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Nr. 155
Der chietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».
Die Gießener Ksmittenßtüller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt.
Zweites Blatt._______Samstag ben 4. Juli_____________________
Meßmer Anzeig er
Keneral-Mnzeiger.
1896
vierteljähriger A-onnemenlspreiO I 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Pfg.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
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Alle Unnoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeign" entgegen.
lmshöhe), Met« a $t. 1.20.
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ht mit ftutrwtk, forgt bestens unser treuer 6114 Der Vorstand,
Amtlicher Theil.
auf en, am 1. Juli 1896. Betreffend: Dekanatsmissionsfest in Burkhardsfelden. Das Großh. edangel. Dekanat Gießen an die evangelische« Pfarrämter und Gemeinden des Dekanats.
Am nächsten Mittwoch, den 8. Juli, Vormittags 10 Uhr beginnend, wird in Burkhardsfelden ein Missionsfest gefeiert werden, zu welchem ich Sie freundlichst einlade. Die Herren Geistlichen des Dekanats werden ersucht, ihre Gemeinden nächsten Sonntag noch besonders einzuladen und zur Theil- nahme anzuregen. Vormittags predigt über äußere Mission Herr Pfarrer Ahlheim aus Münster, Nachmittags über innere Mission Herr Pfarrer Deggau aus Heuchelheim, ebenso wird Herr Missionar Just aus Dresden über seine Erlebnisse in der Heidenwelt Miltheilungen machen.
Wahl.
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Die Annahme des Bürgerlichen Gesetzbuches im Reichstage.
)mann mein Bestreben sein, iftiedenheit zu bedienen.
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Kaiser I,
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15. Juli.
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Mit großer Mehrheit hat der Reichstag noch unmittelbar vor seiner sommerlichen Vertagung daS Bürgerliche Gesetzbuch endgtltig angenommen und hiermit dieses gewaltige gesetzgeberische Werk noch eher verabschiedet, als vielfach bislang vermulhet worden war. Die Genehmigung dieser fast 2500 Paragraphen umfassenden Rtesenvorlage Seitens der parlamentarischen Vertretung der Nation fügt den bedeutungsvollen Schlußstein in das stolze Gebäude der deutschen Einheit ein, der vor einem Vierteljahrhundert auf den Schlachtfeldern Frankreichs blutig genug errungenen politischen und nationalen Einigung des deutschen Volkes, zu welcher der Grundstein allerdings schon durch die kriegerischen Ereignisse des Jahres 1866 gelegt worden war, folgt jetzt endlich auch seine Einheit auf dem Gebiete des bürgerlichen Rechts nach. DaS bisherige bunte Durcheinander des Rechts in Deutschland mit seinen hunderilet verschiedenen Gau-, Land-, Stadtrechten usw. wird nunmehr im Großen und Ganzen einer einheitlichen Rechtsprechung weichen, wie sie der Einheit deS deutschen GesammtvaterlandeS nach außen auch nur entspricht. Wenn der Gesetzgeber aber selbst jetzt noch für gut gehalten hat, keineswegs unser gesammteS Rechtsleben über den nationalen EtnheitSkamm zu scheeren, sondern vielfach noch landesrechtliche und particularistische Bestimmungen beizubehalten, so wird dies der praktischen Einführung deS neuen RechtSducheS im deutschen Volke schwerlich etwas schaden, sie wird im Gegentheil gewiß nur erleichtert, wenn fich in jenem die Anschauungen und Bedürfnisse im neuen Reiche mit berechtigten Eigenthümlichkeiten einer früheren Zeit verschmelzen.
Feuilleton.
Die Mausefalle von Nancy
Eine Erinnerung auS dem Jahre 1870.
Don Fred Vincent.
(2. Fortsetzung.)
Am heutigen Abend hatte die tiefe Dunkelheit, die ungewöhnlich früh hereinbrach, der heulende Wind und der peitschende Regen die Wachsamkeit der Posten sehr erschwert und der Offizier der Feldwache hatte den verhäugnißvollen Fehler begangen, dieselbe durch Absendung zu vieler Patrouillen unoerhältuißmaßig zu schwächen. Die letzteren aber waren, wie fich am nächsten Tage herauSftellte, sämmtlich in irgend einen mit großem Raffinement gelegten Hinterhalt gefallen und abgefangen worden. Als sodann der mit genauer OrtSkeontniß vorbereitete Angriff von allen Seiten gleichzeitig erfolgte, waren die Poften überrumpelt worden, die Feldwache jedoch zu schwach gewesen, um erfolgreich Widerstand zu leisten.
Unser Verwundeter hatte aus Doppelposten am jenseitigen Ufer neben der Hecke gestanden, die bei sämmtlicheu sranzöfischen Bahnstrecken als Schutz gegen Schneewehen zu beiden Seiten hinläuft, als er plötzlich durch einen heftigen Stoß in den Rücken zu Boden geschleudert wurde. Der Stich wäre unfehlbar tödtlich gewesen, wenn er nicht den Tornisterriemen getroffen und dadurch viel von seiner Wucht verloren hätte. Unser Mann war rasch wieder auf den Füßen und hatte mit einem einzigen Kolbenstoß den heimtückischen Angreifer die Böschung hinuntergefchleudert, woraus I
Lange, gründliche und mühevolle Vorarbeiten find es aber gewesen, welche der parlamentarischen Behandlung des Bürgerlichen Gesetzbuches vorangingen, sie haben im Ganzen einen Zeitraum vou 22 Jahren beansprucht. In dieser ausgedehnten Frist haben zwei Commissionen, die erste aus berühmten Rechtslehrern, die andere neben hervorragenden juristischen Gelehrten auch aus namhaften praktischen Juristen und erfahrenen Verwaltungsbeamten bestehend, nach einander den ihnen unterbreiteten riesigen gesetzgeberischen Stoff gesichtet und mit peinlicher Gewissenhaftigkeit im Einzelnen geprüft, aus welcher jahrzehntelangen Vorprüfung dann die eigentliche Reichstags-Vorlage hervorgiug. Dieselbe ist schließlich auch von der eigenen Commission deS Reichsparlamentes noch beinahe durch fünf Monate hindurch ebenfalls gründlich erörtert worden, für das Plenum lag dann angesichts einer solchen erschöpfenden Vorberathung der Einzelheiten des Bürgerlichen Gesetzbuches wahrlich kein zwingender Anlaß mehr vor, nun seinerseits vielleicht noch monatelang den Entwurf mit seinen weit mehr als 2000 Paragraphen zu besprechen.
Jene Fragen aber, über welche in der Commission deS Reichstages noch keine genügende Klärung erzielt werden konnte, find in der zweiten und dritten Plenarlesung des bürgerlichen Gesetzbuches wahrhaftig breit genug behandelt worden,- im Uebrigen konnte doch auch der Schwerpunkt der parlamentarischen Erörterung gerade dieser so außergewöhnlich umfangreichen und dabei technisch vielfach fo schwierigen gewaltigen Vorlage nur in der Commission und nicht im Bollparlament ruhen.
Jetzt steht nun das große Werk vollendet da, nur noch der zweifellosen Sanktion Seitens des BundeSratheS und der Vollziehung durch den Kaiser harrend. Niemand, selbst seine eifrigsten Freunde und Förderer nicht, wird behaupten wollen, daß eS ganz tadellos ausgefallen fei, das Bürgerliche Gesetzbuch enthält vielmehr unstreitig noch so manche Lücken, Schwäche» und Fehler mehr oder minder bedenklicher Natur. Ader trotz alle- und alledem find seine Vorzüge doch so entscheidend und so groß, besonders immer wieder in Hinblick auf die durch das neue Gesetz jetzt im Allgemeinen erfolgende Verwirklichung der deutschen Rechtseinheit, daß ihnen gegenüber die vorhandenen bedenklichen Punkte des Werkes zurückstehen müssen. Gewiß kann man nur aus vollem Herzen hoffen und wünschen, daß das jetzt im begonnenen zweiten Bierteljahrhundert der Existenz deS deutschen Reiches zu Stande gekommene Bürgerliche Gesetzbuch den auf dasselbe zu setzenden Erwartungen und Hoffnungen auch entsprechen möge.
x Bad-Salzhausen, 2. Juli. Bäderfrequenz. Im verfloffenen Monat wurden 771 Bäder gegen 577 im Juni 1895 abgegeben, womit eine Einnahme von 604 Mk.
30 Pfg. im Juni er., gegen 472 Mk. 40 Pfg pro Juni 1895, verbunden gewesen ist. Diese Bäder waren: 4 Wannenbäder 1. Kl., 749 Wannenbäder 2. Kl. und 18 kalte resp. Armenbäder im vorigen Monate, gegen 25 Wannenbäder 1. Kl., 539 Wannenbäder 2. Kl. und 13 kalte resp. Armenbäder im Juni 1895. — Der Preis der Bäder in vorstehender Reihenfolge beträgt: 1 Mk. 20 Pfg., 90 Pfg., 70 Pfg. und 40 Pfg. für eine Person und ein Bad. — Am meisten ist unsere Anstalt von Bewohnern Niddas und der näheren Umgegend srequentirt, welche bei dieser Gelegenheit auch die heilsamen Mineralquellen unseres Kurortes fich nutzbar machen.
WormS, 1. Juli. Die Stadtverordneten-Ver- fammlung nahm das von der Stadtverwaltung entworfene und vom Gewerbegericht gutgeheißene Statut des städtischen Arbeitsamts an und bewilligte zu seiner Errichtung eine einmalige Ausgabe von 1100 Mk., sowie eine dauernde Ausgabe von 1500 Mk. jährlich (für Vorsteher des Amtes, Drucksachen und Porti). Als Vorsteher soll ein mit den gewerblichen Verhältnissen der Stadt gut bekannter Handwerksmann betraut werden.
A Mainz. 1. Juli. Durch die von dem Verwaltungsrath der Hessischen Ludwigsbahn in dem gestern veröffentlichten Vortrag eingenommene befürwortende Haltung des Kaufssserts der Regierung ist das Schicksal der Gesellschaft keineswegs besiegelt, sondern die Entscheidung liegt in den Händen der zwei großen Actiengruppen Berliner und Hamburger Bankfirmen, die sich in dem letzten Augenblick bei den auswärtigen Anmeldestellen eine beträchtliche Majorität für die Generalversammlung gesichert haben. Beide Actiengruppen find fest entschlossen, es auf das Aeußerste ankommen zu lassen, doch weichen sie insofern von einander ab, als sie nicht die gleichen Ansprüche erheben. Die durch die Hamburger Bankfirmen vertretenen Aktionäre — weitaus die größere Zahl — glaubt, an dem Preise von Mk. 800 per Aktie sefthalten zu können, während die Berliner Aktionäre wesentlich bescheidener in ihren Anforderungen find und fich mit Mk. 750 per Aktie begnügen wollen. Mau ist nun gegenwärtig von verschiedenen Seiten bemüht, beide Actiengruppen zu vereinigen, um mit mehr Erfolg seinen Ansprüchen der Regierung gegenüber Geltung verschaffen zu können. Inzwischen find, wie wir von unterrichteter Quelle erfahren, von berufener und unberufener Seite sowohl in Darmstadt wie in Berlin Versuche gemacht worden, die Regierung nochmals zu einem höheren Gebot zu bewegen. Mit welchem Erfolg, wird die Zukunft lehren.
