Ausgabe 
3.9.1896 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

9lon« l. Sepember. DaS Gerücht, der Zar werde dem italienischen KöaigSpaore einen Besnch abstatten, tritt hier wieder bestimmter ans.

No», 2. Sptember. Die Meldungen ans Ron« ftanttnopel, welche auf dem Tonsulat eingelanfen find, lauten nicht besonder- bernhigend. Die Großmächte find jedoch, wie hier verlautet, dahin übereingekommen, auf jeden Fall eine Wiederholung der Greuelsceneu zu verhindern.

No«, 1. September. Die Nachrichten, welche gestern au» Rio de Janeiro eingetroffen find, laffen die dortige Situation viel ernster erscheinen, als bisher angenommen wurde. Obschon in den Küftenstädten die Ruhe wieder her- gestellt ist, so soll doch die Hetze gegen die italienischen Ar« beiter ungestraft fortdauern.

Brüffel, 1. September. Prinz Albert wird am Freitag zur Lheilnahme an den Kaisermanövern nach BreSlan abreifen. , ,, . . -

Paris, 1. September. Die Blätter empfehlen fast alle als Nachfolger des Fürsten Lobanow den hiesigen russischen Botschafter Baron Mohrenheim.

Paris, 1. September. DerTempS" meldet aus Galata: Gestern Abend wurde aus einem Fenster eine Bombe geworfen. Dieselbe platzte und verwundete mehrere Personen. Die Volksmenge erstürmte sofort die Treppen deS Hauses und tödtete dabei einen Armenier. Drei andere schleppten fie ins Gefängniß.

Paris, 1. September. DaS Haupt.TageSereigmß bildet der Tod des Fürsten Lobanow. Einstimmig wird er­klärt, obschon Fürst Lobanow nicht mehr ist, so wird sein Werk ihn doch überleben. DerTempS" schreibt: Gemäß einem bestimmten Willen deS Zaren hat der Fürst das franco-rusfische Einvernehmen enger geschloffen, befestigt und vergrößert. Der Minister, welcher nicht mehr lebt, war der Mann der Schöpfung einer Politik, die sich in die Worte zusammenfaffen läßt:Herzliches Einvernehmen Frankreichs mit Rußland und Aufrechterhaltung deS europäischen Gleich­gewichts." Deßhalb, fährt derTempS" fort, werde diese Politik, welche auch diejenige deS Zaren gewesen und die in den Traditionen Rußlands begründet sei, auch durch den Tod eines Mannes nicht untergehen.Liberte" undDebatS" sprechen sich ähnlich auS.

Paris, 1. September. Der Sultan von Zanzibar hat dem Präsidenten Faure seine Thronbesteigung au- gezeigt. _____________

Darmstadt, 2. September. Der Großherzog, die Großherzogin und die Prinzessin Victoria von Battenberg sind gestern Abend incognito nach Italien abgereist.

Berlin, 2. September. Eine besondere Prüfungö- stelle für Nahrungsmittel soll im ReichSgesundheitS- amt errichtet werden.

Wie», 2. September. Der Se lbstmord des Mtllio- närS und BrauereibesitzerS Ritter von Mauthner- Markhof erregt allgemeines Aufsehen. Der Selbstmörder zeigte in letzter Zeit Spuren von Trübsinn.

Wien, 2. S-Ptember. Die von den Ortsgruppen Linz und W:lz drS Germanenbunde» geplante Sedanfeier wurde behördlich untersagt.

Brün», 2. September. Gestern Mittag entlud sich hier ein Wolkenbruch von heftiger Wirkung. Der Schaden ist noch unberechenbar.

Budapest, 2. September. Es ist endgiltig sestgestellt, daß außer den Königen von Serbien und Rumänien keine ausländischen Herrscher an der Feier beim Eisernen Thor theilnehmen werden.

CocaUs unt prwhijicUw#

Sieße», den 2. September.

