Ausgabe 
5.4.1896 Erstes Blatt
 
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Lassen Sie onS, geehrte Festversammlung, da« Versprechen am beut gen Abend abgeben, mtt»uhelfen an dem großen Werke zur Erhaltung der mächtigen Pfeiler de« Keuschen Reiche«: der Treue ja Kaiser und Reich, der Verfassung und der gesellschaftlichen Ordnung.

Da« heißt BtSmarck« Geburtstag richtig und würdig feiern. Und so erkläre ich denn nochmal« unsere Feier für eröffnet! Vereinigen wir un« einem alten Herkommen unserer Partei ent­sprechend, um au« vollem Herzen zu rufen: Unser verehrter Kaiser, der sich heute wie wir an dem nationalen Festtage erfreut uno der beute wie wir, den großen Staatsmann ehrt, Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. lebe hoch! hoch! und nochmal« hoch!

Mit Begeisterung stimmte die Festversammlung ein, und saug stehend die Nationalhymne. Nachdem der mit Beifall aufgenommene Vortrag:Erscheinung", Zwischenactsmufik au« Manfred" von Schumann verklungen, betrat Herr Land, gericht-rath Ltnkenh el d die Rednertribüne zur eigentlichen Festrede, welche wir nur auszugsweise wiedergeben können.

Man mache der nationalliberalen Partei vielfach den Vorwurf, fic stände zu weit rech!«, sie sei eonservattv. Ueber diesen Dorwurf wolle man heute nicht streiten und nicht rechten. Er beglückwünsche aber die Partei, daß sie in einem Punkte sehr eonservattv sei, conser- vatto in tdrer Liebe und Verehrung zu Fürst BiSmarck, an der die Partei immer unentwegt festgehalten, ob ihm die Sonne geschienen oder nicht, dessen Geburtstag hier in Gießen immer gefeiert worden, ob es gerade allgemein Gebrauch gewesen oder nicht. Gern ließe sie sich den Vorwurf de« Personencultn« gefallen, denn der Mann, dm wir verehrten und feierten, sei des Danke« und der Verehrung der ganzm Nation würdig, sei er doch der Baumeister de« mächtig wieder erstandenen Reichs. Der jüngeren Generation, welche in diesem mächtigen Bau groß geworden, käme leicht der Gedanke, ein solcher Bau verstände sich von selbst. Wir Aelteren aber, wir hättm noch die Raben deutscher Uneinigkeit und Zerrtssmheit gehört, welche mit heißerem G.krächz den Kyffhäuser umkreisten, in dessen Hohlen Kaiser Rothbart de« Tag« entgegmharrte, da sein Volk endlich wieder einig wurde. Immer und immer hätten ihm seine Zwerge gemeldet, seine Deutschen seien immer noch die Alten, sie haderten und zeterten, ob und wie sie ein Volk werden könntm. Endlich sei der berufene dmtsche Recke Bismarck gekommm, dem habe Barbarosia sein Schwert anvertraut, damit er jene Unglücksvögel aus Deutschland unb von seinen Grenzen vertreibe. Wir Aelteren, wir wußten noch, wie schwer e« gewesen, die Geister der Uneinigkeit zu verjagen und zu bannen, wir erinnerten uns noch der Zeit, wo der Gedanke schon einer Einheit de« Vaterlandes ein Verbrechen gewesen und würden darum nie müde werdm, den Helden zu pretsm und zu verehren, der da« fast Unmögliche vollbracht. Der jüngerm Generation aber müßten die Siege«- unb Jubelfeste des letzten Jahre« die große 8dt von 1870/71 unb mit ihr BtSmarcks Helbenthat vor Augen geführt haben. Mit uns sollten sie gelobm, immer an bem fest zu halten, waS er erstellten ba« sei bas beste Geburtstagsgeschenk, daS wir BtSmarck brtngm konnten. Der starken Faust Bismarcks fei eS nicht gelungen, alle jene Unglücksvögel bet Uneinigkeit, beS Zwistes unb beS Habers auS DeutschlanbS Gauen zu verjagm manchen sei eS gelungen, sich versteckt zu halten. An unS sei eS, immer wachsamen Auges herauf zu achten, baß sie sich nicht wieher zu gelegener Zett zu beS Vaterlanhes Schaden hervorwagten. DaS Lieh, haS wir im vorigen Jahre so oft gesungen:Deutschland, Deutschland über Alles" das mahne uns, Dem unsere Huldigung barzubringen, der unS ein einiges Vaterland geschaffen, ihm gelte darum unser Hoch!

