Ausgabe 
5.1.1896 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1che. Jnf.-(Le'.bgarde)-Regt. Nr. 115. G i e ß e n: I n f.-R egt. Kaiser Wilhelm (2. Grobherzogl. Hessisches) Nr. 116.

* Kirchliche Feier für die Aufrichtung des Reiches. Ein Ausschreiben deS Großh. OberconsistoriumS veift die evan- gelischen Pfarrämter an, die Ausrichtung deS Reichs, am Sonntag den 19. d. M. durch ein festliches Gepräge tragenden Dank- und Bittgottesdienst zu feiern.

* Bolksbäder. Warum soll der Mensch baden? Antwort: 1) um sich rein zu halten- 2) um eines« theils sich abzukühleu, andrerseits zu erwärmen je nachdem dieser oder jener Zweck erfüllt werden soll. Die menschliche Haut benöthigt der regelmäßigen Reini- gnng, weil dieselbe fortgesetzt in hohem Grade verunreinigt wird durch die ihr in unseren Organismus zugetheilte Function der Absonderung und Athmung. Die durch­schnittliche Absonderung der Hautflüssigkeit beträgt in 24Stunden etwa 700 G amm, in ihr gelöst befinden sich wichtige Salze, Fettkörnchen, fette Säuren und abgestoßene Hautzellen, alles Stoffe, die nach der Verdunstung des Wassers zugleich mit dem Schmutz der Umgebung eine fettige Schicht bilde», die in Folge ihres Gehaltes an organischen Stoffen der Zer­setzung, Gährung und Fäulniß außerordentlich zugänglich sind und beim Verbleiben auf der Haut die wettere Haut- rhätigkeit auf das ernstlichste beeinträchtigen- die fernere normale AbfonderungSthätigkeit durch Verstopfung der Haut­poren erschweren und ausschließen. Man hat in stark ge­brauchter Leibwäsche auf je 100 Pfund ihres Gewichtes bis 4 Pfund Schmutz nachgewiesen. Als Athmungsorgan vollzieht die Haut auf dem Wege der Diffusion fortgesetzt eine Ausscheidung und Aufnahme von Gasen (Kohlensäure, Kohlenwafferstoff, Schwefelwafferftoff, Ammoniak und Fett­säuren) und zwar auch an Punkten, die keine Schweißporen besitzen, vielmehr ist die Haut selbst für Gase durchdringlich, hauptsächlich dann, wenn sie von außen mit Luft in Be­rührung steht. Endlich ist hier zu erwähnen, daß 70 bis 80 pCt. der überflüssigen Wärme des Körpers durch die Haut abgesondert wird (der Rest durch die Lungenluft.) Man weiß, daß, wenn ein Drittel der Haut verbrannt ist, oder wenn man ein Drittel der Hautoberfläche mit Firniß überstreicht und dadurch ihre Thätigkeit ausscheidet, dies ge­eignet ist, den Tod des Menschen herbeizuführen. AuS dem Allen kann man entnehmen, von welcher ungeheuren Wichtig­keit für das Wohlbefinden deS GesammtorganiSmuS eine regelrechte Hautthätigkeit ist, und wie dieselbe durch die stets sich bildende Schmutzschicht gestört werden muß. Senden wir deshalb außer unserer Wäsche unseren Körper öfter in das Bad. Jeder, der fich über diese Frage eingehender unterrichten will, verweisen wir auf die intereffante Schrift von Leo Vetter:Moderne Bäder" (Stuttgart, G. I. Göschen'sche Verlagsbuchhandlung, Preis 2 Mk.), dem wir Obiges entnommen haben. Dort finden wir auch Aufschluß über die Einrichtung, den Betrieb und die Rentabilität der in Deutschland bis jetzt von Städten und gemeinnützigen Gesellschaften gegründeten Badeanstalten. Alle diese An­stalten haben neben Douchen, Wannenbädern auch ein oder zwei Schwimmbassin-, die meisten auch die heilkräftigen Heiß­luft- und Dampfbäder mit Maffage. Die Einrichtung dieser letzteren Bäder dürfte gerade in unserer Stadt ein dringen­des Bedürfniß sein, um den vielen Kranken, die derselben benöthtgen, den Gebrauch derselben zu ermöglichen. In allen Anstalten findet sich die übereinstimmende Einrichtung, daß jederzeit Douchebäder zu 10 Psg. genommen werden können, und daß an bestimmten Wochentagen, mit Regel Mittwochs - und SamStag - Nachmittags und Abends das Schwimmbassin für nur 10 Pfg. zur Benutzung geöffnet ist. Auf der anderen Seite gibt eS überall Wannenbäder in mehreren Klaffen je nach der eleganteren Einrichtung, so daß den Ansprüchen aller Bevölkerungskreise Rechnung getragen wird. Unum­gänglich nothwendig erscheint die Herstellung eines Schwimm­bassins und das aus mehreren Gründen.Was das Schwimmen anbelangt, so ist eS in meinen Augen daS Ideal der Ideale für die harmonische Ausbildung deS Körpers. ES gibt keine körperliche Uebung, welche einem gut geleiteten Schwimmen sich vergleichen lassen könnte", hat der frühere preußische Unterrichtsminister Göhler im Jahre 1883 einmal behauptet. Jeder Schwimmer wird ihm Recht geben, und jede Mutter wird bestätigen, daß das Kind niemals einen gesünderen Hunger mit nach HauS bringt, als wenn es vom Baden, vom Schwimmen kommt. Die günstige, ge­sunde Reaction, welche daS kühle Bad im menschlichen Körper hervorruft im Bade von 35° C wird die einfache, bei 300 C die doppelte, bei 20° C die vierfache Wärmemenge dem Gesunden erzeugt tritt noch mehr in Erscheinung, wenn sich zum physikalischen Etofluß der Wafferwärme noch ausgiebige MuSkelübungen hlvzugesellen, wenn der Mensch nicht nur badet, sondern schwimmt. Das Schwimmen ist die vollendetste aller Turnübungen, weil e« alle Muskeln deS Körpers in Anspruch nimmt - dabei ist die Schwimm­halle eine staubfreie Turnhalle und der Schwimmer wird durch keine Schweißbildung belästigt. Da bet dem Schwimmen besonders die Brustmuskeln und Athemmuökeln geübt werden, so wird die AuSathmungSfähigkeit der Lungen durch regel­mäßiges Schwimmen vergrößert und daS Schwimmen ist von der heilsamsten Wirkung für alle Diejenigen, die an Schwäche der AthmungSorgane, Verengerung des Brustkorbes leiden. Wenn das Wort Virchows wahr werden soll, daß die Mensch­heit die Tuberculose überwinden müffe, wie sie den Scorbut überwunden habe, so müffen in diesem Kampf die Schwimm­bäder für Alt und Jung, Arm und Reich, Frauen und Männern eine erste Stelle einnehmen. Die Einrichtung der Schwimmbäder garantirt aber für eine solche Anstalt auch die Rentabilität, denn die Frequenz kann am meisten ge­steigert werden. So sehen wir, daß in den Jahren 1888 bis 1894 die Frequenz deS Schwimmbads fich steigerte

