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tag dm 15. JuM, Nachmittag- 2 Uhr,
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itr- Wtoo - 180 qm @ra5» rarten hinter dem Stochmse meistbietend versteigert werden, den 3. Juli 1896.
M Ortrgericht Gießen.
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Rr. 156 Erstes Blatt. Sonntag den 5 Juli
1896
Der OieKeaer Anzeiger erscheint täglich, ■M Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Mamikieuötäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal öeigelrgt.
Gießener Anzeiger
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Neueste
Wolff» relegraphtsche» LorrospondeiwBvre»».
Berlin, 3. Juli. Die Akademie der Wissen, schäften hielt gestern eine Festsitzung ab anläßlich deS 250. Geburtstages ihres Stifters Leibniz. Prof. Schmoller hielt die Gedächtuißrede für Shbel und Trettfchke.
Thorn, 3. Juli. Auf dem Artillerieschießplatz wurde ein Kanonier vom 15. Fußartillerieregiment durch Sprengstücke getödtet und ein Unteroffizier vom 6. Fuß-Artillerie. Regiment schwer verletzt.
Petersburg, 3. Juli. Die „Petersburgslija Wjedomosti" will wtffen, daß der Minister des Innern bis zum Erlaß einer neuen Verordnung den auswärtigen Israeliten ohne Unterschied des Berufes den Eintritt in das russische Reich vom 15. Juni a. St. gestattet habe. Die Päffe dieser Reisenden müffen mit dem Visum der russischen Consulate nach vorhergegangener Ermächtigung des russischen Ministerium- de- Innern versehen sein.
Petersburg, 3. Juli. Die Stadt ist bereits heute be- flaggt und festlich geschmückt für den feierlichen Einzug des Kaisers und der Kaiserin. Der kaiserliche Zug wird SamStag früh in Petersburg ankommen.
Athen, 3. Juli. ES wird berichtet, daß zwischen den griechischen und türkischen Grenzstationen eine starke Erregung herrsche, deren Grund man jedoch nicht kenne. Der Commandanr deS Armeecorps in Larissa hat den Befehl erhalten, sich eilig zur Grenze zu begeben, um jedem Conflict vorzubeugen.
Dtpefch« bt» Berts» ^HrroK".
Berlin, 3. Juli. Der Kaiser ist heute Vormittag au Bord der „Hohenzollern" von KrtstianSsand nach dem Har. banger Fjord in See gegangen.
Berlin, 3. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz vom 28. Juni 1896, enthaltend die Aenderuug des Gesetzes, betreffend die FrtedenSpräsevzstärke des deutschen Heeres vom 3. August 1893. Dasselbe lautet:
Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc.,
verordnen im Namen deS Reiches, nach erfolgter Zustimmung des BundeSrathS und des Reichstages, was folgt:
§ 1.
Der § 2 des Artikels I des Gesetzes, betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres, vom 3. August
Feuilleton.
Wie man eintheilt.
Don H Jsarius.
(Nachdruck verboten.)
Wenn unter verschiedenen Menschen Einer irgend welche Dinge recht gelehrt eintheilt, muß er darauf gefaßt sein, daß Jemand, der mit der Gelehrsamkeit weniger zu thun hat, sich« etwas bequemer macht. Nimmt jener die Poetik her und belehrt uns über die mannigfachen Arten des Dramas, so bekennt dieser, für ihn gebe eS nur zwei Arten: die Dramen, in denen sie sich kriegen, und die worin sie sich nicht kriegen. Oder gilt es eine Verhandlung über verschiedene Richtungen in der Malerei, so hört man von choco- ladenen und spinatenen Malern: Jene malen vornehmlich mit dem in einer älteren Kunstrichtung beliebten Braun, diese lieben daS moderne Grün. Einfacher macht es Meister Lenbach, indem er alle Bilder in gute und schlechte eintheilt. Noch gemüthlicher schied Moritz Schwind die Bilder in verkaufte und nicht verkaufte. ES handelt sich in solchen Fällen meistens um die Komik irgend eines practischen Interesses, daS mit seiner Plumpheit über die feinen Striche der Theorie triumphirt. Bringt uns der Zoologe ein ganzes System der Fische, so kommt der Esser und fragt bloß, ob ein Fisch eßbar ist oder nicht/ belehrt unS ein Hundezüchter über die mannigfachen Raffen der Hunde, so unterscheidet daS Kind oder sein Beschützer lediglich zwischen bissigen und nicht bis. sigen Hunden. Namentlich find eS die Kinder, deren naives Interesse sich in solchen Eintheilungev bethätigt. Eine Aufgabe, eine Frage, ein Examen ist für sie entweder schwer oder leicht/ ein Tag ist für sie entweder ein Schultag oder ein Ferientag. Auf rührend ernste Weise hat Goethe in „Wilhelm Meister- Lehrjahren" seine Mignon geschildert, wie ihre ganze Geographie sich infolge ihres Heimwehs nach Italien um den einzigen Unterschied dreht, ob Norden oder
1893 (Reichs-Gesetzblatt 1893, S. 233) erhält nachstehende Fassung:
Vom 1. April 1897 ab werden
die Infanterie in . . . 624 Bataillone,
die Cavallerie in . . . 465 EscadronS,
die Feld-Artillerie in . . 494 Batterien,
die Fuß Artillerie in . . 37 Bataillone,
die Pioniere in ... 23 Bataillone, die Eifenbahntruppen in. 7 Bataillone,
der Train in .... 21 Bataillone formirt.