In den Jubel der brausenden Hochrufe mischte sich der Beifall für den Festredner, worauf daS Lied:Deutschland, Deutschland über Alles" im Chor gesungen wurde. Auf Anregung deS Herr» Rechtsanwalt Dr. Fuhr ging folgendes BegrÜßungStelegramm an den Fürsten BiSmarck ab:

Fürst BiSmarck

FriedrichSruh.

Und so ward er her wahre Gründer des Reichs.

Jubelnd bestätigen es mit dankerfülltem Herzen die festlich versammelten Nationalliberalen Gießen«, unb wünschen noch viele glückliche Jahre!

Hieraus folgte ein musikalischer Vortrag:Zwei Lieder ohne Worte" von Mendelsohn, meisterhaft wiedergegeben von Herrn Müller. Der folgende Toast, in zündenden Worten von Herrn Profesior Dr. Wimmenaper ausgebracht, galt dem deutschen Vaterlande.

Wenn wir heute In unserem Vaterlande Umschau halten und die jetzige Zett mtt der großen Zett vor 25 Jahren vergleichen, bann will unS zuweilen ein bangeS Gefühl Überkommen. Damals allge­meine Freube unb Begeisterung für baS Errungene, allgemein daS Streben, btefe Errungenschaften zum Wohle beS Vaterlandes auSzu- bauen, wenn auch die Ansichten über die Mittel unb Wege baju vielfach auseinandergtngen. Heute nicht nut Uneinigkeit in Betreff der Mittel und Wege, sondern auch der Ziele. Damals der Deutsche Reichstag in engem, bescheidenem Raume tagend, aber doch der Stolz des Vaterlandes, denn er enthielt die Besten, die das deutsche Volk zur Berathung seiner Angelegenheiten entsenden konnte. Heute ein Prachtbau ersten Range«; aber die darinnen sitzen, dtenen zum großen Thetle ohne Begeisterung nur den besonderen Interessen der Partei oder deS Standes, vergessend die Pflichten der Ptetät und Dankbarkett gegen Diejenigen, die daS Reich erschaffen unb groß gemacht haben.

Ist daS nicht ein getreues Spiegelbtlb unserer Seit? Aeußerer Glanz aber unter bet glänzenben Decke gar Manches faul! Sollen wir barum ben Muth sinken lassen? Rein! Sehen wir hoch noch weitere 15 ober 20Jahre zurück! Wie ärmlich war bamals Vieles im Vergleich zu heute! Wie eng unb beschränkt bie Gebanken unb Thaten her Regietenben unb Regierten! Unb hoch hat gerabe jene arme Zeit unfl die Männer geschenkt, bie bas brutsche Reich grünbeien. Warum konnte sie bas? Weil wir damals noch das oft verlachte, schlichte Volk der Dichtet unb Denker" waten, weil uns her deutsche Idea­lismus noch ganz unb gak beherrschte! Der ist, Gott sei Dank, auch beute noch nicht auflgeftorben; nur wagt er sich oft nicht mehr heraus auf ben Markt des Lebens, weil da superkluge Leute sind, die ihn verspotten, und tobe Gesellen, denen Ideale überhaupt nichts gelten, sondern nur Mund und Magen.

