweites Blatt. Dienstag den 6. October

1896

Gießener Anzeig er

Keneral-Mnzeiger.

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Amtlicher Theil.

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betreffend: die Abhaltung von Viehmärkten zu Alsfeld.

Gr. Ministerium des Innern hat die Abhaltung des auf den 7. October l. I. fälligen Viehmarktes zu Alsfeld nutet folgenden Bedingungen gestattet:

1. Für Auf- und Abtrieb des Viehes ist den Anträgen des Kreisveterinäramtes gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen, welche allein benutzt werden darf.

2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus unverseuchten Orten der Kreise Alsfeld, Schotten, Lauterbach, Gießen, Büdingen und Friedberg, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens sieben Tage in unver­seuchten Orten der fraglichen Kreise in seuchenfreiem Zustande gestanden haben, aufgetrieben werden.

Alsfeld, den 30. September 1896.

Grobherzogliches Kreisamt Alsfeld. I. V.: Ham mann.

Der Zusammenschluß der landwirthschast- lichen Genossenschaften in Deutschland.

Die großen Fortschritte der deutschen landwtrthschaft- lichen Genoffenschasten haben die eingehendste und dankens- »eri hefte Beachtung in Preffe und Parlament, bet Regierungen nnb laudwirthschastlichen Vereinen gefunden, namentlich soweit ib sich um die Ausdehnung des Netzes der Genoffenschasten janfreltt. Jeder Fortschritt nach dieser Richtung ist aufmerk- (am verfolgt und die Neugründung von Genoffenschasten ist tarch die ausklärende Mitarbeit der Behörden, Vereine, Zei­tung e» und Zeitschriften wirksam unterstützt worden.

Neben der Ausdehnung ist die zweite gleich mächtige iatroicklungStendenz der laudwirthschastlichen Genoffenschasten, Ile ebenfalls in den letzten Jahren kräftig hervorgetreten ist, Heutiger beachtet worden, daS ist die fortschreitende Organi- [otlen, der Zusammenschluß all der Einzelgenoffenschaften. llad doch ist der Zusammenschluß der Genoffenschasten von rttrchürtiger Bedeutung neben ihrer Ausbreitung. Die Aus- trhuang ist nothwendtg, um allmählich jedem Dorf, jedem Landwirth die Segnungen der verschiedenen Arten von Ge- »offeuschasten zuzuführen. Daneben ist aber der Zusammen- Ichluß ebenso nothwendtg, um die Dortheile der Genossenschaft, Itn billigen Geldausgleich, den wohlfeilen Bezug guter Roh- ^offe, zweckmäßige Verarbeitung und vortheilhaften Absatz in Erzeugnisse deS Landbau- und der Viehzucht durch die kihaiffung gemeinsamer Einrichtungen für viele Genoffen- Men gemeinsam voll auSzunutzeu; um einen Wetteifer und eine wechselseitige Anregung und Belehrung unter den vor- Ebenen Genoffenschasten zu erwecken- um endlich zur Sb«

Feuilleton.

Der writrre Weg.

Sine Geschichte von Hugo Klein.

(Schluß.)

Erst al» ich auf einer Bank neben ihr in dem Parke M der am Flusse liegt, löste fick dieser Zauber. WarS In milde Ton der guten Rede, war» der theilnehmeode Lick,, aber ich begann zu weinen und unter Thränen er* gl)(le ich der Fremden alles, alles. ... Da sagte fie, ein eifttnutztger Junge sei nicht werth, daß ein braves Mädel m ihn ins Master gehe. Ich sei jetzt zwar recht ver- gliißelt und lebensmüde, wenn ich aber erst nur eine regel- litge Tätigkeit gefunden hätte, die mich beschäftige und nen meinen traurigen Gedanken ableuke, so werde fich diese Mmmung bald verflüchtigen. Ich glaubte zwar nicht daran, >ii siie mir aber vorschlug, ihr hier imWaldvogel", besten Mtzerin fie ist, bet der Beauffichtigung der Küche und deS !k°ffttS zu helfen, stimmte ich zo. SS geschah, aufrichtig plagt, nur scheinbar, um fie loS zu werden und wieder zum We gehen zu können. Sie dachte aber wohl so etwa», tarn fie wich nicht mehr von mir, hing fich au mich «nd ich ii&te gleich mit ihr gehen. So kam ich willenlos hierher, 'ti war mir alle» in der Welt so gleichgiltig geworden, daß lit amch das auf mich nahm und wie eine Maschine «eine Wtit besorgte. Wochen, Monate lang lebte ich in dieser 'btheirgeschlagenheit und Du wirst begreifen, Ernestine, Hf i Ich in dieser Stimmung nicht daran dachte, Dich auf* piitiea. Meine Wohlthäterin hatte so viel Geduld mit

wehr wirthschaftSpolittscher Angriffe der Gegner, zur Ver­tretung eigener WirthschaftSpolittscher Forderungen die geklärte gemeinsame Erfahrung und die Maffenenergie der Hundert­tausende genostenschaftlich verbundener Landwirthe als Einheit aufzubieten.

