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5.7.1896 Drittes Blatt
 
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unter 14 Jahren in Be­rn Zutritt.

Der Vorstand. WÜtieT ttags 4 Uhr:

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Der Vorstand.

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M.U56 Drittes Blatt. Sonntag den 5. Juli

1896

Der

Kietzeaer Anzeiger erscheint täglich, «it Ausnahme deS Montags.

Die Gießener MEmittenötäiier Verden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal btigtlegL

Gießener Anzeig er

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Aants- und Anzeigeblutt für den Ureb (ßieften.

Gefunden: 1 silb. Ring, 3 Schirme, 1 Kinderschuh, 1 Stück schwarzes Kleiderzeug, 1 Stück Kattun - Tuch, 1 Bündel mit Wäsche, 1 Chaisenkapsel und 1 Hufraspel.

Gießen, am 4. Juli 1896.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Juli. Ueber die zweijährige Dienstzeit und die Armee Organisation veröffentlicht der vor Kurzem in den Rahestand getretene General von LesczynSkt einen höchst beachtenSwerthen Aufsatz, in dem es heißt, daß seit dem Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. wiederholt die Frage erörtert worden sei, an der Oft- und Westseite des Reiche- eine bestimmte Zahl Gefechtseinheiten, und zwar an bestimmten Tagen, völlig kriegStüchtig und operattonsfähig zu ermöglichen. Wegen vorhandener Lücken in der Armee sei nichts anderes übrig geblieben, als soviel Rekruten ein- zustellen, wie irgend möglich und damit die operative Armee nicht allein zu verjüngen, sondern auch Material zu neuen Formationen zu gewinnen. DaS Reich hat aber nicht die Mittel, um hohe Etats, wie sie die dreijährige Dienstzeit erforderte, zu zahlen. ES blieb also nur übrig, zur zwei­jährigen Dienstzeit zu schreiten. Gegenüber der Behauptung, das Reich habe sehr wohl die Mittel, um eine dreijährige Dienstzeit zu bezahlen, wird eine einfache Rechnung auf­gestellt. Wenn heute die Compagnie ca. 70 Rekruten etnstellt, so ist der Etat 140 Mann. Dient der Mann aber drei Jahre, so ist der FriedeuSetat 210 Mann. Will man aber den Erat verringern, so fehlen die Leute schließlich bei der Feldarmee und anderen Organisationen. Ob sie aber fehlen können, daS vermag kein Uneingeweihter zu beurthetlen. Hier ist allein die oberste Heeresleitung maßgebend und jeder gute conservative Mann sollte zu derselben ein uner­schütterliches Vertrauen haben.

btcTST*X I Gratisbeilage: Gießener Jamitienötätter. folgenden Tag erscheinenden Nummer bt8 Borm. 10 Uhr. P fC__________8 a____________

Amtliche» Theil.

Gießen, den 2. Juli 1896.

Betr.: Die Vertilgung der Maikäfer.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

u die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 5. Mai d. Js. (Gießener Anzeiger Nr. 108) noch nicht nachgekommen sind, werden an deren Erledigung erinnert.

v. Gagern.

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Ruppertenrod, 3. Juli. Hiesige Landwirthe waren nicht wenig erstaunt, als sie auf ihren Aeckern sämmtliche Kohlrübenpflänzchen auSgerupft fanden. Bet näherer Beobachtung konnte die Ursache deS Zerstörungs­werkes bald festgestellt werden, eS waren Raben, die die kaum gesetzten Pflänzchen wieder auszogen. Da letztere un­brauchbar geworden, so müffen die Aecker nochmals bepflanzt werden. Ein ähnliches Treiben unternahmen die Raben beim aufgehenden Mais- auch hier zogen sie die kaum auf­gegangenen Maispflanzen aus dem Ackerboden und richteten so auf einigen Aeckern die ganze Maissaat zu Grunde. Ein Abschteßen des bemerkenswerthen Schaden anrichtenden Rabenvolkes wäre sehr empfehlenswerth.

(C Ober Ohmen, 2. Juli. Die Frau eines hiesigen, in Westfalen arbeitenden ManneS fuhr zu der in der Ge­markung befindlichen Lehmgrube, um einen Wagen voll Lehm zu holen. Beim Loshacken des Lehmes stürzte plötzlich die obere Erdmasse herab und verschüttete die Frau. Sie konnte zwar noch lebend aus der Erdmasse befreit werden, erlitt aber hierbei innere Verletzungen, die sie ans Bett feffeln.

x Walleruhausen, 3. Juli. (Unfall.) Gestern Nach­mittag wurde der hiesige Landwirth Karl Schuchmann in seiner Lehmgrube, aus welcher er gerade fortzufahren be­absichtigte, von einer sich loslösenden Erdmasse überschüttet, so daß er mit einem Hülferufe und innerlich schwer verletzt ohnmächtig znsammenbrach. Der Zustand desselben ist be« denkltch. DaS Gefährt blieb unversehrt.

x Berstadt, 3. Juli. Unser Gesangverein begeht am 5. und 6. er. unter Betheiligung aller Kreise der hiesigen Einwohnerschaft und vieler auswärtiger Vereine das Fest deS 50jährigen Fahnenjubiläums.

