Ausgabe 
6.9.1896 Erstes Blatt
 
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1806

Sonntag den 6 September

Erstes Blatt

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Aints- unb Anzeigeblertt für den Äveis Gieren.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer- bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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traßen postirt haben. Schon vor 8 Uhr an füllten sich die Straßen, Tribünen u. f. w. Alle Stadttheile, welche irgend Aussicht haben, vom Kaiserzuge berührt zu werden, haben einen prunkvollen Feftschmvck angelegt, wie dar hier noch nicht gesehen worden ist. Vom oberschlcsischen Bahnhofe bis zum Ringe, vorbei an dem herrlichen Kaiserzelt und dem neuen Kaiser Wilhelm - Denkmal, das in Gegenwart des IkaiserpaarrS enthüllt werden wird und bis zum alterthüm- ltchen gothischen Rathhause, zieht sich, durch Ehrenpforten unterbrochen, ein Mastenwald mit frischem Grün und bunten Fahnen geschmückt. Am Rathhause selbst ist über Nacht ein Paradies entstanden. Vor dem Eingang zum Fürstensaal umfängt unS ein Palmenhain. Der Boden ist mit kostbaren Tepp'chen belegt. Hier, in dem alterthümlichen Fürstrnsaal, wo die alten schlesischen Fürsten zusammenkamen und wo Friedrich der Große die Huldigung der schlesischen Mark­grafen entgegennahm, wird Kaiser Wilhelm und seine Ge­mahlin den Ehrentrunk der Stadt annehmen.

Breslau, 4. September. Um P/a Uhr Mittags lief der kaiserliche Extrazug auf dem Oberschlcsischen Bahn- Hofe ein. Unmittelbar nach der Ankunft deS KaiserpaareS auf dem Bahnhofe begaben sich die Allerhöchsten Herrschaften nach dem Denkmalsplatz zur Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. Auf dem Wege dorthin bildeten Truppen Spalier. Die Begrüßung der Majestäten Seitens der dicht- gedrängten Menge war unbeschreiblich enthusiastisch. Am Festplatze angekommen, begann sofort die Feier. Der frühere Oberpräsident von Schlesien, v. Seyd ewitz, der Vorsitzende des Denkmals-Comitös, hielt an den Kaiser folgende Ansprache:

Eure k. k. Majestäten wollen huldreichst gestatten, daß ich Allerhöchst derselben NamenS des Provinzial- ComitsS für \bie Errichtung des Denkmals allerunter- thänigften, tiefgefühlten Dank dafür ausspreche, daß Aller- höchst dieselben der Einladung zur heutigen Feier zu folgen geruhten. Das Denkmal, welcher der Enthüllung harrt, ist einem erhabenen Monarchen gewidmet, besten Andenken unvergänglich bleiben wird und dem Schlesien reiche Seg­nungen verdankt. Die an dem Denkmal angebrachten beiden königlichen Aussprüche bildeten die Signatur seines langen Lebens, während dessen er ein Vater des Vater- landes, ein Mehrer des Reichs an Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung gewissen ist. Mit Bewunderung erfüllt es uns, wie der Allerhöchste Herr auch in schwerer Zeit in den Werken des Friedens und in den Thateu des von ihm nicht gesuchten Kampfes die Stegesgaben davon Be­tragen, wie er in Weisheit und Milde des deutschen Volkes Einigkeit geschaffen und mit starker Hand daS Vaterland auf dessen jetzige hohe Stufe erhoben hat. Er ist ein fester Hort des deutschen Reiches und deutscher Sitte ge­worden- er hat deS deutschen Reiches Macht und Herrlich, leit neu gegründet und gefestigt. In einmüthtger Be­geisterung für den heißgeliebten Kaiser und König Wil­helm I. haben darum die treuen Schlesier, voran die Vertreter der Provinz und diejenigen der Stadt BreSlau beschlossen, Allerhöchstdemselben in der Hauptstadt der Provinz, au welche sich bedeutungsvolle Erinnerungen aus der vaterländischen Geschichte knüpfen, als dauerndes und sichtbare- Zeichen dankbarer Verehrung und treuer Hul- digung ein Denkmal zu errichten, welches heute vor unS steht. Möge die ehrwürdige Gestalt in allen Zeiten auf ein Volk ntederblicken, das des Kaisers Werk zu hüten und zu würdigen versteht. Mögen auch künftige Geschlechter in dem erhabenen Vorbild eine Mahnung finden, ihm nach­zueifern. Das walje Gott.