Meine Herten! Weisen wir diesen undeutschen Elementen die Thür! Erhalten wir un« unsere deutsche Eigenart, zu der jener Idea­lismus nun einmal gehört!Wa« hülfe es bem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, unb verlöre sich selbst?" Sorgen wir, baß, wie wir so oft singen, Einigkeit unb Recht unb Freiheit, deutscher Glaube, beutlche Sitte und Treue unS nicht abhanden kommen: bann wirb unS Gott auch, wieder Männer erwecken, die unser Vaterland aus seinen jetzigen Röthen siegreich herauSführen, daß eS weiter machte, blühe unb gebeibe auf deutsche Art! Dem gilt mein Spruch, ll rser Volk und Vaterland, deutsch biS inS innerste Mark hinein, leoe hoch!

Die Wirkung dieser Ansprache war überwältigend, unb langanbauernber Beifall lohnte den Redner. Als da« Hoch verklungen und Wagner«Lied an den Abendstern" für Clavier unb Violine vorgetragen war, nahm Herr Rechts­anwalt Dr. Fuhr da« Wort, die nationalliberale Parte feiernd.

Noch manche- treffliche Wort wurde gesprochen, aber der Raum gebietet uns, eS kurz zu behandeln. Herr Prof. Dr. Schwartz toastete in launiger Weife auf die mufikalt-

scheu Mitglieder und sprach denselben den wohlverdienten Dank au«. Herr Gymnasiallehrer Hartmann dankte Namen« der Muficierendeu wie folgt:

Sehr geehrte Anwesende!

Zunächst gestatten Sie mir, auch im Namen der Herren Müller unb Spitz, die den musikalischen Theil der heutigen Festlichkeit mtt übernommen hatten, dem Herrn Proseffor Dr. Schwartz für seine rrundlichen Worte besten« zu danken.

Meine Herren! Mil Stolz erfüllte mich der ehrenvolle Auftrag, zur Erhöhung der Feier am heutigen Abend beitragen zu dürfen. Jeder von uns ist verpflichtet, sein Scherstein zur Verherrlichung einer solchen Feier wie der heutigen beizusteuern. Und sollten selbst große Opfer gefordert werden, so dürften wir al« gute deutsche Bürger nicht zurückschrecken. Gill e« doch, unserm eisernm Kanzler, dem Fürsten BiSmarck, diesem erhabenen Helden, dem genialen Bau­meister unseres großen und mächtigen, unseres geachteten, zugleich aber auch gefürchteten Deutschen Reiches unsere Huldigung dar- zubringen! _

Nichts wäre geeigneter, den patriotischen Gesühlm Ausdruck zu verleihen, al« gerade die Musik, namentlich die Konst de« Gesänge«, die jeden auch nur einigermaßen patriotisch angelegten Menschen zu edler Begeisterung erhebt. Vor Allem ist es der deutsche Gesang, der den Menschm mit mächtigen Banden an sein Vaterland knüpft. Wenn man vom deutschen Liede spricht, so versteht man darunter nicht nur die Worte, sondern auch seinen Klang, ich mochte sagen eine musikalische Seele, und gerade diele mag sich nur dem deutschen Gemüthe in ihrer geheimnißvollen Schönheit vollständig offenbaren. Der Gesang dient zur Stärkung de« heiligen Gefühl«, da« alle deutschen Bürger immer und überall verbinden soll, eS dient zur Stärkung der Liebe zum Vaterlande. Welche Wirkung erzielt doch daß Lied:Deutschland, Deutschland über Alles, über Alles in Ur Welt" oder dieffiadr am Rhein", die mit den Worten beginnt: ,E« braust ein Rus wie Donnerhall, wie Schwertgeklirr und Wogenprall/ Ja, deutsches Schwert unb deutscher Sang geben einen guten Klang. Bedenken wir ferner die Thatsache, wie da« deutsche Lied elngebrungcn ist in alle Schichten de« deutschen Volkes, wie eS eine Heimstätte gefunden hat In der Großstadt wie im einsamen Dorfe, in der glänzenden Festhalle wie in der kleinsten Hütte. DaS deutsche Lied ist ein Dermächtnlß jener Männer, denen ein Her» im Busen schlug voll Liebe für ba« Wohl beS brutschen Volkes. Schwillt nicht he« SängerS Brust beim Singen jener Lieber, die unsere Väter und Brüder begeisterten, als sie zogen in den heiligen Kampf? Ein deutsches Lied, so recht aus einem vollen, warmen Herzen tönend, da« greift, das packt mit unsichtbarer Macht, es veredelt da« Volk und zündet an das Fcuer der Begeisterung bei patriotischen Festen.