in Zittau von 17,919 auf 36,917

Görlitz 21,892 30,648

Offenbach 37,946 75,906

Elberfeld 143,690 267,202

Hoffen wir, daß es dem vereinten Streben unserer | Bürgerschaft gelingen möge, auch den Bewohnern Gießens die Segnungen eines solchen Bades zu verschaffen.

* * Strafkammerfitzuog. In der gestriger: Verhandlung hatte sich die Strafkammer mit einem Betrugsversuch des WirtheS und MetzgerS Chr. JlgeS von Schotten zu be­schäftigen. DaS Schöffengericht Scholten har den Metzger- meister mit 50 Mk. Geldbuße bestraft, weil er die fette Sau, um deren Kauf eS sich bei der Strafthat handelt, um ganze 4 Pfund leichter erscheinen laffeu wollte, als sie that- sächlich wog. Der Bauer Conrad Schäfer von Mittelbach war nämlich am 14. Juni v. I. zu Schotten im Laden deS Angeklagten mit deffen Sohu dabei, ein ihm verkauftes Schwein au-zuwiegeu. Der alte JlgeS saß mit der langen Pfeife im Munde mit dem ehrlichsten Gesicht in der Welt dabei, einen seiner Füße unter die Waagschale haltend, so das nach unten ziehende Schwein in die Höhe hebend. Als Schäfer dies merkte, so erklärte er, heute als Zeuge ver­nommen, sei er aufgebracht gewesen und habe den Ange­

klagten einen verfluchten Ker', der ihn betrügen wolle, ge­heißen. Beim nochmaligen Wiegen der Sau habe diese

3 bis 4 Pfund mehr gewogen, als das erste Mal. Der

Gerichtshof war mit dem Bordergericht der Meinung, daß der schlaue Metzger geglaubt, einen dummen Bauer vor sich zu haben, den er betrügen könne, und bestätigte daS erst­instanzliche Urtheil. Beim Verlaffen der Anklagebank meinte JlgeS, er sei doch ein ehrlicher Kerl, wovon er allerdings beim Sauhandel keinen Beweis geliefert hat.