* Oeffentliche Anerkennung einet edlen Thal. Se. Kgl. Hoheit der Grobherzog haben dem Taglöhner Johann Hof mach er in Mainz, in Anerkennung des von demselben bei der Rettung de» Schülers Karl Schmittlein vom Tode des Ertrinkens bewiesenen besonnenen und muthvollen Verhaltens eine Geldprämie zu verleihen und anzuerkennen geruht, daß bei der RettungSthat sich gleicherweise der Schiffer Iohann Andres in Mainz ausgezeichnet hat.

Schuldienstuachrichte». Am 22. August wurde der von dem Herrn Fürsten zu Stolberg Roßla Ortenberg auf die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Seemen, Kreis Schotten, präsentirte Schulamtsaspirant Philipp Sittel aus Worms für diese Stelle bestätigt.

* * Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer­wehren wurde ertheilt durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 11. Juli l. Js. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr der Saline Ludwig-Halle und der Gemeinde Wimpfen i. Th. Friedrich Bullin ger und Johann Müller von Wimpfen a. B., sowie Jean Gro- und Wilhelm Roßbach II. von Wimpfen i. Th.

Zur Erinnerung an de» Sedautag fand gestern Abend Glockenläuten, heute Morgen Ehoralmufik vom Thurme der Stadtkirche statt.

* Einjährig Freiwilligen Exame». Bei der gestern Vor­mittag in Darmstadt zu Ende gegangenen Herbstprüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erhielten von inSgesammt 24 zugelaffenen Examinanden 14 da» Reisezeugniß.

" LandlagSwahl. DaS Großh. Staatsministerium hat angeordnet, daß die Wählerlisten zur Wahlmänner- wähl Montag den 21. und Mittwoch den 23. September offen -u legen find. Die Wahlmäunerwahlrn sollen überall Montag den 6. October stattflnden.

* Zum Eommandeur der 25. Divifiou ist nach dem Militärwochenblatt" der Eommandeur der 26. Eavallerie» brigade, Generalmajor Müller, ernannt worden.

Unser Kochenmarkt. Nicht unintereffant dürfte e» ein, daran zn erinnern, daß eS cm 20. September d. I. 32 Jahre her find, daß unser alter Marktplatz das erste Mal durch den Lindenplatz eine Concurrenz erfuhr, wogegen die der Marktlauben dos reine Kinderspiel ist. Unter dem 13. September 1864 ordnete der damalige Polizeirath Nover an, da der Marktplatz der Stadt Gießen schon seit mehreren Jahren für die Abhaltung der Wochenwärkte nicht mehr au»- reiche, und nachdem durch die neuerdings erfolgte Psiasterung deS LmdenplatzeS und durch Entfernung der auf demselben gestandenen Pumpe ein zum Feilhalten von Lebensmitteln geeigneter Platz gewonnen sei, daß vom nächsten SamStag an der Wochenmarkt getheilt werden soll. Butter, Eier, Käse, Wlldpret und Federvieh bleiben auf dem Marktplatz (oorm Rathhause). Die Butterwaage bleibt ferner im Rathhause. Haben Verkäufer von Butter und Eiern gleich­zeitig auch Obst und Hülsensrüchte, so dürfen sie solche gleich­zeitig am Marktplatz zum Verkauf ausstellen. Gemüse jeder Art, auch Kartoffeln und Blumen müssen auf dem Linden- platz ausgestellt werden. Verkäufer von Holz und Kohlen heißt es weiter in der damals erlassenen neuen Wochenmarktordmmg, die im Ganzen neun Paragraphen umfaßt, haben fich wie seither am Kirchenplatz und am Kreuz auszustellen. Den Geschirr-Händlern verbleibt ihr alter VerkaufSplatz bei der Mäusburg offen. Die Polizeiverwaltung von damals schließt ihre Verordnung, indem fie ihrer Meinung wie folgt Ausdruck giebt: Die hier angeordnete Trennung deS Marktes kann dem ein- kaufenden Publikum in keiner Weife nachtheilig fein, weil beide Plätze nur wenige Schritte von einander entfernt find. Die Verkäufer aber können ihre Maaren auf den erweiterten Räumen bequemer auSlegen. ES liegt also im allseitigen Interesse, den getoffenen Anordnungen willig nachzutornmeu. Eine Strafandrohung wegen Zuwiderhandelns gegen diese Verordnung hielt das Polizeiamt von damals für nicht nöthig, wenigstens ist eine solche in der Verordnung nicht enthalten.