Und gerade diese Organisation, dieser Zusammenschluß, hat in den letzten Jahren, wenig beachtet von der öffentlichen Meinung und nicht unterstützt durch fernstehende Factoren, durch stille, ernste Arbeit nicht mindere Fortschritte gemacht als die Ausbreitung.

Von den 9000 eingetragenen landwirthschaftlichen Ge­nossenschaften, die jetzt in Deutschland bestehen, haben fich kaum 1000 von dem Zusammenschluß in Verbänden zurück­gehalten. DaS find Molkereien, Bezugsvereine, Werkgenoffen« schäften mit rein localen Lebensbedtngungen, die den Mangel der Einigkeit nicht so sehr empfinden. Und doch trachten auch diese Vereine jetzt vielfach einer Einigung zu. Obschon neuerdings jährlich 1000 bis 2000 Genossenschaften neu ent­standen find, ist die Zahl der ganz isolirten Vereine in den letzten Jahren eher kleiner als größer geworden. Die Ge- nostenschaften, die unter den gegenwärtigen schwierigen Wirth- schaftöverhältniffen ins Leben treten, empfinden fast alle so­fort die Nothwendigkeit deS AnschlusteS an einen Verband. Sie suchen und finden Anschluß.

Zur Zeit bestehen in Deutschland 86 staatlich bestätigte RevifionSverbände landwirthschaftlicher Genoffenschasten, die b!S auf einen den Generalanwaltschastsverband zu Neuwied, für einzelne Bundesstaaten oder Provinzen gebildet find. Von diesen 36 Verbänden find 24 ihrerseits wieder zu dem Allgemeinen Verband der deutschen landwirth­schaftlichen Genossenschaften mit dem Sitze in Offenbach a. M. zusammengeschloffen. In der EntwickelungS- geschichte dieses Verbandes drückt fich die Tendenz des Zu­sammenschlußes am deutlichsten aus. Erst 1883 von 10 Ver­bänden und 278 Genoffenschasten inS Leben gerufen, ist die Zahl der ihm zugehörigen Genoffenschasten sowohl durch Anschluß neuer Verbände wie durch Ausdehnung der bestehenden ständig gewachsen. 1889 wurde daS eiste, 1894 das zweite Tausend der angefchloffenen Genoffenschasten Überschritten. Im August 1895 gehörten 2447, im Februar 1896 3016 und im August 1896 3633 Genoffenschasten durch ihre Ver­bände dem Allgemeinen verbände an.

An diesem WachSthum des letzten Jahres hat neben der Gründung neuer Genossenschaften auch die Einbeziehung schon bestehender Verbände und Genoffenschasten einen hervorragenden Autheil gehabt. Im letzten Jahre haben fich dem Allgemeinen Verband drei bisher isolirte Verbände neu angeschloffen, der Verband hinterpommerscher Molkerei-Genoffenschaften mit 32 Molkereien, der Verband wirthschaftlicher Genoffenschasten deS ErmlandeS mit einer Centralkaffe und 58 DarlehoSkaffen, der Verband der badischen landw. Consumvereine mit 274 BezugSgenoffenschaften. Ebenso haben auch die Proviuzial-

mtr und wie fie eS sagte, so geschah eS. In der Arbeit wich nach und nach der finstere Bann von mir, die neuen Sorgen begannen mich zu beschäftigen, alle Leute hier suchten mich zu erheitern. Sie kannten meine Geschichte nicht, aber fie sahen, wie traurig ich war. So wurde ich nach und nach wieder munter und gewann schließlich die Kraft, alle quälenden Erinnerungen von wir abzuschütteln und ein neues Leben zu beginnen. Und da ich mich immer anständig und zurückgezogen hielt, so hat mich auch ein guter Mensch liebgewonnen und mich zur Frau verlangt. Ja, Liebe, auch ich bin Braut, und ich bin meinem Franz herz­lich gut und ich glaube, mit ihm glücklich zu werden. Er ist hier Oberkellner. Im Herbst wollen wir heirathen und dann Übergibt uns unsere Wohlthäterin eine kleine Wirth- schaft, die fie bisher in der Stadt geführt hat und nicht recht versehen kann. Mein Franz hat Erspartes und wir wollen fleißig fein und so wird fich die Sache hoffentlich machen. Ich denke oft an diese merkwürdigen Wendungen und wie seltsam es ist, daß man doch noch froh werden kann, wenn auch daS Herz todtkrank gewesen ist. Ich will mirS merken und nie verzweifeln der Himmel schickt doch jede« Menschen wieder ein bischen Sonne, wenn ihn der Sturm noch so sehr herumgeschüttelt hat."

DaS Mädchen schwieg und auch ihre Zuhörer schwiegen, bis tief ins Herz erschüttert. ES war, als hätte ihnen der Himmel einen Boten geschickt, um fie zu mahnen, daß fie den Muth nicht verliere».