* Verhaftet wurde gestern ein hier in Stellung gewesener Kellner wegen Betrugs. Derselbe hatte bei verschiedenen Geschäftsleuten Geld geborgt und dieselben im Glauben gelassen, als ob er noch in Stellung sei, trotzdem er bereits entlaffen war.

* * Von der hiesigen Raturalverflegstation wurden im Jahre 1895 4766 Handwerksburschen mit einem Kosten- aufwande von 2954 Mk. 92 Pfg. verpflegt, mithin 885 weniger als im Jahre 1894. Für vorübergehend an­wesende kranke Reisende, die die Verpflegung nicht in An­spruch nehmen konnten, wurden 100 Karten ä 25 Pfg. aus- gegeben. ES hat demnach die Inanspruchnahme der Ver­pflegung ganz bedeutend abgenommen.

Fahrlässige Körperverletzung. Am Sylvefterabend machte fich zu Klein linden ein junger Mann in einer dortigen Wirthschait mit einem geladenen Terzerol öfter zu schaffen. Der Wirth verbat fich solches. Nun ging der Betreffende in den HauSgang und schoß zur HauSthüre in den Hof hinaus. In demselben Augenblick wollte aber ein dortiger Einwohner in das Haus gehen und erhielt die Ladung in den HalS, so daß nicht unbedeutende Brandwunden entstanden.

* * Gardtnenbrand. Heute Vormittag gegen zehn Uhr sand in einem Hause des Selterswegs ein Gardinenbrand statt, welcher durch ein mit Feuerzeug spielendes Kind ver­ursacht wurde.

* * Jubiläum. Am NeujahrStag beging der Lokomotivführer Konrad Hahn von der Matn-Weser-Bahn in aller Stille die Feier seines 25 jährigen Dienstjubiläums. Die College« des Jubilars ehrten denselben durch Ueberretchung einer GratulationStafel, indem sie den Wunsch aussprachen, daß der Jubilar weitere 25 Jahre glückliche Fahrten zurücklegen möge, welchem Wunsche wir uns gern anschließen.

* * Verkehr auf dem Polizeiamt. Auf Großherzoglichem Polizeiamt verkehrten gestern nach einer vorgenommenen Zählung 296 Personen, obschon der Tag keiner von den bekannten verkehrsreichen war.

* Neujahrs Briefverkehr Es dürfte allgemein interes- siren, welchen Briefverkehr das Postamt Gießen infolge des Jahreswechsels zu bewältigen hatte. Es wurden bestellt am 31. December 31,000, am 1. Januar 42,000, am 2. Januar 19,000 Stadt Briefsendungen, im Ganzen 92,000 Stück. Im Vorjahre wurden bestellt am 31. Decbr. 28,900, am 1. Januar 51,000, am 2. Januar 19,600 Stadt- Briefsendungen, im Ganzen 99,500 Stück. Hiernach sind in diesem Jahre 7500 Neujahrsbriefe weniger bestellt, als im Vorjahre. Jnteresiant wäre es, festzustellen, ob auch an anderen Plätzen der NeujahrS-Briefverkehr sich vermindert hat. Zur Bewälrigung dieses MaffenbriefverkehrS standen dem Postamte 24 Briefträger zur Verfügung, sodaß jedem derselben in den drei Tagen die Bestellung von 3835 Briefen oblag. DaS höchste Quantum Briefe, welches auf einem Be­stellgang geleistet wurde, betrug 1500 Stück. Zu bemerken ist noch, daß in Gießen sonst durchschnittlich täglich 6030 Briefsendungen zu bestellen find.