Eure k. k. Majestäten bitte ich nunmehr alleruuter- thänigst, die Enthüllung befehlen zu wollen."

Es erfolgte alsdann die Enthüllung. Gleichzeitig wurden 101 Salutschüsse gelöst. Als der Donner der Ge­schütze verhallt war, ergriff Herr v. Seydewitz nochmals das Wort zu einem Hoch auf da- Kaiserpaar, welches begeistert ausgenommen wurde. Nachdem das Hoch verklungen war, stimmte die Mufik die Nationalhymne au, worauf die Truppen defilinen und der Vorbeimarsch der Krtegerveretne erfolgte. Rach der Enthüllungsfeier begab sich daS Kaiserpaar nach dem Rathhause, wo sie im Fürstensaale den Ehrentrunk Seitens der städtischen Behörden entgegennahmen. Auf die Ansprache deS Oberbürgermeisters Bender erwiderte der Kaiser wörtlich Folgendes:

Durch das Schwert meiner großen Vorfahren er­worben und von feinem Nachfolger ausgebaut, gehegt und gepflegt als eine der schönsten Provinzen unseres König- reich», so habe auch ich Schlesien von meinen Vorfahren übernommen. Erfüllt von dem historischen Werth dieses Platzes, geweiht durch Andenken aus fernen und aus späten Zeiten, werde auch ich niemals erschlaffen, nicht

vierteljähriger ASs-vememtspret» I 2 Mark 20 Psg. mit vringerlohn. Durch die Post bojogen 2 Mark 50 Psg.

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ruhen in meiner Sorge für Schlesiens Wohl und mich bemühen, den Edelstein so schön, so blank und strahlend zu erhalten, wie er mir überkommen ist. Ich trinke auf das Wohl meiner Haupt- und Residenzstadt BrcSlau, der Bürgerschaft, die unS soeben einen herzlichen Empfang bereitet hat, für dcffen herrliche und künstlerische Schönheit die Kaiserin und ich unfern herzlichen Dank aussprechen. Möge GotteS Segen über der Stadt walten, möge sie blühen und gedeihen und sich ausbreiten nach jeder Richtung hin, daS ist mein sehnlichster Wunsch."

Nach der Rede deS Kaisers besichtigte derselbe die in dem Fürstensaal ausgestellten Kleinodien, die Urkunden der Stadt und richtete dabet wiederholt Anfragen an den Ober- bürgermeister. Darauf besichtigte der Kaiser zu Pferde, die Kaiserin in einem sechsspännigen Wagen alle vier Seiten des Ringes, jubelnd begrüßt von den dort aufgestellten Schul­kindern. Von hier aus erfolgte die Fahrt nach dem könig­lichen Schlosse, wo um 7 Uhr Tafel für die Vertreter der Provinz Schlesien stattfindet.

Frankfurt a. M., 4. September. DieFranks. Ztg." meldet aus Kiel: Die russischen Kaiseryachten Standard",Polarstern" undZarewna" treffen morgen hier ein. Der Zar fährt, sobald er am Schluffe der Bres­lauer Fürstenzusammenkunst hier angekommen sein wird, auf demPolarstern" nach Kopenhagen, da derStandard" für die Beförderung des Zaren nicht ganz fertig geworden ist.

Köln. 4. Septemver. Der Belgrader Correspondent derKöln. Ztg." bestätigt, daß gegen mehrere hochgestellte Civilbeamte, darunter den Leiter der Postverwaltung, wegen anrüchiger Verbindungen mit dem Exkönig Milan Untersuchung eingeleitet worden ist. Ferner wurde den Behörden die vertrauliche Weisung gegeben, Milan, falls er irgendwo an der Grenze auftauchen sollte, zurück­zuweisen.

