Kanzlers für alle Nebel verantwortlich zu machen fei, worüber geklagt w-.rde, namentlich für den Abbruch der früheren günstigen Beziehungen zu Rußland.
Rom, 2. November. Die Leiche des Cardinal- Hohenlohe wurde gestern nach der Capelle des deutschen Friedhofes gebracht, wo morgen da- Begräbniß stattfindet. Kaiser Wilhelm beauftragte den Gesandten v. Bülow mit seiner Vertretung und ließ einen kostbaren Kranz am Grabe viederlegen. Auch andere Fürstlichkeiten haben Kränze gespendet.
Paris, 2. November. In der rusfifchen Kirche wurde gestern eine Gedächtnißfeier zum Sterbetage Alexanders III, gehalten.
Petersburg. 2. November. Die Rückkehr des Zaren- Paares erfolgte vorgestern Abend. Gestern wohnte dafielbe mit der Kaiserin Wittwe, sämmtlichen Großfürsten und Großfürstinnen in der Kathedrale der Peter-Pauls-Festung einer Todtenmrsse für Kaiser Alexander III. bet.
Rewyork, 2. November. Ein buntes Leben herrschte gestern in den Straßen anläßlich des großen Auszuges der Kaufleute zu Gunsten Mac Kinleys. Etwa 150,000 Menschen betheiligten fich am Aufzuge. Die Stadt war prächtig decorirt.
CoceUs rrnd ^provinzielles,
Gießen, den 2. November.
Dieustnachrichten. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, am 31. October den Oberförster der Oberförsterei Maulbach Heinrich Schäfer in die Oberförfterei Mönchbruch zu versetzen und den Forst« affesior August Möller aus Alsfeld zum Oberförster der Oberförsterei Maulbach zu ernennen.
•• Ratiooalltberale Wähler Versammlung. In Steins Saalbau fand gestern Vormittag eine vom uationalliberalen Wahlcomitö einberufene Wähler-Versammlung statt. Herr Stadtverordneter Kirch, welcher den Vorfitz führte, erklärte in seiner Eröffnungsansprache, daß es die Partei für ihre Pflicht gehalten, zur bevorstehenden Wahl ebenfalls einen Candidaten aufzustellen, und zwar in der Person des Herrn Carl Meinert. Leider hätten mancherlei Umstände mtt- gewirkt, daß die Versammlung etwas verspätet rtnberufen werden konnte. Herr Metnert sei leider durch Kranksein verhindert, persönlich zu den Wählern zu sprechen- eS habe fich auf ergangene Einladung Herr Dr. Osann bereit erklärt, für Herrn Meinert einzutreten- er danke demselben für seine Bereitwilligkeit NamenS der Partei. Zur Geschäfts« ordnung bemerkte er, daß eine DiScusfiou wegen Mangel an Zett nicht stattfindeu könne, die Comitömitglieder hätten für den Rachmittag ihre Thätigkeit in auswärtigen Versammlungen zugesagt. — Hieraus erhielt Herr Reichstags- abgeordneter Dr. Osann daS Wort. Er wolle davon absehen, ein Programm zu entwickeln, dies hätte Herr Metnert schon vor drei Jahren tn trefflicher Weise gethan und damals seine Anfichten tn einer Weise entwickelt, die allenthalben sympathisch berührt habe. Er halte eS für eine große Er« rungenschast, wenn die Partei auf diese Weise vorgehe und eS auch tn Zukunft vermeide, persönlich zu werden. Wenn auch Herr Meinert seinen landwirthschaftlichen Standpunkt hervorhebe, so habe er sich doch nicht tn denselben festgerannt, er verschmähe eS, in die agrarische Trompete zu blasen, er habe sich über eine Reihe außerhalb der Landwirthschaft liegender Fragen ausgelassen, und betonte, daß nicht verlangt werden könne, daß Jemand nur bestimmte Interessen vertrete, sondern er müffe bemüht sein, die Jntereffeu von Stadt und Land auszugleichen suchen. Die- habe Herr Meinert gethan und die ihm dteserhalb gebührende Werthschätzung habe sich durch die auf ihn bet der letzten Wahl vereinigte große Stimmenzahl geäußert. Dieselben Grund« sätze von damals vertrete Metnert heute noch, und sei sonach seine Candtdatur geeignet, eine groß- Stimmcnzahl auf ihn zu vereinigen. ES sei diesmal die Lage auch insofern günstig, als die absolut antisemitische Bewegung im Rückgang begriffen sei. Zwar habe die antisemitische Partei bei den Landtagswahlen einen gewissen Steg erfochten, aber durch welche Mittel? Leider habe man auf dem Lande noch nicht erkannt, daß man aus einen falschen Strang geleitet worden. In Groß-Umstadt sei der Sieg der Antisemiten dadurch gekommen, daß katholische Orte auf Anrathen der Geistlichen für die Antisemiten gestimmt- auch im Wahlbezirk Butzbach hätten die Ultramontanen für die Antisemiten gestimmt, wobei als bedenkliche Erscheinung zu verzeichnen sei die Wahl eines ehemals freisinnigen, zum Antisemitismus über« gegangenen Candidaten. — Sonderbar fei es auch, daß die antisemitische Partei im Reichstage so gut wie nicht vertreten sei, denn bet wichtigen Abstimmungen fehlte sie bisher fast immer. Die Verhältnisse Hessens brächten es mit sich, daß hier erhöhte Anforderungen für die Landwirthschaft oöthig seien, da man anerkenne, daß sie der wichtigste Factor fei; wo e- sich aber um Bewilligungen erhöhter Mittel für die Landwirthschaft gehandelt, hätten immer die Nationalliberalen mitgewirkt, nicht zum Wenigsten die Abgeordneten auS den Städten. Man habe eingesehen, daß die Landwirthschaft ge« fährdct sei- die Nationalliberalen feien für Erweiterung deS Bahnnetzes tn unserem Lande gewesen, um dadurch die land- wirthschastltchen Bezirke dem allgemeinen Verkehr aufzuschließen. Die Nationalliberalen verdienten den Vorwurf, daß sie nur rlnseitige Interessen gewahrt, nicht- nicht nur für die Landwirthschaft, sondern auch für Kunst und Industrie, Handel und Gewerbe seien sie eingetreten, in der Überzeugung, daß olle in Betracht kommenden Factoren und Interessen sich gegenseitig zu ergänzen haben. — Mit dem Verlust einiger nationalltberaler Sitze in der hessischen Kammer werde fich die nationalliberale Partei abfinden, eS schade nichts, wenn neue Elemente in die Kammer kommen, man werde fich mit ihnen verständigen können und erfahren, daß die Nationalliberalen lange nicht Diejenigen find, welche nicht mit sich reden lassen. Wenn extreme Bestrebungen im Landtage wirklich zum Durch
bruch kommen sollten, so könne in Hessen mit der Regierung nicht verhandelt werden, wenn nicht eine sogenannte Mittel- Partei vorhanden sei, und im Reichstage sei dies ebenso. ES sei begreiflich, daß auch dort die extremen Elemente einerseits und die desperaten Parteien (Polen, Welfen u. s. w.) andere Interessen als diejenigen des Vaterlandes hätten, wie solle aber daS StaatSschiff ruhig weiter segeln können, wenn nicht starke Mittelparteien vorhanden seien. Die nationalliberale Partei habe in erster Linie da- Vaterland im Auge und nicht die Partei - auf dem Delegirtentage zu Berlin habe sie lediglich das Interesse deS Vaterlandes vertreten- er möchte fich verwahren zu behaupten, daß nicht andere Parteien auch von derselben Anregung auSgingen, allein in der national- liberalen Partei trete dies besonders äußerlich hervor. ES sei seit Gründung des deutschen Reiches manches geschehen, wodurch der Blick in die Zukunft getrübt worden, aber daS habe immer die nationalliberale Partei veranlaßt, die Interessen deS Vaterlandes hoch zu halten. Er wundere fich nicht, daß die focialdemokrattsche Partei wachse, fie verstehe eS, dem kleinen Mann eine schöne Zukunft zu versprechen, eS sei aber unabänderliches Gesetz, daß die Gegensätze und Unterschiede in den socialen Verhältnissen nicht verschwinden. Den Bestrebungen der Socialdemokratte gegenüber habe die nationalliberale Partei die Ausgabe, dafür zu sorgen, daß da- Staatssch ff nicht außer CourS gerathe. — Der frei- finnigen Partei sei der Vorwurf nicht zu ersparen, daß fie die Parteien trenne, wo es oft nöthig sei, zusammenzugehen. Besonders angesichts der im hiesigen Kreise bevorstehenden Wahl sei ein Zusammengehen nöthig, um vereint zu kämpfen gegen Diejenigen, welche dem Volke nicht zu haltende Versprechungen für die Zukunft machten, gegen Soctaldemo- traten und Antisemiten. Freisinnige und Nationalliberale ständen in der Mitte, deshalb sollten fie fich nicht trennen, sondern vereinigen, denn die Grundsätze beider Parteien seien gar nicht so verschieden- eS habe fich bei den Landtagswahlen gezeigt, daß sonst wett von einander gehende Parteien zusammen gegangen seien, sogar in Darmstadt hätten sich Freisinnige und Antisemiten zu einem Wahlcomltö vereinigt, warum feien denn aber die Parteien gegen die National- liberalen? In der hessischen Kammer seien die National- liberalen vielfach mit den Freisinnigen zusammengegangen- warum könne man fich bei der bevorstehenden Wahl nicht einigen, da sowohl Freisinnige wie Nationalliberale Gegner der Antisemiten und Socialdemokraten seien. Redner legt im Weiteren dar, daß für den Niedergang der Nationalliberalen gar keine Anhaltspunkte vorhanden seien. Falsch sei es, bei der kommenden Reichstagswahl, die ohne Zweifel zu einer Stichwahl führe, die Kräfte zu meflen, dazu seien die Wahlen nicht da, sondern fie sollten ein practischeS Resultat ergeben- daS zwecklose Krästemeffen führe zum Verlust an Zeit, Arbeit und Stimmung- nicht Aufgabe einer Wahl sei eS, die Leidenschaften aufzurühren, richtiger wäre eS, schon 14 Tage vor der Wahl aufzuhören und fich die Sache in Ruhe zu überlegen. Angesichts der Gefahr, daß entweder die Socialdemokraten oder die Antisemiten siegen, sei e4 doch wohl am Platze, fich zu vereinigen. Es seien auf dem nationalliberalen Delegirtentage zu Berlin viele Dinge besprochen worden, bezüglich deren man sagen könne, daß fie fich mit den Ansichten der freisinnigen Partei decken. Er bitte dringend, daß sich die Freisinnigen mit den Nationalliberalen diesmal verbinden zur Wahl eines Mannes, der ebenso entschieden die Antisemiten wie die Socialdewokraien bekämpfe. Er wolle die Freisinnigen nicht um ein Mandat bringen, verkenne auch die Bedeutung der Partei im Reichstage nicht, aber es sei nicht zu verkennen, daß eine freisinnige Vertretung nicht für jeden Wahlkreis passe« Die Nationalliberalen hätten öfters die Freisinnigen unterstützt. Er wünsche dcm Reichstage einen Zuwachs aus der Mitte der Bevölkerung und deshalb empfehle er Herrn Meinert, er hoffe, daß sich Alle zuiammenfinden zur Wahl teSselbeu, die wie er, entschiedene Gegner von Antisemiten und Socialdemokraten find, eS sollten hintenangesetzt werden alle Partei« rückfichten- auf Herrn Metnert sollen sich die Stimmen bereinigen, weil er die Mehrheit derselben hinter fich habe, und zwar schon bei der ersten Wahl. Er ersuche die An« wesenden, mit ihm anzustoßen darauf, daß Herr Meinert bald wieder gesund und am nächsten Donnerstag auch gewählt werde. (Bravo.) — Herr Prof. Dr. Wimmert auer schloß hierauf die Versammlung, Herrn Dr. Osann im Namen deS nationalliberalen Vereins für deffen Vortrag den Dank abstattend, lieber die Parteigegensätze hinweg sei daS in den Vordergrund zu stellen, was die Partei eint. Die Stadt Gießen habe sich niemals tn ihrer Vaterlandsliebe übertreffen taffen, daß dies auch fernerhin so bleiben möge, wolle zum Ausdruck gebracht werden durch ein Hoch auf da- deutsche Vaterland und die Person dessen, der au der Spitze desselben stehe, Se. Majestät der Kaiser. — Nachdem daß Hoch verklungen, erkärte Herr Prof. Dr. Wimmenauer die Versammlung um 12»/, Uhr für geschloffen.
