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Der fritfextt **jeiget erscheint täglich, Mit Ausnahme deS Montag«.
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Erstes Blatt. Sonntag dm 5. April______________________
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Deutsche» Reich.
Berlin, 2. April. Während der parlamentarischen Oster- firien find die in Berlin geführten Unterhandlungen wegen Abschlusses eines Handelsvertrages zwischen Deutschland und Japan beendigt worden, die U Verzeichnung des Vertrages durch die beiderseitigen Bevollmächtigten sollte «och vor dem Osterfeste erfolgen. Wie die „Nat.-Ztg." öoa angeblich zuverlässiger Sette über den Inhalt des deutsch- japanischen Handelsvertrages erfährt, find in letzterem eine Anzahl Zollherabsetzungen für die deutsche Einfuhr in Japan uni zum Ausgleich für dieses Zugeständniß Japans die Aufhebung der bisher in Japan für die deutschen StaatSange- hörlgen bestandenen exterritorialen Gerichtsbarkeit vereinbart worden. Nur ist diese Aufhebung keine vollständige, da einige Materien der freiwilligen Gerichtsbarkeit der Confuln noch Vorbehalten bleiben sollen. Jedenfalls bekundet das Zustandekommen des Handelsvertrags mit Japan, daß die behauptete Verstimmung in den japanischen Regierungskreisen gegen Deutschland wegen besten bekannter Stellungnahme in den japanisch-chinesischen Händeln keine besonders nachhaltige gewesen sein kann.
— In erfreulichster geistiger Frische und in verhältniß- wLhig günstigem körperlichen Wohlbefinden hat Fürst Bismarck unter der herzlichen Theilnahme aller patriotisch ge- Ponten Elemente unseres Volkes am vergangenen Mittwoch {litten 81. Geburtstag gefeiert. Namentlich war die Zahl der telegraphischen und brieflichen Glückwünsche, die |i« Geburtsfeste des Altreichskanzlers, die in FriedrtchSruh tingegangen find, auch diesmal wieder eine sehr große. Von Fürstlichkeiten sandten u. A. Glückwunschtelegramme der Kaiser von Oesterreich, König Humbert von Italien, der Lroßherzog von Baden, Prinz Heinrich von Preußen u.s.w. Kaiser Wilhelm verehrte dem Fürsten BiSmarck als Geburts« tvgSangebinde eine hübsche, in einem Goldbroncerahmen siezende Photographie, die ganze kaiserliche Familie dar- stellend- die Photographie weist die mit Bleistift geschriebene Widmung deS Kaisers auf: „Zum 1. April 1896. Wilhelm LR." Der Geburtstagstisch des Fürsten wies neben zahlreichen sou- pizen Gaben namentlich herrliche Blumenarrangements auf. Zur persönlichen Beglückwünschung des Fürsten waren Graf Herbert Bismarck — den jüngeren Sohn deS Altreichskanzlers, Oberpräsidenteu Grafen Wilhelm Bismarck, hatte ein Un- loohtsein an der Reise nach FriedrtchSruh verhindert — eine Anzahl näherer Freunde der BtSmarck'schen Familie, wie die tzirafen Henckel v. Donnersmarck, DouglaS, Waldersee, Prof. 6. Lenbach usw. und verschiedene sonstige GeburtstagSgäste erschienen. Von Deputationen wurde u. A. diejenige deS Halberstadter OsfizierScorpS empfangen, im Uebrigen war ter Empfang von BeglückwünschungSdeputationen durch den Fürsten ein beschränkter, da ihm die Aerzte möglichste Schonung anempfohlen hatten. Nach dem Diner erschien Fürst BiSmarck "aas dem Balcon des SchlosieS, um den Fackelzug, den ihm die Mitglieder Hamburger Vereine und 60 Bergleute des Grafen DouglaS in Galatracht darbrachten, entgegenzunehmen. Auf eme Ansprache des Redners der Hamburger, Staelin, er- widerte der Fürst, wie sehr eS ihn freue, das Wohlwollen (einer Hamburger Nachbarn, im Gegensatz zu dem verlorenen Wohlwollen von manchen anderen Seiten, noch immer zu besitzen. Dann hob er die Nothwendtgkeit des Gedeihens Hamburgs als große Handelsstadt bervor, desien Wohlsein nachher auch fruchtbringende Strahlen auf das Hinterland werfen werde- sei aber letzteres reich und wohlhabend, so werde wiederum auch die Handelsstadt gedeihen. Zuletzt hm BiSmarck auf die agrarischen Bestrebungen zu sprechen, trtoneud, er selber sei zwar kein leidenschasticher Agrarier, über die Bestrebungen dieser Richtung entbehrten nicht der verechtigung. Er schloß mit einem Hoch auf die Stadt Hamburg. Während deS ganzen Fackelzuges, der fast dret- biertel Stunden dauerte, verblieb Fürst BiSmarck auf dem Maicon, unausgesetzt dankend.
