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03/11/1896 Erstes Blatt
 
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Nr. 259

Erstes Blatt«_____Dienstag den 3 November

1896

Der

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Gießener Anzeiger

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Gratisbeilage; Gießener Aamikienölätter.

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Amtlicher TheiU

Bekanntmachung.

Der Großh. Kreisveteriuärarzt Herr Dr. Neunh öffer zu Grllnberg ist bis zum 7. November l. IS. beurlaubt. Seine Vertretung für die Orte des Kreises Gießen hat der Großh. Kreisveterinärarzt Herr Professor Dr. Winckler zu Gießen übernommen.

Gießen, den 31. October 1896.

Großherzogliches KretSamt Gießen.

I. B.: Dr. Melior.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche zu Wieseck.

Nachdem in mehreren Gehöften zu Wieseck die Maul- und Klauenseuche amtlich feftgestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Gemarkungssperre angeordnet worden ist.

Gleichzeitig wird daS Verbringen von Milch in un­gekochtem Zustande aus der Gemarkung verboten.

Gießen, den 2. November 1896.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Bekanntmachung.

Die Maul« und Klauenseuche unter dem Viehbestände deS Händlers Hirsch Seligmann in Wetzlar ist wieder erloschen.

Gießen, am 31. October 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I 93.: Dr. Melior.

Bekanntmachung.

Zu Fauerbach v. d. H., Rockenberg, Groß« Karben und Vilbel, KretS Friedberg, und zu Raun« heim, Kreis Biedenkopf, ist die Maul- und Klauenseuche au-gebrochen und dielerhalb Gehöftsperre verfügt worden.

Gießen, am 31. October 1896.

Großherzogliches KretSamt Gießen.

I. D.: Dr. Melior.

Gießen, 30. October 1896.

Betr.: Die Anlegung von Dampfkesseln.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Wir sehen unS veranlaßt, die Beitimmung des § 21 der Verordnung vom 30. December 1891, wonach die den Gesuchen um Anlegung von feststehenden Dampfkesseln bei« zufügenden Pläne auf gutem, haltbarem Zeichenpapier oder auf PauSletnwand ausgesührt werden müssen, Pauspapier aber in keinem Falle hierzu verwendet werden darf, mit dem Anfügen in Erinnerung zu bringen, daß wir dem nicht ent« sprechende Pläne künftig zurückgeben werden.

Die Pläne und die Beschreibung müssen dem in der genannten Bestimmung angegebenen Format entsprechen und in doppelter Ausfertigung vorgelegt werden.

I. 93.: Dr. Melior.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. October. Der Kaiser ist heute Morgen 8 Uhr auf der Wildpark-Station eingetroffen, woselbst er von der Kaiserin empfangen wurde.

Berlin, 31. October. Die Verhandlungen betreffend die Beilegung der deut sch-russischen Zollstreitig« keiten haben begonnen und zwar werden dieselben zwischen der russischen Botschaft und dem deutschen Zollamt geführt. Da beiderseits großes Entgegenkommen an den Tag gelegt wird, so hofft man, daß die Verhandlungen bald zu einem befriedigenden Abschluß gelangen. Deutschland wird das Einfuhr-Verbot auf Schweine aufheben, während Rußland seine Repressalien beseitigen wird.

Berlin, 31. October. DaS Deutsche Reich wird auf der Pariser Weltausstellung feine socialpolitifche Gesetz­gebung zur Anschauung bringen und zwar ist, wie der ^Local-Anz." erfährt, der Wunsch hierzu von Paris auS- gegangen, in Erinnerung an die feiner Zeit von Kaiser Wilhelm etnberufene internationale Arbeiterschutz-Conferenz.

Berlin, 31. October. Der Raubmörder Bruno Werner wird heute Vormittag von der Criminalpoltzei eingehend vernommen und nach dem neuen FestftellungS- »erfahreu gemessen und für daS Verbrecher-Album Photo«

graphirt werden. Alsdann wird er nach dem UntersuchungS- Gefävgniß in Moabit gebracht.

Berlin, 31. October. Der Mörder Werner hat feine Aussagen schon wesentlich modificirt, er gibt jetzt die Möglichkeit zu, daß er den Justizrath Levy erstochen habe.

Berlin, 31. October. Als Verfertiger und BerauSgaber der feit 1894 in Berlin und andern Städten Preußens um« laufenden falschen 100 Mark-ReichSbanknoten find nunmehr die Gebrüder Jarosch ermittelt und fest­genommen worden. Bei der Verausgabung solcher Scheine find der Zeichner Burggraf und dessen Frau bereits am 14. November 1895 ergriffen und dann verurtheilt worden.