-t- Alteuhatu, 3. Juli. Bet uns wird es später Früh­jahr und Sommer als anderwärts, daher werden auch GraS und andere Gewächse später reif. Unsere Heugras- Versteigerungen haben annehmbare Preise gebracht, der Normalmorgrn (25 Ar) kam auf 13 bis 15 Mk. Gute Lagen wurden bester bezahlt. Der Monat Juli hat sich recht ungemüthlich angelassen. Man hat gestern in Häusern, wo kleine Kinder find, Feuer in die Oefen gemacht. Beim Mähen in der Morgenfrühe gab eS EtS an den Sensen.

* Thierschaufest in Wetzlar. Wie aus dem Jvseraten- theil der heutigen Nummer ersichtlich, findet daS Th i ers ch au- fest in Wetzlar am 9. und 10. Juli in dem Hospital- waldeFinsterloh" statt. Der im herrlichen Buchenwald gelegene Festplatz, welcher sich auch stets eines regen Be­

suchs der Einwohner Gießens zu erfreuen hatte, ist seiner günstigen Lage wegen von Station Dutenhofen aus, durch prächtigen Wald über Münchholzhausen, sehr leicht und rasch zu erreichen, ebenso ist auch die Fahrgelegenheit auf der sogenannten Gießener Chaustee sehr bequem. Da außerdem daS Festcomite Alles aufgeboten hat, um für die nöthige Kurzweil zu sorgen, so kann der Besuch deS diesjährigen Ochsenfestes" den Einwohnern Gießens wieder aufs Beste empfohlen werden.

Danzig, 27. Juni. Die zur Danziger Panzer- Reserve Division gehörigen PanzerkanoneubooteMücke" und Natter", welche gegenwärtig Reservemannschaften zur wetteren Ausbildung an Bord haben, befanden sich auf der Rheede in vollem Manövriren. Plößlich erscholl von der Mücke" der alarmtrende Ruf:Mann über Bord", indem ein Obermaat sich zu weit über Bord gelehnt und ins Master gestürzt war. Ehe noch die Boote klar gemacht werden konnten, war bereits Lieutenant zur See Marcks, der erste Offizier derMücke", welcher gerade das Com- mando führte, in voller Uniform über Bord gesprungen, und eS gelang ihm auch, den Verunglückten zu fasten. Hierbei gerteth aber der kühne Lebensretter selbst in die größte Gefahr, da sich der Matrose mit der Kraft der Ver­zweiflung au seinen Körper klammerte. Dennoch gelang die Rettung, da sich der Offizier trotz der au ihm hängenden Last so lange über Master halten konnte, bis ein Rettungs- boot herbeischoß und beide aufnahm. Bon dem Verhalten deS braven Offiziers, der ohne Bedenken für feinen Unter­gebenen daö Leben emsetzte, ist höheren OrtS Meldung er­stattet worden.

* Durchschlagskraft moderner Gefchoffe. Die Ver­größerung des Panzers an Kriegsschiffen hat zur Folge, daß dementsprechend die Geschützeonstructionen ge­ändert wurden, um den Panzer zu durchschlagen. Anscheinend ist die Technik noch nicht am Ende deS Erreichbaren ange­kommen, da vor einiger Zeit auf der B ay von New-Aork ein Geschütz erprobt wurde, besten Resultate noch erhöht werden sollen. Es durchschlug daS 1813 Pfund schwere Geschoß deS 100 Tonnen Geschützes, welches mit 187 Pfund Pulver geladen war, einen Wall von folgenden hintereinander aufgestellten Materialien: Eine Compound-Panzerplatte von 20 Zoll Dicke, eine Etsenplatte von 8 Zoll, eine Holzlage von 20 Fuß, Granitmauerwerk von 5 Fuß Beton und 6 Fuß Ziegelmauerwerk, sodaß also der ganze Geschoß- Canal eine Länge von 44 Fuß und 4 Zoll hatte.

* Unterschied. Herr:Sie find also umgesattelt? Kommt Ihnen daS medicinische Studium nicht schwerer vor alS daS juristische?" Student:Ach nein, man trinkt eben nur täglich ein paar Schoppen mehr."

Feuilleton.

Die Mausefalle von Nanry.

Eine Erinnerung aus dem Jahre 1870.

Von Fred Vincent.

(Schluß.)