— DaS Hauptverfahren gegen den Freiherrn d. Hammerstein ist eröffnet. Die Anklage lautet auf Urkundenfälschungen in zwei Fällen, Unterschlagung in einem {jade und fortgesetzten Betrug.
Berlin, 2. April. Das Staatsminiftertum trat hrate Nachmittag 2 Uhr in seinem Dienstgebäude unter dem Vorsitze deS Biceprästdenten Dr. Bötticher zu einer Sitzung zusammen. m
Berlin, 2. April. DaS „Tageblatt" meldet auS Rom, itr König ließ gestern den in Neapel weilenden CriSpi tüngraphtsch bitten, nach Rom zu kommen. Der König m^fing CriSpi in eiostündiger Audienz. Von der Unter- tileung weiß man nur, daß der König CriSpi verficherte, er iveude dem gegenwärttgeo Cabinet auf keinen Fall die Er-
laubniß zur Auflösung der Kammer ertheilen. Die Citirung CriSpiS ruft das größte Aufsehen hervor und wird in politischen Kreisen als ein bedeutsames Symptom der Lage aufgefaht.
Berlin, 2. April. Der italienische Botschafter Graf Lanza begibt sich noch vor dem Osterfeste nach seiner Heimath, um der bevorstehenden Zusammenkunft seines Souveräns mit Kaiser Wilhelm in Venedig beizuwohnen.
Berlin, 2. April. Freiherr v. Manteuffel- Crossen erklärt in der „Kreuzzeitung", daß ihm davon, daß der Hof den Wunsch geäußert habe, Stöcker außerhalb der conservativen Partei zu sehen, nichts bekannt sei und daß ein solcher Wunsch weder an ihn persönlich noch an die Parteileitung herangetreten sei.
München, 2. April. Einem hiesigen Blatt wird vom StarubergerSee geschrieben, daß das Bismarckdenkmal, falls eS wirklich dort errichtet werden sollte, keinesfalls lange oben stehen werde.
Arr-land.
Rom, 2. April. NeguS Menelik wird die Regenzeit in feinen Südstaaten zubringen. In Tigre hat die Regenzeit bereits begonnen. Die Friedensverhandlungen werden infolge desien vertagt. Menelik wird die Feiertage, welche nach abesiynischem Ritus am 6. April beginnen, in Magdala zu- bringen. Von hier auS begibt sich Menelik nach Schoa und wird dort seine Truppen bis October auSruhen taffen. Die Italiener sind gezwungen, sich während der Regenzeit nach Maffaua zurückzuziehen. ES bleibt wenig Hoffnung, die 2000 italienischen Gefangenen zu retten, welche Menelik nach Schoa mitnehmen wird.
Rom, 2. April. Ein hiesiges Blatt veröffentlicht ein Schreiben seines Correspavdrvfen aus Massaua, wonach es unzweifelhaft ist, daß Oberstlieutenant Galloano auf Befehl Meneliks erschoffen wurde. Nach derselben Quelle verlautet, Menelik fordere für jeden Gefangenen 2000 Maria Theresien- Thaler, was für sämmtliche Gefangene einem Lösegelde von 14 Millionen Lire gleich käme.
Bukarest, 2. April. Gestern fand an der unteren Donau ein furchtbares Unwetter statt. Mehrere Schiffe find dabei untergegangrn.
Kiew, 2. Avril. Es verlautet, daß General-Gouverneur Graf Jgnatrew beim Czaren in Ungnade gefallen sei und daß er gleich nach dem Krönungsfeste seinen Posten verlassen werde.