Unb so wollen wir unS verpflichten, ben deutschen Gesang alS die Grundlage einer wahrhaft deutschen Bildung stets zu pflegen und bochzuhalten. In diesem Sinne fordere ich Sie auf, mit mir einzu- ftlmm®aenbeutlf(heUßieb al« hie Pflanzstätte echter deutscher Bildung, alS die Wurzel wahrer Vaterlandsliebe lebe hoch!

Herr Ingenieur Baumann brachte al« Gast in warm­herzigen Worten bem Vorstand des nationalliberalen Verein« als den Veranstaltern der Feier seinen Dank in Form eine« Hochs dar.

Zum Schluffe dankte Herr Kirch nochmal« allen Mit­wirkenden und den Gästen für ihre Unterstützung- allgemeine Lieder und musikalische Vorträge bildeten den Uebergang zum nichtoffiziellen Theil der Feier, der die Versammlung noch lange in fest-froher Stimmung zusammenhielt.

toc*Us rrrrd Lroviiizielle-.

Gießen, 4. April 1896.

Choralmufik. Am ersten Osterfeiertage wird Morgen« 7 Uhr nach dem Festläuten Choralmufik vom Thurme der JohanneSktrche geblasen werden.

* * Die Petition an die Stadtverordneten, betreffend Verlegung de« Viehmarktplatzes, ist, wie aus dem Jnferatentheil ersichtlich, in den hiesigen Gasthäusern und Wirthschaften, sowie in den Cigarrenläden rc. aufgelegt. Wir verfehlen nicht, da die Frage der Marktverlegung eine rein locale ist, darauf hinzuweifen, daß die Unterschriften nur von hiesigen Einwohnern und Jntereffenten abgegeben werden dürfen.

Kaufmännische« BereinShaus. Betr. der in Nr. 78 befindlichen Notiz über einen Beschluß her BeurtheilungS- commission zu ben oon den Herren Stein & Meyer auS- gearbeiteten Plänen theilen wir berichtigend mit, daß zwar die Commission eine Entscheidung getroffen, die indeß von der am 2. April stattgehabten Generalversammlung nicht ge­billigt wurde. Die Versammlung faßte vielmehr vorgestern mit großer Majorität folgenden Beschluß:Die heutige Generalversammlung wolle beschließen, der BeurtheilungS- commission die Frage vorzulegen, ob sie sich der Prüfung dreier neuer Pläne unterziehen wolle, bejahenden Falle« sind die drei beteiligten Firmen nochmals zur Einreichung ver­änderter Pläne aufzufordern. Sollte die Jury nicht geneigt sein/auf den Wunsch einzugehen, dann ist eine neue General- Versammlung zu weiterer Beschlußfaffung einzuberufen."

* Schlägerei. Auf dem Kreuzplatz fand in vergangener Nacht zwischen jungen Leuten eine Keilerei statt, wobei eS blutige Köpfe absetzte. Anzeige wegen Körperverletzung wurde erhoben.

» Einem Radfahrer lief gestern Abend in der Grün- bergerstraße ein Hund vor da« Rad, wodurch der Rad­fahrer zu Falle kam. Er verletzte sich hierbei an Kopf und Arm nicht unbedeutend.

» Deutsches Säagerduudesfest. Vom 1. bis 3. August ds«. I«. findet in Stuttgart da« 5. deutsche Sänger« bundeSfest statt, zu dem sich bi« jetzt 45 Bünde mit 706 Einzelvereinen und 11,106 Sängern angemeldet haben. Voraussichtlich erhöht sich die Zahl auf 12,000.