* * Die Organisation des Handwerk». Den Vorständen sämmtlicher OrtSgewerbevereine ist ein Ausschreiben der Großh. Centralftelle für die Gewerbe zugegangen, aus welchem wir Folgendes entnehmen: In neuerer Zeit wild versucht, die hessischen Handwerker für die sogenannten ZwaugStnnungen zu gewinnen. Wie solche obligatorische Innungen und auf denselben beruhende Handwerkskammern für das Königreich Preußen geplant waren, ergiebt eine Mitthcilung über den sogenannten Berlepsch'schen Entwurf, welche die Nr. 38 des diesjährigen GewerbeblattS unter Die Organisation deS Handwerks" gebracht hat, während Nr. 50 des Gewerbeblatis den Entwurf eines Gesetzes, be­treffend die Errichtung von Handwerkskammern bringt, wrlcheS eben jetzt dem deutschen R ichStage vorliegt. Es ist nun erforderlich, wenigstens einen Thetl der irrthümlichen Auf­fassungen und Darstellungen zu berichtigen, welche von den Freunden der Zwangsinnungen, namentlich auch durch Zeitungs­artikel verbreitet worden sind. Richtig ist in diesen Mit- rheilungen, daß in Folge einer vom Ortsgewerbeverein Alzey gegebenen Anregung, ober mit wesentlicher Aenderung der von dort gemachten Vorschläge, ein Entwurf, betreffend die Errichtung von HandwerkerauSschüffen und Handwerkskammern, auch hier bearbeitet wurde, welcher zu einem vorläufigen, jedoch nicht endgültigen Absch gebracht war, bevor der obengenannte Gesetzentwurf dem BuudeSrathe deS deutschen Reiches zuging. Der hier bearbeitete Entwurf gliedert fich | folgendermaßen: Bildung von zahlreichen Handwerker-AuS-

schüffen. Zusammensetzung derselben auS den Vertretene von sieben Fachgruppen. Zugehörigkeit der verschiedene» Gewerbe zu den Fachgruppen. Wahlberechtigung und Wählbarkeit für die Handwerkerausschüffe. Vornahme der Wahl der Handwerkerausschüffe. Reklamationen gegen die Gültigkeit de. Wahl. Organisation und Befugnisse der Handwerkerausschüffe. Bildung von Handwerkskammer« aus den Handwerkerausschüssen. Aufgaben der Handwerks­kammern. Beziehungen derselben zu der Centralftelle für die Gewerbe. Fachkommissionen zur Berathung von Angelegen­heiten, welche einzelne Fachgruppen betreffen. Stellung der Handwerkerausschüffe zu den Vorständen der OrtS-Ge- Werbeverein?. Sitzungen der Handwerkskammern und Fach­kommissionen. Ecsatz von baaren Auslagen an die Mit­glieder der Handwerkskammern. Bestreitung der Kosten der Organisation auS der Kaffe der Centralftelle für die Gewerbe. Einer der bet diesem Entwürfe leitenden Ge­danken ist gewesen, daß auch dem ländlichen, sowie dem klein- und mittelstadtischen Handwerk eine seiner großen Bedeutung entsprechende Vertretung gegeben werden müffe, während bei Schaffung von Zwangsinnungen drr Schwerpunkt fast ganz in den großen Städten liegen würde. Auch darf nicht un- erwähnt bleiben, daß der dem Reichsgesetzentwurf vielfach gemachte Borwurf, dies Gesetz stelle für die geplanten Hand­werkskammern keinen Unterbau her, dem obigen VerordnungS- entwurf nicht gemacht werden kann. ES ist aber nicht richtig, daß der hier bearbeitete Entwurf schon jetzt den OrtSgewerbe- vereinen zur Begutachtung vorgelegt sei. Derselbe war nur den Mitgliedern deS engeren AuSschnffrS des LandeSgewerbe- verein», dem die Vorbereitung wichtiger Angelegenheiten ob­liegt, und zwar zur Erledigung einer Vorfrage zugegangen. Die Nr. 50 deS Gewerbeblatts bringt da» Wesentliche über die betreffende Berathung; eS ist aber auch hier besonder» hervorzuheben, daß in Aussicht genommen wurde, über den Entwurf auch Mitglieder der im Großherzogthum bestehenden Innungen und andere Vertreter deS Handwerks zu hören. Das kann allerdings nicht in nächster Zeit geschehen, weil bei einem amtlichen Vorgehen in der Frage der Organisation des Handwerks die bevorstehenden ReichstagSverhandluugen nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. Das Ausschreiben er­wähnt nun die Bedenken, welche über die geplanten Be­ziehungen zwischen den Handwerkskammern nebst Handwerker­auSschüffen einerseits und dem LandeSgewerbeverein andererseits laut geworden find, und berichtigt die Ansicht, als beständen die OrtSgewerbevereine zum größeren Thetl auS Nicht-Hand- Werkern, nachdem dann hervorgehoben ist, daß die in die OrtSgewerbevereine gewählten Ntchthandwerker den weitau» größten Theil ihres gemeinnützigen Wirkens dem Kletngewelbe widmen, schließt eS folgendermaßen: Don den zahlreichen und durchweg schwierigen Fragen, welche bezüglich der Organi­sation des Handwerks vorltegen, ist hier nur ein sehr kleiner Theil berührt worden, und eS ist nicht beabsichtigt, die irr- thümlichen Auffassungen, welche in dieser Sache zu Tage ge­treten find, sämmtlich zu besprechen. Der hauptsächliche Zweck dieser Zeilen ist, die OrtSgewerbevereine und namentlich die ihnen angehörenden Handwerker angelegentlich zu ersuchen, tu den Fragen der Organisation deS hessischen Handwerks nicht eher Stellung zu nehmen, bis sie Gelegenheit gehabt haben, von dem in Betracht kommenden umsangreiche» Material Einsicht zu nehmen und dasselbe zu prüfen. Um Letzteres zu ermöglichen, wird das Gewerbeblatt u. A. auf den hier vorbereiteten Entwurf demnächst zurückkommen. Bei der Organisation deS Handwerks handelt eS sich um eine Sache, über welche man fich nicht kurzer Hand in wenige« Stunden entscheiden sollte, wie es Seitens einiger Handwerker- Vereinigungen leider bereits geschehen ist. ES wird dafür gesorgt werden, daß behufs Vorbereitung gründlicher Be- rathungen allen Betheiligten daS hierzu erforderliche Material zugänglich gewacht wird.