§ 2.
Gegenwärtiges Gesetz kommt in Bayern nach näherer Bestimmung des BündnißvertrageS vom 23. November 1870 (Bundes Gesetzbl. 1871, S. 9) unter III § 5, in Württemberg nach näherer Bestimmung der Militär-Convention vom 21./25. November 1870 (Bunde--Gesetzbl. 1870, S. 658) zur Anwendung.
Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Jnfiegel.
Gegeben Travemünde, an Bord Meiner Dacht „Hohenzollern", den 28. Juni 1896.
(la. 8.) Wilhel m.
Fürst zu Hohenlohe.
Berlin, 3. Juli. Im nichtamtlichen Theile des „ReichS- anzeigers" wird folgendes kaiserliche Telegramm an den Reichskanzler veröffentlicht: „KristianSsand, den 3. Juli 1896. Euer Durchlaucht spreche ich meine hohe Befriedigung über die endgiltige Erledigung des großen Werkes aus, daS Deutschland ein einheitliches bürgerliches Recht sichen. Mit dem Ausdruck meiner Anerkennung ver« binde ich gern meinen besonderen Dank für Ihre angestrengte Mitwirkung und erfolgreiche Leitung bei dieser Arbeit, in deren Abschluß ich ein neues Bindemittel für daS im Reich geeinte Vaterland erblicke. Wilhelm. I. R.“
Berlin, 3. Juli. Auf Grund zuverlässiger Informationen über die Duellfrage kann die „Post" mittheilen, daß die Ausarbeitung einer Denkschrift im KriegSmintsterium zwar nicht beabsichtigt ist, daß aber thatsächlich Verhandlungen schweben, die den Zweck verfolgen, Duelle innerhalb der Armee nach Möglichkeit zu verhindern. Man wird daS vor Allem durch Verschärfung der Bestimmungen über die Ehrengerichte zu erreichen suchen, die ja schon in ihrer jetzigen Organisation vielen Duellen zwischen Offizieren vorgebeugt haben. Jedenfalls wird beabsichtigt, die Umgehung deS Ehrengerichts oder die Nichtbefolgung seiner Entscheidung auf das Strengste zu ahnden.
Süden. In anderer und drolliger Weise bekommen Kinder mit einer solchen Frage zu thun in Lessings poetischer Erzählung „Das Crucifix". Hier werden HanS und Matz vom Pater nach der Stadt geschickt, um ein Crucifix zu kaufen. Der Künstler, an den sie sich wenden, fragt sie, was für eines sie haben wollen: „Ein todteS oder eins, das lebt?" Sie wissen sich lange nicht zu helfen. „Doch endlich fällt es Matzen ein: „Ja! HanS, sollt'S nicht am Besten sein, Wir kaufen eins, das lebt? — denn steh, Jst's ihm nicht recht, so macht's ja wenig Müh, Wär's auch ein OchS, es todtzuschlagen.""
Eine ganz besondere Bedeutung haben diese Zwettheil- ungen, wenn man die Menschen nach einer bestimmten Eigenart unterscheiden will. Um bei den Kindern zu bleiben, so ist die Eiutheilung in artige und unartige wohl die nächstliegende. Indessen handelt es sich dabei nicht immer nur um Kindliches und Spaßhaftes. Wer sich daran gewöhnt, die Menschen näher auf ihre Verschiedenheiten zu beobachten, wird an solchen Unterscheidungen keinen Mangel haben. Man beachte z. B., ob ein Mensch sein Denken und Reden mehr darauf richtet, wie die Dinge in Wirklichkeit find, oder darauf, wie fie nach irgend welchen Meinungen sein sollen. Dort die Menschen der Thatsachen, für die einigermaßen auch der englische Ausdruck matter — of fact — man paßt/ hier die — trotz unserer thatsachendürstigen Zeit noch immer überhäufigen — Menschen deS MoralifirenS. In anderer Weise wird eS uns auffallen, daß die Gespräche der einen Menschen sich vorwiegend um ihre eigenen Angelegenheiten drehen, die der andern dies nicht thun und meistens sogar die Angelegenheiten der GesPrächSgenoffen bevorzugen. Derartige Veränderungen über daS allgemeinere Thema von den egoistischen und nichtegoistischen Menschen dürfte eS in unabsehbarer Anzahl geben.
Ein anderes Thema für Variationen in unserem Sinn entspringt dem Verhältniß eines Menschen zur Literatur. Von einem Franzosen stammt die — allerdings dreigliede-
Berlin, 3. Juli. Die Gründung von zwei socialdemokratischen Wahlvereinen im 4 Berliner Reichstagswahlkreise ist in einer von 1800 Personen besuchten AgitationSverfammlung beschlossen worden. Eine Zwölfer- Commission, der auch der Reichstagsabgeordnete Singer angehört, wurde mit der Ausarbeitung der Statuten betraut.