* ♦ Stadltheater. Dor beinahe ausverkauftem Hause ging gestern, gerade kein eigentliches Sonntagsstück, sondern Suder mannt „Glück im Winkel" tn Scene und erntete lebhafte Betfallsbezeugungen. Auf ein näheres Eingehen des Stückes und dessen Wiedergabe müssen wir diesmal verzichten, da unser ^Referent durch Unwohlsein abgehalten war, die Vorstellung zu besuchen.
• * Siadtlheater. Am Dienstag geht der lustige Schwank „Die Dragoner" von Bosse und Delavigne, über den wir bereits am Sonntag referirten, zum zweiten Male in Scene. — Da- Hauptereigniß dieser Theaterwoche bildet daS Gastspiel des Herrn OScar Bohnse, des ersten Helden und Liebhaber- vom Kölner Stadttheater. Derselbe tritt an zwei Abenden auf und zwar al- „Uriel Acofta" und als Konrad Bolz in Freytag» „Journalisten".
* • Eovcerl. Wie wir soeben erfahren, wird der Kgl. sächsische Kammer- und Kgl. preußische Hofopernsänger Paul Bueß in diesem Monat ein Concert hier geben. In allen Städten, in denen bis jetzt der berühmte Künstler ausgetreten
ist, bildeten die Concerte diese- einzig dastehenden Sänger- den Culminationspunkt der musikalischen Saison.
• • Soiree Fly und blade. Zu der für gestern Abend in „Steins Saalbau" angekündigten Vorstellung hatte fich ein den Saal bi- auf den letzten Platz füllende- Publikum eingefunden, welche- mit Interesse und Spannung die Vorführungen auf dem Gebiete deS Gedankenlesen-, der Gedankenübertragung, deS Spiritismus verfolgten. Alle Nummern deS reichhaltigen Programm- wirkten überraschend und wurden mit lebhaftestem Beifall seitens der Erschienenen bedacht.
• • Die landwitthschaftliche Versuchsstation Darmstadt hat im Jahre 1895 nach dem von dem Vorstand, Herrn Professor Dr. Paul Wagner, erstatteten Jahresberichte 3766 Einsendungen behufs Untersuchung erhalten und wird diese Ziffer im laufenden Jahr voraussichtlich eine Höhe von nicht weniger al- 4000 Nummern erreich n. Die Einsendungen bestanden aus 2817 Proben von Düngemitteln, 535 deSgl. von Futtermitteln, 350 deSgl. von Sämereien, 64 deSgl. von Erden, Weinen, Zuckerrüben und sonstigen Ernteproducten.
• * 6ine hübsche Spende. Dieser Tage erhielt, wie der „Darmst. Tgl. Anz." meldet, der Obmann deS Hessischen LandeS-Lehrervereins, Herr Oberlehrer BackeS in Darmstadt, von einem Vetter aus Segnin in Texas, Friedrich Fritz, 400 Mk. zugeschickt, die Letzterer zur Anschaffung eine- JnftrumevleS für daS Lehrerheim Vogelsberg bei Schotten bestimmt. F. Fritz wanderte im Jahre 1851 als armer Handwerker von Hattenrod bei Lich nach Texas auS und hat es dort durch Fleiß und Beharrlichkeit zu einem nicht unbedeutenden Vermögen gebracht. In dankbarer Anerkennung des „tüchtigen Unterrichts", den er s. Z. in feinem Heimathsdorfe genoffen, der ihm sein Vorwärtskommen möglich gemacht, will er in seinen alten Tagen ein Unternehmen der hessischen Lehrer unterstützen. Wir drücken, bemerkt genanntes Blatt, unserm braven LandSmaun über dem Ocean Im Geiste die deutsche Hand. '
* * Billiger Wein. Wir brachten vor einigen Wochen unter „△ AuS Rheinhessen", eine Notiz, wonach in Budenheim der halbe Liter Frühburgunder zu 9 Psg. verzapft werde. Dies hatte den Wirth eine- Nachbarorte- veranlaßt, dort anzufragen, da er mehrere Stück kaufen wolle. Darauf wurde ihm von dem Herrn Bürgermeister zu Budenheim folgende Mittheilung: „Auf Ihre Anfrage erwidere ich Ihnen, daß hier kein Wein zu 9 Pfg. da- halbe Liter ver« zapft wird. Die betr. Anzeige ist unrichtig. Die hiesigen Straußwirthe verzapfen Frühburgunder zu 25 Pfg. pro halben Liter."