n. Großen Linden. 3. Januar. Der Großh. Forstwart Förster Menges dahier feiert am 5. d. MtS. fein 50jähriges Dienstjubiläum.

Nidda, 1. Januar. Unsere Stadt hat in voriger Woche bei Michelnau die sogen. ArnoldSwtese zwecks einer Wasser­leitung nach Nidda käuflich erworben. DaS Quellengebiet wird etwa 300 Cubikmeter 300 000 Liter Wasser liefern. Bei der kürzlichen äußeren Kenntlichmachung der Straßen und Häuser durch moderne Porzellantäselchen haben ver­schiedene Häuserreihen bezw. Straßen neue Benennungen erhalten. Die Unsitte de» Neujahrschießens ist Dank der Fürsorge unserer Polizei fast ganz in Wegfall gekommen.

§ Grebenhain, 3. Januar. H^r erlitt ein zehnjährige» Mädchen, welches eine Wärmflasche zu heiß gemacht hatte, durch Explosion den Verlust von einigen Zähnen- auch eine Schwester erhielt durch Sprergstücke der Flasche Verwun­dungen, mehrere Fensterscheiben zersprangen.

H. An» dem Horloffthale, 3. Januar. Da» Schießen und Lärmen in der Neujahrsnacht hat in diesem Jahre ganz bedeutend abgenommen. Die Leute haben daS Gcld, welches durch Schießen verpufft wird, in vernünftiger Weise dazu benutzt, etliche GlaS Bier dafür zu trinken. Von Unglücks­fällen, die früher durch uuvorfichtigcs Schießen herbeigeführt wurden, ist in der ganzen Gegend nichts bekannt geworden. Dagegen haben manche Landwirthe den alten Brauch wieder geübt, am Sylvesteriage ihre Obstbäume mit Strohseilen zu umbinden. Hierdurch soll die Fruchtbarkeit der Bäume erhöht werden. Der Brauch ist weiter verbreitet als mancher glaubt und reicht vielleicht bis in die Heidenzeit zurück. In Litauen umwickelt man die Bäume währind der Weihnachtszeit mit einem Strohbande, damit sie im kommenden Jahre reichliche Früchte tragen möchten. Beim Anbringen deS Bandes muß man aber genau darauf achten, daß der Knoten ja nicht von oben nach unten, also nicht dem Safttriebe entgegen, unter das Band gesteckt wird. Geschähe diese», so müsse der Baum verdorren.

-e. Nen Ulrichstein, 1. Januar. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro December 1 89 5. Ende December 1895 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitSloL