tröstete sie mich, unb flugS beschlossen wir im SriegSrath, daß ich mit zu Latti'S Vater gehen unb mich bort verbergen sollte, bis ber Schaben gut sei.
Gesagt, gethan! Lotti'S Vater war ein Tauseubküostler. Er brechselte, malte, stopfte Thiere au-, machte Brillen — was konnte der nicht alles!
Kopfschüttelnd hörte er unsere Erzählung unb bie Bitte mit au, seine Kunst auf ber Stelle zu probireu.
„Nette» Ostervergnügen," brummte er- aber er konnte seinem Töchterchen nie etwas abschlagen, unb so machte er sich an bte Arbeit. — Während ich mit hochklopfenbem Herzen zusah, wie er klopfte, bohrte, feilte unb polirte, hockte Lotti neben wir auf einem Schemel unb streichelte meinen Arm. Ich konnte baS sonst nicht leiben (wenn ein Dritter zugegen war) aber heute in «einer Angst ließ ich mir alle» gefallen.
Eablich nach einer langen, bangen Stunbe war baS Kunstwerk fertig, — wahrhaftig, — es war nichts mehr zu merken.
„Was kostet eSk" fragte ich zaghaft, benn ich hatte nicht viel Taschengeld.
Der Meister sah mich belustigt über seine Brille hin. weg an.
„ES kostet nichts, Erwin," sagte er lachenb, „nun lauf, daß Deine Großmutter sich nicht um Dich ängstigt."
DaS letztere brauchte ich nicht zu befürchten, denn ich war oft unb lange vom Hause fort. Aber welche Aufregung, als ich in bte Halle trat. Großer Gott! Wenn eS gebrannt hätte, konnte ber Trubel nicht schlimmer sein.
Die Scheere, wo ist die Scheere! Alles suchte, stürzte, jammerte.
Unb ich, wie ein Helb, marschtrte zur Großmutter unb sagte:
„Ach, bie Scheere, Ohma? Sei nicht böse, bie hatte ich vorhin mit mir genommen, — hier ist fie."
„Junge!"
Zunächst erhielt ich eine Ohrfeige unb bann würbe bie Scheere sorgsam von allen Setten tnspicirt — bem Himmel sei Dank, man sah nichts von bem Unheil.
Hierauf hielt mir Ohma eine lange Rebe über bie Heiligkeit solcher Gegenstänbe unb bie Folge bavon war, baß tch jegliches Interesse für bie Scheere verlor.
Lange, lange Jahre später kehrte ich als Referendar in bas HauS meiner Großmutter zurück, welches ich als Student verlassen hatte.
Ohma war alt unb gebrechlich geworden, aber bennoch hielt sie mich an eisernem Zügel, denn ich war gänzlich von ihr abhängig.
Währenb ich eines TageS im eben frühlingSgrünen Garten meine Etgarrette rauchte, fiel mir bie alte Scheere wieder ein — unb Lotti. Unb in demselben Augenblicke tauchte am Gitterthor eine reizenbe junge Dame auf, welche unzweifelhaft Lotti war, Lotti, zwanzigjährig unb bilbhübsch. Und ihr ehemals röthlicheS Haar umbauschte jetzt in brouce» farbigen, modischen Wellen ihre Stirn.
Sie ging mit lächelndem Gruß auf daS HauS zu.
„Lotti!" rief ich ohne Umstände unb schüttelte ihr herz- haft die Hand. „Wie find Sie schön geworden."
„DaS kann mau von Ihnen nicht sagen," antwortete fie lachend, „Sie find ja ein Riese, ein Hüne — viel zu groß!"
Ich lachte auch, denn in der That blickte ich von beträchtlicher Höhe auf fie herab.
„Dafür kann ich nichts — so wenig wie Sie für Ihre Schönheit," versetzte ich . . . Verkehren Sie bei meiner Großmama?"
„Ich bin nur ihre Vorleserin — und ich muß wich beeilen, sonst bekomme ich Schelte."
Kopfnickend eilte fie ins HauS und ließ mich in hellen Flammen zurück. Gerechte Götter, waS war daS Mädchen doch entzückend! Diese Anmuth, der feine Umgangston, der sich in Gruß unb Gang offenbarte, unb bie schelmischen Grübchen in den frischen Wangen!
Neugierig schlich ich mich in daS Zimmer neben ber Wohnstube, wo LottiS klare Stimme erklang. Sie las altmodische Sachen unb bann auch wieber ganz Modernes vor- Großmama hörte behaglich zu und — ich auch. — Als die Stunde vorbei war, trat ich zu den Damen und Großmama hörte mit Erstaunen von unserer Jugendfreundschaft. Eine kleine Wolke des Mißvergnügens legte fich über ihre Stirn und als Lotti fort war, erklärte fie mir, „baß sie nicht gesonnen sei, thörichte Liebesgeschichten unter ihren Augen zu bulben."
Ich verwahrte mich mit männlichem Stolz gegen solche Voreiligkeit, aber fie ließ fich nicht überlisten.
„Erwin, mein Junge, ich kenne Dich zu genau! Leun Deine Augen so glitzern, bist Du verliebt — dar war sch,, so, als Du noch Srcundaver warst. — Du bist ja alt genug, um den Rath Deiner alten Großmutter entbehren z, können, aber baS sage ich Dir, in Bezug auf Deine künftig Frau werbe ich sehr wählerisch sein."
Ich wollte aufbrausen unb ihr sagen, baß wählerisch i, biese« Falle nur ich allein zu sein hätte — aber ednt Achtung vor ihre« weißen Haar schloß mir auch jetzt fcti Mund wie so oft. — Verstimmt verließ ich baS Zimwer unb beschloß, mich in keiner Weise von Großmama beirre, zu lassen.
Die Sache kam, wie eS ganz natürlich war: Lotti ich würben einig, ehe zwei Wochen in» Land gegangen tonte unb ich hatte Großmama meine unwiderrufliche Berlobeeg mit Lotti kundgegeben.
„Dann warte, bis Du selbst eine Frau ernähren kannst,« sagte fie kalt. „Von mir bekommst Du keinen rothen Heller Zulage mehr, sobald Du hetrathest."
Die Borlesestunden hatten natürlich aufgehört und Voth unb ich sahen eine lange Zeit schwerer Kämpfe vor hbI Daß ich schließlich siegen würde, wußte ich wohl, aber »st sollte die schlimme Zeit bis dahin vergehen?
Lottis Vater war längst tobt unb fie hatte da» kläre Häuschen unb ein paar tausend Mark geerbt. Dort Itkt sie nun unter bem Schutze einer alten Verwandten und der. biente fich hier unb da etwa» dazu.
Großmutter that nach ihrem UriheilSspruch, al» wdr absolut nichts vorgefallen. Sie fuhr jeden Nachmittag * mir spazieren unb stieg bann im Walde auS, wo fie m meinem Arme ein wenig umherging unb allerhanb Zeng p „Walbmosaik" in ihren Arbeitsbeutel sammelte. Dies» Arbeitsbeutel enthielt zu meinem unsäglichen Amüsement aast jedeSmal die heilige Scheere, zu welcher fie eine mit ki Alter zunehmende kindische Zuneigung gefaßt hatte.
(Schluß folgt.)
■
Aliceschule.
Der Unterricht in sämmtlichen Curseu beginnt Moutag den 13. April. Hauptaufnahme: Morgens 10 Uhr im Schullocal. Vorherige Anmeldungen nimmt Fräulein Möser, Oberlehrerin, Garten- ftraße Nr. 30, entgegen. 3225
Alice-Schule.
Die Kochschule beginnt Montag den 13. April, Vormittags 8 Uhr. 3169
Anmeldungen nimmt entgegen Fräulein Nenner in der Aliceschule. Allgmkiner Mein für Armen- und Krankenpflege.
Wir benachrichtigen unsere Mitglieder, daß unsere Dienerin, Frau Bickel, mit der Erhebung der Jahresbeiträge für 1896 beauftragt ist. Solchen, die noch nicht Mitglieder sind, wird durch Vorlegung der Liste Gelegenheit gegeben werden, sich als Mitglieder einzuzeichnen. Wie wir in unserem Jahresbericht mitgetheilt haben, haben wir die Mittel zu dem dringend nölhigen Neubau unseres Schwesternhauses durch Ausgabe verzinslicher Schuldscheine beschafft. Wir haben dafür in dem kleinen Kreise, an den wir uns gewandt hatten, ein sehr dankenswerthes Entgegenkommen gefunden, und es sind uns auch einzäne namhafte Geschenke zugewandt worden. Nichtsdestoweniger haben wir uns damit doch eine bedeutende Schuldenlast aufgeladen. Den Muth dazu fanden wir in dem Vertrauen, daß die Freunde unserer Sache uns durch kräftige regelmäßige Beitragsleistungen, wie seither, so auch ferner in den Stand setzen werden, die großen und mannigfaltigen Aufgaben unseres Vereins zu erfüllen. Wir hoffen, uns darin nicht getäuscht zu haben und bitten daher um freundliche Ausnahme unserer Sammlung. 3051
Gießen, den 28. März 1896.