Berlin, 31. October. Neueren Mittheilungen zufolge ist das Befinden des Oberstcommandirenden in den Marken, Generalobersten Fretherrn Don Coe leider so wenig zufrieden­stellend, daß er demnächst wohl seinen Abschied nehmen dürfte.

Berlin, 31. October. Betreffs des dem BundeSrathe vorliegenden Gesetzentwurfs über die Reform des Militär- strafverfahrens erfährt dieNationalzeitung", daß zur Zeit feine Geheimhaltung erfolgt, weil noch nicht zu über­sehen ist, ob sich etwa zwischen ^den Regierungen Meinungs­verschiedenheiten über ihn ergeben werden. Sobald dies auSgeschloffen erscheint, würde er veröffentlicht werden.

Berlin, 31. October. Wie daSBerliner Tageblatt" erfährt, soll die Reform der Criminalpoltzei in einer Reihe von Conferenzen, die auf Veranlassung des Ministers deS Innern in den nächsten Tagen stattfinden, einer Berathung unterzogen werden.

Wiesbaden, 31. October. Der Kaiser von Rußland hat dem Regierungspräsidenten v. Tepper-LaSkt den St. StantSlauSorden erster Klasse verliehen.

Leipzig, 31. October. DieLeipz. Reuest. Nachr." melden, daß der in Dresden gebildete Ehrengerichtshof der Anwaltskammer des Königreichs Sachsen gegen Dr. Hans Blum auf Ausschließung desselben au» dem AnwaltS- ftan de erkannt hat. Es handelte sich um einen Proceß auS dem Jahre 1886, in dem Dr. Blum weder Abrechnung er­stattete, noch den Ueberschuß der Kosten abgeliefert haben soll. In mehreren anderen Processen soll Dr. Blum zu viel Kosten berechnet haben. Dr. Blum hat gegen das Erkennt- niß bei dem Ehrengertchtshofe deS ReichS-GertchtS sofort Be­rufung eingelegt.

Heilbronn, 31. October. Der um 8 Uhr Abends von hier nach Hall abgelassene Personenzug ist bet Weinsberg mit dem abgerissenen und auf starkem.Gefälle zurückrasenden Theil eine- vorausgegangeneu GüterzugeS zusammen­gestoßen. Drei Todte und zahlreiche Verwundete, die hierher gebracht wurden, find bis jetzt festgestellt, der Material­schaden ist groß. Die Geleise find gesperrt.

Au-lau-.

Lewberg, 31. October. Der Dorfschmied Gorgel wurde vom hiesigen Schwurgericht zu zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt, weil er 500 galizische Bauern zur Aus­wanderung nach Brasilien überredet hatte.

Budapest, 31. October. Der ungarische Finanzminister wird sich nach gänzlichem Abschluß der ReichStagS- wahlen in der nächsten Woche nach Wien begeben, um mit dem österreichischen Finanzminister über schwebende Ausgleichs­fragen insbesondere über Erneuerung deS Bank-PrtvilegtumS zu conferiren.

Rom, 31. October. Die liberalen Blätter widmen dem Cardinal Hohenlohe, welcher wegen seiner politischen Ge­sinnung sehr beliebt war, herzliche Nachrufe. Der Cardinal, der von sprichwörtlicher Freigebigkeit war, hinter­läßt kein Vermögen. Im Vatikan wurde die Nachricht von seinem Tode kühl ausgenommen. Man grollte ihm wegen seiner Freundschaft mit CrtSpi und seiner Sonderstellung in der römischen Frage.

Rom, 31. October. Nachrichten auS Syrien zu Folge wurden daselbst 19 italienische Arbeiter von Kurden ermordet.

Brüffel, 31. October. Nach der Militär-Vorlage soll die gesammte Stärke der activen Infanterie 17 000 Mann betragen und die Ausbildungszeit 18 Monate. Ein neue- Linieu-Rrgiment und ein Carabinieri-Bataillon sollen gebildet werden.

Paris, 31. October. Der verstorbene Challemel- Lacour hat fein ganzes Vermögen im Betrage von 300 000 FrcS. den Armen deS 10. Wahlbezirk- vermacht.

Paris, 31. October. Der Bischof von Valence, Namen- Cotton, hat aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt.

Paris, 31. October. Die Kammer begann heute die Berathung der Vorlage betreffend die Kunstweine.

Paris, 31. Oktober. AuS verschiedenen Ortschaften an der Seine laufen Meldungen von Ueberschwemmungen ein. Für morgen befürchtet man den höchsten Wafferstand, welcher bisher vorgekommen ist, nämlich 5,30 Meter. Die Polizei trifft umfassende Vorsichts-Maßregeln.

Madrid, 31. October. Die Stadt Sevilla ist durch einen furchtbaren Wirbelsturm heimgesucht worden. Zahl­reiche Häuser find eingestürzt und viele Personen wurden getödter oder verletzt. Die Panik ist unbeschreiblich.

London, 31. October.Daily Graphit" stellt ein­gehende Betrachtungen über die Wahlen in den Ver­einigten Staaten an, und kommt zu dem Schluß, daß Mac Kinley mit 238 gegen Bryan, welcher 290 Stimmen er­halten dürfte, zum Präsidenten gewählt werden wird.

Petersburg, 31. October. In hiesigen officiellen Kreisen wird bestimmt angenommen, daß die Ernennung eines Ministers des Aeußern unmittelbar nach der Rückkehr des Zaren stattfinden werde. Als hierzu auSersehene Personen kämen nur in Frage der russische Botschafter in Wien und Schischkin.

Konstantinopel, 31. October. Die Pforte richtete eine scharfe Protestnote an die französische Botschaft wegen der Schießübungen, die die französischen Stationsschiffe bei den Prinzen-Jnseln vorgenommen haben, wodurch die türkische Bevölkerung unnöthiger Weise in Aufregung versetzt worden sei.

Washington, 31. October. Senator Quay telegraphirte an einen Freund, im Staate Illinois werde Mac Kinley eine Majorität von 50000 Stimmen haben - West-Virginien werde sicherlich für Mac Kinley stimmen. Er wolle mit den Anhängern BihanS jede Wette auf die Wahl Mae Kinleys eingehen. Der frühere demokratische Gouverneur von Mil­waukee Peck hat die Ansicht geäußert, die Deutschen im Staate Wisconsin, welche die Hälfte der Bevölkerung auS-- machen, würden für Mac Kinley stimmen.

Depeschen des BureauHerold".

Hamburg, 1. November. DieHamburger Nachrichten" bringen ein Poftscriptum zu ihrem gestrigen Artikel: Warum soll Bismarck daS Bestreben gehabt haben, den von ihm allein geschaffenen Dreibund zu zerstören? Derselbe fei keine ErwerbSgenoffenschaft, sondern eine defensive Friedensgarantie. Seiner Aufgabe, Europa den Frieden zu erhalten, würde er noch immer gewachsen sein, auch wenn seine Mitglieder einzeln oder solidarisch sich auf ähnliche Rückoerficherungen gegen Agresfiv'Kriege einlaffen, wie diejenige, deren Existenz der Regierung Kaiser Wilhelm I. jetzt so heftig zum Vorwurf gemacht wird.

München, 1. November. Gestern beging der Haupt- kasfirer der bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, Carl Klocker, welcher bereits eine 25jährige Thäligkeit bei dem genannten Institut hinter sich hat, Selbstmord. In letzter Zeit ließ er fich Veruntreuungen zu Schulden kommen. Ueber deren Höhe konnte bis jetzt noch nichts festgestellt werden.

Bern, 1. November. Rußland hat feine Bereitwillig­keit zu erkennen gegeben, in die Revision der Genfer Convention betreffend die Verbesserung des LoofeS der im Kriege verwundeten Militärs zu willigen. Man hofft, daß auch die übrigen Staaten dem Beispiel Rußlands folgen werden.

Rom, 1. November. CriSpi sandte dem deutschen Reichskanzler ein Telegramm, worin er ihm in den herz­lichsten Worten sein Beileid anläßlich deS Todes des Cardi­nals Hohenlohe ausspricht.

Rom, 1. November. Im Auftrage des deutschen Reichs­kanzlers entsiegelte gestern der preußische Gesandte beim Vatican, v. Bülow daS Testament des verstorbenen Car­dinal» Hohenlohe. Zum Universalerben ist der bisherige Secretär desselben eingesetzt. Dieser erklärte, die Erbschaft nur dann antreten zu wollen, wenn die Angehörigen deS Verstorbenen keinen Einspruch erheben würden.

Berlin, 2. November. Die hier lebenden Franzosen veranstalteten gestern eine Todtevfeier auf dem Garnison« Friedhöfe für die 1870/71 als Gefangene hier verstorbenen Landsleute. Etwa 50 Herren und Damen legten eine Anzahl Kränze nieder, welche mit der Tricolore geschmückt waren.

Hamburg, 2. November. Als Veranlaffung zu den Enthüllungen bezeichnen dieHamb. Nachr." die fort­gesetzten Geschichtsfälschungen, welche von der Presse derart betrieben werden, daß die Regierung Wilhelms I. und seines