Konstantinopel, 2. April. Der Gouverneur von Tripolis ersuchte um schleunige Absendung von Truppen.
Nerrefte
WolffS telegraphisches Lorrespondem-Bure-u.
Palermo, 3. April. Bei dem heute Vormittag an Bord der „Hoh enzo Ilern" stattgehabten Gottesdienst verlas Seine Majestät der Kaiser die Epistel, worauf vr. Dryander die Predigt hielt und das Abendmahl an Offiziere und Mannschaften beider Schiffe in Gegenwart der Majestäten auS- theilte. Nachmittags begaben sich Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin an Land, um die Capelle Palatina zu besichtigen. Da« Wetter hat sich aufgeklärt, die Witterung ist andauernd kalt. *
London, 3. April. Die „Times" meldet auS Pra- toria vom 2. dsS. MtS., daß am Tage vorher dem Präfi- deuten Krüger eine wichtige Depesche deS StaatSsecrelärS für die Colonien, Chamberlain, vorgelegt sei. Die Depesche sei im freundlichen Tone gehalten, beharre aber auf der Forderung, die Beschwerden der Uitlanders abzustellen, und bringe neue Gründe hierfür bei. Sie lege daS Recht und die Pflicht der englischen Regierung zur Einmischung dar und ersuche nochmals um Antwort auf die Einladung zum Besuche Englands. ES könne nicht zugestanden werden, daß diese Angelegenheit auf unbestimmte Zeit unerledigt bleibe. Die Regierung der Südafrikanischen Republik ziehe zur Zett die Depesche in ernste Erwägung.
AlgeeiraS, 3. April. Maurische Riff-Piraten haben sich der von Gibraltar kommenden Bark „St. Joseph" bemächtigt und die Ladung derselben geraubt. Die Besatzung und die Paffagiere find in kläglichem Zustande in Gibraltar eingetroffen. _____________
Depeschen Vt» Burea» .Herost-'
Berlin, 3. April. Der bekannte Geschichtsschreiber Professor v. Trsitschke ist an einem Nierenleiden bedenklich erkrankt.
Berlin, 3. April. Wie daS „Kleine Journal" meldet, findet außer dem Duell zwischen den Ceremonienmeistern
v. Kotze und v. Schrader, welches in den nächsten Tage» unter den schwersten Bedingungen, und zwar zehn Schritte Distanze und Kugelwechsel bis zur Kampfunfähigkeit, erfolgt, am Morgen des ersten OsterfeiertageS ein zweites Duell zwischen zwei Herren der Aristokratie statt, deren Namen daS genannte Blatt noch nicht nennen darf. Bei diesem Duell handelt eS sich um eine Frau.
Frankfurt a. M., 3. April. In einer auf gestern Abend vom Oberbürgermeister einberufenen Versammlung der Vorsitzenden hiesiger Vereine wurde Über die Veranstaltungen am 10. Mai verhandelt. Es soll ein Aufruf an die Bürgerschaft erlassen werden, um so eine prächtige AuS- schmückung der Stadt und Abends eine Illumination zu erreichen. Ein Theil der Vereine wird Spalier bilden. — Wie wir weiter hören, ist die Frage einer Zusammenkunft der deutschen Bundesfürsten gelegentlich der Feier am 10. Mai noch keineswegs abgethan und wäre es immerhin möglich, daß diese Zusammenkunft doch noch zu Stande käme.
IekaterinoSlaw, 3. April. In d:r Kohlengrube „Siewier- vaj»" fand eine Explost on schlagender Wetter statt. 15 Bergleute wurden als Leichen zu Tage gefördert Eine große Anzahl wird noch vermißt. Die ReltungSarbeiten werden fortgesetzt.
Brooklio, 3. April. Hier brannte ein meist von Italienern besuchtes LogirhauS nieder, wobei 20 Personen den Tod in den Flammen fanden.
Bismarcks Geburtstagsfeier.
Gießen, den 1. April.