* Die Hausfrauen hiesiger Stadt und Umgebung machen wir auf die in vorliegender Nummer enthaltene Anzeige der Frankfurter Emailliranstalt aufmerksam. In der­selben werden sowohl Neu Emaillirungen wie Wiederherstellung von Küchengeschirr und HauSgeräthen, desgl. von gußeisernen Töpfen auSgeführt, ferner Emaillebilder. Die Frankfurter Emailliranstalt hat bei den Herren Jean Dem & (So. in Gießen eine Annahmestelle errichtet.

* Nachweis der Befähigung zur Ueberuahme eine» Kirchenamts, lieber den Besitz der nach Art. 1 und 4 deS Gesetzes vorn 5. Juli 1887, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betreffend, zur Ueberuahme eines Kircyen- amts nothwendigen Eigenschaften ist der Nachweis erbracht worden bezüglich der Candidaten der evangelischen Theologie: Eduard Becker auß Darmstadt, Eduard Tannen­berger aus Dieburg, Heinrich Engel auS Eberstadt, Heinrich Mischlich auS Nauheim, Arthur Müller aus Mainz, Arthur Römheld aus Darmstadt, Otto Sch aad aus Kaulftoß, Karl Scheuermann auß Danzig, Fritz Schmidt auß Eberstadt, Pet. Schweickert auß Rodau, Karl Sell aus Bensheim, Heinrich Weiß aus Bad Nauheim und Otto Will mann auS Steinfurth.

V. A. Arbeitgeber, vergeßt nicht die Versicherung der Arbeiter! Ständige Arbeiter, d. h. solche, welche in ein festes ArbeitSverhältniß auf mehr als eine Woche zu einem Arbeitgeber treten, müssen binnen drei Tagen bei der betr. Bürgermeisterei angemeldet und bet Beendigung der Beschäf­tigung binnen 3 Tagen daselbst abgemeldet werden. Die Meldung gilt stets für die Kranken und die Jnvaliditäts- unb Altersversicherung, außer bei solchen Personen, die nur einer der beiden Versicherungen unterließen; z. B. Lauf- freuen in der Stadt unterliegen nicht der Krankenversiche­rung, ebenso Dienstboten im Hause in solchen Orten, wo keine städtische Krankenanstalt besteht; anderseits sind alle Arbeiter unter 16 Jahren nicht pflichtig zur Invaliditäts- Versicherung. Bei diesen muß also nach Vollendung deS 16. Jahres eine nochmalige Meldung erfolgen. Der Arbeit­geber muß beim Eintritt den Arbeiter fragen, ob er eine Quittungskarte besitzt, sich dieselbe eventl. geben lassen und fie der Meldung beifügen. Erklärt dieser, seine Starte sei noch an seinem früheren Arbeitsort im Besitz des Rechners oder des Arbeitgebers, so muß er zur Einforderung daselbst angehalten, die Meldung darf aber nicht deshalb aufgeschoben werden. Der Meldestelle muß nur Mittheilung vom Der- bleib der Karte gemacht werden, dieselbe wird bann eben­falls Ermittelungen anstellen. Es ist ben Arbeitern bringenb zu rächen, bei Verlassen deS Arbeitsorts bie Quittungskarte bei dem Rechner zu holen. Dieser darf die Herausgabe nicht verweigern, auch dann nicht, wenn etwa bet Arbeit­geber bie Beiträge noch nicht bezahlt hat. Der Arbeitgeber darf bie Karte ebenfalls nicht zurückhalten, auch nicht wegen Gegenforberungen an ben Arbeiter, oder wegen Contract- brucheS desselben, darauf stehen Strafen und sonstige Nach­theile. Etwaige Kosten (Porto) muß derjenige tragen und ersetzen, welcher Schuld an der Verzögerung der Karten- ablirferung hat. Wenn der Arbeiter erklärt und nachweist, daß er Mitglied einer eingeschriebenen HülsSkaffe, welche dem § 75 bei K. V. G. genügt, ist, so muß bie Melbung für die Invalidität»Versicherung doch erstattet werden. Erklärt er, er sei freiwilliges Mitglied irgend einer Zwang»- kaffe an demselben oder einem anderen Ort, so muß bie Meldung trotzdem für Kranken- und JnvaliditätSverficherung erfolgen; diese freiwillige Versicherung entbindet also von nickt»; e» kommt häufig vor, baß Arbeitgeber sich in solchen Fällen herauf beschränken, dem Arbeiter ihren Beitrags- antheil zu zahlen. Wenn währenb der Beschäftigung ber Lohn bei Arbeiter» fich änbert, muß bie» gleichfalls ber Melbestelle mitgetheilt werben. Al» stänbig beschäftigt gelten auch WeiubergSaccordarbeiier. Dieselben finb unter Angabe ber Anzahl Morgen Wingerte, bie bebaut werden, zur JnvaliditätSverficherung anzumelden. Der Rechner er­bebt die Beiträge vom Wingertbefitzer am JahreSschluß,