ES wurde dunkel, man zündete die Laternen in de« Garten an und die ersten Gaste erschienen. Malchen ver­abschiedete fich und verließ daS Paar, nm ihren Pflichte»

verbände eS sich angelegen sein laffen, die in ihrem Gebiet noch für fich allein bestehenden Genoffenschasten aufzunehmen. Beispielsweise ist dem Brandenburger Verband die größte deutsche ButterverkaufSgenoffenschaft:Kleeblatt" in Prenzlau, und dem schlesischen Verband die größte deutsche Ein- und Verkaufsgenoffenschaft, die für Schlesien in BreSlau, neu beigetreten.

Von den Bezugsgenossenschaften für landwirth- schaftliche Rohstoffe gehört dem Allgemeinen Verband der deutschen landwirthschaftlichen Genoffenschasten bereits eine ganz überwiegende Mehrheit an, 1046, während nach einer Statistik überhaupt nur 1085 in Deutschland bestehen. Der Allgemeine Verband hat für fie einen besonderen Geschäfts­ausschuß für Einkaufswesen und Gruppenconferenzen zur Wahrung ihrer gemeinsamen wirthschaftspolitischen und wirth- schaftlichen Jntereffen eingesetzt. Von den 1300 Molkerei- g enossenschaf ten in Deutschland gehören bisher 710 zum Allgemeinen Verbände, und auch für diese ist eine Sonder­vertretung durch Geschäftsausschuß und Gruppenconferenzen eingerichtet worden. Die bisher noch fernstehenden Molkerei­verbände stehen ebenfalls mehrfach schon in Erwägungen Über einen Anschluß, so daß auch hier eine einheitliche Vertretung der gesammten Molkereigeooffeoschaften in naher Zukunft geschaffen werden dürfte.

Am wenigsten weit ist die Einheit der ländlichen Dar- lehnSkassen vorgeschritten. Von ihnen find bis jetzt erst 1800 dem Allgemeinen Verbände angeschlossen. Die Mehr­zahl verharrt bisher noch in isolirten DarlehnSkaffenverbänden und zwar 1050 im bayerischen, 700 im württembergischen, 300 im westfälischen Verband u. s. f. und 2200 in dem über die verschiedensten Gegenden Deutschlands sich erstreckenden NeuwiederGeneralanwaltschaftsverband". Unter dieser bietet namentlich der bayerische Landesverband das Bild einer fich vervollkommnenden Organisation. Er faßt, 1893 gegründet, die Kaffen de» älteren m'ttelfränkischen, pfälzischen, neuerdings auch des unterfränkischen Verbandes und großen- theils die bayerischen früher zu Neuwied gehörigen (142) Kaffen einheitlich zusammen und hat diese durch Förderung neuer Kaffen-GrÜndungen beträchtlich vermehrt. AnderersettS scheint der Neuwieder Verband einer gleichmäßigen Organisation allmählich fich dadurch anzupaffen, daß auS seiner Mitte her­aus selbstständigere Provinzial- und Landesverbände fich zu formen beginnen.

Mit der fortschreitenden wirthschaftspolitischen Organi­sation geht die geschäftliche Hand in Hand. Zur gemein­samen Führung wichtiger Geschäfte (Geldausgleich, Ankauf,Verkauf) schlichen sich dieEinzelgenoffenschaftenderganzen Provinz bezw. des Staates zu Centra lgenossenschaft en zusammen, deren in Deutschland im Ganzen 34 bestehen, davon 27 innerhalb deS Allgemeinen Verbandes der deutschen landwirthschaftlichen Genoffenschaften. Die Zahl der diesen angehörigen Einzelgenoffenschaften ist noch nicht so groß,

uachzugehen. Die Liebenden erhoben fich und traten au» dem Garten.

ES war ein schöner Sommerabend mit heißen Düften in der Lnft. Irgendwo spielte man auf einer Zither und der Wind trug abgerissene Klänge herüber. ES war wie ein Klingen in der lauen Loft. Seltsame Rohe strömte die ganze Natur aus und erfüllte mit wonnigem Gefühl die Herzen. Ernestine schmiegte den Kopf an den Geliebten und flüsterte:

Auch wir wollen den Mnth nicht verlieren, nicht wahr, Lieber? Wenn wir nur treu zu einander halten und keine Schuld auf unS laden, wird fich der Himmel auch unserer Liebe erbarmen."

Er drückte einen Kuß auf ihre Stirn.

Wir können warten, wir find jung," sagte er.Und kein Haar soll Dir auf Deinem Haupte gekrümmt werden, wenn ich eS verhüten kann."

Und wie neu belebt, das Herz voll Hoffnung, so schritten fie wieder der Stadt zu. Friede erfüllte nun auch fie, neues Vertrauen znm Leben beflügelte ihre Schritte. Lachende Paare kamen ihnen entgegen, die au» dem heißen Gemäuer der Stadt ins Freie strömten, und ein Bursche sang ein alte» Lied:

Blondkopfet, blauauget, en Grüble im G'ficht,

Me kann Dir net fetab sein, weil d' gtt so nett bist.

5e höher der Kirchthurm, desto schöner daS G'läut,

Je weiter znm Schätzte, desto größer ist d' Frendl"

Da sahen fich die beiden an und dachten, auch der weitere Weg führt zu« Ziele. Da» MSdche» lächelte und da» lege des jungen Manne» blitzte.