Die heute vom „Nationalliberalen Verein" zur Feier deS 81. GeburtStageS deS Fürsten Bismark veranstaltete Fest- vecsammlung im großen Saale deS GasthosS zum „Einhorn" verlief bei zahlreicher Betheiligung in schöner und würdiger Welse. Der Saal war mit den Büsten Bismarcks, deS Kaisers und Großherzogs sowie mit Blumen und Tannen- grün festlich becorht. Die Herren, Lehrer Hartmann (Harmonium), Müller (Violine), Spitz (Klavier) hatten den musikalischen Theil der Feier in dankenswrrlhester Weise Übernommen. Der Vorsitzende deS Nationalllberalen Vereins, Herr Stadtverordneter Kirch, begrüßte die Festversammlung mit folgender Ansprache:
Geehrte Festversammkung!
Im Auftrage und als Vorsitzender des nationalliberalen Vereins eröffne ich die brütige Festversammluna.
Ich entbiete Ihnen herzlichen Willkommengruß und danke Ihnen für Jtne zahlreiche Betheiligung. Die Motive, die unS bei der heutigen Feier leiten, sind dieselben wie in den Vorjahren und sollen es auch bleiben für immerdar:
Deutsche Treue — deutsche Dankbarkeit!
81 Jahre! Welch großes Wort für ein Menschenleben und wie groß erst, wenn diese Zelt vorwiegend dem Dienste deS Vaterlandes gewidmet war und wenn aus diesem Schaffen Früchte hervorgingen, wie sie schöoer und herrlicher nicht gedacht werden können: Der langersehnte deutsche Kaiser, ein geeintes deutsches Vaterland, ein Vierteljahr hundert Weltfrieden.
Meine Herren: Der erste nationale Festtag im neuerschieneneu Frühling war ehemals der Geburtstag unfereS bochseligen Kaisers Wilhelm 1 Nunmehr ist es der Geburtstag des Mannes geworden, der wie Keiner mit fern Leben und den Thaten des Heimgegangenen Kaisers verbunden war; deS Mannes, den wir den Unseren nennen, »Unseres BiSmarck".
Das Singen und Klingen, welches auf sein Wohl und zu seinen Ehren heute Abend an tausend Crten deS weiten Vaterlandes ertönt, es muthet an, wie das andächtige Einläuten eines VölkersonntageS. Auch in unserer Stadt haben nach alter, lieber Gewohnheit sich patriotische Männer zu einer BtSmarcks Geburtstagsfeier zu'ammen- gethan. Meine Aufgabe ist eS nicht, den Empfindungen Ausdruck zu geben, welche in dieser feierlichen Stunde in Ihrer aller Herzen lebendig sind. .
Diese dankbare Aufgabe wird einem hierzu berufenerem unv befähigterem Munde, als dem meinigen, vorbehalten sein.
Bismarcks Geburtstag feiern, heißt nicht in großartig angelegten Festlichkeiten aufgehen und damit zufrieden zu fein, Bismarcks Geburtstag feiern heißt zu erhalten, zu schützen und zu hüten, das was Bismarck geschafft«! Die nationalltberale Partei ist diejenige politische Bartei im öffentlichen Leben, welche in erster Linie den Beruf und die Ehre hat, das heilige Erbe der Her.scherkunst Kaiser Wilhelms, der Kriegskunst Moltkes und der Staatskunst Bismarcks zu hüten. Und so werden Sie eS, meine Herren, nicht für unangebracht halten, wenn ich auch heute wieder bei dieser fekrlldfr* Gelegenheit und gerade an BtSmarcks Geburtstag, den Rus zur patriotischen Mitarbeit dringend und mächtig ergehen lasse. — Umsomehr als unsere Feinde und Gegner allezeit rührig und wacker bet der Arbeit sind, während viele unserer Parteisreunde sich in den letzten Jahren von der Arbeit des politischen Lebens zurückgezogen haben. — Dies ist zwar erklärlich, aber unter keinen Umständen gerechtfertigt.
Es ist leicht, in guten Tagen, in denen die Wogen deS Patriotismus hochgehen, seine Pflicht zu thun; aber, es ist die böhere Aufgabe des wahren Vaterlandsfreundes, auch in schweren Zeiten auszuharren und auf dem Posten 'U fein, desien gewiß, daß keine Stunde verloren ist, die man im ehrlichen Streite für eine große und gerechte Sache geopfert hat.