Der Himmel hatte sich im Laufe des Vormittags voll- ständig aufgeklärt und daS alte Nancy lag im hellsten Sonnenschein, als kurz vor zwölf Uhr durch die eine Haupt­straße der Stadt die Wachmannschaften mit klingendem Spiel nach demPlace StaniSlaS" anrückteu- begleitet waren fie von einer größeren Menge Franzosen als sonst, die in ihrer Freude über die moralische Niederlage der Preußen sich ganz laut und uugenirt höhnische Bemerkungen zuriefen und sich gegenseitig aufforderten, mit auf den Platz zu kommen und denFroschtanz" (la danse des grenouilles), wie fie unseren Parademarsch spöttisch nannten, mttanzusehen. Auf dem Platze angekommen, nahmen die Wachen an dem Ausgange nach dem Schlöffe Aufstellung, die Mufik spielte ein Potpourri ausPariser Leben", und eine dichte Menschenmenge hatte sowohl den Platz als auch die CafeS besetzt. Keinem Ein­zigen aber fiel eS auf, daß sich ungefähr fünf Minuten später gleichzeitig auf allen drei Straßen starke Jnfanterie-Ab- theilungen 'heranbewegten, an den Eingängen zum Platze aufmarschirten und die hohen Gitterthore hinter sich schloffen. Plötzlich brach die Mufik ab, auf dem Postament der Reiter­statue erschien der Adjutant des Gouverneurs und durch die augenblicklich eingetretene Todtenstille hindurch drang scharf seine Stimme:

Achtung auf mein Commando! Bataillon soll chargireu geladen I" Und raffelnd öffneten und schloffen sich die

Schlösser der Züudvadelgewehre an allen vier Gitterthoreu, während die Menge jammernd und aufkretscheud nach der Mitte des Platze- drängte. Durch den Lärm hindurch jedoch tönte das weitere Commando:Chargtrt fertig!" Und die ganze auf dem Platze versammelte Menschenmenge war durch eine vierfache eiserne Phalanx von blitzenden Bajonetten von den Ausgängen des Platzes abgeschnitteu.

Unbeschreiblich war die Aufregung der eingeschlostenen Franzosen, und der Uebergang von der höhnischen Schaden­freude zur tödtlichsteu Bestürzung war so groß, daß da- gellende Wuthgeheul gar nicht aufhören wollte. Eine ganze Zeitlang hatte der Adjutant ebenso regungslos wie das Reiterstandbild auf dem Postament gestanden und den Augen­blick erwartet, wo er fich vernehmlich machen konnte. Da aber keine Ruhe eintrat, hob er endlich die Hand und die Spielleute fielen mit einem kräftigen Trommelwirbel ein. Das war verstanden worden, denn es wurde jetzt wirklich todtenstill auf dem Platze, so daß jedes einzelne Wort der kurzen Ansprache verstanden werden konnte, welche der Adju­tant in französischer Sprache hielt:

Die Moselbrücke ist gestern Abend von Franktireur- gesprengt worden- die Bevölkerung von Nancy hat darum gewußt und wird daher zum Wiederaufbau beitragen. Wir haben Arbeiter verlangt, jedoch keine erhalten, darum nehmen wir sie uns. Alle Frauen und Kinder können den Platz ungehindert verlassens- sämmtliche Männer werden sofort von hier an die Bahn eScortirt und nach der Brücke ge- bracht, wo sie arbeiten müffen, bis sie abgelöft werden. Niemand wird früher entlasten, als bis ein Arbeiter für ihn gestellt worden ist. Wer fich fügt, wird gut behandelt, wer fich widersetzt, wird niedergeschosien. Cest la guerre!"

Toller alS zuvor brach das Wuthgeheul wieder los und fast schien es, als wolle die aufgeregte Menge fich gewaltsam

einen Ausweg erzwingen. Wiederholt wälzte fie fich auf die Gitterthore zu, doch jcdeSmal prallte fie vor den Bajonett- reihen zurück, um sich endlich, verhältnißmäßig früher als wir gehofft hatten, in ihr Schicksal zu ergeben.

Der zweite Act der Comödie spielte fich ungemein rasch ab. Bald war der Platz von den überflüsfigeu Frauen und Kindern gesäubert und nun ging Abtheiluug nach Abtheilung der Männer unter scharfer Bedeckung nach dem Bahnhofe ab, wo fie sofort in die bereitstehenden Züge verladen wurden und nach der Brücke abdampfteu. Alles, waS nur im Staude war, eine Schaufel zu führen, wurde mitge­nommen, sogar die Besitzer der CafsS und ihre Kellner, und eS gewährte einen eigenartig erheiternden Anblick, neben dem finster blickenden Bourgeois und dem Arbeiter in blauer Blouse den eleganten, parfümirteu Flaneur in Cyliuder und Glacehandschuhen zum Brückenbau abführeu zu sehen. Hin und wieder allerdings widersetzte fich ein besonders rabiater Schreier der Abführung, allein wir hatten eS nicht nöthig, von der Waffe Gebrauch zu machen- der Adjutant behielt Recht, der Kolben genügte.

Am Abend destelbeu Tages aber hatte die Stadt schon mehr Arbeiter gestellt, als wir überhaupt gebrauchen konnten, und bereits zwei Tage später war die Bahnverbindung mit Nanteuil wieder hergestellt und die Truppen« und LebeuS- Mittel-Transporte konnten ungestört weiterbefördert werden. Ein zweiter Angriff auf die Moselbrücke hat aber nicht statt- gefundev, denn das oben erwähnte Frauktireurdorf war uiedergebraunt worden und Nancy hatte eine hohe Kriegs- contribution entrichten müffen. Uns aber, die wir bei der Mausefalle von Nancy beteiligt gewesen, wird dieselbe ewig unvergeßlich bleiben.