Wien. 4. September. Der Kaiser verlieh dem Baron Nathanael Rothschild daS Großkreuz des Franz-JosefS- Ordens.

Wien, 4. September. DemNeuen Wiener Tageblatt" zufolge handelt es sich bei dem geplanten Vorgehen der Mächte nur um die Entsendung der zweiten Stationsschiffe.

Rom, 4. September. Der Papst sandte dem Zaren anläßlich des Todes Lobanow ein Beileidsschreiben.

Triest, 4. September. AuS Kandia ist hier von einem Deputaten der National-Versammlung eine Depesche ein­gelaufen, wonach sowohl die kretenfischen Deputieren der National-Versammlung, als, auch daS Comits der Auf­ständischen die Vorschläge der Pforte angenommen haben.

Brüssel. 4. September. Die Polizei verhaftete an der belgisch-französischen Grenze acht Anarchisten, welche mit Dynamitbomben ausgerüstet waren.

Paris, 4. September. DerTemps" constatirt, daß der russische Botschafter in Konstantinopel, Nelidow, der Pforte gegenüber eine äußerst energische Haltung eingenommen hat. Der Zar habe demselben Weisung gegeben, infolge der letzten Vorgänge rücksichtslos gegen die'Pforte vorzugehen.

Berlin, 5. September. DieNordd. Allg. Ztg." er- klärt die Meldungen über den Finanzminister Miquel als durchaus unrichtig. Dessen Urlaub laufe bis 8. Sept. Der Minister weile seit drei Wochen im besten Wohlsein in Wiesbaden.

VreSlan. 5. September. Bei der gestrigen Galatafel zu Ehren der Vertreter Der Provinz Schlesien brachte der Kaiser einen Trinkspruch au», in welchem er für die schöne und finnige Weise dankte, in der die Provinz daS Andenken deS Kaisers Wilhelm I. geehrt hat. Ferner sprach der Kaiser nochmals seinen Dank auS für den' herzlichen Empfang und die schöne Stimmung, mit der die Bürgerschaft ihm und seiner Gemahlin entgegen kam. Er sprach seine Freude darüber aus, wieder einige Tage in Schlesien weilen zu können, von dem er sich immer wieder freue, daß dieses herrliche Stückchen Erde der Krone Preußens gehört, daß es der Provinz beschieden sein solle, Zeuge eines großen historischen Vorganges zu sein, daS sehe auch er als eine besondere Fügung GotteS an, der Kaiser schloß seine Rede mit den Worten: Möge dieses herrliche Land grünen, blühen und gedeihen, meiner Liebe, meiner Fürsorge, meines Schutzes wird es stets theilhastig sein. Ich trinke auf daS Wohl der Provinz Schlesien. Sie lebe hoch, hoch, hoch.

Hamburg. 5. September. Der DampferFufiyanna , von Hamburg nach Livorno unterwegs, ist unweit Fintsterre nach einem Zusammenstoß mit einem englischen Dampfer untergegangen. Die Besatzung wurde gerettet.

Der ib'ehener Anzeiger ericheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Dir Gießener A>«mitienvkL1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt.

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Kmerat-Anzeiger.

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gern genommen, ist ** ifach zu bereite».

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Petersburg, 4. September. Die General-Direction der Gesellschaften vom Rothen Kreuz erhielt von dem Bevoll­mächtigten der Gesellschaft aus Entoto (Abcssynien) ein von Um unterzeichnetes Telegramm folgenden Inhalts: Trotz der großen entgegenstehenden Schwierigkeiten ist das nach Abeffyuien entsandte Detachement des Rothen Kreuzes am 26. Juli in Entoto in vollständig befriedigendem Zustande angelangt und von dem Prinzen Mariahu, sowie von dem Befehlshaber der in dieser Stadt garntsonirenden Truppen empfangen worden. Nach Verrichtung der Gebete und Dank­sagungen wurde das gesammte Personal in das Palais ge­leitet. NcguS Meneltk nahm sich ihrer mit der größten Herzlichkeit an, und sprach zu wiederholten Malen lebhaft seine Erkenntlichkeit für die Hülfeleistungen auS, welche die Entsandten deS russischen rothen Kreuzes den Verwundeten und Kranken brachten. Die Ambulanz hat bereit- begonnen, ihre Thätigkrit zu entfalten. DaS Hospital ist in der Organisation begriffen - alle Mitglieder der Gesandtschaft be- finden sich wohl.