Der Vorstand:
Fr. Dr. Brüel. Fr. Baron v. Gagern. Fr. L. Homberger. Fr. Professor Siebeck. Frl. P. Stammler. Fr. A. Weidig. Frl. Windecker. Frl. Wort- mann. Frl. I. Zimmermann. Herr Juftizrath Baist. Herr Director Bansa. Herr Dr. Baur. Herr Pfarrer Dingeldey. Herr Amtsgerichtsrath Dornseiff. Herr E. Kauffmann. Herr Metzgermeister I. Klein. Herr Pfarrer Schlosser. Herr Karl Schwan een. Herr R. Stuhl. Herr Stadtverordneter H. Vogt. Herr Revisor A. Wilker. Herr Beigeordneter Wolff.________________________________________________________________
Damen- Harderobe -Auschneide-Schute
Grünbergerstr. 16, Mittelbau.
Elegantes Schnittzeichnen, sowie gründ!, prakt. Unterricht wird ertheitt na$ den neuesten Facons in Eostumes, Mänteln und Kmderkleidern. Eintritt jeden Montag. Anfertigung eleganter Damenkleider im Hause.
Achtungsvoll
Lin» l*etri, gepr. Lehrerin.
Gießener DamenbekleldungsWe.
Beginn des nächsten Eursu» den 14. April. Anmeldungen werden jederzeit entgegen genommen. Aach werden daselbst Eostume angefertigt.
Math. Müller, 3166 Steinstraße 68, Vorderhaus.
Farben, Lacke und Firnisse aller Art liefert tu besten Qualitäten billigst
August Noll, 2659 Bahnhofstr. 51. — Telephon 102
Vergebung von Banarbeite«.
Die bei der Herstellung der Canalifirnug des chemischen Laboratoriums, sowie des rückseitig gelegenen Theiles des Universitätsgebäudes zu Gieffeu vorkommendenArbeiten, als:
1) Assheben von Rohrgräben für Haupt- und Nebenstränge (ca. 400 Ifdm),
2) Verlegen glasirter Steinzeugröhren von 10—17,5 cm lichter Weite, nebst Liefern und Versetzen von Sandfängen und Sinkkasten, zus. 14 Stück,
3) Herstellen von vier größeren Revisionsschächten,
4) Abbruchsarbeiten des alten Canals,
sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Die Angebotsunterlagen können im Amts- local unterzeichneter Behörde, Goethe- straße 52, eingesehen und Angebotformulare daselbst bezogen werden. Bezüglich der Bedingungen für die Bewerbung um diese Arbeiten und ihre Ausführung wird auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 verwiesen.
Die Angebote sind bis Donnerstag den 16. April 1896, Vormittags 11 Uhr, ebendaselbst einzuretchen.
Zuschlagsfrist: 14 Tage.
Gießen, den 28. März 1896.
Großherzogliche Baubehörde für die Universitäts-Neubauten.
Reuting. 2979
Verdingung von Pftasterarbeit.
Die laufende Unterhaltung des Straßenpflasters ,im Rechnungsjahr 1896/97, veranschlagt zu 2000 qm, soll
Lamstag den 11. April d. I., Vormittags ll1/, Uhr, öffentlich verdungen werden. Bedingungen und Arbeitsbeschreibung liegen zur Etnsicht der Interessenten bet uns während der Dienststunden offen. Angebote auf Vordruck, der von uns zu beziehen ist, sind bis zum genannten Termine einzureichen.
Zuschlagsfrist 14 Tage.
Gießen, den 31. März 1896.
Das Stadtbauamt.
Schmandt. 3213
Verdingung.
Die zur Aufstellung von Ruhebänken in verschiedenen Anlagen und auf dem Friedhöfe erforderltchen Arbeiten, wie: Maurerarbeit (Versetzen der Postamente), Steiuhauerarheit (Lungsteinlieserung), Schreinerarbeit (Herstellung der Sitze), Echlofferarbeit (desgletchen), Weißbinderardeit (Anstrich der Bänke) sollen öffentlich bei uns verdungen werden und ist Termin hiersür auf Dienstag den 14. April d. I.,
Vormittags 11 Uhr, festgesetzt. Zeichnungen, ArbeitS- beschretbung und Bedingungen liegen bei uns während der Dienststunden zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der bei un» erhältlich, sind bi» zum genannten Termine einzureichen.