indem er im Allgemeinen für 1 Morgen 5 Arbeitswoche** annimmt. Wer bie rechtzeitige, ordnungsmäßige Anmeldung unterläßt, ist strafbar unt muß der Krankenkasse alle Auf­wendungen für die Srankeuunterstützung des betr. Arbeiter» ersetzen; wirb bie Abmeldung unterlassen, so muß er neben der Strafe die Krankenversicherungsbeiträge bil zur that- sachlichen Abmeldung zahlen, wenn ber Arbeiter auch nicht solange beschäftigt war.

§ Leihgestern, 2. September. (Auch ein Jubiläum.) Arn 9. September werben eS hundert Jahre, baß bei un» eine Feuersbrunst wüthete, ber fast hunbert Gebäude zum Opfer fielen. Dieser Brand wird heute noch im Volks­mund der Franzosen-Brand genannt. Am 9. September 1796 erschien ein kleiner Trupp Franzosen, um zu brandschatzen. Die Einwohner, durch viele Kriegslasten erschöpft und iw Glauben, mit diesen paar Leuten fertig zu werden, griffen zu Mistgabeln, Sensen, wa» fie eben bei ber Hanb hatten nnb wollten die Franzosen verjagen. Wie thöricht eS war, fich gegen Kriegsvolk zu wehren, zeigte fich auch hier. Die Franzosen schoflen da» Dorf an mehreren Stellen in Brand unb damit noch nicht genug, stellten fie fich außerhalb desselben auf und wehrten den zur Hilfe herbeigeeilten Nachbarn die Löscharbeit, sodaß ber Branb fich Über bafl ganze Dorf aul- dehnte.

Nieder-Florstadt, 1. September. Bor einigen Tagen würbe hier eine israelitische Hochzeit gefeiert. Nach vollzogener Trauung wollten bie anroefenben Verwanbte» unb Gäste bem jungen Ehepaar ihre Glückwünsche berbringen. Aber bas junge Paar war plötzlich auS ber Mitte btr Hoch­zeitsgesellschaft verschwunben. Darüber allgemeine» Entsetzen unb große Bestürzung. Nur burch einen Zufall gelang el, bie Verschwundenen zu entbccken. Eine Dome, die zur Hoch­zeitsgesellschaft gehörte, wollte in einem neben dem Saal sich befindenden Zimmer ihre Toilette wechseln. Jedoch sie fand verschlossene Thüren. Auf ihr lange» unb laute» Poltern hörte sie von innen rufen:Wir find eingeschlossen". Sie erkannte sofort die holde Stimme ber jungen Ehefrau. Jetzt klärte fich bie Situation, ber amtirenbe Geistliche, ber bie Trauung vollzog, Rabbi Dr. H'rschseld auß Posen, z. Zt. in Gießen, hatte baß Ehepaar birect nach ber Trauung ein- geschlossen, weil, wie er auf Befragen erklärte, e» reltgionl- gesetzliche Vorschrift sei. Wohl ober übel mußten sich bie Hochzeitsgäste mit bieser eigenen Art, bie Trauung zu be­schließen, zufrieden geben. Oberheff. Anz.