erzielt man blendend weiße Wäsche,
ZOkVWJV bei größter «chonang der Stoffe mit LettermarmSr Wäsche-Laugen-Sxtract oder jä Packet , Salmiak-Terpe«tin-Fettla«ge«mehl <15 Pfg. Man achte genau aus die unter Ät« 11778 patentamtttch geschützte Marke: (Fabrikant L. Lettermann in Elberfeld). 3331
er über die Brücke zurückeilte, da von dort der Schall einzelner SchÜffe zu ihm herübertönte. Doch kaum hatte er daS diesseitige Ufer betreten, so zerschmetterte ihm eine Kugel den Schenkel, daß er bewußtlos zusammensank. Als er bann wieder zu fich gekommen, war alles still geworden und er kroch so rasch als möglich die Schienen entlang. Noch war er nicht weit gekommen, da flog die Brücke in die Luft und nun arbeitete er fich mit aller Macht weiter, bis er die herankommende Locomotivlaterne des Zuges erblickte. Trotz Sturm und Regen gelang es ihm, einige Bogen ZeiiungS- papier, die er im Tornister hatte, anzuzünden und als Fanal hin und her zu schwenken, woraus der Zug anhielt und ihn aufnahm.
Am nächsten Morgen vor sechs Uhr stand unser Zug bereit, um die auf Requisition deS Gouvernements von der Stadt zu stellenden Arbeiter nach der gesprengten Brücke zu bringen. Zur Bedeckung war ich mit einem Theil meiner Mannschaften commandirt. Allein es wurde sechs, es wurde sieben und acht Uhr, ohne daß fich ein Arbeiter hätte sehen lassen oder daß unS irgendwelcher Befehl zugekommen wäre. Kurz vor neun Uhr jedoch erschien eine Ordonnanz und bestellte wich für zehn Uhr auf daS Bureau deS Gouvernements im herzoglichen Schloß am „Place StaniSlaS". Da eS noch früh war, fo wollte ich mir die Stadt, die ich noch gar nicht kannte, etwas ansehen und ging, um mich zu orientiren, zunächst die breite Straße hinunter, welche mich nach Angabe der Ordonnanz auf den „Place Stanislas" bringen sollte. Unterwegs machte ich die eigenthümliche Beobachtung, daß die begegnenden Franzosen dem „Prussien" nicht mit finsterer Miene aus dem Wege gingen oder ihm den Rücken wendeten,
wie in anderen von uns besetzten Städten, sondern daß fie, eifrig zusammen flüsternd vor ihren HauSthüren standen, den Vorübergehenden mit spöttischem Gesicht betrachteten, um fich hinter feinem Rücken alScann einer gewissen grimmigen Fröhlichkeit hinzugeben.
Endlich hatten fie den „Place StanislaS", auf welchen die Bewohner von Nancy fo stolz find, erreicht, und ich muß gestehen, dieselbe macht einen ebenso eigenartigen wie geschmackvollen Eindruck. Die Mitte deS kreisrund angelegten Platzes nimmt auf hohem Postament daS Reiterstandbild deS polnischen Königs Stanislaus LeSzczhnSki (Schwiegervaters Ludwig XV.) ein, während von drei Seiten durch hohe eiserne Gitter mit vergoldeten Spitzen hindurch drei breite Straßen auf denselben einmünden und auf der vierten Seite der Park mit dem herzoglichen Schlosse liegt, ebenfalls durch ein derartiges Gitter von dem Platze getrennt. Zwischen den Gittern wird der Platz eingefaßt von niedrigen Gebäuden im italienischen Loggienstil mit Säulen u. s. w. Diese Häuser find färnrnt« lich als Cafvß und Restaurants eingerichtet und dienen dem feinen Publikum von Lothringens Hauptstadt als beliebte Rendezvousgelegenheiten. Namentlich war dies damals um die Mittagszeit der Fall, wo regelmäßig um zwölf Uhr wie in einer deutschen FriedenSgarnifon die Wachparade abgenommen wurde und irgend eine Regimentsmufik einige Stücke spielte.
Aus dem Gouvernementsbureau sand ich noch eine Anzahl anderer Offiziere versammelt, darunter auch den mir bereits von der Nacht her bekannten Adjutanten, der uns sehr eingehende Instructionen ertheilte:
„Ich habe bereits heute Nacht auf Befehl Seiner Excellenz


