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06/09/1896 Zweites Blatt
 
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Mimirry.

Bo» £> ermann Greiling.

(Nachdruck oerbot«.]

DHmtcn? daS Wort ist in den letzten Jahren mode geworden. Nicht ohne Fug, denn cB bezeichnet eine bet tatet effonteftm Er­scheinungen der Natur- An sich bedeutet der AusdruckNachäffung", Verkleidung" oderNachahmung", im wetteren Sinne gebraucht man ihn für die meisten Fälle bet Schutzanpassung überhaupt.

Wer sich recht klar machen will, wasSchutzanpasiung" ist, der braucht nur einmal einen Laubfrosch in einen vereinzelt stehenden, grünen Strauch zu setzen, ihn Hinwegschlüpfen taffen und nach einer Weile ben Versuch machen, ben harmlosen Grünfrack wieder zu ent­decken. Der berühmte Wetterprophet besitzt kein andere- Mittel, sich bet Angriffe beS Menschen und der ihm feindlich« Thiere zu erwehren, als seine schwere Suffindbarkeit. Selbst im Stubmfenster, wo ich nur ein halbes Dutzend Pflanzen stehen hatte, war es mir häufig nicht möglich, meinen zahmen Frosch aufzusind«, ich gab ihn schließlich verloren. biS mich sein behagliches Quaken von seiner un­ausgesetzten Anwesenheit überzeugte. Wir sehen also, baß bet Laub« frösch seine Fähigkeit, sich in bet Farbe feinet Umgebung anzupaffen, vor Nachstellungen schützt. Sehnliche Fähigkeiten finden wir bei Men Thier en. So besitzen biejentgcn Vierfüßler, welche in largegenben wohnen, meist weihe Pelze, während die Be­wohner ber Tropen in bunte Uniformen gekleibet sind. Beide Theile erfahren dadurch, daß sie sich in ihrer Färbung ihrer Umgebung an« paffen, einen gewissen Schutz, sie vermög« sich leichter zu verbergen. Manche find sogar in bet Lage, ihre Farbe nach ihrer Umgebung beliebig zu wechseln, anbere wieder die Gestalt anderer Thiere ober gar Pflanzen unb lebloser Gegenstänbe nachzuahmen.

ES versteht sich von selbst, bah die betreffenben Thiere sich bieseS wunderbaren Schutzmittels nicht in bewußter Weife erfreuen. Meist kommen Arten in Betracht, die weht- unb harmlos, leicht ber Vernichtung butch andere Lebewesen preisgegeben sind. Daher gefrören auch die meisten Fälle von »Mimicry" der Jnsecten« wett an. Setzen wir den Fall, eS existiren von einer Raupen- Gattung zehn verschiedene Arten, alle zehn gleich gesucht alS Nah­rung von Vögeln ober anderen Thier en und daher eifrig verfolgt. Nun befindet sich unter diesen zehn Arten zufällig eine, deren Farbe einigermaßen derjenigen der Pflanzen gleicht, auf welchen die Raupen leben. Jeder wird eS erklärlich finden, daß jene Raupen, deren Farbe von derjenigen ihrer Umgebung absticht, als die augenfälligsten am leichtesten entdeckt werden, in dem Mähe, daß die Art schliehlich auSstirbt, während die, welche durch die ähnliche Färbung geschützt und verborgen wird, erhalten bleibt. In den folgenden Generationen befestigt sich die schützende Eigenschaft noch mehr, da diejenigen In­dividuen, welche sie am ausgeprägtesten besitzen, stets am besten der Verfolgung entgehen und sich daher am sichersten fortpflanzen. Auf

diese Art taen «an sich nicht nur daS Varhandenseta der Schutz- anpaffung an sich, sondern auch ihre Entstehung, den Vorgang, durch welchen die einzelnen Thiere die schützende Eigenschaft erwerbe», erklären. Zum Beispiel, ich bringe eine Anzahl verschieden gefärbter Kaninchen tu eine Sandgegend. Einige stad weiß, andere schwarz, diese grau, jene scheckig usw. Die Kaninchen werden selbstverständlich sofort zahlreiche Liebhaber finden. Die weißen und scheckigen werd« in Kurzem vernichtet sein, da sie durch ihre abstecheude XStbung ben Blicken ihrer Verfolger am ehesten fichtbar werben. D« schwarzen find wenigstens in ber Nacht geschützt unb hatten sich beSfrald länger. Am vorzüglichsten kommen aber jebenfallS die grauen fort, da ihre Färbung betjenigen bes Bodens am nächsten kommt. In ben fvl- genben Generationen dieselbe Erscheinung wie oben: Die durch Sehnlichkeit am besten geschützt« Exemplare vermögen sich am sichersten zu vermehren, von diesen genieß« wiederum die noch ähn­licheren den Vorrang und^so fort, biS durch Schutzanpaffung unb Vererbung eine in der Farbe der Bodenfarbe täuschend ähnliche Raffe geschaffen roorben ist. Diese Art ber Schutzanpaffung beobachten wir überall. In ber Wüste begegnen wir sanbfarbigen, in ben Bolargegcnben weißen Thier en. Verschiedene Meeresbewohner finb so burchfichtig und crystallhell, wie daS Element, dem sie angehören. Da ist z. B. der Wüstengimpel, der völlig daS Kleid der Wüste trägt, der Kibitz, der in feiner Jugend in solchem Grade dem Haide- unb Moorboden ähnelt, baß er sich nur niederzubücken braucht, um de» Nachstellungen feiner Feinde zu entgehen. Unser Rebhuhn sowie die Wachtel erfreuen sich etaeS ähnlichen Farbenschutzes. Die Schmetterlinge gleich« ben Blütfren, auf den« sie leb«, Nacht- thiere nehmen eine dunkle Färbung an u.s.w. Alle diese Thiere be« sitz« von Natur die Schutzfärbung, d. fr., in Folge der durch Gene­ration« fortgesetzt« Wirkung der Schutzanpassung. Andere wieder, die nicht von Natur durch ihre Farbe geschützt find, besitz« die wunderbare Gabe, diese ihrer Umgebung anzupass« ober, wie die Chamäleons, zu verändern. Man denke jedoch nicht etwa, daß dieser Farb«wechsel der Willkür der Thiere unterwarf« ist. Bei d« Chamäleons z. B., wo die Erscheinung am auffälligsten hervortritt, hängt fie ganz ab von Temperatur, Sonnenschein, Erregung, Hunger, Liebe und ähnlichen Etaflüss«. Die Ursache ist im Vorhandensein zweier Lager verschied«ariiger Farbstoffe zu suchen, die je nach den Umständen einander durchbringen ober neb«, ober übereinander­treten. Don hervorstechender Bedeutung für unsere Darstellung ist dagegen das Beispiel der Raupe be« BuchensptanerS, welche bei ein« tretender Gefahr eine erstaunliche Veränderung ihrer Gestalt bewerk­stelligt. Dr. Wilhelm Haacke berichtet in feiner Schöpfung der Thierwelt über diesen wunderbaren Vorgang:Wird die Raupe gereizt, so klappt fie plötzlich Vorder- und Hinterende in die Höhe und verharrt in dieser Stellung regungslos, indem sie allein ihre lang« Beine zitternd bewegt, als ob diese einer Spinne angehörten und auf einem Spinnennetze schwebten. Am Kopfe stell« die beiden

«roß« Äug« mtt d« zwischen lfr«n liegende» Theilen ben Leib der Spinne vor. währ«d die lang« Beine Sptnembetam täuschend ähneln DaS Hintere Körper«de, daS, sobald die Raupe erschreckt wird, gleich dem Kopfe in bU Höhe schnellt, gleicht bageg« einer Wanze, nicht nur in der Gestatt, sondern auch ta der Färbung. DaS letzte Paar Aftersüße der Raupe ist sogar zn d« Fühlhörner» dieser Trugpffanze geworb« nnb hat ein« metallisch« Schimmer."

Zahlreich finb bie Arten ber Thiere, welch« Pflanz« und leb­lose Geg«stände »achäff«. Zu ihn« gehört u. A. der sonderbare Fetz«fisch. Dieser merkwürdige Fisch besitzt lapp«artige Anhänge, durch welche er daS Ansehen einet Stückes Tang erhält, in welchem er lebt Eta anderes Beispiel gibt eine kleine Mottwart, bie ta genau dem auf Blättern abgelegt« Vogettoth gleichkommt, daß man nicht eher en ihre Schmetterlings»atur glaub« mag, biß man sie sich beweg« und wegflieg« sieht. Manche Schmetterlinge gleich« gefürchtttm Stachelwespen, so daß die Vögel fie gerne meiden. Ein Käfer ta MadagaScar und eine Waldeule äff« die Laubflechten an Baumstämmen nach DaS berühmtewandelnde Blatt", eine He»« schreckwart, hat ganz bie Gestalt eine« BaomblatteS, andere Heu­schrecken, wie ber wandelnbe Ast unb bie Stabheuschrecke, gleich« Ast- unb Zweigthell«. Die Glasflügler ober Glasschwärmer (eine SchmetterltagSart mtt glaShellen Flügeln) hab« Aehnlichk.ii mtt Hummeln, Bi«« unb WeSpen, ein Umftanb, ber sie vor ber Ver­folgung vieler Feinde schützt.

Außer bm angeführt« existiren auch Lebewesw, welche bie Thiere nachahmen, auf welch« fie leb«, z B. eine Schnecke, bie auf einem Schwamme schmarotzert. Sogar ber Geruch wird von einer Schmetterlingsfamilie als geeignetes Schutzmittel copirt. Keller erzähtt hierüber:In den Gegwden des AiuazonenstromeS fliegen an all« waldigen Stellen maffenhaft Tagschmetterltage, welche in die Familie der Heliconid« gehör«. Ihre Färbung ist «uffallmd und ihr Flug ein träger. Man sollte erwarten, daß insectwii essende Vögel denselben nachstellten. Dem ist aber nicht so, die Heliconid« werd« gemiedm, ihr Geruch ist sehr intensiv (durchdringend scharf) und der Geschmack offenbar ein widerlicher. An denselben Ort« lebt eine andere Familie, die Leptalid«, nahe Verwandte unsere- Kohlweißlings. Einige Art« sind auch weiß, andere aber ahm« in Form der Flügel, ta Färbung und Zeichnung die Heliconiden ta getreu nach, daß selbst g«aue Kenner diese Thiere im Fluge ver- wechselten. Die Leptaliden stad geruchlos, aber ihre Aehnlichleit mit den Heliconid« gewährt ihn« rin« wirksamen Schutz gegen mieden* ft essende Vögel unb Reptilien " Wir könnt« noch zahlreich« Bei­spiele anführen, glauben jedoch jur Erklärung der seltsam« Erschei­nung genügendes Material beigebracht und von Neuern d« Beweis gegeben zu haben, daß die Natur ein wunderbares Buch für Die­jenigen ist, die es zu les« versteh«.

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Bekanntmachung.

Anmeldungen zum Bezüge der aus der Ebelstiftung für 1896 an arme Kinder zu verabfolgende Kleidungsstücke sind bis zum 28. Sep­tember d. Js. bei dem Armenamte Zimmer Nr. 3 der Bürger­meisterei vorzubringen.

Gießen, den 26. August 1896.

Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. _______________________Gnauth.____________________7679 EOotober.: Anhaltische Bauschule Zerbst 4. November. 5 l.buiw.rbir, T1.*l.r, nulon.tSM, .cwl. Nr Str.nM- oo4 WMMrbMtMkolk.r, W

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Pfandbriefe Serie XII

Jahrgänge 1885 und fofgenbe betreffend.

Aiice-Fchuie in Gieffen.

Beginn des Winter-Semesters am 13* October.

Aufnahme der Schülerinnen am 12. October, 10 Uhr Auszug aus dem Unterrichtsprogramm:

1. Klaffe: Englische und französische Conversation, Bügeln, weiblich, Handarbeiten; 10 Wochen; 60 Mk.

2. Klaffe: Hand- und Maschinennähen, Sticken u. s. w., Bügeln, obei Kleidermachen und Bügeln; 10 Wochen; 20 Mk.

3. Klaffe: Hand« und Maschinennähen, Flicken, Stopfen, Weißsticken, Fach und Freihandzeichnen; 10 Wochen; 15 Mk.

Ausführliche Einzeleurse:

ömonatliche Curse für Lehrerinnen (40 Mk.), im Weißnähen oder Kleider­machen (30 Mk.), im Sticken (12 Mk.).

21/zmonatliche Curse im Bügeln oder Kunstwaschen (12 Mk.), in franzö­sischer und englischer Conversation (je 20 Mk.), Kochcursus (50 Vormittage 36 Mk.).