- ö- AuS der Wetteran, 31. October. Von Wecke - - heim wird uns über einen Mordversuch berichtet, dem folgender Thatbestand zu Grunde liegen soll. — An genanntem Orte dienten bei einer Herrschaft ein Mädchen und ein verheiratheter Mann. Zwischen beiden entwickelte sich im Laufe der Zeit ein intime- Verhältniß, da- in btm betr. Frauenzimmer den Entschluß zur Reise brachte, die Ehefrau ihre-Liebhaber» au8 der Welt zu schaffen. Zu diesem Zwecke bediente fich die Person abgeschnittener PhoSphorköpse von Stretchfeuerzeug. Durch den intensiven Geruch und die Farbe der Dickmilch, in welche da- Gift gethan worden war, schöpfte da- au-ersehene Opfer Verdacht, und der Anschlag kam heraus. — Gerichtliche Untersuchung über diesen Fall ist bereits eingeleitet.
B. Bübingen, 30. October. Die Weinlese ist bei un- zu Ende. ES ist ungemein schade, daß der October nicht blieb, wie er sich anließ oder wie er nach der heutigen Witterung zu schließen, endigen wirb. In diesem Falle würden wir einen großartigen Herbst erzielt haben, denn die Traubenmenge, die wir ernteten, war trotz der schleckten Witterung etne sehr ansehnliche. Die Tafeltrauben verkaufte man vom Zeitpunkte der Reife an mit etwa 15 Psg. pro Pfund - die Keltertrauben gingen ungefähr mit 8 Mk. pro Centner ab. Daß letztere einen ziemlich bedeutenden Säuregehalt haben, ist begreiflich, da die- selbst in den feinsten Lagen am Rhein und an der Bergstraße der Fall tft. Die Winzer müssen daher beim Einlagern entsprechenden Wasser« und Z tckerzusatz machen, sonst wird der Most zu herbe. Der hiesige Wein eignet fich gut zu Verschnittweinen mit leichten Pfälzer Sorten, was aber keineswegs eine Paatscherei ist, wie manche Leute glauben wollen. Da- Rebholz sieht gut aus. Wenn die milde Witterung noch eine Zeit lang anhält, reift es vollständig au» und wird den Winter gut überstehen, so daß auch für nächste- Jahr wieder Au-ficht auf Ertrag vorhanden ist.
4- Bübingen, 31. October. Heute wurde der hiesige Steinhauer Br. auf Anordnung de- Großh. Unter uch^ngS- richters auS Gießen, der hier Vernehmungen vornahm, g e- fänglich eingezogen. Dem Vernehmen nach soll e- fich um eine Verleitung zum Meineid handeln.
Darmstadt, 31. Oktober. Acht Tage vor der Adresse hat der Kaiser von Rußland, der „D. Ztg." zu Folge, der Bürgermeisterei Darmstadt für die Armen der Stadt ein Geschenk von 2000 Mk. überreichen lassen.
Darmstadt, 31. October. Reglerung-rath Hermann Buchinger ist gestern einem Herzleiden erlegen. Er war al- tüchtiger VerwaltungSbeamter in weiteren Kreisen beliebt.
Darmstadt, 29 October. Eine drollige Geschichte pasfirte dieser Tage, nach den „N. Hess, volk-bl.", tn einem bekannten Städtchen de- südlichen Odenwald-. Dort hatten die Stammgäste einer Wirtschaft Lust bekommen, auch einmal Federwelßen zu trinken. Da die Reben in jener Gegend nicht vorhanden find, sah sich der Wirth veranlaßt, einen Ihm bekannten Weinhändler an der Bergstraße anzugehen. Er fragte telegraphisch bei demselben an, wie theuer der Centner Most zu stehen komme. Die Gewichtsangabe wählte er, well bekanntlich die Ohm an der Bergstraße verschieden nach Maß berechnet wird. Nach' einiger Zelt lief bte Antwort ein, die dahin lautete, der Prel- betrage 37 Pfennige.