Der Getreidemarkt. (Berichtswoche vom 28. Mär bi« zum 3. April.) Obwohl im Allgemeinen kalte« und naffe« Frühlingswetter al« günstig für die Entwickelung gilt, so hat der starke Wetterrückschlag, zumal auch in Hinblick au daS kalte Welter in Nordamerika, doch auch die Befürchtung wieder wachgerufen, daß Nachfröste eintreten und die kommende Ernte schädigen können. E« trat daher im Angebot von Ge­treide in dieser Woche eine große Zurückhaltung ein und die Prei«forderungen wurden etwa« erhöht. Zu den erhöhten Preisen fanden sich aber nur sehr wenig Käufer, so daß sich die geringen Preisausschläge nicht lange halten konnten. Nur Roggen blieb etwas höher im Preise. In Berlin und Leipzig wurde gekauft: Weizen (je nach Qualität und per 20 Centn er) 148 biß 162 Mk., Roggen für 118 bi« 123 Ml., Gerste für

113 bi« 170 vtt., Hafer für 115 bi« 145 Mk., Mai« Ffr 88 bl« 94 Mk.

Aos ben Vogelsberg, 1. April. In der verflossene, Nacht schneite e« ununterbrochen, so daß der Schnee faß einen Fuß hoch lag. Der Winter, den man nach den Ionen» lidjen Tagen der vorigen Woche längst entflohen glaubte, guckte heute Morgen von verschneiten Dächern, Wiesen nuw Feldern zu den Fenstern hinein. Die bereit« mit frische Blättern bedeckten Stachelbeersträucher bogen sich zur Erd« von der aus ihnen lagernden Schneelast. Die Koppen bei Vogelsberg« leuchteten gestern bereit« in weißen Sinter- mänteln von der Höhe herab und der Schnee lag hier t, oberen Gebirg gestern schon einen Fuß hoch. Wiewohl die Sonne heute recht warm scheint, hat sie doch den ELoer nicht ganz wegzuthauen vermocht. Hoffentlich behält Mt Kalenderregel Recht:Schnee im April gut düngen will.»

§ Vom höheren Vogelsberg, 1. April.Der April nicht zu gut, er schneit dem Bauer auf den Hut!* Dies« Bauernregel ist für dies Jahr vollkommen für die hiesig» Gegend zutreffend. Nachdem seit den letzten Tagen et»« rauhe Witterung eingetreten, liegt heute Morgen der Schm, etwa 15 Zentimeter hoch. Heitere, erfahrene Landwirts prophezeiten bei bem vor vierzehn Tagen herrschenden »ar­men Wetter, daß nochmal« Schnee nachkommen würde. Die Landwirthe sind gezwungen, die kaum begonnenen Feldarbeite, wieder einzustellen.

Groß Steinheim, 31. März. Ein 21jähriger Kuvß. druck er, Bruder de« vor wenigen Tagen beim Raugirm getödteten Jacob Habermann von hier, gerieth heute Rach, mittag in der Kunstanstalt von Brünning Söhne beim Ein­setzen eines lithographischen Steine« mit beiden Hindu zwischen jenen Stein unb bie Platte der Maschine, die eteai verfrüht in demselben Moment in Thätigkeit gesetzt wurde. Dem BebanernSwerlhen wurden acht Finger buchstäblich plan gedrückt. Der Verunglückte wurde zunächst behufs weitern Behandlung in da« Hanauer Hospital verbracht. Allgewest nimmt die Bevölkerung Antheil an dem Schicksal, das tu Familie so bitter verfolgt. Darmst. Ztg.

Mainz, 1. April. Der Kaiser hat sein Jntereffe u dem Rudersport neuerdings auch dadurch bekundet, baz er bem Mainzer Ruberverein bie Erlaubniß zum Bau eine! seststehenben Bootshauses im Winterhafen erwirkte. Di» Rnchs-Rayon-Commission hatte bie Genehmigung zu de» Bau versagen müffen, weil bie Baustelle im ersten Festung« royon gelegen ist.

Dermifdptt*»

Frankfurt a.M., 1. April. Frau Clara Schumann, bie geschätzte Künstlerin, ist, wie bieFranks. Ztg." erfährt, am Montag von einem Schlaganfall betroffen worben. Bei bem hohen Alter her allseitig verehrten Frau ist ba« Schlimmste zu befürchten.