Zuschlagsfrist 14 Tage.
Gießen, den 31. März 1896.
Da» Stadtbauamt.
Schmandt. 3212
Samstsg Örn 2 Mai,
Nachmittag» 2 Uhr, soll auf dem hiesigen OrtSgericht die bem Martin Lämmer in Gießen an nach- stebi nder Hofraithe, gehörige ideelle Hälfte:
Flur 1 Nr. 4*/io — 231 qm in der Neustadt
öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 20. März 1896.
Großh OrtSgericht Gießen- ____________I. A-: 2733
Verdingung von
Kieslieferung.
Die Lieferung und Anfuhr de» im Rechnungsjahr 1896/97 zur Unterhaltung der Schoor- und Anlage wege rc. erforderlichen Lahukiefes (Naturkies), insgesammt 1000 cbm, soll
Samstag den 11. April d. I.,
Vormittags 11 Uhr, oosweise oder im Ganzen vergeben werden. Es umfaßt:
Loos 1 . . . 300 cbm
LooS 2 . . . 400 cbm
LooS 3 . . . 300 cbm
Die Lieferungsbedingungen liegen >ei uns während der Dienststunden zur Einsicht der Interessenten offen. Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, sind bis zum genannten Termine einzureichen.
Zuschlagsfrist 14 Tage.
Gießen, den 31. März 1896.
Das Stadtbauamt:
Schmandt. 3211
Holz-Versteigerung.
Es werden versteigert:
Dienstag den 7. April d. I in dem District Franzenwald ai< den Abtheilungen Hexenbusch, Tiefe» Thal, Fuchsbau, Tannacker, Rehloch nnd Günthcrsgrab:
Nutzholz: Eichen: 15 Derb- Mangen mit 0,68 fm. Brennholz Buchen: 2 rm Knüppel; Erche» 12 rm Knüppel, 5820 Wellen, 140nn Stöcke. Nadelholz: 143 m Knüppel, 2530 Wellen, 50 rm Stöcke. Weichholz: 4360Beten, 106 rm Stöcke.
Zusammenkunft Vormittag» 9 Uhr bei dem Uebergang über bie Bahn auf der Schützenschneise. Nähere Auskunft erteilt der Großh. FÜcher Menges, Großen-Linden.
Gießen, den 27. März 1896. Großh. Oberförsterei Schiffender-.
3012 Heyer. I
Jur Konfirmation
empfehle:
«olbetu Herrs»
Uhren Rt von 40 er
. »oldeue Dams» abrtti RL oonHOJlir.
Silberne Heere» $ Uhren Rt. von 16^4«
Silberne u»
«hre« Rt. von 19 ^l an
Nickel-Uhren Rt. von 12 x «n
Außerdem alle Arten Uhrfrttt» Halsketten Kreuz,, Ringe Brocken Lhrringe re. in größter Auswahl den billigsten Preisen.
Reparaturen werben forgtltti» schnell unb prei»werth au»gefühtt.
Für ben vorzüalichen Gang einer ftk* Uhr wirb zwei Jahre reelle «araat» geleistet. >/l'
Wilh. Hause, Markmr 3k
Tarnen«
Bekleidungs-Akademie
Direktion: Krau H. Worrier
Hra« ksurt a. M.
9 Große GalluSstraße 9.
Zufchn« iber Lehranstalt für Dam« e» Herren, Au»btldung zu Zuschneideri«tt Llhrertnnen, Direktricen, — kostenfreie unb erfolgreich« 6tdu* Vermittelung.
««ginn neuer Carse tlglick.
VerlageigencrDamea Mode Aoarna» unb SebrbLLer.
Ausführliche Prospekte, Lehrpläne »re» unb franco durch
2740____________SU1>UtcHt*L,
Gebrauchte Uniform«
zu verkaufe«. TT
Wo? sagt bte Expedition diese» vlmo-
Das
I Könnet
fäOODOC
8W le. r»o» und ltimzm. Dratn- aller Tysü" nl(n, ®an brumii V BK Lorie« gv H tkial-, Clolrt-, zl (jacht, unb Bru J itordi schwarz D f'intcb» unb out S für Sa»'. Mass' ö u- o»d Zorele Q eiultn :c - IX X sowohl in ben ö Lenbwitthschafilili Q gladrtcm Thon, i 9 Miller nn) ooooooc
,r/’';V7z6>^
neuester, ^u<!
>kk Ichkn