Berlin, 2. Juli. In einem kaiserlichen Schreiben, daS der „Voss. Ztg." zufolge dem StaatSsecretär des Reichs- justizamtS, Nieberding, zuging, werden dessen Verdienste um daS Bürgerliche Gesetzbuch in ehrender Form hervorgehoben.
Berlin, 3. Juli. Das Staatsministerium trat heute Nachmittag 2 Uhr in seinem Dienstgebäude unter dem Vorsitze deS Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen. Handelsminister Brefeld wurde durch den Ministerpräsidenten in daS Staatsministerium eingeführt und nahm alsdann an der Sitzung Theil.
Berlin, 3. Juli. Die erste Armee-Jnspection wird bis zum Herbst von Hannover nach Berlin verlegt werden.
Berlin, 3. Juli. Der Justizminister als höchste Instanz hat dem inhaftirten socialtstischen Redacteur Kunert, welcher nunmehr als Vertreter für den Reichstagswahlkreis Halle gewählt worden ist, auf dessen Eingabe eröffnet, daß er, der Minister, gegenüber den bestehenden Vorschriften keine Veranlaffung finden kann, eine Unterbrechung der Gesängniß- strafe KunertS anzuordnen.
München, 3. Juli. Viel besprochen wird hier der Beschluß der Local'Schul Commission, daS Freiligrath'sche Gedicht „Die Armuth" auS dem Lesebuch der 5. VolkSschul- klasse zu streichen.
München, 3.Juli. Der gestern bei Pullach erschossene junge Mann ist der Student am Polytechnikum M. Rosen- busch. Derselbe hatte sich in der vergangenen SamStag- Nacht gelegentlich einer Reunion im VolkSgarteu wegen eines Frauenzimmers gegen deu Kaufmann und Reserve Offizier Jrlbeck so beleidigend benommen, daß sich letzterer veranlaßt sah, dem jungen Manne eine Ohrfeige zu versetzen. Infolge dessen forderte Rosenbusch Jrlbeck auf Pistolen.
Metz, 3. Juli. Heute Vormittag fand vom Militärhospital auS die- Beerdigung von vier Opfern der Katastrophe von Devant les Ponts statt. In dem Trauerzuge bemerkte mau Abordnungen von allen Truppentheilen, die in Metz garntsonirt sind, sowie eine Deputation der Feuerwehr und eine große Anzahl von Offizieren. Die Särge der beiden Dragoner-Unteroffiziere waren schwarz an- geftrichen, die beiden anderen in Eichenholz. Der Trauerzug
rige — Eintheilung der Gebildeten in Lesende, Schreibende und Denkende. Die Lesenden seien die große Masse) au Schreibenden sei nur eine kleine Zahl vorhanden, und die Denkenden sollen gar nur in Ausnahmen vorkommen. Bequemer ist die anderswo aufgetauchte Zweitheilung aller Arbeiter in solche, die mit dem Verstand, und solche die mit der Feder arbeiten. Die Unterscheidung zwischen Menschen, welche Bücher lesen, und Menschen, welche fie kaufen, dürfte bereits öfters gemacht worden fein.
Wieder andere Zweitheilungen ergeben sich aus den Bedürfnissen des Verkehrs. In Gesellschaft, auf der Eisenbahn u. s. w. zerfallen die Menschen sehr merklich in die zwei großen Klassen der Raucher und der Nichtraucher. Der Arzt und der Advokat, die beide „Doctoren" find, werden nach einer bekannten Auecdote dadurch auseinandergehalten, daß man fie fragt, ob sie kurzen oder langen Proceß machen. Der Beamte im Bureau sieht das Publikum, das zu ihm kommt, darauf an, ob eS alle erforderlichen „Papiere" hat oder nicht. Für den Kneipbruder hinwieder scheiden sich die Menschen in „Mitgeher" und „Sitzenbleiber"/ Jene find die, welche um Mitternacht sich noch der in- Kaffeehaus wandernden Gesellschaft anschließeu, Diese sind die, welche auch dann noch im WirthShaus fitzen bleiben. Ein Hauslehrer theilte einst die Leute ein in die zwei Klaffen derer, die dem Hauslehrer daS Honorar im Couvert überreiche« und derer, die'S ihm offen htnwerfeu. Wer viel mit Pumpangelegenheiten zu thun hat, lernt bald die Menschen danach unterscheiden, ob fie ihre Mitmenschen um kleine oder um große Beträge an- pumpen. Das bekannte österreichische Wort: „Der Mensch fängt erst beim Baron an", macht nur eben nach seiner Weise einen jener vielbeliebten Schnitte, die auf gar mancherlei Art zwischen den „Oberen" und den „Unteren" gezogen werden — beispielsweise wieder in Oesterreich zwischen denen, so da die „goldene Borte" haben, d. i. deu Beamten der ersten 8 Rangklassen, und denen, die fie nicht haben. Nicht auf die standeSmäßigen, sondern auf die natürlichen Eigen-