* Frankfurt a M-, 2. April. Heute Nachmittag wurde an her Höfler'schen Wirtschaft auf der Eschershe wer Laut straße da« zweijährige Söhnchen de« Schaffner« Allenbrns beim HerauSlausen auf die Straße vom Zuge her Frankfurt- EscherSheimer Localbahn erfaßt, überfahren unb ge­tobt et. Ein zwölfjährige« Mädchen, die Tante des Kinde«, die den Kleinen an der Hand führte, konnte ihn nicht mehr retten."

Wiesbaden, 2. April. Gestern Nachmittag wurde auf der Station Kestert der Weichensteller Gu eile ring von dem Frankfurt Kölner DZuge üb erfahren und getöbtn.

* Köln, 1. April. Wieder verbreitete sich gestern Abend die aufregende Kunde von einem Morde in unserer Stadt. Die von ihrem Ehemanne getrennt lebende, in einem Haoie der Schemmergaffe wohnende Frau Thoma« wurde kurz noä 6 Uhr, al« sie auf der Heimkehr von der Arbeit begriffen war, von ihrem Manne, der ihr an der Ecke der Fleisch mengergaffe und BayardSgaffe aufgelauert haben soll, bin meuchlings überfallen und durch einen Stich in- Herz löbtlit verletzt. Die Unglückliche starb im Flur de« Bürgerho,pitaU, wohin man sie geschafft hatte. Obgleich mehrere Personen Augenzeugen der verbrecherischen Thal waren, gelang el tt» Mörder, in der allgemeinen Verwirrung durch bie Lungw gaffe zu entfliehen. Die Ermorbete hinterläßt 7 Rinber, bie bei ihr wohnten. Der Mörber, ein Maurer, soll bie Frau früher fortgesetzt mißhanbelt haben.

Straßburg. 31. März. Mit bem 1. April b. I. Kilt baß neue Gebäubesteuergesetz vorn 14. Juli 1895 tu Kraft unb wirb bamit bie bißherige Thür - unb Fenster­st e u e r zu Grabe getragen. Diese Steuer, bie aus bei Gesetzen vom 4. Frimaire VII, 4. Germinal XI unb 21. Apn 1832 beruhte, war bestimmt, ben Inhaber einer Wohmwß nach her mehr ober weniger luxuriösen Einrichtung, bie M in der Zahl her Thüren unb Fenster zeigt, heranzuziehen Sie wurde nach einem Taris, der bie Steuersätze nach tri Einwohnerzahl her Ortschaften unb her Zahl der Fenster unb THÜröffnuvgen her Häuser verschieben abstust. aus bei Haußeigenthümer veranlagt unb kannte nach dem Gesetz vn 4. Frimaire VII von btefem bem Miether auserlegt werben Bon btefem Recht ist jeboch in Elsah-Lothringen kein Öebraad gemacht worden und so bildete bie Thür- unb Fensterstevc thatsächltch eine ba« Gebäube belastende Örunbabgabe. 3* der Praxi« hat sie zu zahlreichen Schwierigkeiten nab kasuistr scheu Entscheidungen in Bezug aus die nach den Gesetzen treffenden Unterscheidungen zwischen steuerpflichtigen nw fteuerfreten Thüren und Fenstern gesührt. In her Belasst»! wirkte sie sehr ungleichmäßig. Die« e.klärt sich dadurch, H in einer unb berfelben Ortschaft jebe steuerpflichtige Ccffnnm gleichviel ob von besseren ober geringeren Gebäuden, * groß ober klein, ob ba« Gebäude in gutem ober schlechte» Zustsnbe ist, ob in einer kleinen abgelegenen Gaffe an einer verkehrsreichen Straße gelegen ist S° loe gleichem Steuersätze herangezogen ist. «IS eine Steuer » i Lust unb Licht wirkte fte außerdem antisocial, fo daß mau «tz I endliche Beseitigung nur begrüßen kann.

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