Bingen, 30. August. Die Feier de» 50jährigen In- biläumß des Bingener Turnvereins nahm, vom Wetter begünstigt, einen glänzenden Verlauf. Gestern Abend bewegte sich ein von allen Vereinen ber Stabt gebilbeter Fackelzug durch die Straßen der Stadt und heute Mittag ging ei» Festzug nach dem Rochusberg, wo Preisturnen, Concert unb Volksbelustigungen in Gegenwart von vielen Taufenden Menschen veranstaltet waren.

Berlin, 31. August. In der Zeit vom 22. biß 28. b. MtS. gestaltete sich ber Verkehr nach unb von der Gewer b e-A uS stellun g folgenbermaßen: ES benutzten bie Eisenbahn nach Treptow 192 500, zurück 240 000 Personen, bie Straßenbahnen, Omnibus rc. nach Treptow 126 902, zurück 127 228 Personen, bie Schiffe nach Treptow 9061, zurück 5281 Personen. In den Hotels, Gasthöfen rc. wurde» 21 654 Fremde beherbergt.

Was man im Manöver Allel lernen kann. Lieutenant v. B., ein großer Liebhaber von Salaten, bekommt im Manöver bei einem Gutsbesitzer einen Salat vorgesetzt, der ihm ganz außerordentlich mundet. Donnerwetter, denkt er, wie könnte man wohl hinter baß Küchengeheirnniß einer solch vorzüglichen Präparation kommen? Heureka! jubelt er innerlich nach kurzer Pause und zur Tochter bei Hause» gewenbet sagt er galant:Aeh, gnädige» Fräulein, Haden wohl selbst diesen Salat angemacht, daß er so himmlisch schmeckt?"Keineswegs, Herr Lieutenant," erroiebert ihm trocken bie Schöne, ^allein unsere Köchin fügt dem zu ver­wendenden Essig und Oel stets einige Tropfen von Maggi'4 Suppenwürze bet." Seit dieser Zeit fehlte Maggi» Suppenwürze weder im Officiericafino ber Garnison de» Herrn Lieutenant, noch in dessen Privatwohnung.

Dasvaadel" der Priozefsin. DerFranks Zig." wird geschrieben: Man könnte bem nachstehenden Geschichte lein auch eine andere Spttzrnarke vorsetzen, etwa allgemeiner Art:Ländlich, sittlich", ober die specielle.Marktweib und Prinzessin", da zwei Vertreterinnen dieser sehr unterschied­lichen Stellungen darin die Hauptrollen spielen. In der Villa Seefeld bei Rorschach weilt wie alljährlich, auch diese» Jahr ber König von Württemberg mit seiner Familie in ber Sommerfrische. Dieser Tage nun mochte bet König mit seiner Tochter einen Gang burch bie Straßen Rorschachl- Während sie nun so gemächlich bahinschritten, kam ein Marktweib htnterbrein, dal scheinbar mit scharfen Augen für Toilettebinge ausgerüstet, bie Prinzessin anhtelt mit ben Worten:H e Jumpfere, en Bänbel hanget Ehna bo abe!" Die Prinzessin gerieth einen Moment in Ver­legenheit, ebenso war der König überrascht, doch hatte fich die resolute Censorin bereit» daran gemacht, die Sache m Ordnung zu bringen. Lachend dankten die Prinzesfin und ihr Vater der interimistischen Kammerfrau, welche fie auf eidgenössischem Boden gefunden.

Gemüthliche Hiudellbräuche scheinen in der Bretagne zu herrschen. In Port l'Abbee erschienen englische Kartcffelkäufcr und boten für den Levtner Kartoffeln 2,50 Fr- Die Bauern, die 3 Fr. forderten, waren über da» niedrige Angebot so erbittert, daß sie die Händler packten, zum Wasser schleppten und zu ersäufen drohten, wen» fie nicht 3 Fr. be­willigen würden. Die Engländer entgingen ber Lebens­gefahr nur, indem fie den geforderten Preis zugestanden.