In unserer Bekanntmachung vom 10. April 1896 hatten wir für die Pfandbriefe unserer Serie XII, Jahrgänge 1885 und folgende d. h. für die Nummern:

Ser. XII, Lit. 8. Nr. 2001 bis 2670, 16001 bis 16300, 17001 bis 17350 , N. 8901 10600,16001 19000,30001 8047

0. 11601 15400, 16001 20000,30001 30854

P. 10101 , 13600, 16001 19500,30001 30575

M R. 9701 13000, 16001 19000,30001 80251

Q. 10701 M 15050, 16001 ,, 19500,30001 30411

die Convertirung in 3^/zv/gige mit Wirkung vom 1. Januar 1897 ab unter der Bedingung angeboten, daß die Pfandbriefe zu entsprechender Abstempelung bis zum 2. Mai 1896 uns eingereicht würden.

Die daraufhin eingereichten Stücke sind in der Zeit vom 9. bis 18. Juni 1896 wieder in Empfang zu nehmen.

Alle nicht zur Abstempelung gelangten Pfandbriefe obiger Jahrgänge werden hierdurch zur Rückzahlung auf de« 1. Gctover 1896 gekündigt.

Die Einlösung erfolgt in Frankfurt a. M. an unserer Kasse, aus­wärts bet unseren Coupons-Einlösungsstellen, insbesondere in Darmstadt bet der Bank für Handel und Industrie, in Gießen bei Herrn A. Heichelheim, in Mainz bei Herren Schmitz, Heidelberger & Co.

Auf verlooste Stücke, welche einen Monat nach dem Rückzahlung«, termtn noch nicht zur Einlösung gebracht sind, gewähren wir von da ab bi« auf Weiteres einen l%igcn Depositalzins.

Eine weitere ^fandbriefverkoofuug findet in diesem Jahre nicht statt.

Boa früher rückständig find:

1) von Serie IX alle noch umlaufenden Stücke,

2) von Serie XII alle nicht mit Wirkung vom 1. Januar 1897 auf 3,/j% abgestempetteu Stücke der Jahrgänge 1882 bis 1884 (sodaß also nunmehr diese ganze Serie, soweit die Stücke nicht auf 3 J/B °/0 abgestempelt sind, gekündigt ist),

3) von Serie XIII die folgenden Aummern:

Lit. N. 25070,

O. 24594, 25748,

P. 25061, 27267, 27314, 27338, 29549,

R. 22148, 22247, 22263, 24776, 25070, 27536, 28121,

* Q- 23710, 25061, 25280, 28006, 28259, 29198, 29549.

2)U Controlle über Berloosungen und Kündigungen unserer Pfand­briefe übernehmen wir auf Antrag kostenfrei; Antragsformulare, aus welchen die Bedingungen ersichtlich sind, können an unserer Kaffe, sowie bet unseren Einlösungsstellen bezogen werden.

Frankfurt a. $8.. den 7. Mai 1896. 471 j

frankfurter Hypothekenbank.

Gedruckte Programme sind durch den Vorstand oder di Oberlehrerin, Fräulein Möser, erhältlich. 789t

^Versteigerungen^ Grasversteigerung.

Mittwoch ben 9. b. Mts., Vormittags 8 Uhr anfangend, soll das diesjährige Grummetgras von den dem Marienstift Lich zustehenden etwa 100 Morgen Wiesen in den Gemarkungen Lich, Nieder- und Ober­bessingen versteigert werden.

Der Anfang ist hinter dem Kirch­hof an der Straße nach Grünberg.

Lich, 1. September 1896.

7837 Winheim.________

Obstversteigerung.

Die Aepfel und Birnen an den Staatsstraßen des Straßenbauamts. Bezirks Grünberg sollen wie nach­stehend öffentlich an Ort und Stelle versteigert werden:

Dienstag ben 8. September, Bormittags 8 Uhr: Straße GießenBromskirchen in Abtheil. 819,62; anfangend bei Abth. 8.

Mittwoch ben 9. September, Bormittags 9 Uhr: Straße GießenMarburg in Abtheil. 34 bis 43; anfangend bei Abth. 34.

Donnerstag ben 10. Septbr., Bormittags 9 Uhr: Straße GießenHersfeld in Abtheil. 42 bis 55; anfangend bei Abth. 42.

Grünberg, den 3. Septbr. 1896. Großh. Straßenbauamt Grünberg.

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