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Berlin. 4. September. Dem Prinzen Albert von Sachsen, dem jüngsten Sohne de- Prinzen Georg, ist, wie diePost" hört, vom Kaiser anläßlich der gestrigen Parade bet Zeithain der Schwarze Adlerorden verliehen worden.

Berlin. 4. September. Finanzminister Dr. Miquel, welcher zur Zeit auf der Besitzung seines Schwiegersohnes in Schlesien weilt, ist, wie die Abendblätter melden, daselbst nicht unerheblich erkrankt, weßhalb sein Urlaub, der am I. September abgelaufen war, verlängert werden wußte.

Berlin. 4. September. Heute Morgen 7 Uhr 30 Min. hat die Kaiserin von der Wildparkstation auS mittelst Sonderzuges die Reise nach BreSlau angetreten.

Berlin, 4. September. DerReichsanzeiger" veröffent­licht eine große Anzahl von Auszeichnungen au- Anlaß der Anwesenheit des Kaisers bet den Manövern des 5. und 6. Armeecorps. Es erhielten u. A. hohe Auszeichnungen der Oberpräfident der Provinz Schlesien v. Hatzfeld-Trachen- berg, die Regierungspräsidenten von BreSlau, , Oppeln und Liegnitz, der Cardinal-Fürstbischof Dr. Kopp, der Polizei­präsident und der Oberbürgermeister von BreSlau. Ferner wurde dcm Erb-Ober Kämmerer im Herzogthum Schlesien, Grafen Andreas von Maltzahu, sowie dem Grasen Fred von Frankenberg, Mitglied deS Herrenhauses, und dem Rittergutsbesitzer und Professor Graf Ferdinand v. Harrach da« Prädicat Excellenz verliehen.

Berlin. 4. September. DerReichsanzeiger" schreibt im nichtamtlichen Theile: Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von Rußland werden in den nächsten Tagen zum erstenmale seit ihrer Thronbesteigung auf deutschem Boden weilen. Freudigen Herzens begrüßt das deutsche Volk in dem jungen, mit so vielen Tugenden geschmückten Herrscher- paar den edelfinnigen Sohn Alexanders III. und die erlauchte Fürstin aus deutschem Stamme, die an seiner Seite den Thron des befreundeten Nachbarreiches ziert. Die kommenden Tage werden das zwischen den hohen Gästen und unserem KUserpaare bestehende Band herzlicher Zuneigung noch fester knüpfen. Möge eine vertrauensvolle Freundschaft der Herrscher­häuser für immer daS Wahrzeichen sein, unter welchem Deutschland und Rußland sich in friedlicher, oft gemein­samer Arbeit der Erfüllung ihrer Cultur-Aufgabeu widmen können.

BreSlau, 4. September. Der Festmorgen der Kaisertage ist angebrochen. Vom azurblauen Himme blitzt die Sonne und erwartungsvoll strahlen die Gesichter der ungeheuren Menschenmenge, welche seit der frühesten Stunde die via triumphalis, den Ring und die Hauptstraßen umwogt und immer mehr Menschen kommen mit den Zügen, die dicht gefüllt sind, von allen Bahnstationen hier an un * schließen sich denen an, die sich bereit- an den Triumph-

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von den ersten Autoritite-, fohlen und ist das beliebte« : Nahrungsmittel für kleix r und Kranke, ndernahrnn; linste Schweizermilch. tndernahmg - und stets zuverlässig. indernahrniig ulich, verhütet Erbrechens iebtert das Entwöhnen.

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Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Broche, 1 Medaillon (Herzchen), 1 Regenschirm, 1 wollenes Jäger­hemd, 1 Kinderhut, 1 Kindermütze (Sammt), 1 Handtasche, 1 Papierkragen, 1 Kette, 1 Schraubenschlüssel, 2 Peitschen und 1 Hundehalsband.

Gießen, am 5. September 1896.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

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